In unserer Gruppe hatten wir am Anfang des Semesters die Idee „Jugendsprache“ zu untersuchen. Wir wollten bestimmte Sprachcodes von Jugendlichen in einer Gruppe untersuchen. Der Mitstudent Oliver Hansen ließ also Aufnahmen auf einer „LAN-Party“ machen. Dort trafen sich sechs jugendlichen Jungen, um im Computernetzwerk Spiele miteinander zu spielen.
Auf der Aufnahme sind bestimmte „Ausdrücke“ vorhanden, die man dem Sprachcode dieser Gruppe zuschreiben könnte, jedoch wäre die Untersuchung dessen für mich unbefriedigend geblieben, weil man hier vielleicht so eine Art „Übersetzungslexikon“ für die Ausdrücke hätte schreiben können, nicht aber Phänomene untersuchen können, wann sie gebraucht werden und wie sie gebraucht werden. Das hätte den Rahmen dieser Arbeit überschritten, denn man hätte verschiedene Stellen in der Aufnahme transkribieren müssen. Zudem werden bestimmte Ausdrücke auch nicht wiederholt gesagt, sondern nur einmal auf der ganzen Aufnahme. [...] Ich werde mich in dieser Hausarbeit also der Frage widmen was passiert, wenn eine Frage gestellt wird und jemand sie beantwortet, der Gegenüber allerdings kein Signal gibt, dass er der Antwort überhaupt zugehört hat. In dem Ausschnitt fordert der „Antwortgeber“ das Signal von dem „Fragensteller“ ein und gibt nicht auf, bevor er es bekommen hat.
Ich werde dazu in meiner Hausarbeit wie folgt vorgehen: Zunächst werde ich die Umstände, unter denen die Aufnahmen stattgefunden haben, in einem Transkriptionskopf darstellen. Danach erfolgt die Transkription eines Ausschnittes aus den Aufnahmen, das ich nach dem Transkriptionssystem GAT transkribiert habe. Daran anschließend folgt die Gesprächsanalyse (nach Deppermann, 1999), in der ich verschiedene Schwerpunkte gelegt habe. Ich habe zunächst einen Überblick über das Gespräch gegeben und bin zunächst der Frage nachgegangen, wie es überhaupt zu der Situation zwischen Torben, Henning und Florian kommen konnte. Danach habe ich mich immer weiter auf das Gespräch von Torben und Henning spezialisiert, sodass ich am Ende in dem Punkt Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik nur noch auf die Äußerungen von Henning beschränkt habe, um zu der Frage zu kommen, wie es Henning schafft die Aufmerksamkeit von Torben zu erreichen. Danach folgt eine zusammenfassende Analyse, in der ich die Punkte, die mir wichtig erscheinen, noch einmal in einen Gesamtzusammenhang bette.
Die Hausarbeit schließt eine persönliche Stellungnahme ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Projektentwurf
2. Transkriptionskopf
3. Transkription des Ausschnittes
4. Gesprächsanalyse
4.1. Kontextanalyse
4.2. Handlungsbeschreibung
4.3. Folgeerwartung
4.3.1. Isoliertes Gespräch von Henning und Torben
4.3.2. Isoliertes Gespräch von Florian und Torben
4.4. Timing
4.4.1. Sprecherwahl: Selbstwahl und Fremdwahl der Sprecher
4.4.2. Simultan gesprochene Textpassagen
4.5. Interaktive Konsequenzen
4.6. Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik
4.7. Zusammenfassende Analyse
5. Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht in einer gesprächslinguistischen Analyse, wie Teilnehmer in einer simultanen Gesprächssituation während einer LAN-Party versuchen, die Aufmerksamkeit einer anderen Person zu erlangen, wenn diese auf Anfragen nicht reagiert. Dabei steht insbesondere die Kommunikationsstrategie von Henning im Fokus, der durch prosodische und grammatische Mittel versucht, eine Reaktion von Torben zu erzwingen.
- Gesprächsanalyse in einer informellen Gruppensituation
- Untersuchung von Aufmerksamkeitsprozessen in simultanen Dialogen
- Anwendung des Transkriptionssystems GAT
- Analyse von Sprecherwahl, Timing und interaktiven Konsequenzen
- Klassifizierung von Gesprächshandlungen nach Sprechakttheorie
Auszug aus dem Buch
4.6. Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik
Ich habe in den voran gegangenen Punkten den Schwerpunkt auf die Frage gelegt, wie es zu der Situation kommt, dass Henning versucht Torbens Aufmerksamkeit auf bestimmte Art und Weise versucht zu erreichen. Ich komme nun zu der Frage, wie es Henning schafft die Aufmerksamkeit von Torben zu erreichen. Ich habe in den vorangegangenen Punkten schon Ansatzweise einiges dazu geschrieben und werde hier nun auf die Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik der vier Äußerungen von Henning (Z.12,15,17,19) eingehen, in denen er versucht, mit Torben zu kommunizieren.
Zunächst kann man feststellen, dass die vier Äußerungen immer ganze Sätze mit Substantiv und Prädikat sind. Die letzten beiden Äußerungen, die sich in der Satzkonstruktion gleichen („es leuchtet“), sind sogar nur mit Substantiv und Prädikat ausgestattet. Sie stellen den kleinstmöglichen Aussagesatz dar, der nur auf seine Grundelemente reduziert ist. Bei den ersten beiden Äußerungen (Z.12,15) sind auch Substantiv und Prädikat im Satz enthalten, sie sind aber noch mit anderen Satzgliedern „ausgerüstet“. So kann man in Z.12 noch eine Interjektion („so“), eine Temporale Adverbiale Bestimmung („jetzt“) und eine modale Adverbiale Bestimmung finden („auch“). Bei diesem Satz ist vor allen Dingen auch die Wortfolge entscheidend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Projektentwurf: Die Arbeit beschreibt die ursprüngliche Idee der Untersuchung von Jugendsprache, die zugunsten einer Analyse von Aufmerksamkeitsprozessen bei technischen Problemen während einer LAN-Party verworfen wurde.
2. Transkriptionskopf: Hier werden die Rahmenbedingungen der Aufnahmesituation sowie die soziodemografischen Daten der beteiligten Gesprächspartner tabellarisch aufgeführt.
3. Transkription des Ausschnittes: Dieser Abschnitt erläutert die Anwendung des Transkriptionssystems GAT für das analysierte Gespräch und rechtfertigt dessen Eignung für die gegebenen Anforderungen.
4. Gesprächsanalyse: In diesem Hauptteil wird das Gespräch detailliert anhand von Kontext, Handlungsbeschreibung, Folgeerwartungen, Timing und interaktiven Konsequenzen untersucht, um die Aufmerksamkeitsstrategien aufzudecken.
5. Persönliche Stellungnahme: Die Autorin reflektiert kritisch über die Grenzen ihrer Untersuchung, die Objektivität in der Wissenschaft und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Kontexte.
Schlüsselwörter
Gesprächsanalyse, Aufmerksamkeit, LAN-Party, GAT, Transkription, Sprechakt, Interaktion, Folgeerwartung, Prosodie, Grammatik, Kommunikation, Simultangespräch, Sprecherwahl, Handlungsgerüst, Sprachcode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert ein Gespräch zwischen Jugendlichen während einer LAN-Party, wobei der Fokus auf dem Versuch liegt, die Aufmerksamkeit eines Teilnehmers in einer Situation zu gewinnen, in der dieser auf Anfragen nicht reagiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Gesprächsanalyse, die Dynamik von Aufmerksamkeit im Dialog, der Umgang mit simultanen Gesprächen und die sprachliche Gestaltung von Aufforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, wie Henning versucht, die Aufmerksamkeit von Torben zu erreichen, und welche sprachlichen Mittel (Prosodie, Grammatik) er dabei einsetzt, wenn seine Äußerungen zunächst ignoriert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die konversationsanalytische Methode nach Deppermann (1999) sowie eine Handlungsanalyse basierend auf Rolf (1997) und Harras (2004), gestützt auf Transkripte nach dem GAT-System.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Kontext der LAN-Party, die Handlungsbeschreibung der Sprechakte, die Untersuchung von Folgeerwartungen, das Timing der Sprecherwahl sowie die Äußerungsgestaltung von Henning im Detail analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gesprächsanalyse, Aufmerksamkeit, LAN-Party, GAT-Transkription, Sprecherwahl und interaktive Konsequenzen.
Warum reagiert Torben laut Analyse so lange nicht auf Henning?
Die Analyse zeigt, dass Torben gleichzeitig mit Florian und Henning interagiert und sich in einer technischen Problemlösungssituation befindet, wobei Florian ihn massiv mit weiteren Anweisungen adressiert, was zu einer Überlastung führt.
Wie steigert Henning seine Strategie, um Aufmerksamkeit zu erzwingen?
Henning steigert seine Strategie durch eine sukzessive Reduktion der Sätze auf Substantiv und Prädikat, kombiniert mit einer Erhöhung von Lautstärke, Sprechlage und der Verwendung von dynamischen und quantitativen Akzenten.
- Citation du texte
- Ursula Mock (Auteur), 2005, Wenn einer gleichzeitig mit zwei anderen redet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131091