Ich werde in meiner Forschungsarbeit anfangs einen kurzen Abriss über Artauds Leben und Werk geben um ihn als Person begreiflicher zu machen. Artaud entschied mit seinem Körper. Sein Weg wandte sich suchend über poetische Texte, Briefe und Schriften zur Malerei und zum Film und blieb beim Theater. Ich lege mein Hauptaugenmerk in dieser Arbeit auf Artaud als Menschen, Schauspieler Regisseur und Mann des Theaters. Einen Schwerpunkt dieser Arbeit wird Artaud Krankheit und damit verbundener Drogenkonsum bilden. Im weiteren Verlauf werde ich auf seine Arbeit am Theater und seine Aufassung von Theater eingehen und Schwerpunkt mäßig auf seine Theorie des „Theaters der Grausamkeit eingehen. Einen weiteren wichtigen Punkt wird weitergehen das Thema Schauspiel, Artauds Schauspielausbildung und seine Schauspieltheorie bilden. Um Artauds Theaterkonzeption genau zu verstehen, denke ich dass man seine Ansichten und Erfahrungen als Schauspieler kennen sollte. Seine Auffassung der Schauspielkunst in den zwanziger Jahren zeigt schon gewisse Parallelen zu seiner späteren Theaterkonzeption auf. Ich werde außerdem auf Artauds Arbeit am Theater de l‚Atelier eingehen. Diese hatte er nur einer Empfehlung zu verdanken, und so wurde er 1922 von Charles Dullin engagiert. Schon damals ging Artaud auch in diesem Theater seine eigenen undefinierbaren Wege. Artauds Schauspiel war damals wie aus diversen Berichten erzählt wurde „von einer raumergreifenden, exzessiven Gestik mit abrupten Unterbrechungen und diskontinuierlichen Bewegungsabläufen.“ Artaud sollte aufgrund seiner physischen Erscheinung spezielle Rollen spielen, wie zum Beispiel Dämonen oder apokalyptische Monster. Seine Theaterarbeit als Schauspieler war wichtig für seine späteren Konzeptionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Antonin Artaud. Ein kurzer Abriss aus seinem Leben
2.1 Über Artauds Theaterschaffen
2.2 Artauds allgemeine Auffassung zum Theater
3. Artauds Mexikoreise
3.1 Artauds Drogenkonsum
4. Mythos, Chaos und Ritual bei Artaud
5. Artauds Tätigkeit am Théâtre de l‚Atelier
6. Das Theater der Grausamkeit
6.1 Definition von Grausamkeit bei Artaud:
6.2 Der Schauspieler im Theater der Grausamkeit
6.3 Das Theater der Grausamkeit und der Regisseur
6.4 Ziele des Theater der Grausamkeit
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Forschungsarbeit untersucht das Leben und Werk von Antonin Artaud, mit einem besonderen Fokus auf seine Rolle als Schauspieler, Regisseur und Theoretiker sowie den Einfluss seiner gesundheitlichen Probleme und Drogenabhängigkeit auf sein Schaffen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Entstehung und den spezifischen Charakteristika seines Konzepts des „Theaters der Grausamkeit“ und dessen Bedeutung für die moderne Theatergeschichte.
- Antonin Artauds Biografie und künstlerische Entwicklung
- Die Auswirkungen von Krankheit und Drogenkonsum auf Artauds Weltsicht und Theaterkonzeption
- Analyse des Begriffs und der Prämissen des „Theaters der Grausamkeit“
- Die Rolle des Schauspielers und des Regisseurs im neuen Theatermodell
- Der Einfluss von Mythos, Chaos und Ritual auf Artauds Theaterverständnis
Auszug aus dem Buch
6. Das Theater der Grausamkeit
Im Jahre 1932 wurde von Artauds erstes Theatermanifest veröffentlicht. Es trug den Titel: “Le Théatre de la Cruauté”. Seine Bezeichnung “Théatre de la Cruauté”, übersetzt mit “Theater der Grausamkeit” wurde, zu einem Schlüsselwort der Theaterästhetik des 20ten Jahrhunderts. Es war ihm ein besonderes Anliegen, seine Theatertheorie in die Praxis umzusetzen was ihm allerdings nur in Ansätzen gelang. Artauds, Theatertheorie zum „Theater der Grausamkeit“ ist in ihrer Übersetzung und Strukturierung schwer nachzuvollziehen, da seine Vorstellungen theoretisch sind und sich nie eins zu eins in der Praxis umsetzt konnten. Artaud stellte sein Theater der Grausamkeit unter drei Prämissen:
1. Der zerstreute Text
Hierbei handelte es sich um das Auftreten von Text auf der Bühne. Dieser folgte dabei keinen logischen Zusammenhängen, wie es sonst in der traditionellen westlichen Inszenierungspraxis der Fall war. Diese Fragmentierung von Text stellte für Artaud eine Rebellion gegen die Zivilisation und Kultur dar.
2. Der entstellte Körper
Hierbei fand Artaud viel Inspiration im traditionellen balinesischen Theater. Die Eigenmächtigkeit von Zeichen wie einer bestimmten Gestik oder Mimik, eines Kostüms oder nur dem Auftreten eines Körpers an sich war für seine Theatertheorie wichtig. Aggressionen und Wünsche sollten durch körperliche Zeichen dargestellt werden. Dabei war Körperlichkeit des Atems für Artaud von besonderer Wichtigkeit; der Atem war für ihn etwas von Darstellenden und Zuschauern Geteiltes und somit eine Verbindung zwischen Bühne und Publikum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und des Vorhabens, Artaud als Menschen, Schauspieler und Regisseur zu beleuchten.
2. Antonin Artaud. Ein kurzer Abriss aus seinem Leben: Biografischer Überblick, der die frühen Jahre, die gesundheitliche Leidensgeschichte und den Einstieg in die Pariser Kunstszene nachzeichnet.
2.1 Über Artauds Theaterschaffen: Untersuchung von Artauds theoretischer Herangehensweise und seinem Streben nach einer nicht-verbalen, physischen Theatersprache.
2.2 Artauds allgemeine Auffassung zum Theater: Beschreibung der kulturellen Umbruchphase des 20. Jahrhunderts als Nährboden für Artauds Suche nach einem „wahren Theater“.
3. Artauds Mexikoreise: Schilderung der Reise nach Mexiko als Suche nach einem kollektiven Mythos zur Heilung der europäischen Kulturkrise.
3.1 Artauds Drogenkonsum: Analyse der Abhängigkeit als Folge der chronischen Krankheit und als Mittel zur bewussten Realitätsflucht.
4. Mythos, Chaos und Ritual bei Artaud: Erläuterung der Bedeutung von Chaos und rituellen Elementen in Artauds Theater als Weg zur Kommunikation mit dem Göttlichen.
5. Artauds Tätigkeit am Théâtre de l‚Atelier: Rückblick auf die prägende Zeit unter der Regie von Charles Dullin und deren Einfluss auf Artauds Schauspielverständnis.
6. Das Theater der Grausamkeit: Definition der zentralen Konzepte, basierend auf den Prämissen des zerstreuten Textes, des entstellten Körpers und der unterdrückten Stimme.
6.1 Definition von Grausamkeit bei Artaud:: Klärung, dass der Begriff der Grausamkeit nicht mit physischer Gewalt, sondern mit einer existentiellen, unerbittlichen Notwendigkeit gleichzusetzen ist.
6.2 Der Schauspieler im Theater der Grausamkeit: Darstellung der Rolle des Schauspielers als passives Instrument, das den Regisseur bei der Inszenierung unterstützt.
6.3 Das Theater der Grausamkeit und der Regisseur: Beschreibung des Regisseurs als „Magier“ und zeremoniellen Leiter, der eine neue, allumfassende Theatersprache erschafft.
6.4 Ziele des Theater der Grausamkeit: Zusammenfassung der Ziele, insbesondere die Sensibilisierung des Publikums durch existenzielle Grenzerfahrungen.
7. Schlussbemerkung: Reflektion über Artauds Werk und dessen bleibenden Einfluss trotz der theoretischen Schwierigkeit seiner praktischen Umsetzung.
Schlüsselwörter
Antonin Artaud, Theater der Grausamkeit, Schauspieltheorie, Avantgarde, Surrealismus, Physisches Theater, Exorzismus, Mentale Alchimie, Drogenkonsum, Regie, Körperlichkeit, Grenzerfahrung, Katharsis, Moderne Theatergeschichte, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Antonin Artauds Leben, seine psychische Verfassung und die daraus resultierende einflussreiche Theorie des „Theaters der Grausamkeit“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Artauds Biografie, seine Drogenabhängigkeit, die Rolle des Schauspielers, die Bedeutung von Ritualen sowie seine revolutionären Ansätze für eine neue Theatersprache.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Artauds komplexe und oft schwer greifbare Theaterkonzeption zu strukturieren und aufzuzeigen, wie seine persönlichen Lebenserfahrungen in seine künstlerische Arbeit einflossen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Artauds eigenen Schriften (Primärliteratur) sowie auf eine Auswertung theaterwissenschaftlicher und biografischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biografische Aspekte, Analysen zu Artauds Mexikoreise, seine Tätigkeit bei Dullin sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Theorie und den Zielen des „Theaters der Grausamkeit“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Artaud, Theater der Grausamkeit, Schauspieltheorie, Physisches Theater, Metaphysik und kulturelle Krise.
Wie unterscheidet sich Artauds Begriff der „Grausamkeit“ von der landläufigen Definition?
Für Artaud ist Grausamkeit keine physische Gewalt, sondern eine unerbittliche, fast heilige Notwendigkeit, den Menschen mit den fundamentalen Kräften des Lebens und des Todes zu konfrontieren.
Welchen Einfluss hatte Artauds Drogenkonsum auf sein Theaterverständnis?
Die Drogen dienten Artaud als Mittel, um den psychischen Schmerz zu lindern und das Bewusstsein zu erweitern, was wiederum in die Idee eines Theaters floss, das Visionen und existenzielle Erfahrungen jenseits der rationalen Sprache freisetzen soll.
Warum war Artaud als Regisseur und Schauspieler so unkonventionell?
Er lehnte die psychologische Schauspielweise seiner Zeit ab und forderte eine totale Hingabe des Körpers, bei der der Schauspieler nicht die Rolle imitiert, sondern zu einem rituellen Medium wird.
Welches Erbe hinterließ Artaud für das moderne Theater?
Trotz der Unmöglichkeit, seine Theorien eins zu eins auf der Bühne umzusetzen, beeinflusste er die moderne Theaterästhetik entscheidend, indem er das Augenmerk auf die physische Sprache, die Inszenierung und den rituellen Charakter des Theaters legte.
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- Mag. Caroline Wloka (Author), 2008, Zwischen Genie und Wahnsinn - Antonin Artauds Theater der Grausamkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131122