Das Thema Fremdheit oder der Fremde hat in unserer heutigen Gesellschaft einen zentralen Stellenwert. In Zeiten der Globalisierung ist die Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen immer wichtiger. Man muss sich ständig neu orientieren und sich immer wieder neuen Situationen anpassen. Darüber hinaus muss man flexibel und offen für Neues sein, um in der heutigen, schnelllebigen Welt überleben zu können. Auf Grund dessen ist es sehr wichtig, sich soweit mit dem Thema Fremdheit zu beschäftigen, dass Vorurteilen, Ängsten und Zweifeln vorgebeugt werden kann denn jeden Tag begegnen wir dem Fremden, sei es auf der Straße, im Restaurant, bei der Arbeit oder im Studium. Aufgrund dessen ist das Thema der Arbeit: „Klassische Facetten von Fremdheit“ wie folgt ausgearbeitet, um Möglichkeiten einer näheren Bestimmung des Begriffes zu erläutern und zu analysieren. Die Arbeit wurde in Anlehnung an das Proseminar „Das Eigene und das Fremde in der Soziologie“ verfasst. Es sollen die Theorien der beiden Soziologen Georg Simmel und Alfred Schütz über Fremdheit verglichen werden. Darüber hinaus wird versucht Aufschluss über Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Fremden zu finden. Abschließend wird erprobt einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen. Zunächst sollen die Personen Georg Simmel und Alfred Schütz ins Augenmerk geführt werden. Ihr Leben und ihre wichtigsten Werke werden kurz genannt, um dann auf den historischen Hintergrund einzugehen in welchem ihre großen Werke entstanden. Anschließend sollen die Texte: „Exkurs über den Fremden“ von Georg Simmel und „Der Fremde“ von Alfred Schütz erläutert werden. Der Inhalt der Texte wird kurz formuliert um anschließend in einer Gegenüberstellung Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Fremdbildes herauszuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Person Georg Simmel
3. Zur Person Alfred Schütz
4. Vergleich des Fremden bei Simmel und Schütz
4.1 Simmels Exkurs über den Fremden
4.2 Der Fremde bei Alfred Schütz
4.3 Der Begriff des Fremden bei Simmel und Schütz im unmittelbaren Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die soziologischen Theorien von Georg Simmel und Alfred Schütz zum Phänomen des "Fremden" systematisch zu vergleichen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herauszuarbeiten und die Relevanz dieser klassischen Konzepte für die heutige Gesellschaft zu reflektieren.
- Biografische Hintergründe und Einflüsse von Georg Simmel und Alfred Schütz
- Analyse von Simmels "Exkurs über den Fremden"
- Untersuchung von Schütz' sozialpsychologischem Verständnis des Fremden
- Gegenüberstellung der beiden Theorien zur Fremdheit
- Reflektion der Bedeutung von Fremdheit in modernen Gesellschaften
Auszug aus dem Buch
4.1 Simmels Exkurs über den Fremden
Bei Georg Simmel ist der Fremde nicht der Wandernde, der heute kommt und morgen geht, sondern der, der heute kommt und morgen bleibt. Simmel nennt ihn den „potenziellen Wanderer“15 der, obwohl er nicht weitergezogen ist, „die Gelöstheit des Kommens und Gehens“16 noch nicht völlig verarbeitet hat. Der Fremde ist nach Simmel zwar fest innerhalb eines Raumes ansässig, aber er gehört noch nicht wirklich dazu, wie ein Ortsansässiger. Der Fremde gehört insofern nicht richtig dazu, da in ihn Qualitäten von außen strömen die nicht von ihm sind und ihm fremd sind. Simmel spricht von einer Einheit der „Nähe und Entferntheit.“17 Diese Distanz innerhalb des Verhältnisses von Nähe und Entferntheit soll bedeuten, dass der Nahe fern ist, dass das Fremdsein aber der Ferne nah ist. Als Beispiel zum besseren Verständnis erläutert Simmel, dass uns die Bewohner des Sirius nicht fremd sind, da sie für uns nicht existieren, denn „sie stehen jenseits von Fern und Nah“18.
Fremdheit ist somit kein Kriterium von Objekten oder Subjekten, sondern dient als Ausdruck für die gezielte Qualität eines Beziehungsverhältnisses. Wichtig hierbei ist der Gleichlauf von Gegenüber und Außerhalb, das soll heißen, dass sich die Partner einer Fremdheitsbeziehung nahe sein müssen um Interaktion und Kommunikation zu ermöglichen. Ebenso bedeutsam ist das grundlegende Element des „Außerhalb“ von Simmels Fremdheitsbeziehung. Dieses Außerhalb kann nur dann erfahren werden, wenn durch Nähe zwischen Innen und Außen unterschieden werden kann. Hier wird auch die Unterscheidung zwischen dem Eigene und dem Fremden sichtbar, dadurch, dass man zum Außenstehenden wird, also nicht zum Nahen dazugehört.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas Fremdheit in einer globalisierten Gesellschaft ein und umreißt die Zielsetzung des Vergleichs zwischen Simmel und Schütz.
2. Zur Person Georg Simmel: Das Kapitel beleuchtet das Leben und die prägenden Umwelteinflüsse von Georg Simmel, insbesondere unter dem Aspekt des Berliner Milieus und seiner Erfahrung von Ausgrenzung.
3. Zur Person Alfred Schütz: Hier wird der Lebensweg von Alfred Schütz dargestellt, seine Flucht ins Exil und die Entwicklung seines phänomenologischen Ansatzes der sozialen Welt.
4. Vergleich des Fremden bei Simmel und Schütz: Dieser Hauptteil analysiert und vergleicht die theoretischen Texte der beiden Soziologen, um Gemeinsamkeiten in ihrer Typisierung des Fremden aufzuzeigen.
5. Fazit: Das Kapitel zieht ein Resümee, stellt fest, dass beide Ansätze trotz unterschiedlicher Schwerpunkte für die moderne Migrationsgesellschaft hochrelevant bleiben, und plädiert für einen unvoreingenommenen Umgang mit dem Fremden.
Schlüsselwörter
Fremdheit, Georg Simmel, Alfred Schütz, Soziologie, Nähe und Entferntheit, Exkurs über den Fremden, Der Fremde, Sozialpsychologie, Migration, Identität, Typisierung, Lebenswelt, Kulturmuster, Gesellschaft, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Perspektive auf das Phänomen der "Fremdheit" anhand der klassischen Texte von Georg Simmel und Alfred Schütz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die theoretische Bestimmung des Fremden, die Bedeutung von Nähe und Distanz in sozialen Beziehungen sowie die Integration in neue Lebenswelten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Theorien von Simmel und Schütz zu vergleichen, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Definition des Fremden aufzudecken und einen Bezug zur heutigen Zeit herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem inhaltlichen Vergleich klassischer soziologischer Primärtexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Biografien beider Soziologen und eine detaillierte Inhaltsanalyse ihrer Texte zum Fremden sowie deren anschließende Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Fremdheit, Nähe und Entferntheit, Identität, Lebenswelt, Typisierung und die soziologischen Konzepte von Simmel und Schütz.
Wie unterscheidet Simmel die Position des Fremden?
Simmel definiert den Fremden durch die paradoxe "Einheit von Nähe und Entferntheit", wobei der Fremde zwar physisch präsent, aber sozial distanziert bleibt.
Warum befindet sich der Fremde nach Schütz in einer "Krise"?
Nach Schütz befindet sich der Fremde in einer Krise, weil er die bewährten Rezepte und Kulturmuster seiner neuen Umgebung nicht kennt und seine bisherigen Orientierungsschemata dort keine Gültigkeit mehr besitzen.
Welche Rolle spielt der Begriff "Typisierung" in dieser Arbeit?
Typisierung ist das methodische Werkzeug, mit dem beide Soziologen das soziale Phänomen des Fremden ordnen und verallgemeinerbar beschreibbar machen.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Aktualität dieser Theorien?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Beobachtungen von Simmel und Schütz, etwa zur Migration und der Wahrnehmung des Anderen, angesichts gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen hochaktuell sind.
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- Mira Düpre (Author), 2007, Facetten von Fremdheit , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131078