Die Arbeit stellt den aktuellen Forschungsstand zum Thema Bildungsungleichheiten vor, um das Verhältnis von Bildungsabschlüssen und Freizeitverhalten zu untersuchen. Anschließend erfolgt eine theoretische Einbettung in die Arbeiten von Boudon und Bourdieu, auf deren Grundlage die Variablen ausgewählt und Hypothesen formuliert werden. Darauf folgt die Beschreibung der Variablen und ihre Operationalisierung sowie eine Beschreibung der Methoden. Im Anschluss werden die Ergebnisse der quantitativen Analysen dargestellt, welche wiederum im Fazit interpretiert werden.
Soziale Mobilität wird zwar nicht aktiv durch die Gesellschaft verhindert, sehr wohl wird sie jedoch durch ihre starren Mechanismen gehemmt. Soziale Aufsteiger, wie sie in Narrativen wie dem des Tellerwäschers zum Millionär propagiert werden, existieren zwar, sind aber keineswegs Beweise gegen diese Mechanismen, viel mehr untermauern sie diese. Denn betrachtet man biografische Etappen, wie den Wechsel zu einem Gymnasium, das Abitur, ein Studium, eine Promotion, den Berufseinstieg und eventuelle Karrierewechsel, so fällt auf, dass der Anteil der Personen aus sozial schwachen Verhältnissen mit jedem geschafften sozialen Aufstieg, abnimmt.
Dies gipfelt bei Betrachtung derer, die sich an der Spitze dieses Aufstiegs befinden. So haben 82 % der Abgeordneten des Bundestags von 2021 einen Akademischen Bildungsgrad, während es bei den Wählern, lediglich 18,5 % sind und während von den Repräsentanten jeder Fünfte promoviert ist, ist es bei den Repräsentierten lediglich jeder hundertste. Nun ist es noch keine Ungerechtigkeit, geschweige denn ein Problem, dass die Politik von den Gelehrtesten und mutmaßlich Klügeren, des Landes dominiert wird. Ungerecht wird es jedoch, wenn die Teilhabe denen verwehrt wird, welche nicht von Geburt an prädestiniert sind, eine akademische Laufbahn absolvieren zu können.
Inhalt
1. Einleitung
2. Theorie und Forschungsstand
2.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
2.2 Der Habitus und die Kapitalsorten
2.3 Hypothesen
3. Daten und Methoden
3.1 Datensätze
3.2 Methoden
4. Ergebnisse
4.1 Hypothese 1
4.2 Hypothese 2
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der sozialen Herkunft und des familiären Hintergrunds auf Bildungsungleichheiten und das Freizeitverhalten, mit dem Ziel, die Mechanismen hinter der Reproduktion dieser Ungleichheiten durch quantitative Analysen aufzudecken.
- Analyse primärer und sekundärer Herkunftseffekte nach Boudon
- Anwendung des Habitus- und Kapitalbegriffs nach Bourdieu
- Quantitative Auswertung von ALLBUS-Datensätzen (2014 und 2018)
- Zusammenhang zwischen elterlichem Bildungsabschluss und Bildungserfolg der Kinder
- Einfluss des Bildungsgrades auf das Freizeitverhalten (Kultureinrichtungen und Lesen)
Auszug aus dem Buch
2.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
Boudon unterscheidet zwei Faktorengruppen, um Unterschiede in der sozialen Schichtung zu erklären. Die primären und die sekundären Herkunftseffekte. Die primären Herkunftseffekte beschränken sich auf die unmittelbaren Gegebenheiten der Geburt und dem sozialen Umfeld des Individuums, und damit einhergehenden Vor- oder Nachteilen. (vgl. Boudon 1974, S. 29) In diesem Sinne äußern sie sich am stärksten in der Kindheit, und der Zeit in dem das Individuum noch stark mit der Rolle des Kindes seiner Eltern identifiziert wird. Sekundäre Herkunftseffekte bauen auf die primären auf, und zeigen eine biographische Beständigkeit. Diese sind weniger unmittelbare Ressourcen, als eher Einstellungen, Risikobewertungen und der Umgang mit Kosten, seien es klassische ökonomische Kosten, oder soziale Kosten. (vgl. ebd., S. 29 f.)
Die sekundären Herkunftseffekte äußern sich im Bildungsweg vor allem ab dem Zeitpunkt an dem SchülerInnen beginnen, eigene Entscheidungen für den weiteren Verlauf ihres beruflichen Werdegangs zu fällen und ziehen sich fortan durch die Biografie. Dabei fallen für verschiedene Schichtzugehörigkeiten, auch verschiedene Kosten an. (vgl. ebd., S. 30) Arbeiterkinder könnten sich so ohne weitere Kosten gegen einen Abschluss der allgemeinen Hochschulreife entscheiden, für die Kinder von Akademikern könnte dies soziale Kosten in Form eines Statusverlusts für sich selbst und die Eltern zur Folge haben. Im Gegensatz dazu fällt die Entscheidung für einen Universitätsbesuch den Kindern von Besserverdienenden leichter, als den Kindern von Geringverdienenden, da erstere sich weniger Sorgen um die ökonomischen Kosten einer längeren Ausbildung machen müssten, während letztere auf eine Ausbildungsvergütung und frühe Löhne angewiesen sein könnten. (vgl. ebd.) Sekundäre Herkunftseffekte äußern sich demnach in einer Art Kosten/Nutzen-Rechnung und Risikoabwägung für biografische Entscheidungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt den Kreislauf von Bildungs- und Lebensbenachteiligung dar und formuliert das Ziel, gesellschaftliche statt institutionelle Gründe für Bildungsungleichheiten mittels ALLBUS-Daten zu erforschen.
2. Theorie und Forschungsstand: Das Kapitel erläutert den aktuellen Forschungsstand zu Bildungsungleichheiten und bettet die Untersuchung theoretisch in die Konzepte von Boudon (Herkunftseffekte) und Bourdieu (Habitus und Kapitalsorten) ein.
3. Daten und Methoden: Hier werden die verwendeten ALLBUS-Datensätze (2014, 2018) beschrieben, die Variablen operationalisiert und die Wahl logistischer Regressionsmodelle für die statistische Auswertung begründet.
4. Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Regressionsanalysen präsentiert, die den signifikanten Zusammenhang zwischen elterlichem Bildungsabschluss, dem eigenen Bildungsstatus und dem Freizeitverhalten belegen.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt die aufgestellten Hypothesen über den Einfluss der Herkunft auf den Bildungsweg und das Freizeitverhalten, diskutiert die Grenzen der Datenbasis und plädiert für politisches Eingreifen zum Ausgleich sozialer Nachteile.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, primäre Herkunftseffekte, sekundäre Herkunftseffekte, Bourdieu, Habitus, Kulturelles Kapital, Bildungsgrad, ALLBUS, quantitative Forschung, logistische Regression, Freizeitverhalten, soziale Mobilität, Bildungssystem, Bildungsaspirationen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Ursachen von Bildungsungleichheiten in Deutschland. Dabei fokussiert sie insbesondere auf den Einfluss der sozialen Herkunft und des familiären Hintergrunds auf den akademischen Erfolg und das Freizeitverhalten von Individuen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentrale Themen sind die primären und sekundären Herkunftseffekte nach Boudon, das Habitus-Konzept sowie die verschiedenen Kapitalsorten nach Bourdieu im Kontext der Bildungsbiografie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie stark die Ausstattung mit kulturellem Kapital aus dem Elternhaus den Bildungsweg und die Freizeitpräferenzen eines Individuums beeinflusst, um den Kreislauf der Bildungsbenachteiligung besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine quantitativ-empirische Untersuchung, bei der Daten des ALLBUS (Allgemeine Bevölkerungsumfrage für Sozialwissenschaftler) aus den Jahren 2014 und 2018 mithilfe von logistischen Regressionsanalysen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einordnung, der methodischen Vorbereitung der Daten sowie der Präsentation und statistischen Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Hypothesen zu Bildungserfolg und Freizeitverhalten.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsbenachteiligung, Habitus, Kulturelles Kapital, soziale Herkunft und quantitative Bildungsforschung charakterisiert.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten?
Primäre Herkunftseffekte beziehen sich auf frühkindliche Ressourcen und Startchancen im Elternhaus, während sekundäre Effekte auf späteren, biographischen Risikoabwägungen und Kosten-Nutzen-Entscheidungen im Bildungsweg basieren.
Welche Rolle spielt das Freizeitverhalten bei der Untersuchung der Bildungsungleichheit?
Das Freizeitverhalten, etwa der Besuch von Museen oder das Lesen von Büchern, dient als Indikator für das inkorporierte kulturelle Kapital und den Habitus, womit statistisch überprüft wird, wie Bildung den Lebensstil prägt.
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- Lukas Rosenstock (Author), 2022, Bildungsabschlüsse und Freizeitverhalten. Zu den Ursachen von Bildungsungleichheiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1309778