1. EINLEITUNG
Dass eine Dichterfehde zwischen Reinmar von Hagenau beziehungsweise Reinmar dem Älteren und Walther von der Vogelweide, seinem Schüler, stattgefunden hat, wird vielerorts gemutmaßt und anhand einiger Textstellen auch nachgewiesen. Beide waren Minnesänger, die in ihren Liedern mit verschiedenen Eindrücken und Auffassungen auftraten und sich so, vielleicht auf einem „Dichterwettkampf“ vor dem Publikum, Wortgefechte lieferten um die rechte Minne, und darum, wie eine Dame behandelt werden müsse, um bei ihr zum Erfolg zu gelangen.
Reinmar sang so immer wieder von seinen Misserfolgen, von den Damen, die ihn zurückgewiesen hatten und die er dennoch in alle Himmel hebt und beispielsweise als „oesterlicher tac“ bezeichnet.
Walther hingegen scheint mir gelassener, besingt seine Dame und bekommt – seien es auch nur kleine, aber dennoch – Belohnungen.
Nun bleibt aber die Frage, wie die beiden, mit welchen Worten und welchen Inhalten sie um die Damen warben und damit zusammenhängend, welche Rolle die Frauen in der Fehde spielten.
So werde ich mich zu Beginn mit dem Begriff der „Minne“ an sich beschäftigen und je zwei Lieder Reinmars und Walthers näher erläutern, um sie schließlich gegenüber zu stellen und die, so erwarte ich, verschiedenen Frauenbilder, die verschiedenen Rollen der Dame in den Liedern der Sänger herauszufinden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. WAZ IST MINNE?
3. DIE ROLLE DER FRAU BEI REINMAR
3.1 Interpretation „Ich will allez gahen“ (M.F. 170,1), „Ich wirbe umb allez daz ein man“ (M.F. 159,1)
3.2 Interpretation „Lieber bote, nu wirbe also“ (M.F. 178,1)
3.3 Zusammenfassung
4. DIE ROLLE DER FRAU BEI WALTHER
4.1 Interpretation „Ein man verbiutet ane pfliht“ (L. 111,22)
4.2 Interpretation „Lange swigen des hat ich gedaht“ (L. 72,31)
4.3 Zusammenfassung
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Unterschiede in der Darstellung des Frauenbildes innerhalb der literarischen Dichterfehde zwischen den Minnesängern Reinmar von Hagenau und Walther von der Vogelweide. Im Fokus steht dabei die Analyse ausgewählter Lieder, um aufzuzeigen, mit welchen inhaltlichen Konzepten und Wortwahlen die beiden Dichter um die Gunst der Damen warben und welche Rollen die Frauen in diesem literarischen Diskurs einnahmen.
- Vergleichende Analyse der Minnekonzepte bei Reinmar und Walther
- Untersuchung der sozialen Rolle und des Status der Frau in der Minnelyrik
- Parodistische Bezüge und literarische Antwortformen (z. B. "Gegenmatt!")
- Bedeutung der Tugendhaftigkeit als Schutz- und Abgrenzungsmechanismus
- Einfluss des Sänger-Text-Ichs auf die Wahrnehmung der Dame
Auszug aus dem Buch
3. DIE ROLLE DER FRAU BEI REINMAR
Da die beiden Lieder „Ich will allez gahen“ (bei Carl von Kraus: „Der Ostertag“) und „Ich wirbe umb allez daz ein man“ („Matt!“) in meinen Augen eine Einheit bilden, wie auch Walther später in seinem „Ein man verbiutet ane pfliht“ („Gegenmatt!“) auf beide zusammen reagiert, werde ich sie an dieser Stelle gemeinsam betrachten.
In Strophe 1 und 2 von „Ich will allez gahen“ begegnet man einem Text-Ich, das hineilen will zu seiner Liebsten, die sich im Verlauf der Strophe jedoch als Dame entpuppt, um die es unaufhörlich wirbt und bei der es die Hoffnung nicht aufgibt, eines Tages doch noch auf Gegenliebe zu stoßen.
Doch versuoche ichz alle tage und dien ir so dasz ane ir danc mit fröiden muoz erwenden kumber den ich trage. (M.F. 170, 1)
Bis dahin ist es glücklich und unterbindet seinen Kummer, wenn sie nur da ist und das Text-Ich sie betrachten und ihr dienen kann. Und schließlich entdeckt es die Wirkung, die Loblieder auf eine Frau haben können. Die darauf folgende Strophe bringt, so Reichert, die für Reinmar typische Überhöhung der Dame, welche somit alle anderen und alles andere übertrifft und als Einzig gesehen werden kann. Der Vergleich „ôsterlîcher tac“ stammt von Heinrich von Morungen und stellt die genannte Dame somit dem österlichen Fest der Auferstehung Christi, zugleich dem höchsten Fest der Kirche, gleich. Diese Überhöhung lässt schlussfolgern, wie unerreichbar sie ist und so wird dem Publikum sehr schnell klar, wie aussichtslos das Werben des Sängers ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Dichterfehde zwischen Reinmar und Walther sowie Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der unterschiedlichen Frauenbilder.
2. WAZ IST MINNE?: Erläuterung des Minnebegriffs und der Rolle des Minnesängers sowie der Konstituenten eines Minneliedes wie Hof, Liebe und Dame.
3. DIE ROLLE DER FRAU BEI REINMAR: Analyse von Reinmars Lieder durch den Fokus auf die unerreichbare, überhöhte Dame und die Thematik der tugendhaften Distanz.
4. DIE ROLLE DER FRAU BEI WALTHER: Untersuchung der Reaktion Walthers auf Reinmar, insbesondere durch Parodie und die Einbeziehung der Perspektive der Frau.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse über die gegensätzlichen Ansätze von Reinmar (Klagen/Überhöhung) und Walther (Maßhalten/Realismus) in der Darstellung von Frauen.
Schlüsselwörter
Minnesang, Reinmar von Hagenau, Walther von der Vogelweide, Dichterfehde, Frauenbild, Minne, Tugend, Minnelyrik, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Text-Ich, Gegenmatt, Liebeslyrik, Konventionen, Hofdichtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die literarische Auseinandersetzung (Fehde) zwischen Reinmar von Hagenau und Walther von der Vogelweide mit Fokus auf die unterschiedliche Darstellung der Frau.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind der höfische Minnebegriff, die Rollenverteilung zwischen Sänger und Dame sowie die literarische Selbstinszenierung der Dichter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Frauenbilder der beiden Sänger herauszuarbeiten und zu zeigen, wie Walther auf Reinmars Darstellung antwortet.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Interpretation ausgewählter Lieder unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur historischen Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Interpretation spezifischer Strophen, unterteilt in die Analyse bei Reinmar und die entsprechende Entgegnung bei Walther.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Dichterfehde, Minne, Tugend, Überhöhung und die kritische Distanz des Sängers zur eigenen Konstruktion der "Dame" gekennzeichnet.
Wie unterscheidet sich Walthers Umgang mit der "Dame" von dem Reinmars?
Während Reinmar die Dame massiv überhöht und unerreichbar stilisiert, zeigt Walther eine gelassenere, maßvollere Haltung und lässt die Dame teilweise ihre eigene (ablehnende) Position vertreten.
Was bedeutet die "Drohung" in Walthers sumerlatelied?
Das Lied ist eine Minneklage, in der Walther den "Realitätsbezug" thematisiert: Die Dame existiert nur durch seine Lieder; hört er auf, über sie zu singen, ist sie für das Publikum "gestorben".
- Quote paper
- Claudia Schöpke (Author), 2005, Die Rolle der Frau in der Reinmar-Walther-Fehde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131034