Man kann weltweit große Unterschiede sowohl zwischen dem Niveau der Pro-Kopf-Einkommen als auch in den regional erzielten Wachstumsraten erkennen. In den letzten zwei Jahrhunderten war das Wachstum in den industrialisierten Ländern so groß wie niemals zuvor. Die Weltrangliste der führenden Wirtschaftsmächte wird seit daher von den führenden Ländern der Ersten Welt angeführt. Doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts erschienen neue Akteure am Horizont: Die BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China – haben das Potenzial, um in den nächsten 50 Jahren für tief greifende Umwälzungen zu sorgen. Laut der BRIC-Theorie von Goldman Sachs könnten diese vier Länder bis zum Jahre 2050 die westlichen Industrienationen der G7 in punkto Wirtschaftskraft überholt haben. Die Finanzbeziehungen und Investitionsflüsse werden sich in den nächsten 50 Jahren in Richtung aufstrebende Schwellenländer verschieben.
Länder wie Brasilien haben zwar viele Ressourcen, diese sind jedoch nicht unerschöpfbar. Hohe und steigende Wachstumszahlen geben keinen Einblick in den Wohlstand einer Nation. Das Pro-Kopf-Einkommen ist die beste Möglichkeit, Vergleiche der internationalen Entwicklung quantitativ darzustellen, jedoch ist es kein vollständiger Indikator. Um die Wohlfahrt der Bevölkerung darzustellen, benötigt es qualitative Indikatoren wie beispielsweise Umweltkennzahlen und Maßstäbe für die Einkommensverteilung.
Wachstum ist nur dann entwicklungsfördernd, wenn es sozialverträglich, umweltverträglich und arbeitsintensiv ist. Das heißt: Entwicklung und Wachstum sollten nicht auf destruktiven Grundlagen entstehen, sondern vielmehr auf der fairen Verteilung der erwirtschafteten Produkte und der Integration der Bevölkerung in den Produktionsprozess, um so die Entwicklung auch nachhaltig zu gestalten.
In vorliegender Arbeit soll analysiert werden, ob Brasilien ein aufstrebendes Schwellenland ist. Dazu werden zuerst die nötigen qualitativen und quantitativen Faktoren angeführt und beschrieben, die für ein langfristiges entwicklungsförderndes Wachstum nötig sind. Anhand dieser Faktoren wird Brasilien im praktischen Teil statisch analysiert. Aus der Analyse soll hervorgehen, wie die momentanen Voraussetzungen für ein erfolgreiches und nachhaltiges Wachstum in Brasilien sind. In der Arbeit werden keine mathematischen Analysen des quantitativen Wachstums durchgeführt, sondern vielmehr wissenschaftliche, bereits bestehende Statistiken herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Nötige Faktoren für ein erfolgreiches Wachstum
2.1 Wirtschaftswachstum und Einkommen – Wachstumstheorien
2.1.1 Schumpeter – Theorie der „kreativen Zerstörung”
2.1.1.1 Industrieökonomik
2.1.1.2 Arrow, Kennedy, Shell – „Wissen” als Output und Input in Produktionsprozessen
2.1.1.3 Nelson, Winter – Evolutionstheorie
2.1.2 Frühere Ansätze der formalen Wachstumstheorie
2.1.2.1 Das Neoklassische Wachstumsmodell nach Solow
2.1.2.2 Neokeynesianische Wachstumstheorie
2.1.3 Die Internationale Unabhängigkeitsrevolution
2.1.4 Drei-Sektoren-Hypothese
2.2 Soziale Indikatoren
2.2.1 HDI-Index
2.2.1.1 Gesundheitspolitik – Lebenserwartung
2.2.1.2 Bildungswesen
2.2.1.3 Kinderarbeit
2.3 Entwicklung mit Nachhaltigkeit
2.3.1 Umweltproblematik
2.3.2 Nachhaltigkeit
2.4 Armut und Ungleichheit
2.4.1 Ungleichheit messen
2.4.1.1 Die Größenverteilung von Einkommen
2.4.1.2 Gini-Koeffizient
2.4.2 Armut messen
2.4.2.1 Die internationale Armutsgrenze
2.5 Ethnische Minderheiten und indigene Bevölkerungen
3 Fallbeispiel Brasilien
3.1 Wirtschaftswachstum und Einkommen
3.1.1 1965-2000
3.1.2 2000-2007
3.1.3 Außenhandel
3.2 Soziale Indikatoren
3.2.1 Entwicklung Brasilien im HDI („Index des menschlichen Entwicklungsstandes“)
3.2.1.1 Lebenserwartung
3.2.1.2 Bildungswesen
3.2.1.3 Kinderarbeit
3.3 Entwicklung mit Nachhaltigkeit
3.4 Ungleichheit
3.5 Armut
3.6 Ethnische Minderheiten
4 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomische Position Brasiliens im Kontext der globalen Wirtschaft, um die Forschungsfrage zu beantworten, ob das Land als ein aufstrebendes Schwellenland eingestuft werden kann. Dabei wird analysiert, inwieweit quantitatives Wirtschaftswachstum durch qualitative soziale und ökologische Faktoren ergänzt werden muss, um eine langfristige und nachhaltige Entwicklung sicherzustellen.
- Analyse der Wachstumstheorien und deren Übertragbarkeit auf Schwellenländer
- Untersuchung sozialer Indikatoren wie Bildung, Gesundheit und Einkommensverteilung
- Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit im Entwicklungsprozess
- Kritische Beleuchtung der Armutsproblematik und der Situation ethnischer Minderheiten
- Statistische Auswertung der brasilianischen Wirtschaftsdaten seit den 1960er Jahren
Auszug aus dem Buch
3.1.2 2000-2007
Brasilien hatte im Jahr 2000 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 4,3 %, im Jahr 2005 von 2,9 %, im Jahr 2006 von 3,7 % und im Jahr 2007 stieg es auf 5,4 % an. Brasilien erwirtschaftete im Jahr 2007 ein Gesamtbruttoinlandsprodukt von US $ 1,3 Billionen. Davon wurden 5 % im primären Sektor (Agrarsektor), 31 % im sekundären Sektor (Industrie) und 64 % im tertiären Sektor (Dienstleistungen) erwirtschaftet.50 Der Dienstleistungssektor hat durch den Zuwachs in der urbanen Bevölkerung, die bis 2006 auf 84 % der Gesamtbevölkerung angestiegen ist, einen starken Zuwachs erfahren.51
Die positive Wirtschaftsentwicklung Brasiliens im Jahre 2007 konnte im ersten Halbjahr 2008 beibehalten werden. Nun scheint es jedoch, dass sich die positive Entwicklung im zweiten Halbjahr 2008 aufgrund der verschlechterten finanziellen Voraussetzungen Brasiliens abschwächen wird. Das positive Wirtschaftswachstum lässt sich großteils auf die starke Binnennachfrage in Brasilien zurückführen, die durch das Sozialprogramm der Regierung Lula noch angehoben wurde. Im Jahr 2009 wird die Ausbringung der Gesamtproduktion in Brasilien voraussichtlich sinken.52
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die globale Bedeutung der BRIC-Staaten und stellt die zentrale Frage, ob Brasilien trotz seines Potenzials die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum erfüllt.
2 Nötige Faktoren für ein erfolgreiches Wachstum: Dieses Kapitel erläutert theoretische Wachstumsmodelle sowie zentrale qualitative Indikatoren wie den HDI, Bildung und soziale Gerechtigkeit, die für die ökonomische Entwicklung essenziell sind.
3 Fallbeispiel Brasilien: Im Hauptteil wird die historische und aktuelle ökonomische Entwicklung Brasiliens detailliert anhand von Wachstumsdaten, sozialen Herausforderungen und Nachhaltigkeitsaspekten analysiert.
4 Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass Brasilien zwar kontinuierliches Wachstum aufweist, jedoch gezielte Investitionen in qualitative Bereiche und den Abbau sozialer Ungleichheit benötigt, um langfristig als Schwellenland zu bestehen.
Schlüsselwörter
Brasilien, Wirtschaftswachstum, Schwellenland, BRIC-Staaten, Human Development Index, HDI, Armutsbekämpfung, Einkommensverteilung, Nachhaltigkeit, Humankapital, Bildungssektor, Außenhandel, Kinderarbeit, soziale Indikatoren, Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens vor dem Hintergrund seiner Rolle als aufstrebendes Schwellenland innerhalb der BRIC-Staaten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Wachstumstheorien, die Bedeutung sozialer Indikatoren wie Bildung und Gesundheit, sowie die Herausforderungen von Armut, Ungleichheit und ökologischer Nachhaltigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Brasilien die qualitativen und quantitativen Voraussetzungen erfüllt, um langfristig erfolgreich und nachhaltig zu wachsen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden keine eigenen mathematischen Analysen durchgeführt; stattdessen werden bestehende wissenschaftliche Statistiken und Theorien zur Bewertung der wirtschaftlichen Lage herangezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Fallbeispiel Brasilien, unterteilt in Abschnitte zu Wirtschaftswachstum, Außenhandel, sozialen Indikatoren, Armut und der Situation ethnischer Minderheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Brasilien, Wirtschaftswachstum, Schwellenland, soziale Indikatoren, HDI und Einkommensverteilung.
Welche Rolle spielt das Programm „Bolsa Familia“ in der Analyse?
Das Programm wird als ein wesentlicher Faktor genannt, der zur Verringerung der Ungleichheit und zur Linderung der Armut in Brasilien beigetragen hat.
Warum ist das Humankapital für die Entwicklung Brasiliens entscheidend?
Die Arbeit argumentiert, dass eine Verbesserung im Bildungs- und Gesundheitswesen direkt die Produktivität steigert und somit für ein langfristiges Wirtschaftswachstum unerlässlich ist.
Wie steht es um die ethnischen Minderheiten in Brasilien?
Die Arbeit stellt fest, dass Armut überproportional die schwarze Bevölkerung und indigene Gruppen trifft, die zudem in Politik und Bildungssystem unterrepräsentiert sind.
Wie wird das Zitat „Brasilien ist das Land der Zukunft“ in der Arbeit eingeordnet?
Das Zitat wird kritisch betrachtet, indem darauf hingewiesen wird, dass Brasilien dieses Potenzial nur durch nachhaltige Reformen und den Abbau von Ungleichheit ausschöpfen kann, sonst bleibt der Nachsatz „und wird es immer sein“ bestehen.
- Citation du texte
- Kerstin Strasser (Auteur), 2009, Die Einbettung Brasiliens in die Weltwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131205