Nachdem zuerst die Autorin und ihre Vorgehensweise sowie das Konzept der Gefühlsarbeit im Zuge der Inhaltswiedergabe vorgestellt werden, sollen anschließend die enorme Reichweite der Gefühlsarbeit auf dem heutigen Arbeitsmarkt und die möglichen negativen Konsequenzen beleuchtet werden. Gibt es eine Verbindung zwischen beruflicher Gefühlsarbeit und dem Burnout-Syndrom?
Der moderne Klassiker der Soziologie von Arlie Russell Hochschild ist aus dem Jahre 1983. Ihre im Buch vorgestellte Studie geht der Regulation und Steuerung von Gefühlen im privaten, aber vor allem auch im kommerziellen Kontext auf den Grund. Forschungsobjekte sind die FlugbegleiterInnen sowie die im Background agierenden Angestellten der Rechnungsabteilung der Delta-Airlines.
Den KritikerInnen Hochschilds wird diese Arbeit keine Beachtung schenken, vielmehr sollen zuerst die Kernaussagen des Buches herausgearbeitet und erklärt werden, warum „Das gekaufte Herz. Die Kommerzialisierung der Gefühle“ zurecht in die Liga soziologischer Klassiker erhoben wurde.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Arlie Russell Hochschild und ihr Werk
3. Inhalt
3.1 Vorgehensweise
3.1. Arbeitsauftrag der FlugbegleiterInnen
3.3. Gefühlsarbeit
3.4. Gefühlsnormen
3.5. Ungleichgewicht des Gefühlssystems
3.6. Gefühlsnormen und Geschlecht
3.7. Gefühlsnormen und Klassenzugehörigkeit
3.8. Frontstage und Backstage der Delta-Airlines
3.9. Gefühlsarbeit und Entfremdung
4. Begeisterungszwang und Burnout
4.1. Begeisterungszwang
4.2. Burnout
5. Fazit und Würdigung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Arlie Russell Hochschilds soziologischem Klassiker „Das gekaufte Herz“ auseinander, um die Mechanismen der Steuerung und Kommerzialisierung von Emotionen in beruflichen Kontexten, insbesondere bei FlugbegleiterInnen, zu analysieren und deren Auswirkungen, wie etwa das Burnout-Syndrom, zu untersuchen.
- Das Konzept der Gefühlsarbeit und deren Bedeutung im Dienstleistungssektor.
- Unterschiedliche Gefühlsnormen in Bezug auf Geschlecht und Klassenzugehörigkeit.
- Die entfremdende Wirkung der Vermarktung eigener Gefühle im Arbeitsalltag.
- Zusammenhänge zwischen beruflichem Begeisterungszwang und Burnout-Erkrankungen.
- Die Rolle von Handlungsspielräumen und Selbstmanagement bei der emotionalen Belastung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Arbeitsauftrag der FlugbegleiterInnen
Zum Zwecke der Kundenbindung und der Kundenzufriedenheit schult die Delta Airlines ihre FlugbegleiterInnen darin, den Fluggästen während ihres Fluges nicht nur Speisen und Getränke zu servieren und für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sondern ihnen auch ihr „größtes Kapital“ (ebd.: 28), ihr Lächeln, angedeihen zu lassen. Der Fluggast soll sich an Bord fühlen, empfangen und behandelt werden wie ein guter Freund im heimischen Wohnzimmer, und entsprechend positive Gefühle gegenüber dem Fluggast sollen die FlugbegleiterInnen nicht nur vorspielen, sondern im Bestfall auch wirklich empfinden (vgl. ebd.: 100), ganz ungeachtet dessen, wie es dem Fluggast sich zu benehmen beliebt. Legt der Fluggast rüdes, unhöfliches und herablassendes Benehmen an den Tag, müssen die FlugbegleiterInnen ihren Ärger runterschlucken, beziehungsweise am besten gar keinen aufkommen lassen. Hier beginnt der mitunter heikelste Teil ihrer Arbeit: die Gefühlsarbeit (vgl. ebd.: 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Arlie Russell Hochschilds Werk ein und erläutert die Relevanz der Gefühlsarbeit in der heutigen Arbeitswelt.
2. Arlie Russell Hochschild und ihr Werk: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Autorin, ihre wissenschaftliche Laufbahn und die zentrale Bedeutung ihres Begriffs "Gefühlsarbeit".
3. Inhalt: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und beleuchtet detailliert die Vorgehensweise der Studie sowie die soziologischen Konzepte der Gefühlsarbeit und deren Anwendung im beruflichen Kontext.
4. Begeisterungszwang und Burnout: Hier wird der moderne Druck zum Enthusiasmus am Arbeitsplatz analysiert und mit der steigenden Tendenz von Burnout-Erkrankungen in Verbindung gebracht.
5. Fazit und Würdigung: Das abschließende Kapitel reflektiert die Aktualität von Hochschilds Erkenntnissen und die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Kommerzialisierung menschlicher Gefühle.
Schlüsselwörter
Gefühlsarbeit, Gefühlsnormen, Emotionssoziologie, Arlie Russell Hochschild, Dienstleistungssektor, emotionale Dissonanz, Burnout-Syndrom, Entfremdung, Begeisterungszwang, Oberflächenhandeln, inneres Handeln, Delta-Airlines.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine kritische Buchrezension und Analyse von Arlie Russell Hochschilds Klassiker „Das gekaufte Herz“, wobei der Fokus auf der kommerziellen Steuerung von Emotionen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Thematisiert werden primär die Entstehung von Gefühlsarbeit, deren geschlechtsspezifische Unterschiede sowie die psychischen Folgen wie emotionale Dissonanz und Burnout.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Reichweite von Gefühlsarbeit im modernen Arbeitsmarkt aufzuzeigen und die Verbindung zwischen beruflich geforderten Emotionen und dem Burnout-Syndrom zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin Hochschild laut dieser Arbeit?
Hochschild nutzte eine empirische Feldstudie, die unter anderem Fragebogeninterviews, teilnehmende Beobachtung in Ausbildungskursen und Gespräche mit Personal der Delta-Airlines umfasste.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte des "Gefühlssystems", darunter die Arbeitsaufträge der FlugbegleiterInnen, Unterschiede nach Geschlecht und Klasse sowie die Frontstage- und Backstage-Perspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Gefühlsarbeit, Gefühlsnormen, emotionale Dissonanz sowie der Wandel der Anforderungen in der Dienstleistungsgesellschaft.
Wie unterscheidet sich "Oberflächenhandeln" von "innerem Handeln" nach Hochschild?
Beim Oberflächenhandeln wird nur der äußere Ausdruck, etwa das Lächeln, manipuliert. Das innere Handeln hingegen nutzt Psychotechniken, um Gefühle von innen heraus den beruflichen Erfordernissen anzupassen.
Warum empfinden Dienstleister laut der Arbeit ein erhöhtes Burnout-Risiko?
Die ständige Notwendigkeit, unterdrückte negative Gefühle zu bekämpfen und positive zu simulieren, führt bei fehlenden eigenen Handlungsspielräumen zu emotionaler Erschöpfung und Dissonanz.
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- Anonym (Autor), 2019, Gefühlsarbeit und ihre Verbindung zum Burnout-Syndrom, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1311215