Insbesondere steht die Entwicklung zwischen den folgenden vier Komponenten im Fokus: Staat, Zivilgesellschaft, Familie und Markt. Zum einen wird es in der Ausarbeitung um diese Entwicklung der Verhältnisse dieser vier Komponenten gehen, die zum anderen in einen kritischen Bezug zum Gräber Buch "Bullshit Jobs: Vom wahren Sinn der Arbeit" gesetzt werden.
Unser neoliberalistischer Gegenwartskapitalismus steckt in einer ökonomischen, ökologischen, politischen und sozialen Funktionskrise. Die Geschichte zeigt, dass der Kapitalismus sehr anpassungsfähig ist, zurzeit hat die Gemeinschaft einen hohen Stellenwert. Es geht hier um gemeinschaftsbasierte Solidarität und gemeinschaftsförmige Krisenlösungen. Der Begriff Community Kapitalismus beschreibt genau das, hierzu dient das Buch "Community Kapitalismus" von Silke van Dyk und Tine Haubner als Lektüre und wird das Fundament der Arbeit darstellen.
Inhaltsverzeichnis
Teil 1
1 Einleitung
2 Die (Wieder-)Entdeckung der Gemeinschaft im Krisenkapitalismus
3 Was bisher geschah: Zur Analyse gemeinschaftsbasierter Sorgepotenziale
3.1 Sorgepotenziale in der Wohlfahrtsstaatsforschung
3.2 Sorgepotenziale in der Careforschung
4 Gemeinschaft(en) als Forschungsgegenstand – Herausforderungen, Leerstellen und Anschlüsse
5 Fazit und Bezug zum Gräber Buch “Bullshit Jobs: vom wahren Sinn der Arbeit”
Teil 2
Freiwilliges Engagement als Pfeiler der sozialen Daseinsvorsorge
Sorgende Gemeinschaften und die Mobilisierung informeller Pflegepotenziale
Die Vielfalt der Posterwerbsarbeit im Community-Kapitalismus
Ein Vergleich zu David Graebers Analyse moderner Arbeitsformen in ´Bullshit jobs´
Teil 3
Wo ist das Problem? Kehrseiten gemeinschaftsförmiger Sorge
Warum Community-Kapitalismus?
Ist der Community-Kapitalismus ein hegemoniefähiges Projekt?
Quo vadis Community? Alternativen zum Community-Kapitalismus
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Konzept des "Community-Kapitalismus" als Reaktion auf aktuelle ökonomische und soziale Krisen. Ziel ist die Untersuchung der Verschiebung von Sorgearbeit in informelle Strukturen und das kritische Hinterfragen der Instrumentalisierung gemeinschaftlichen Engagements, insbesondere unter Einbeziehung von David Graebers Thesen zu sinnstiftender versus prekärer Arbeit.
- Entwicklung der Beziehungen zwischen Staat, Zivilgesellschaft, Familie und Markt
- Kritische Analyse von Freiwilligenarbeit als "Krisenabsorber"
- Mechanismen der Informalisierung und Deprofessionalisierung von Sorgearbeit
- Einfluss von Digitalisierung und Neoliberalismus auf soziale Sicherungssysteme
- Vergleich von "Community-Kapitalismus" mit Graebers "Bullshit Jobs" Theorie
Auszug aus dem Buch
Die (Wieder-)Entdeckung der Gemeinschaft im Krisenkapitalismus
Unser Kapitalismus ist abhängig von der Sorgearbeit geworden, da durch Privatisierung, Deregulierung, und kommodifizierung Sorgelücken entstanden sind. Hinzu kommen die veränderten Familien- und Geschlechterverhältnisse und der Demografische Wandel, diese Faktoren verstärken die Krise zunehmend. Vor dem Wandel der Familien- und Geschlechterverhältnissen, war der Anteil der unbezahlten Sorgearbeit hauptsächlich den Frauen zugeschrieben. Frauen trugen somit eine sehr wichtige und essentielle Rolle in der Sozialpolitik. Das hat sich verändert, der Anteil der Erwerbstätigen Frauen ist stark gestiegen und Sorgearbeit ist nicht mehr nur der Frau zugeschrieben. Nicht nur die unbezahlte Sorgearbeit im häuslichen Bereich ist essentiell, sondern auch das Ehrenamt, dies mittlerweile mehr als jeher. Die Tragweite Informelle Sorgearbeit außerhalb der Familie hat deswegen an Bedeutung gewonnen und nimmt auch weiter an Bedeutung zu. In der Pandemie stürzten Teile dieser Krücke zusammen. Kindergärten und Schulen blieben geschlossen wodurch die Betreuung der Kinder nicht mehr gesichert war, hier kam die Wichtigkeit und die Präsenz der Gemeinschaft besonders zum Vorschein, durch beispielsweise Nachbarschaftshilfen und gegenseitige Betreuung der Kinder konnten einige Sorgelücken, die die Pandemie vermehrt aufwarf, geschlossen oder verkleinert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die ökonomische und soziale Krise des Gegenwartskapitalismus ein und etabliert den Begriff Community-Kapitalismus als Analysegrundlage.
2 Die (Wieder-)Entdeckung der Gemeinschaft im Krisenkapitalismus: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Abhängigkeit des Systems von informeller Sorgearbeit durch den Rückzug staatlicher Leistungen.
3 Was bisher geschah: Zur Analyse gemeinschaftsbasierter Sorgepotenziale: Hier wird der historische Strukturwandel der Wohlfahrtsforschung und der Careforschung in Bezug auf Sorgearbeit beleuchtet.
4 Gemeinschaft(en) als Forschungsgegenstand – Herausforderungen, Leerstellen und Anschlüsse: Das Kapitel untersucht den Begriff der Gemeinschaft als politisches Steuerungsinstrument und dessen Ambivalenz.
5 Fazit und Bezug zum Gräber Buch “Bullshit Jobs: vom wahren Sinn der Arbeit”: Die Sorgearbeit wird hier im Kontext von Graebers Theorie kritisch bewertet und mit den Begriffen "Shitjobs" und "Bullshit Jobs" in Bezug gesetzt.
Freiwilliges Engagement als Pfeiler der sozialen Daseinsvorsorge: Analyse der Professionalisierung versus Freiwilligkeit sowie der ökonomischen Interessen hinter staatlich gefördertem Engagement.
Sorgende Gemeinschaften und die Mobilisierung informeller Pflegepotenziale: Darstellung der Abwälzung von professioneller Pflege auf informelle "gemischte Arrangements" im deutschen Pflegesektor.
Die Vielfalt der Posterwerbsarbeit im Community-Kapitalismus: Betrachtung digitaler und informeller Arbeitspraktiken sowie der Gefahr der Selbstausbeutung.
Ein Vergleich zu David Graebers Analyse moderner Arbeitsformen in ´Bullshit jobs´: Ein vertiefender Vergleich, der die Lohnarbeit und soziale Anerkennung von Sorgearbeit unter dem Aspekt des Kapitalismus diskutiert.
Wo ist das Problem? Kehrseiten gemeinschaftsförmiger Sorge: Diskussion der negativen Folgen für Professionalität und die Gefahr der Substituierung durch prekäre Engagementformen.
Warum Community-Kapitalismus?: Identifizierung von Krise der sozialen Reproduktion, Neoliberalismus und Digitalisierung als Triebkräfte des Konzepts.
Ist der Community-Kapitalismus ein hegemoniefähiges Projekt?: Einschätzung der Anschlussfähigkeit des Konzepts an verschiedene Lebensmodelle zur Krisenbewältigung.
Quo vadis Community? Alternativen zum Community-Kapitalismus: Schlussbetrachtung über notwendige politische Weichenstellungen und die Suche nach einem Gesellschaftsentwurf jenseits derzeitiger Krisenbewältigung.
Schlüsselwörter
Community-Kapitalismus, Sorgearbeit, Freiwilligenarbeit, Careforschung, Neoliberalismus, soziale Reproduktion, Gemeinnützigkeit, Informalität, Prekarisierung, Solidarität, Wohlfahrtsstaat, Pflichten, Graeber, Bullshit Jobs, Engagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie moderne kapitalistische Systeme versuchen, Sorgekrisen durch die Aktivierung von Gemeinschaftspotenzialen und freiwilligem Engagement zu lösen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation von Sorgearbeit, der Rolle des Ehrenamts als "Krisenabsorber" und der kritischen Hinterfragung informeller Arbeitsmarktstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Verhältnisse zwischen Staat, Zivilgesellschaft und Familie unter den Bedingungen des Community-Kapitalismus zu untersuchen und anhand von David Graebers Analysen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur (Dyk & Haubner, Graeber), um gesellschaftliche Dynamiken mittels einer kritisch-soziologischen Perspektive zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Teile: die theoretische Einbettung, die Untersuchung von freiwilligem Engagement im Pflegesektor und die Diskussion der hegemonialen Auswirkungen des Community-Kapitalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Community-Kapitalismus, Sorgearbeit, Freiwilligenarbeit, Prekarisierung, soziale Reproduktion und die kritische Analyse von Arbeitsbedingungen.
Wie unterscheidet die Autorin/der Autor zwischen "Shitjobs" und "Bullshit Jobs"?
In Graebers Terminologie sind Bullshit Jobs systemirrelevant, während "Shitjobs" für das Funktionieren der Gesellschaft essenziell, jedoch schlecht bezahlt und ausbeuterisch sind.
Wird das Konzept des Community-Kapitalismus als Lösung für künftige Krisen begrüßt?
Die Ausarbeitung erkennt den Community-Kapitalismus als "Brückentechnologie" an, warnt aber vor den Gefahren der Privatisierung, De-Professionalisierung und Ausbeutung unbezahlter Arbeit.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2022, "Community Kapitalismus" nach van Dyk und Haubner. Probleme und Chancen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1311199