Facetten von Fremdheit


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Georg Simmel

3. Zur Person Alfred Schütz

4. Vergleich des Fremden bei Simmel und Schütz
4.1 Simmels Exkurs über den Fremden
4.2 Der Fremde bei Alfred Schütz
4.3 Der Begriff des Fremden bei Simmel und Schütz im unmittelbaren Vergleich

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Das Thema Fremdheit oder der Fremde hat in unserer heutigen Gesellschaft einen zentralen Stellenwert. In Zeiten der Globalisierung ist die Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen immer wichtiger. Man muss sich ständig neu orientieren und sich immer wieder neuen Situationen anpassen. Darüber hinaus muss man flexibel und offen für Neues sein, um in der heutigen, schnelllebigen Welt überleben zu können. Auf Grund dessen ist es sehr wichtig, sich soweit mit dem Thema Fremdheit zu beschäftigen, dass Vorurteilen, Ängsten und Zweifeln vorgebeugt werden kann denn jeden Tag begegnen wir dem Fremden, sei es auf der Straße, im Restaurant, bei der Arbeit oder im Studium. Aufgrund dessen ist das Thema der Arbeit: „Klassische Facetten von Fremdheit“ wie folgt ausgearbeitet, um Möglichkeiten einer näheren Bestimmung des Begriffes zu erläutern und zu analysieren.

Die Arbeit wurde in Anlehnung an das Proseminar „Das Eigene und das Fremde in der Soziologie“ verfasst.

Es sollen die Theorien der beiden Soziologen Georg Simmel und Alfred Schütz über Fremdheit verglichen werden. Darüber hinaus wird versucht Aufschluss über Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Fremden zu finden. Abschließend wird erprobt einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen.

Zunächst sollen die Personen Georg Simmel und Alfred Schütz ins Augenmerk geführt werden. Ihr Leben und ihre wichtigsten Werke werden kurz genannt, um dann auf den historischen Hintergrund einzugehen in welchem ihre großen Werke entstanden.

Anschließend sollen die Texte: „Exkurs über den Fremden“ von Georg Simmel und „Der Fremde“ von Alfred Schütz erläutert werden. Der Inhalt der Texte wird kurz formuliert um anschließend in einer Gegenüberstellung Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Fremdbildes herauszuarbeiten.

2. Zur Person Georg Simmel

Georg Simmel wurde am 1.März 1858 in Berlin geboren. Er wuchs im Stadtteil Westend auf und verbrachte dort den größten Teil seines Lebens. 1876 nimmt er das Studium der Geschichte, Völkerpsychologie, Philosophie und Kunstgeschichte an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin auf, welches er 1881 mit einer Promotion abschließt. Daraufhin habilitiert Simmel im Jahr 1885 und kurz danach beginnt er zunächst als Privatdozent und später als außerordentlicher Professor zu lehren. Doch weder als Privatdozent noch als Professor bezieht Simmel ein regelmäßiges Gehalt. Er bekommt ausschließlich Hörgelder, so dass seine finanzielle Lage nicht sehr gut ist. Als Simmel 56 Jahre alt wird, geht er an die Universität zu Straßburg und lehrt dort von 1914 bis 1918 am Lehrstuhl für Philosophie. Simmel stirbt am 26. September, vor Ende des Ersten Weltkrieges, in Straßburg.[1]

Birgitta Nedelmann betont besonders die Beeinflussung Simmels durch das Berliner Milieu.

„Das Berliner Milieu der Jahrhundertwende beeinflusst Simmels Denken, seinen Lebensstil und sein öffentliches Engagement maßgeblich. Nicht nur ist die „Großstadt“ einer seiner bevorzugten soziologischen Untersuchungsgegenstände, sondern Berlin wirkt auf ihn auch durch seine bildungsbürgerlichen Kreise, politischen Gruppierungen und Zeitgeistströmungen“[2]

Das Berliner Leben zur Zeit der Jahrhundertwende trägt also maßgeblich dazu bei, dass Simmel, geprägt durch das Leben in der Großstadt, sehr weltoffen ist. Jedoch gibt es auch negative Facetten des Berliner Lebens. Der Antisemitismus bildet sich im neunzehnten Jahrhundert heraus und beeinflusst das akademische und politische Leben in Berlin. Simmel ist von der Judenfeindlichkeit in zweierlei Hinsicht betroffen. Er wird von Zeitzeugen trotz seiner innovativen und subtilen Denkweise kritisch betrachtet und sein Denken wird nicht selten negativ bewertet. Außerdem scheitert seine Designation auf das Ordinariat für Philosophie in Heidelberg 1908 wegen antisemitischem Denken der damaligen Zeit.[3]

Simmel ist rechtlich gesehen zwar Berliner und somit deutscher Staatsbürger, trotzdem wird er durch das Denken während der Zeit des Antisemitismus psychologisch gesehen zum Fremden. Obgleich er in Berlin aufwuchs machte er Erfahrungen des Nichtdazugehörens und erfuhr das Fremde am eigenen Leib.[4]

Im Jahre 1933 werden Bücher von Simmel verbrannt und seine Hinterlassenschaft wird von der Gestapo beschlagnahmt und ist bis heute unauffindbar.

Für die Soziologie war Simmel ein „Pionier und Klassiker“[5] der mit Max Weber, Werner Sombart und Ferdinand Tönnies die Soziologie als eigenständige, empirische Wissenschaft formierte und die Institutionalisierung der Soziologie in der Gesellschaft vorantrieb.

Beeinflusst durch unterschiedliche wissenschaftliche und politische Einflüsse gelang es Simmel seine soziologischen Positionen zu entwickeln.

Besonders geprägt wurde er, so Nedelmann, durch folgende Personen und Denkrichtungen:

1. durch die Völkerpsychologie von Moritz Lazarus und Heymann Steinthal
2. durch die Evolutionstheorie Herbert Spencers
3. durch den Neukantianismus
4. und durch den Positivismus Wilhelm Diltheys[6]

Es soll jedoch hier nicht weiter ausgeführt werden inwiefern diese großen Denker Simmel beeinflussten, da der Umfang der Hausarbeit zu groß werden würde.

Von zentralem Wert für diese Arbeit ist der Text der klassischen Soziologie des Fremden den Simmel als, „Exkurs über den Fremden“ bezeichnete und der im Rahmen des Kapitels über den „Raum und die räumliche Ordnung der Gesellschaft“ in seiner Soziologie von 1908 erschienen ist.[7]

Dieses Werk gehört, so Nedelmann, noch heute zu den „ungehobenen Schätzen der klassischen soziologischen Literatur.“[8]

3. Zur Person Alfred Schütz

Am 13.April 1899 wurde Alfred Schütz als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren. Im Jahre 1917 erlangt er das Notmatura. Daraufhin meldet er sich als Soldat im 1. Weltkrieg und diente dort bis 1918. Er nimmt das Studium in Rechts- und Sozialwissenschaften an der Universität Wien auf.[9]

Im Jahre 1921 wird er Doktor der Rechtswissenschaft. Noch im selben Jahr wird er Sekretär bei der Bankvereinigung in Wien. Erst 1927 wechselt er als Prokurist zum Bankhaus Reitler & Co. Dort bleibt er bis ins Jahr 1952. Neben seiner Arbeit besucht Schütz Vorlesungen an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität. Hier beginnt im Jahre 1922/23 sein „Doppelleben“: Tagsüber als Finanzjurist, Nachts und an den Wochenenden als Wissenschaftler. Das erste große Werk von Schütz, so Endreß, ist der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, welches im Frühjahr 1932 in Wien erscheint. Durch diese Arbeit gewinnt er Zutritt in die phänomenologische Bewegung von Edmund Husserl.

Noch bevor der zweite Weltkrieg ausbricht, flieht Schütz mit seiner Familie nach New York. Dort findet Schütz Anschluss an die Amerikaner Marvin Faber und Dorion Cairns, doch sein Augenmerk richtet sich besonders auf die Theorie von Talcott Parsons und dessen Arbeit: „The Structure of Social Action“. Im Anschluss an diese Theorie verfasst Schütz eine Beurteilung über diese. Schütz Karriere durchläuft nun mehrere Ebenen. Zuerst wird er im Jahr 1943 Lecturer für Soziologie. Ein Jahr später wird er Visiting Professor und 1952 wird er zum Full Professor für Soziologie und Sozialpsychologie ernannt. Dieser akademische Aufstieg ist für einen Emigranten aus Europa eine Ausnahme.

Neben seinen Freundschaften zu anderen Emigranten wie Voeglin, Gurwitsch, Haberler gibt es noch eine zweite sehr einflussreiche Linie in seinem Leben. Die aus den USA stammenden pragmatischen Traditionen der amerikanischen Philosophen Wiliam James und James Dewey und die entsprechenden Orientierungen der Soziologie von Cooley, Mead und der Chicagoer School, haben großen Einfluss auf Schütz.

Erst kurz vor seinem Tod beginnt Schütz sich mit eigenen Problem- und Fragestellungen auseinanderzusetzen und diese zu bearbeiten. Im Jahr 1959 stirbt Alfred Schütz in New York.[10] Sein Hauptwerk, die Untersuchung der alltäglichen Strukturen der Lebenswelt, blieb unvollendet, seine Arbeiten waren auf unterschiedliche Orte zerstreut und relativ unbekannt. Dies hat sich aber heute geändert. Er ist zum Mitbegründer der methodologischen Diskussion in der Sozialwissenschaft geworden.[11] Sein Werk, mit dem sich im Folgenden auseinandergesetzt wird, wurde 1972 in Schütz Gesammelten Aufsätzen abgedruckt. „Der Fremde“ ein sozialpsychologischer Versuch wird im weiteren Verlauf der Arbeit dargestellt.

[...]


[1] Vgl.: Nedelmann, Birgitta, „Georg Simmel“, in: Kaesler Dirk (Hrsg.) Klassiker der Soziologie – Von Auguste Comte bis Alfred Schütz, 4.Auflage, München: Beck (2000), S.127-149.

[2] Nedelmann, Birgitta, „Georg Simmel“ (2000) S.127.

[3] Vgl. Ebd. S.129.

[4] Loycke, Almut, „Der Gast, der bleibt“, Dimensionen von Georg Simmels Analyse des Fremdseins Frankfurt/Main; New York: Campus Verlag; Paris: Ed.de la Maison des Science de l`Homme, 1992, S.111/112

[5] Vgl. Nedelmann, Birgitta, „Georg Simmel“ (2000) S.130.

[6] Ebd. S. 131.

[7] Vgl. Nassehi, Armin, „Der Fremde als Vertrauter“, Soziologische Beobachtungen zur Konstruktion von Identitäten und Differenzen, In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 47.Jahrgang, 1995, S.444

[8] Rammstedt, O., Georg Simmel, in: Soziologie. Special Edition, 1994, 3, S.103-113, In: Nedelmann, Birgitta, „Georg Simmel“, in: Kaesler Dirk (Hrsg.) Klassiker der Soziologie – Von Auguste Comte bis Alfred Schütz, 4.Auflage, München: Beck (2000),S.141

[9] Vgl. Endreß, Martin, „Alfred Schütz“, in: Kaesler Dirk (Hrsg.) Klassiker der Soziologie – Von Auguste Comte bis Alfred Schütz, 4.Auflage, München: Beck (2003),S. 334-353

[10] Vgl. Endreß, Martin, „Alfred Schütz“, S. 334-353.

[11] Vgl. Grathoff, Richard. „Einführung in die phänomenologische Soziologie und die sozialphänomenologische Forschung“, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main (1989) S.17.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Facetten von Fremdheit
Hochschule
Universität Trier
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V131078
ISBN (eBook)
9783640409778
ISBN (Buch)
9783640409877
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Facetten, Fremdheit
Arbeit zitieren
Mira Düpre (Autor:in), 2007, Facetten von Fremdheit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131078

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