Das Prinzip Verantwortung als Anspruch einer modernen Ethik im Zeitalter der Technologie


Seminararbeit, 2000
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethik
2.1. Ökologische Ethik
2.2. Technikethik

3. Das Prinzip Verantwortung

4. Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Inhalt der vorliegenden Arbeit wird sich im wesentlichen auf Aspekte einer traditionellen Ethik und darüber hinaus auf die „neuzeitliche“ Einflußgröße der Technik und deren Auswirkungen beziehen. In diesem Zusammenhang werde ich im besonderen auf das Schaffen von Hans Jonas eingehen. Wichtige Fragen werden hierbei sein: Inwieweit kann aus der Entwicklung der Technik eine Bedrohung für die Umwelt abgeleitet werden und inwiefern muß sich diese in einer neuen Ethik widerspiegeln? Welche Stellung hat der Mensch in der Natur bzw. wie kann sich sein Wesen mit dem der Natur quasi zweckrational verbinden? Welches Maß an Innovationen ist im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit des Seins überhaupt zulässig? Unter diesen Gesichtspunkten versuche ich eine metaphysische Darstellung der menschlichen Natur mit praktischen Konsequenzen für die Handlungsweisen der Menschen im Sinne eines Naturbezuges zu veranschaulichen. Der von Jonas neu definierte Begriff der Verantwortung wird dabei genauer zu beleuchten sein. Der einzelne Mensch als Initiator der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung wird in diesem Zusammenhang zum Träger der Verantwortung für Leben und Natur und demnach zum Mittelpunkt des von mir zu bearbeitenden Themas.

2. Ethik

Unabhängig von dem Schaffen Hans Jonas‘ versuche ich zunächst grundsätzliche Fragen zur Problematik von Ethik und sittlichem Verhalten zu erörtern. Ich werde hierbei einige mir wichtig erscheinende Philosophen und deren Beurteilung zum Thema „Ethik“ mit einfließen lassen, um ein möglichst verständliches und anschauliches Bild zu geben.

Der Begriff der Ethik verweist auf die Lehre der Sittlichkeit als Grundvoraussetzung für moralisches und vernünftiges Handeln. Ob diese Sittlichkeit dem Mensch immanent gegeben ist, oder ob sie mittels der Erziehung erst gelehrt werden muß, spielt zunächst gar keine entscheidende Rolle, wichtig ist nur, daß jeder Mensch prinzipiell in der Lage ist, ohne festgelegte Autorität aufgrund seines eigenen Maßes an Vernunft, moralisch zu handeln. Eine in sich schon erklärende Beschreibung von sittlichem Verhalten birgt auch der Begriff der normativen Ethik. Die Norm versteht sich dabei als Richtschnur für ein verinnerlichtes, gerechtes Handeln, welches durch die Werte der Gesellschaft manifestiert werden (vgl. Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie © 1993-1997). Ähnlich wie Kant‘s „Kategorischer Imperativ“, in dem der Leitspruch lautet: „Handle stets so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ ist auch schon der konfuzianische Tugendbegriff zu verstehen. Die Tugend wird hierbei gleichgesetzt mit der Haupteigenschaft eines Menschen edler Gesinnung. Moralische Grundsätze wie z.B. Nächstenliebe oder Respekt dem anderen gegenüber sind der Inbegriff der „Goldenen Regel“, die besagt: „Was du selbst nicht wünschst, tu nicht den andern!“ (Störig, 1995: 93). Hierbei wird schon deutlich, wie sich der sittliche Grundgedanke durch alle Zeitalter immer weiter vererbt hat.

In meinen Augen besteht die Ethik oder besser gesagt deren Wirkungsweise aus einer Folge von Erkenntnis und Vernunft, in der Hinsicht, daß Vernunft als Inbegriff des menschlichen Erkenntnisvermögens verstanden wird. Seit jeher beschäftigen sich Philosophen mit der erkenntnistheoretischen Frage. Verallgemeinernd kann man dabei festhalten, daß aufgrund des „menschimmanenten“ Denkens und Handelns eine gewisse Ordnung, Regelmäßigkeiten bzw. Abläufe der Welt erkannt werden sollen. Inwieweit dieses Bild tatsächlich der Wahrheit entspricht , vermag ich an dieser Stelle allerdings nicht hinreichend zu beantworten. Dennoch kann auf dem „erkenntnistheoretischen Weg“ eine gewisse Wandlung nachvollzogen werden. Aus der ursprünglichen deduktiven Beweisführung nach festgesetzten Axiomen (Descartes/Spinoza) folgte die induktive Logik (Bacon), die besagt, daß menschliches Wissen nur durch bzw. aus Erfahrung abgeleitet werden kann (vgl. Störig, 1995: 695). Insofern bietet sich der Rückschluß auf Kant augenscheinlich an, der in seiner theoretischen Vernunft die erfahrbare Realität, sprich die außermenschliche Natur als Gegenstand der Erfahrung betrachtet. Die neuzeitliche Ethik bzw. Wahrheit setzt diese Natur als ein primum verum voraus und leitet daraus deduktiv rationale Schlußfolgerungen ab (vgl. Bayertz in Bayertz (Hg.), 1991: 10). Die Naturwissenschaften als positivistische Voraussetzung erzeugen quasi die Basis für das angemessene Handeln der Menschen, wobei heutzutage der Biologie immer mehr Bedeutung zukommt. Generell kann man festhalten, daß alle Stufen des Evolutionsprozesses im Prinzip eine erkenntnisgewinnende Entwicklung darstellen, die Kategorien des Wirklichen und demzufolge des Erkennens implizieren. In meinen Augen bildet das Erkennen aufgrund der Erfahrung der (für den denkenden Menschen) objektiven Welt die Basis für die Entwicklung der Vernunft und somit der Moral. Schon Sokrates postulierte die Tugend nur als wahren Wert, wenn sie auf Einsicht gegründet ist. Sie ist daher auch lehrbar. Für das Thema der Hausarbeit ist dabei wichtig, daß objektive Gegebenheiten der den Menschen umgebenden Welt sich auf seine Sinneserfahrung niederschlagen und folglich seine (vernünftigen) Handlungen in eine bestimmte Richtung lenken. Die Moral ist dabei ein ewiges und heutzutage, wie im folgenden noch genauer zu erklären sein wird, auch ein biologisch determiniertes Prinzip.

2.1. Ökologische Ethik

Ethik ist also prinzipiell ein Verhaltensmaßstab, der den gerechten bzw. vernünftigen Umgang mit anderen Menschen quasi als Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Miteinander festlegt. Die menschliche Würde dient dabei als unsichtbares Gesetz für gegenseitiges respektvolles Handeln. Wie aus der dargestellten Erläuterung bereits unschwer zu erkennen ist, bezieht sich der Begriff der Ethik bisher nur auf den Menschen. Der unmittelbar signifikante Andere, dem mit ethischer Einstellung gegenüberzutreten ist, ist zunächst nur der Mensch. Jonas wirft hierbei die Frage auf, was aus dem moralischem Gedanken wird, wenn die Zivilisation zugrunde geht. Hierbei sollte weiter gefragt werden, welchen Stellenwert die Natur als Voraussetzung für die Existenz bzw. die Natur des Menschen hat und ob sie nicht auch mit gleichem Respekt behandelt werden muß. Eine Antwort darauf kann nur ein (moralisches) „Umgangsprinzip“ bzw. die Darstellung von Verhaltensnormen gegenüber der außermenschlichen Umwelt geben. Man spricht in diesem Zusammenhang von unterschiedlichen Dimensionen der Natur und leitet daraus unterschiedliche Betrachtungsweisen ab. Ist die Natur als eigenes Ganzes zu verstehen, das mit dem Menschen nur in eine Art Wechselwirkung tritt oder ist vielmehr der Mensch nicht auch Bestandteil dieser Natur und hat sich an deren Prinzipien zu halten? Welcher Teil der Natur verdient moralische Berücksichtigung? Kann man den Tieren, den Pflanzen oder sogar der unbelebten Natur ein eigenes Recht auf moralische Anerkennung gewähren? Hans Jonas, als Vertreter des ethnischen Naturalismus verweist hierbei auf die Würde der Natur als gleichermaßen für den Menschen geltendes, charakteristisches Kriterium. Das Ökosystem hat an sich etwas Normatives (vgl. Birnbacher in Bayertz (Hg.),1991: 288). Der Mensch soll sich an der Natur orientieren bzw. mit seinen Handlungen die Herstellung des ökologischen Naturzustandes bezwecken. Dies allerdings setzt ein bewußtes Handeln bzw. ein regulierendes Eingreifen voraus. Da der Mensch allerdings aufgrund seines natürlichen Willens die Natur als ein Ressourcenpotential ansieht, kann man hierbei einen schwer zu lösenden Widerspruch erkennen. In meinen Augen ist die Kombination dieses Instinktes, verbunden mit dem menschlichen Verstand, die gefährlichste Bedrohung für die Natur überhaupt. Demnach kann nur ein künstliches Eingreifen einer kulturell vermittelten Triebsublimierung die drohende Katastrophe abwenden (vgl. ebd. 289). Verallgemeinernd kann man festhalten, daß die objektive menschliche Vernunft den subjektiven (unvernünftigen) Trieben diametral entgegensteht. In diesem Sinne besteht hierbei ein Widerspruch zwischen dem vorher beschriebenen autoritätslosen moralischen Handeln und der Autorität des neuzeitlichen Individualismus. Um diesen Widerspruch zu lösen, ist die Herausbildung einer ökologischen Ethik zwingend nötig, wobei die Natur nicht nur aufgrund der Brauchbarkeit für den Menschen geachtet werden soll, sondern auch hinsichtlich der eigenen Würde. Der Wert (nicht nur für den Menschen) bzw. der Reichtum der Natur muß ihm bewußt gemacht werden (vgl. Wetz, 1994: 133). Es muß sich also eine Art Solidarität von Mensch zu Natur entwickeln und den letztenendes selbstzerstörerischen modernen Hedonismus überwinden.

2.2. Technikethik

Unabhängig von der Frage, in welcher Beziehung der Mensch zur Natur steht, kann man also festhalten, daß die Natur einen eigenen Kreislauf der Werte besitzt und folglich auch eine Würde als solche hat. Der Mensch als (intelligent) denkendes Wesen steht in der Natur und agiert quasi zweckrational im Sinne der Ausschöpfung von Ressourcen. Ob dieses Prinzip in der Natur determiniert ist, wage ich nicht zu beurteilen, wichtig ist nur, daß die Gier bzw. der Fortschrittsgedanke der modernen Zeit (unter welchen Motiven auch immer) im nachhinein eine große Gefahr für die Natur und ihre Systeme darstellt - also auch für den Menschen. Aus dem ursprünglichen Überlebenskampf des Menschen gegen die Gewalten der Natur (vgl. Skudelny in Daecke (Hg.), 1993: 238) ist ein Siegeszug der Technologien geworden, der in seinem Ausmaß nicht mehr zu überblicken ist. Die „Unschuld“ der wissenschaftlichen Aktivität ist nach Jonas mit dem Einzug neuerer Entwicklungen der Wissenschaftstechnik, die in ihrem Ausmaß nicht mehr hinreichend zu kalkulieren sind, hinfällig geworden (vgl. Jonas, 1987: 98f.). In meinen Augen sind gesellschaftliche Institutionen wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik das Bindeglied zwischen dem idealistischen Naturzustand an sich und dem bedrohlichen, um nicht zu sagen ignoranten Willen des Menschen. Um diese Verbindung ethisch neu zu definieren, werden Aspekte einer Technikethik immer wichtiger. Die Wissenschaftler müssen sich ihrer Bedeutung bewußt sein – „Mögen daher die Techniker erkennen, daß es, um Techniker zu sein, nicht genügt, Techniker zu sein“ (Walther, 1992: 41). Somit ist also das Gute an dem Guten entscheidend. Die Frage nach den Zielen der Innovationen muß also zwingend gestellt werden. Der reflexive Umgang der Forscher gegenüber ihren Projekten ist die Grundvoraussetzung für die Basis einer Technikethik. Dennoch muß man diese ethische Reflexion genauer beleuchten. Wer entscheidet, was gut oder schlecht ist? Hierbei zeigen sich einige Schwierigkeiten. Eine ethische Vernunft ist zwar dringend nötig aber dennoch schwer umzusetzen oder besser gesagt zu überprüfen. Es bleibt daher nur zu postulieren, daß ein disziplinierter Umgang mit der Technik geboten ist. Inwieweit dieses Moralprinzip rechtlich zu legitimieren ist oder dem Menschen im Zuge seiner Erziehung gelehrt werden kann, ist dabei fraglich. Eine Antwort darauf kann in meinen Augen nur der philosophische Rückschluß von Erkennen und Handeln geben. Jonas verweist hierbei auf die schlimmsten Auswirkungen des Raubbaus an der Natur mit dem Ziel, daß dem Mensch vor Augen geführt wird, wozu er fähig ist und daß sich daraufhin das Bewußtsein des Menschen gegenüber der Natur verändert. Das Faktum der Macht ist dabei besonders wichtig. Je größer das Quantum an technischen Voraussetzungen, desto höher ist auch die prinzipielle Gefahr eines Mißbrauchs dieser Kapazitäten. Ganz allgemein kann man festhalten, daß, wer große Macht besitzt, auch ein gleich großes Potential an Verantwortung zu tragen hat. Der Mensch hatte nie zuvor die Macht, jegliches Leben in ökologischen Systemen zu zerstören, erst durch den dauerhaften Einsatz der Technik kam es zu irreversiblen Schäden der Natur, wie z.B. Klimaveränderungen, technologischer Erosion und Strahlenschäden.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Prinzip Verantwortung als Anspruch einer modernen Ethik im Zeitalter der Technologie
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Innovationen – Erzeugung und Anwendung industrieller Güter und Dienstleistungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V13117
ISBN (eBook)
9783638188517
ISBN (Buch)
9783640209491
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prinzip, Verantwortung, Anspruch, Ethik, Zeitalter, Technologie, Seminar, Innovationen, Erzeugung, Anwendung, Güter, Dienstleistungen, Jonas
Arbeit zitieren
Uwe Liskowsky (Autor), 2000, Das Prinzip Verantwortung als Anspruch einer modernen Ethik im Zeitalter der Technologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13117

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