Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, welche psychischen Auswirkungen gewichtsbezogene Stigmatisierung auf Menschen mit Übergewicht und Adipositas hat. In Kapitel 2 wird der Grundbegriff Stigma erläutert und dargestellt, in welcher Form Stigma in Bezug auf übergewichtige Menschen auftritt und welche (psychischen) Auswirkungen dies hat. Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Aspekt der Selbststigmatisierung, die sich durch das Erleben von Stigma durch Dritte
entwickelt und welche Beeinträchtigung diese spezielle Form der Stigmatisierung mit sich bringt. Im Diskussionsteil dieser Arbeit werden die Ergebnisse der beiden vorangehenden Kapitel zusammengeführt und es werden Möglichkeiten zur Reduktion beider Formen von Stigma besprochen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und etwaige Limitationen finden sich im letzten Kapitel.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gewichtsstigma
2.1 Negative Einstellungen gegenüber übergewichtigen Menschen
2.2 Einflussfaktoren und Auswirkungen von Gewichtsstigma
3 Besonderheiten von Selbststigmatisierung bei Übergewicht und Adipositas
3.1 Entstehung von gewichtsbezogener Selbststigmatisierung
3.2 Folgen der Selbststigmatisierung
4 Diskussion
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychologischen Folgen der gewichtsbezogenen Stigmatisierung und der daraus resultierenden Selbststigmatisierung bei Menschen mit Übergewicht und Adipositas. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Auswirkungen diese Stigmatisierungsformen auf das psychische Wohlbefinden und Verhalten der Betroffenen haben und welche Lösungsansätze existieren.
- Mechanismen des öffentlichen Gewichtsstigmas
- Prozessmodell der Selbststigmatisierung
- Psychische und behaviorale Folgen von Stigma
- Einfluss auf Selbstwirksamkeit und Gesundheitsverhalten
- Möglichkeiten der Entstigmatisierung im Gesundheitswesen
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung von gewichtsbezogener Selbststigmatisierung
„Werden stigmatisierende Einstellungen, Gefühle oder Verhaltensweisen von Betroffenen gegenüber der eigenen Person eingenommen oder gezeigt („internalisiert“), spricht man von Selbststigmatisierung.“ (Hilbert & Puls, 2019, S.68).
Nach dem Prozessmodells der Selbststigmatisierung von Corrigan et al. 2009 (S.75) entsteht Selbststigmatisierung durch drei Stufen: awareness, agreement und application. Die Kenntnis über die Stigmatisierung („Ich merke übergewichtige Menschen werden als faul angesehen“) mündet somit in der Zustimmung zum Vorurteil („Ich finde auch, dass übergewichtige Menschen faul sind“) und es kommt zur Anwendung auf das Selbst („Ich bin übergewichtig, also bin ich faul“). Durch diese Anwendung findet eine Abnahme von Selbstwert und Selbstwirksamkeit der Betroffenen statt, die zu einer Verringerung von zielorientiertem Verhalten führt. Beim Selbststigmatisierungsprozess sind sowohl die kognitive als auch die emotionale und behaviorale Ebene betroffen (Hilbert & Puls, 2019, S.68-69).
Diese Beeinträchtigung des zielorientierten Verhaltens als Resultat verringerter Selbstwirksamkeit wurde von Corrigan, Larson und Rüsch 2009 im Kontext von Selbststigmatisierung bei psychischen Erkrankungen auch als der „why-try“-Effekt benannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird das Thema Gewichtsstigma eingeführt, der gesellschaftliche Kontext beleuchtet und die Forschungsfrage nach den psychischen Auswirkungen auf die Betroffenen formuliert.
2 Gewichtsstigma: Dieses Kapitel behandelt die negativen Einstellungen der Gesellschaft gegenüber Übergewichtigen sowie die daraus resultierenden psychischen und physischen Folgen.
3 Besonderheiten von Selbststigmatisierung bei Übergewicht und Adipositas: Das Kapitel analysiert den Prozess der Internalisierung von Stigma sowie dessen spezifische Auswirkungen auf Selbstwirksamkeit und Verhalten.
4 Diskussion: Hier werden die Ergebnisse kritisch reflektiert und Möglichkeiten zur Reduktion von Stigmatisierung, insbesondere im medizinischen Kontext, erörtert.
5 Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Folgen von Fremd- und Selbststigma zusammen und benennt Limitationen der aktuellen Studienlage.
Schlüsselwörter
Gewichtsstigma, Selbststigmatisierung, Adipositas, Übergewicht, Psychologie, Internalisierung, Selbstwirksamkeit, Diskriminierung, psychische Gesundheit, Body Mass Index, Public Health, Vorurteile, Stigmatisierung, Sozialpsychologie, „why-try“-Effekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert das Gewichtsstigma in der Gesellschaft und untersucht insbesondere, wie Betroffene diese Stigmatisierung verinnerlichen (Selbststigmatisierung) und welche psychischen Konsequenzen dies hat.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die wesentlichen Bereiche umfassen die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Menschen mit hohem Körpergewicht, das Prozessmodell der Stigmatisierung sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität und psychische Gesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die psychischen Auswirkungen von gewichtsbezogener Stigmatisierung zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie Betroffene und das Gesundheitssystem besser mit diesem Phänomen umgehen können.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Forschungsstandanalyse, in der aktuelle Studien und Modelle zur Stigmatisierung und Selbststigmadesierung zusammenfassend ausgewertet werden.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des allgemeinen Gewichtsstigmas, die detaillierte Analyse der Selbststigmatisierung sowie eine Diskussion über Interventionsmöglichkeiten zur Entstigmatisierung.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von sozialpsychologischen Prozessen mit konkreten gesundheitlichen Auswirkungen aus, wobei ein starker Fokus auf das Konzept der Selbstwirksamkeit gelegt wird.
Was besagt das „why-try“-Modell in diesem Kontext?
Der „why-try“-Effekt beschreibt den Prozess, bei dem Betroffene aufgrund ihrer internalisierten Stigmatisierung und verringerter Selbstwirksamkeit das Vertrauen in ihre eigenen Ziele verlieren und daher zielorientiertes Verhalten einstellen („Warum soll ich es versuchen, wenn ich ohnehin als faul gelte?“).
Wie unterscheidet sich Fremd- von Selbststigma laut der Autorin?
Während beide Formen negative Auswirkungen haben, zeigt die Arbeit auf, dass speziell die Selbststigmatisierung die Selbstwirksamkeit der Betroffenen signifikant stärker beeinträchtigt und zu maladaptiven Strategien wie sozialem Rückzug führen kann.
- Citar trabajo
- Anissa Butlin (Autor), 2022, Psychische Auswirkungen von gewichtsbezogener Stigmatisierung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1312618