Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die Diagnose des Rechtspopulismus Chantal Mouffes auf die Entstehung und Rolle der AfD in der Bundesrepublik Deutschland zutreffend ist. Dafür wird zunächst Mouffes Beschreibung der postpolitischen Demokratie vorgestellt und daraufhin ihrer Kritik unterzogen. Das nachfolgende Kapitel stellt ihren Gegenentwurf in Form einer agonalen Demokratietheorie sowie ihre Diagnose des Rechtspopulismus vor. Auf dieser Grundlage wird untersucht, ob die AfD tatsächlich als Phänomen der postpolitischen Demokratie gelten kann.
Zunächst gibt es eine kurze Vorstellung der Partei, an die dann eine Beschreibung ihrer Oppositionsrolle anschließt. Um Mouffes Theorie zu testen, wird auch auf den Umgang der anderen Parteien mit der AfD eingegangen. In Kapitel wird untersucht, ob die AfD tatsächlich als Gegner oder möglicherweise schon als politischer Feind in der deutschen Demokratie auftritt. Hierfür wird ihre Einstellung zum Pluralismus sowohl mit der Theorie Mouffes als auch Carl Schmitts verglichen. Das Kapitel endet mit dem Ansatz, dass der Populismus selbst eine Ursache für das Erstarken des Antagonismus führt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Die postpolitische Demokratie
1.2 Mouffes Kritik
2 Theorie
2.1 Agonale Demokratietheorie
2.2 Diagnose des Rechtspopulismus
3 Analyse: Die AfD als Symptom der postpolitischen Demokratie
3.1 Die AfD als Oppositionspartei
3.2 Reaktion und Umgang seitens der Parteien
3.3 Antipluralismus und die AfD – Gegner oder Feind?
4 Fazit
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Chantal Mouffes Diagnose des Rechtspopulismus auf die Entstehung und die Rolle der Alternative für Deutschland (AfD) in der Bundesrepublik Deutschland zutrifft, indem sie die Partei im Kontext der agonalen Demokratietheorie analysiert.
- Analyse der postpolitischen Demokratie nach Chantal Mouffe
- Gegenüberstellung von agonalen und antagonistischen Demokratiemodellen
- Untersuchung der AfD als rechtspopulistisches Phänomen
- Vergleich der AfD-Programmatik mit Theorien von Carl Schmitt
- Evaluation des Umgangs etablierter Parteien mit der AfD
Auszug aus dem Buch
2.1 Agonale Demokratietheorie
Als Gegenentwurf konstruiert Mouffe in ihrer Demokratietheorie das Modell eines sogenannten „agonistischen Pluralismus“. Es beschreibt eine Gesellschaftsordnung, in der konkurrierende Interessen unter demokratischen Regeln und mithilfe von Institutionen ausgetragen werden. Diese Institutionen sollen allerdings nicht wie in der postpolitischen Demokratie unparteilich sein, sondern vielmehr aus Politikern und Theoretikern bestehen, durch die agonistische Debatten ausgetragen und Wahlmöglichkeiten zwischen wirklichen Alternativen angeboten würden. Durch diese Praxis werde der gesellschaftliche Antagonismus entschärft, ohne dass eine politische Gemeinschaft aufgelöst werde. Laut Mouffe würde der Antagonismus somit „nicht eliminiert, sondern sozusagen ‚sublimiert‘“. Die Hauptaufgabe der Politik sei also die Umwandlung des Antagonismus in den Agonismus.
Hier unterscheidet Mouffe zunächst zwischen der ‚Politik‘ und dem ‚Politischen‘. Erstere sei ein empirisches Gebiet der Wissenschaft und bilde somit die ontische Ebene. Die Politik „strebt nach der Errichtung von Ordnung“ und umfasse alle Institutionen und Verfahren, die zu diesem Zweck gebraucht würden. Konkreter schaffe die Politik eine Ordnung, welche ein ‚wir‘ in Abgrenzung zu den ‚anderen‘ bestimme. Das Politische wiederum beziehe sich auf den Antagonismus, der in allen sozialen Beziehungen zu finden sei. Es bewege sich auf der ontologischen Ebene. Die Politik kann als Katalysator des Politischen verstanden werden, der durch legitime Artikulationsmöglichkeit verhindert, dass gesellschaftliche Uneinigkeiten zu gewaltsamen Konflikten ausarten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Untersuchung der AfD im Lichte von Chantal Mouffes Theorien ein und umreißt das methodische Vorgehen sowie die Fragestellung der Arbeit.
2 Theorie: In diesem Kapitel werden Mouffes Konzepte der postpolitischen Demokratie, des agonalen Pluralismus sowie ihre Diagnose des Rechtspopulismus theoretisch fundiert dargelegt.
3 Analyse: Die AfD als Symptom der postpolitischen Demokratie: Der Hauptteil untersucht die AfD empirisch, indem er ihre Rolle als Oppositionspartei, den Umgang anderer Parteien mit ihr und ihre antipluralistische Ausrichtung analysiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die AfD zwar Mouffes Diagnose bestätigt, aber in ihrem Selbstverständnis eher Schmittsche Antagonismen verkörpert.
Schlüsselwörter
Chantal Mouffe, Agonale Demokratietheorie, AfD, Rechtspopulismus, Postpolitische Demokratie, Carl Schmitt, Wir-Sie-Unterscheidung, Antagonismus, Pluralismus, Politische Identität, Opposition, Demokratie, Parlamentarismus, Gesellschaftsordnung, Populismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die politische Dynamik der AfD unter Anwendung der Demokratietheorie von Chantal Mouffe, um zu klären, warum die Partei in der gegenwärtigen deutschen Politik so stark polarisiert und als rechtspopulistisches Phänomen wahrgenommen wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die liberale Demokratietheorie, die Dynamik von politischem Konsens versus Konflikt, die Rolle des Rechtspopulismus in der modernen Parteienlandschaft sowie die Abgrenzungsstrategien etablierter Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Arbeit fragt, inwiefern die Diagnose des Rechtspopulismus von Chantal Mouffe geeignet ist, die Entstehung und Stellung der AfD in der deutschen Parteienlandschaft zu verstehen und theoretisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze von Chantal Mouffe (agonale Demokratie) und Carl Schmitt (Begriffsbestimmung des Politischen) mit der empirischen Entwicklung und den Programminhalten der AfD vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der AfD-Oppositionsrolle, eine Untersuchung der Reaktionen anderer Parteien sowie eine theoretische Prüfung, ob die AfD innerhalb des demokratischen Spektrums als agonaler Gegner oder als politischer Feind agiert.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie „agonaler Pluralismus“, „postpolitische Demokratie“, „Antagonismus“, „Wir-Sie-Unterscheidung“ und „Anti-Pluralismus“ geprägt.
Wie unterscheidet sich Mouffes Demokratieverständnis von der Auffassung der AfD?
Während Mouffe einen agonalen Pluralismus innerhalb der Demokratie als stabilisierend ansieht, neigt die AfD laut der Analyse eher zu einem Schmittschen Freund-Feind-Verständnis, das eine homogene nationale Einheit fordert und den Pluralismus als Gefahr betrachtet.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich des Umgangs mit der AfD?
Die Arbeit stellt fest, dass die Strategie der "moralischen Exklusion" und Ausgrenzung der AfD durch die etablierten Parteien eher dazu geführt hat, die AfD als Vertreter von Unzufriedenen zu stärken, anstatt sie politisch im Sinne eines agonalen Wettbewerbs zu stellen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2021, Die Alternative für Deutschland (AfD) im Kontext von Chantal Mouffes agonaler Demokratietheorie. Unter Gegnern und Feinden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1312834