Im Rahmen dieser Seminararbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie und mit welchen Methoden der DFV die Bevölkerung zwecks Mitgliedergewinnung zu umgarnen und zu beeinflussen versucht hat. Obgleich die Existenz des Vereins sich bis in die NS-Zeit verfolgen
lässt, nach Umbenennung in Deutscher See-Verein (DSV) 1919 und erzwungener Selbstauflösung im Jahre 1934, sollen hierbei die Jahre vor dem 1.Weltkrieg bis zur Flottennovelle von 1912 im Fokus stehen, da der Verein in diesem Zeitraum seine größte Wirkung entfaltete.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Marine des Kaiserreiches
3. Gründung des Deutschen Flottenvereins
3.1 Administrative Grundlagen
3.2 Entwicklung der Mitgliederzahl
3.3 Vereinsabzeichen
4. Methoden der Agitation
4.1 Printpublikationen
4.2 Verteilung von Druckschriften in der Bevölkerung
4.3 Vortragswesen und Lichtbilderabende
4.4 Nutzung neuer Medien oder „als die Bilder laufen lernten“
4.5 Organisation von Ausflugsfahrten
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Agitationsmethoden des Deutschen Flottenvereins im Zeitraum zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und der Flottennovelle von 1912, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie der Verein die Bevölkerung zur Mitgliedergewinnung und zur Unterstützung des Flottenbaus beeinflusste.
- Analyse der administrativen und strukturellen Gründung des Deutschen Flottenvereins.
- Untersuchung der diversen Printpublikationen und Werbemittel zur Mobilisierung der Massen.
- Bewertung der Bedeutung von Vortragswesen und Lichtbilderabenden als Agitationsinstrumente.
- Rolle moderner Medien wie der Kinematographie bei der Schaffung eines Marinekultes.
- Erforschung der Instrumentalisierung nationaler Symbole und emotionaler Ansprache zur Mitgliedergewinnung.
Auszug aus dem Buch
4.4 Nutzung neuer Medien oder „als die Bilder laufen lernten“
Obgleich die Präsentation der Lichtbildersammlungen durch Dia-Projektionen in der geographischen Fläche des Reiches das wichtigste visuelle Medium der Flottenagitation für das gebildete Publikum blieb, veränderte die Weiterentwicklung der „lebendigen Photographie“ die Art der Agitation massiv. Mit der Kinematographie startete ein gänzlich revolutionär neues Medium, dass sich im Zuge des Wachstums der neuen Massenmedien rasch in der sich ausdifferenzierenden Massengesellschaft etablierte. Die „scheinbar mögliche Verdoppelung der Wirklichkeit“ rief so auch alsbald Geschäftsleute auf den Plan, die den Unterhaltungswert der neuen Erfindung in bare Münze umsetzen wollten. Einer der Filmpioniere der Kaiserzeit war Oskar Messter, anfangs verspottet mit seiner „Jahrmarktsangelegenheit“ und „Höllenmaschine“ von Kamera, konnte er bereits 1897 zuerst die Kaiserin, dann auch bald den Monarchen persönlich bei Vorführungen von seinem Können überzeugen.
Nicht nur Wilhelm II., auch das Reichsmarineamt erkannte alsbald die Möglichkeiten laufender Bilder, und so filmte Messter in Zukunft als offizieller Marinefilmer nicht nur Stapelläufe von Kriegsschiffen, sondern auch die dazugehörigen Schiffstaufen, Marinemanöver, Flottenbesuchen, Regatten wie bei der Kieler Woche und sonstige maritime Veranstaltungen „auf allerhöchsten Befehl“. Mit der Zeit gehörten so Filmaufnahmen genannter Sujets zum Standard des cineastischen Repertoires.
Die Deutsche Bioscope-Gesellschaft wurde ab 1904 offizieller „Lieferant des Deutschen Flottenvereins“ und schaltete regelmäßig Anzeigen in den Vereinspublikationen, in denen für die Präsentation und Organisation einer kinematographischen Vorführung geworben wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des maritimen Imperialismus im Deutschen Kaiserreich und führt in die Fragestellung zur Rolle des Deutschen Flottenvereins ein.
2. Die Marine des Kaiserreiches: Dieses Kapitel erläutert die verfassungsrechtliche Stellung der Marine als zentrale, direkt dem Kaiser unterstellte Institution des Reiches.
3. Gründung des Deutschen Flottenvereins: Hier werden die administrativen Rahmenbedingungen, das Wachstum der Mitgliederzahlen und die symbolische Bedeutung des Vereinsabzeichens behandelt.
4. Methoden der Agitation: Der Hauptteil analysiert die vielfältigen Propagandainstrumente wie Printmedien, Vortragswesen, Filmvorführungen und Ausflugsfahrten, mit denen der Verein die Bevölkerung zu mobilisieren suchte.
5. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Bedeutung des Flottenvereins für die Etablierung eines Marinekultes zusammen und bewertet seinen Einfluss sowie seine Grenzen als Agitationsverband.
Schlüsselwörter
Deutscher Flottenverein, Marine, Agitation, Imperialismus, Kaiserreich, Wilhelm II., Propaganda, Flottenrüstung, Massenmedien, Kinematographie, Nationalismus, Vereinswesen, Mitgliedergewinnung, Marinekult, Weltmacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategien und Propagandamethoden des Deutschen Flottenvereins, mit denen dieser im wilhelminischen Kaiserreich für den Ausbau der deutschen Flotte warb.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Vereinsstruktur, die gezielte Beeinflussung der Bevölkerung durch Print- und visuelle Medien sowie die Instrumentalisierung von Nationalstolz für marinepolitische Ziele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Flottenverein durch die Entwicklung neuer Agitationsformen und die Einbindung der Öffentlichkeit die Begeisterung für den Flottenbau maßgeblich förderte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse zeitgenössischer Quellen, Jahresberichte und Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert den verschiedenen Werbemaßnahmen, angefangen bei Publikationen über das Vortragswesen bis hin zum Einsatz moderner Kinematographie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Deutscher Flottenverein, Propaganda, Kaiserreich, Marine und Agitationsmethoden beschreiben.
Welche Rolle spielte der Kaiser für die Popularität des Vereins?
Kaiser Wilhelm II. fungierte als Identifikationsfigur, wobei durch den Verein eine „fiktive Unmittelbarkeit“ zwischen den Mitgliedern und dem Monarchen geschaffen wurde.
Warum war der Einsatz von Filmen so effektiv für den Verein?
Bewegte Bilder boten eine neue, anschauliche Beweiskraft, die das Publikum sinnlich beeindruckte und es ermöglichte, breite Bevölkerungsschichten für das politische Anliegen zu gewinnen.
Inwieweit war der Flottenverein ein „Volksverein“?
Durch die massenhafte Gewinnung von Mitgliedern wandelte sich der Verein von einer honoratiorengeprägten Organisation zu einem der größten Massenverbände seiner Zeit.
Warum verlor der Verein nach 1910 an Einfluss?
Mit der zunehmenden Stärke der Marine und der Verlagerung der Aufmerksamkeit auf die Heeresrüstung in der Bevölkerung schwand die Schlagkraft der maritimen Propaganda des Vereins.
- Quote paper
- Sebastian Hoffmann (Author), 2009, Die Agitationsmethoden des Deutschen Flottenvereins, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131283