Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Expansion des Ordenswesens im 19. Jahrhundert am Beispiel der Barmherzigen Schwestern zu Münster. Die Geschichte eben dieses Ordens eignet sich für die Darstellung besonders gut, da er, gegründet im Jahr 1808, im Verlauf des 19. Jahrhunderts einen enormen Aufschwung verzeichnen kann und die überaus detaillierte Dokumentation der Ordensentwicklung seitens des Ordens selbst eine an Fakten orientierte Darstellung zulässt.
Die zentrale Fragestellung richtet sich auf die Gründe dieser Entwicklung. Warum konnte der Orden, trotz Säkularisation, Industrialisierung, Krieg und Kulturkampf aufblühen und zum Ende des Jahrhunderts 993 Mitglieder zählen? Was bewegte die Frauen dem Orden beizutreten? Inwiefern spielen gesellschaftliche Umstände eine Rolle?
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Vor der Gründung der Genossenschaft
1.1 Verhältnisse im Hochstift Münster vor der Säkularisation
1.2 Säkularisation
2. Die Barmherzigen Schwestern zu Münster
2.1 Anfänge der Genossenschaft
2.2 Erste Krisenzeiten
2.3 Einzug in das Clemenshospital
2.4 Expansion
2.5 Erneute Krisenzeiten
3. Gründe für die steigende Anzahl der Schwestern
3.1 Zahlen und Fakten
3.2 Industrialisierung und Gesellschaft
4. Schlussbilanz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für den starken Mitgliederzuwachs des Ordens der Barmherzigen Schwestern zu Münster im 19. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, inwiefern gesellschaftliche Umbrüche wie die Säkularisation und die Industrialisierung sowie die damit verbundene soziale Notlage die Expansion und die Motivation der eintretenden Frauen beeinflussten.
- Die historische Entwicklung des Ordens der Barmherzigen Schwestern
- Einfluss der Säkularisation auf soziale Strukturen in Münster
- Auswirkungen der Industrialisierung und des Pauperismus auf das Gesundheitswesen
- Die Rolle der Nächstenliebe und religiöser Motivation als Antwort auf soziale Krisen
- Die Entwicklung von Ordensbeitritten und Niederlassungen im 19. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
3.2 Industrialisierung und Gesellschaft
Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brachte grundlegende Veränderungen in die bisher vorherrschende Gesellschaftsstruktur. Die als Pauperismus bezeichnete Massenarmut ist kennzeichnend für diese Zeit und tritt hauptsächlich in den unter dem Existenzminimum lebenden Gesellschaftsschichten auf. Als Ursache gilt die steigende Bevölkerungszahl in Verbindung mit der Agrarreform, die viele Bauern zu Besitzlosen machte. Das Wachstum resultierte aus verbesserten Lebensumständen wie besserer Hygiene, besserer Ernährung und medizinischer Versorgung. Der Rückgang der Sterblichkeit führte zu einem erheblichen Anstieg der Bevölkerungsrate von 1780 bis 1850 von 21 auf 35 Million. Da um 1800 noch ca. 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig waren, konnte die steigende Nachfrage nach Nahrungsmittel zunächst gedeckt werden und Armut und Epidemien konnten sich ausbreiten. Dennoch war das Land nicht ausreichend kultiviert, als dass es die wachsende Bevölkerung konstant ernähren konnte. So bedurfte es einer Armen- und Krankenpflege, die sich der Opfer des Pauperismus annahm. Staatliche Armen- und Krankenverwaltungen waren bis weit ins 19. Jahrhundert maßgebend, jedoch waren sie den Anforderung in diesem Grad nicht gewachsen, so dass sowohl private, als auch kirchliche Pflege unverzichtbar war.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum der Orden der Barmherzigen Schwestern trotz schwieriger historischer Umstände im 19. Jahrhundert stark expandierte.
1. Vor der Gründung der Genossenschaft: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Hochstift Münster vor der Säkularisation und die daraus resultierenden Veränderungen durch den Übergang zu preußischer Herrschaft.
2. Die Barmherzigen Schwestern zu Münster: Hier wird die Gründung und die historische Entwicklung des Ordens beschrieben, inklusive der Bewältigung von Krisenzeiten und der Expansion durch neue Niederlassungen.
3. Gründe für die steigende Anzahl der Schwestern: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten zu den Ordensbeitritten und ordnet die Expansion in den sozioökonomischen Kontext der Industrialisierung ein.
4. Schlussbilanz: Abschließend wird die These bekräftigt, dass die soziale Notlage der Zeit eine direkte Triebfeder für den Zuwachs des Ordens und die Ausübung gelebter Nächstenliebe war.
Schlüsselwörter
Barmherzige Schwestern, Münster, 19. Jahrhundert, Säkularisation, Industrialisierung, Pauperismus, Krankenpflege, Ordensentwicklung, soziale Notlage, Nächstenliebe, Clemenshospital, katholische Kirche, Ordensbeitritte, Gesellschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Wachstum des Ordens der Barmherzigen Schwestern zu Münster im 19. Jahrhundert vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Auswirkungen von Säkularisation und Industrialisierung sowie die Entwicklung der Armen- und Krankenpflege in dieser Krisenzeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage sucht nach den Ursachen für den enormen Zuwachs des Ordens trotz schwieriger politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, die verfügbare Literatur, Quellen zur Ordensentwicklung und statistische Beitrittsdaten miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Entstehung des Ordens, seine Etablierung im Clemenshospital, die Expansion durch Filialgründungen und die soziologischen Hintergründe der Ordensbeitritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Barmherzige Schwestern, Säkularisation, Industrialisierung, Pauperismus und Krankenpflege.
Warum wurde der Name "Clemenschwestern" gebräuchlich?
Der Name entstand, nachdem der Orden im Jahr 1820 die Pflege im Clemenshospital übernahm, welches für Jahrzehnte zum zentralen Wirkungsort des Ordens wurde.
Welche Rolle spielte der Kulturkampf für den Orden?
Der Kulturkampf führte zu restriktiven Maßnahmen und Verboten bei Neuaufnahmen, konnte die caritative Tätigkeit des Ordens jedoch aufgrund seiner Bedeutung für die Gesellschaft nicht vollständig unterbinden.
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- Jennifer Broek (Autor), 2009, Die Expansion des Ordenswesens im 19. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131256