Luhmann und die soziale Ungleichheit

Die Theorie der funktionalen Differenzierung


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie der funktionalen Differenzierung

3. Die Geschichte der Inklusion und Exklusion

4. Zusammenführung zweier Theorien
4.1 Thomas Schwinn
4.2 Uwe Schimank

5. Die soziale Klasse

6. Kritik an der Theorie

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Und Jean-Jacques Rousseau schrieb in seinem Diskurs über die Ungleichheit folgendes: „Man unterscheidet in der menschlichen Art zwei Arten von Ungleichheit: die eine, die ich natürlich oder physisch nenne, weil sie durch die Natur begründet wird, und die im Unterschied zum Lebensalter, der Gesundheit, der Kräfte des Körpers und der Eigenschaften des Geistes oder der Seele besteht; und die andere, die man moralische oder politische Ungleichheit nennen kann, weil sie von einer Art Konvention abhängt und durch die Zustimmung der Menschen begründet oder zumindest autorisiert wird. Die letztere besteht aus unterschiedlichen Privilegien, die einige zum Nachteil der anderen genießen [...](http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Ungleichheit).“

Jean-Jacques Rousseau, war nur einer unter vielen, der der Frage nach der sozialen Ungleichheit nachgegangen ist. Ein berühmter Soziologe, der sich bis an sein Lebensende auch mit der sozialen Ungleichheit beschäftigt hat, war Niklas Luhmann. Sein Lebenswerk war die soziologische Systemtheorie, in der er die Gesellschaft nicht als eine Ansammlung von Menschen verstanden hat, sondern als Kommunikation (http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann). Die zweite große Theorie die er weiterentwickelt hat, war die Theorie der funktionalen Differenzierung.

In dieser Hausarbeit soll nun die Theorie der funktionalen Differenzierung von Niklas Luhmann näher erläutert und die Schwachpunkte herausgefunden werden. Speziell im ersten Abschnitt wird die Theorie ausführlich behandelt und die nötigen Begriffe zur Verständigung erläutert. Im nächsten Schritt wird die geschichtliche Entwicklung von Inklusion und Exklusion dargestellt, um dann im nächsten Kapitel die Theorie der sozialen Differenzierung und die Theorie der sozialen Ungleichheit näher zu erläutern. Einige Autoren haben versucht beide Theorien zusammenzuführen. So zum Beispiel Thomas Schwinn und Uwe Schimank. Deren Ergebnisse werden dann in Kapitel 4.1 und 4.2 näher erläutert. Anschließend beschäftigt sich die Hausarbeit mit dem Begriff der Sozialen Klasse und ihrer Entwicklung. Am Schluss erfolgt eine kritische Betrachtung des Themas und es wird ein Resümee gezogen. Insgesamt will die Hausarbeit die Entstehung der sozialen Ungleichheit vor allem in der modernen Welt versuchen zu erklären und untersuchen, ob sie immer noch existiert und wenn ja, ob sie zunimmt oder nach und nach gemindert wird.

2. Die Theorie der funktionalen Differenzierung

Die Theorie der funktionalen Differenzierung ist ein fester Bestandteil für die theoretische Analyse der Gesellschaft. Das Konzept stammt ursprünglich von Talcott Parsons, bei dem es in seiner Theorie der Evolution von Gesellschaften eine Schlüsselrolle spielte.

Weiterentwickelt wurde es anschließend von Niklas Luhmann (http://de.wikipedia.org/wiki/Funktionale_Differenzierung).

Um die Theorie der funktionalen Differenzierung zu verstehen, muss man sich als erstes mit der Definition einzelner Begriffe auseinander setzen. Der erste wichtige Begriff ist der des „Systems“. Ein System ist laut Luhmann eine Form insofern, als ein System etwas als Umwelt ausschließt. Die Form kommt zustande, wenn sich Operationen an Operationen anschließen. Sie definieren auch, welche Operationen weiterhin anschlussfähig sind. Differenzierung ist nun laut Luhmann Systembildung in Systemen (Luhmann 1995: 240). Jede bestimmte Art der Verknüpfung von Teilsystemen, die andere Arten der Verknüpfung ausschließt, kann man nach Luhmann als Form der Differenzierung betrachten. Allerdings bedeutet dies nicht, dass diese Verknüpfung in der Gesellschaft überhaupt nicht mehr vorkommt. Stratifikation und funktionale Differenzierung sind beispielsweise eine Form der Differenzierung. Unter funktionaler Differenzierung versteht man nun, dass sich innerhalb eines Systems einzelne Teilsysteme herausbilden, die jeweils eine bestimmte Funktion für das Gesamtsystem erfüllen. Diese Teilsysteme werden auch Funktionssysteme genannt (http://de.wikipedia.org/wiki/Funktionale_Differenzierung). Die Gesellschaft lebt also von dem arbeitsteiligen Funktionieren der funktionalen Sphären (Esser 2000: 244). Als Beispiel kann man das Bildungssystem aufführen, welches sich als Teilsystem herausbildet und die Ausbildung der Menschen als Funktion übernimmt. Die funktionale Differenzierung der Gesellschaft ist eine evolutionäre Errungenschaft und Kennzeichnung der modernen Gesellschaft. Unterschiede zwischen Parsons und Luhmann gibt es in den Bezugspunkten der Ansätze. Parsons leitet die Funktionen aus dem normativen Strukturrahmen einer Gesellschaft ab. So wird soziales Handeln durch die Normen beeinflusst. Luhmann hingegen sieht die Funktionssysteme als autonom an. Sie geben sich ihre Strukturen und Anforderungen je nach Bedarf selbst. Jedes Teilsystem betrachtet demnach das Gesamtsystem aus einem anderen Blickwinkel. Beispielsweise wird die Wissenschaft die Vorgänge im System dahingehend beobachten, ob etwas wahr ist oder falsch. Oder das Teilsystem der Politik geht der Frage nach, ob die Macht vergrößert werden kann. Dabei ist es möglich, das ein gleicher gesellschaftlicher Vorgang von verschiedenen Teilsystemen jeweils unterschiedlich bewertet und bearbeitet wird. So sind Funktionssysteme thematisch offen. Des Weiteren geht Luhmann in seiner Theorie der funktionalen Differenzierung davon aus, dass es einen „funktionalen Primat“ nicht gibt. Unter funktionalem Primat wird dabei die Vorrangstellung eines Teilssystems verstanden (http://de.wikipedia.org/wiki/Funktionale_Differenzierung). Damit ist gemeint, dass kein Bereich wichtiger oder unwichtiger ist. Diese einzelnen Teilsysteme sind nun darauf ausgelegt, alle Menschen der Gesellschaft in ihre Kommunikation mit einzubeziehen. Dies wird als Inklusion bezeichnet. Die Personen werden einbezogen, in dem sie zu den Leistungen der Teilsysteme beitragen, oder das sie als Publikum seine Funktionsweise beobachten und hinterfragen. So hat sich Beispielsweise im Zuge der Bildungsexpansion das Wahlrecht auf ärmere Bürger und Frauen ausgeweitet und genauso auch das Recht auf Bildung. Dennoch gibt es in der modernen Welt Menschen, die von bestimmten Teilsystemen ausgeschlossen werden. Diesen Vorgang bezeichnet Luhmann als Exklusion (http://de.wikipedia.org/wiki/Funktionale_Differenzierung). Als Beispiel dient der Wissenschaftler, der nicht in jeder Fachzeitschrift seine Artikel veröffentlichen kann. Nur wenn er einen außergewöhnlichen Beitrag verfasst hat, darf er ihn auch veröffentlichen. Grund dafür ist der Wille des Wissenschaftssystems fortzubestehen. Denn nur wenn die „Mitarbeiter“ der Funktion Wahrheiten zu produzieren nachgehen, kann das Teilsystem weiterexistieren. Daher wird es sich auch nur die Besten Mitarbeiter aussuchen. Damit verstärkt das Teilsystem die bereits vorhandenen Unterschiede immer weiter. Wer schon wissenschaftliches Ansehen und einen guten Ruf besitzt, dem eröffnen sich bessere Publikationschancen. Und auch wer schon Geld besitzt, kann leichter einen Kredit aufnehmen. Weiterhin zieht Luhmann den logischen Schluss, dass es ohne Exklusion auch keine Inklusion geben kann (Luhmann 1995: 240).

Die funktionale Gleichheit der Systeme ergibt sich aus ihrer funktionalen Unterschiedlichkeit und Ungleichartigkeit. Allerdings darf man nicht den Schluss ziehen, dass mit der zunehmenden funktionalen Gleichheit der funktionalen Systeme auch die vertikale Ungleichheit unter den Akteuren verringert wird. Denn dagegen spricht das Prinzip der funktionalen Ungleichheit nach Luhmann. Die funktionale Ungleichartigkeit der Systeme erzwingt ihre funktionale Gleichrangigkeit und damit auch die gesellschaftliche und soziologische Bedeutungslosigkeit der vertikalen und horizontalen sozialen Ungleichheit der Menschen (Esser 2000: 245).

Unterschiedliche Ansatzpunkte für Inklusion und Exklusion ergeben sich je nach der Differenzierungsform die eine Gesellschaft benutzt, um ihre Primäreinteilung zu strukturieren. Luhmann unterscheidet dabei zwischen den segmentären und den stratifizierten Gesellschaften. In den segmentären Gesellschaften erfolgt die Inklusion eindeutig über die Zuordnung zu bestimmten Segmenten der Gesellschaft (Luhmann 1995: 240). Und zwar findet sie auf der konkreten und lebenswichtigen Ebene von Kleinsteinheiten der Wohn- und Lebensgemeinschaften statt. Des Weiteren folgt die Inklusion festen Regeln. So gibt es beispielsweise feste Heirats- oder Aufnahmeregeln. Allerdings hat die Inklusion keine juristischen Konsequenzen, da sie multifunktionale engagiert und deshalb Situationssequenzen erzeugt, die zu verschiedenartig sind für das Erkennen abstrakter, universeller und spezifischer Merkmale, die einer Regelbildung zugrunde gelegt werden könnten (Luhmann 1995: 240).

Auch in den stratifizierten Gesellschaften folgt die Inklusion dem Differenzierungsprinzip. Die Zugehörigkeit einer Gesellschaft entsteht durch Teilnahme in einer Kaste, oder einer Schicht, die über Inklusion oder Exklusion erreicht wird. Wie schon in den segmentären Gesellschaften, kann man immer nur einem und nicht mehreren Teilsystemen angehören. Die Individualität der Menschen wird durch die Zuweisung eines sozialen Status erworben. Nun hält aber die Gesellschaft mehrere auch ungleiche Möglichkeiten bereit (Luhmann 1995: 241). Ökonomisch gehört man also über einen Hausalt der Gesellschaft an, aber nur die Haushaltsvorstände nehmen an der politischen Gesellschaft teil. Das Neben- und Ineinander der Hausgesellschaft und politischer Gesellschaft führt zu komplizierten Strukturen und Erkennungsverfahren, die seit dem Spätmittelalter zunehmend problematisch werden.

Historisch vorangegangene Formen der funktionalen Differenzierung sind Stratifikation (wie soziale Schichtung und Klassen) und Segmentation (etwas Familien und Organisationen). Diese haben nun einen evolutionären Anpassungsprozeß durchlaufen und sind ko-präsent zur funktionalen Differenzierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Funktionale_Differenzierung).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Luhmann und die soziale Ungleichheit
Untertitel
Die Theorie der funktionalen Differenzierung
Hochschule
Universität Mannheim  (Lehrstuhl für Soziologie und Wissenschaftslehre)
Veranstaltung
Die Konstruktion der Gesellschaft: Soziale Differenzierung, soziale Ungleichheit, Integration und sozialer Wandel
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V131130
ISBN (eBook)
9783640403844
ISBN (Buch)
9783640404216
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luhmann, Ungleichheit, Theorie, Differenzierung
Arbeit zitieren
Ulrike Beyer (Autor), 2006, Luhmann und die soziale Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131130

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Luhmann und die soziale Ungleichheit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden