Die Dreyfus Affäre

Ein Wendepunkt in der französischen Geschichte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
11 Seiten, Note: 18/20

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung:

II) Vom Prozess des Kapitäns Dreyfus bis zur „Affäre“
A) Der verräterische und schuldige Jude
B) Die „Affäre“: Eine von Intellektuellen ausgelöste soziale und politische Krise, die in
die Presse Schlagzeilen machte

III) Vom Triumph der zivilen Justiz zu den politischen und institutionellen Konsequenzen der Affäre
A) Von der bedrohten Republik zum Sieg der Dreyfusler
B) Die direkten und langfristigen Folgen der Affäre:

IV. Fazit:

V. Bibliographie
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I. Einleitung:

Die Dreyfus Affäre stellt einen Wendepunkt in der französischen Geschichte dar und ist sicherlich die schwerwiegendste Krise der III Republik. Sie findet in einer Republik statt, die sich in ihrer Aufbauphase befindet, in welcher die republikanischen Ideale noch Züge der Werte des Second Empire und der absolutistischen Monarchie tragen.

Auch wenn es sich zunächst um einen einfachen Gerichtsfall handelt dient sie als Vorwand für eine Debatte über die Werte, die Frankreich verkörpern soll. Der Triumph der Justiz symbolisiert die offizielle Anerkennung der Werte, die als Grundlage der französischen liberalen Demokratie gelten. Dies zeugt von einem starken und dauerhaften Regime. Ein Jahrhundert später, im Jahre 2006, eine Huldigung durch das französische Staatsoberhaupt Jacques Chirac am 12. Juli 2006 im Namen der ganzen Nation unterstreicht noch einmal die Konsequenzen der Affäre, die die Republik in Frankreich verankert hat[1]: « De ce moment de la conscience humaine, la République est sortie fortifiée. L'armée, la justice, la presse, les intellectuels, sont sortis eux aussi renforcés de l'affaire Dreyfus ».

Infolgedessen, inwiefern trug die Lösung der Dreyfus Affäre zur Festigung der III. Republik und ihren Werten in Frankreichs bei?

II) Vom Prozess des Kapitäns Dreyfus bis zur „Affäre“

A) Der verräterische und schuldige Jude

Zunächst handelte es sich um eine simple Spionageaffäre. Im September 1894 erfuhr der Nachrichtendienst des Kriegsministeriums über den Verrat von Militärgeheimnissen an die deutsche Botschaft. Ein wichtiges Dokument, ein „Bordereau“, wurde gestohlen. Nach der Expertise der auf den Dokumenten zu findenden Handschrift verdächtigte man Kapitän Alfred Dreyfus (9. Oktober 1859- 12. Juli 1935). Die polizeilichen Untersuchungen begannen innerhalb kürzester Zeit. Dreyfus war Absolvent der Ecole Polytechnique, er war wohlhabend und Jude, hatte gute Kenntnisse über die deutsche Kultur, und wurde vom Generalstab mit Misstrauen beäugt (Hochrangige Soldaten und Beamte waren sehr antisemitisch, monarchistisch und klerikal eingestellt[2] ). Er war also der perfekte Schuldige. Der Kriegsrat verurteilte ihn, vor allem aufgrund eines geheimen Dossiers, das mit gefälschten Beweisen angereichert war[3], und das der verteidigenden Anwaltschaft nicht weitergeleitet wurde. Am 22. Dezember 1894 wurde er zur Deportation nach Guyana und zum militärischen Rangverlust verurteilt, der am 5. Januar 1895 im Hofe der Ecole Militaire stattfand.

Aber Dreyfus hatte immer für seine Unschuld plädiert und seine Familie , die weiterhin von dieser überzeugt war, war entschieden, nicht aufzugeben. Lieutenant Colonel Picquart wurde 1896 zum neuen Oberhaupt des Nachrichtendienstes ernannt. Er entdeckte ein neues Dokument, bestimmt für Kolonel Esterhazy, „un homme à la moralité douteuse“[4], der mit großer Wahrscheinlichkeit der wahre Schuldige war[5]. Picquart informierte den Generalstab, welcher aber diese Information auf Seite legte, da sie störend für ihn war, und schickte Picquart ins Ausland. Es ging vor allem darum, die „Unfehlbarkeit der Armee nicht in Frage zu stellen“[6]. Eine derartige Infragestellung wäre, laut dem Generalstab und sogar der Regierung, ein Risiko für die Nationale Sicherheit. Trotzdem hatte Picquart genug Zeit um die Familie Dreyfus zu warnen. Die Familie bat um die Überprüfung des Prozesses mit Betrachtung des Falles Esterhazy, aber dies wurde abgelehnt und Esterhazy freigesprochen.

Die öffentliche Meinung, welche auf eine Rache an Deutschland pochte, stellte einen wesentlichen Bremsfaktor für die Überprüfung des Prozesses dar[7]. Ein ausgesprochen patriotisches Klima, das vor allem auf dem Verlust Elsass-Lotringens beruhte, erzeugte einen großen Respekt und großes Vertrauen sowohl in die Armee und als auch in deren Oberhäupter. Die Öffentlichkeit war also zufrieden.

Anfang des Jahres 1895 schien also die Affäre abgeschlossen, aber eigentlich hatte die „Affäre“ noch nicht einmal wirklich begonnen.

B) Die „Affäre“: Eine von Intellektuellen ausgelöste soziale und politische Krise, die in die Presse Schlagzeilen machte

Die Affäre wurde rasch politisch und löste eine Spaltung in der französischen Gesellschaft aus. Am Anfang waren es nur einige Männer, die bestimmte Werte, die in der Presse propagiert wurden, triumphieren lassen wollten: es handelte sich um die „Intellektuellen“[8]. Die Leidenschaft für die Wahrheit motivierte ihr Handeln[9]. Eine berühmte Definition des Begriffes „der Intellektuelle“ von Winock lautet : « l’intellectuel est celui qui jouit d’une grande autorité scientifique dans son domaine et qui s’engage en politique. Il bénéficie de sa popularité pour s’engager en défendant une cause ».

Der Brief „J’accuse“ von Emile Zola, der von Dreyfus Unschuld überzeugt war, erschien am 13. Januar 1898 in der Zeitung „L’Aurore“, sprich drei Tage nach Esterhazys Freisprechung. Dieser Artikel, der sich an den Staatspräsidenten Félix Faure wandte, veränderte den Verlauf der Affäre entscheidend. Zola versuchte einen schockierenden Effekt zu erzeugen, damit die öffentliche Meinung auf diese Ungerechtigkeit reagierte[10] . Es handelte sich um eine Anklagerede gegen die Werte und Tugenden des traditionellen Frankreichs, gegen religiöse Leidenschaft, den militärischen Geist und die Hierarchien, die zu Dreyfus Verurteilung geführt hatten. Diese Anklagen reichten aber über die eigentliche Affäre hinaus: die Militärjustiz wurde beschuldigt, einen Unschuldigen angeklagt und einen Schuldigen frei gesprochen zu haben, d er Generalstab sowie der Staat wurden beschuldigt, den Skandal totschweigen lassen zu wollen. Esterhazy selbst wurde auch angeklagt. Daraufhin wurde Zola strafrechtlich verfolgt, was die Affäre neu belebte. Ein Teil der öffentlichen Meinung begann allmählich, sich den Intellektuellen anzunähern. Zwei Entgegengesetzte Blöcke würden sich in der Gesellschaft bilden[11].

[...]


[1] Journal « Le Monde », dirigé par JM Colombani, Edition du 13 juillet 2006.

[2] Birnbaum Pierre, « L’armée française était-elle antisémite ? », in der Aufsatzsammlung «L’Affaire Dreyfus», Edition du Seuil, Paris, 1998, S. 69.

[3] Drouin Michel, « L’Affaire Dreyfus », 2ème édition Flammarion, Paris, 2006, S. 32 : « Dreyfus comme Demange (sein Anwalt) ignoraient ce dossier secret transmis, en violation des règles de la procédure ».

[4] Olivesi Antoine, Nouschi André, «La France de 1848 à 1914 », Fac Nathan université, Paris, 2002, S. 245

[5] Reinach Joseph, « Histoire de l’Affaire Dreyfus », Bouquins Robert Laffont, Paris, 2006, S.355 : « Il y a des dessous, encore mal connus, quand au rôle d’Esterhazy dans cette affaire ».

[6] Barjot Dominique, Chaline Jean-Pierre, Encrevé André, « La France au XIXème siècle : 1814-1914 », Puf 5ème édition, Vendôme, 2002, S.507 : « Les officiers ont sans doute pensé […] défendre l’honneur de l’armée et que l’opinion pourrait en venir à douter de l’armée, […] ce qui risquerait de mettre en péril la Défense Nationale ».

[7] Démier Francis, « La France du XIXème siècle : 1814-1914 », Points Editions du Seuil, Paris, 2000, S.379 : « l’opinion est unanimement hostile à Dreyfus ».

[8] Der Begriff „Intellektuellen“ wurde von G. Clemenceau verwendet um die ersten Journalisten und Schriftsteller die Dreyfus verteidigt haben zu beschreiben.

[9] Zola Emile, « J’accuse », Librio texte intégral, 1998, S.77 : « Je n’ai qu’une passion, celle de la lumière ».

[10] Bredin Jean-Denis, «Dreyfus, un innocent », Fayard, Poitiers, 1992, S. 253 : « un texte frappant qui résumât l’Affaire, au risque de la simplifier qui mît en évidence les crimes de l’état-major ».

[11] Démier Francis, « La France du XIXème siècle 1814-1914 », Points Editions du Seuil, Paris, 2000, S.380 « Durant deux ans, la France se déchire, pour ou contre Dreyfus ».

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Details

Titel
Die Dreyfus Affäre
Untertitel
Ein Wendepunkt in der französischen Geschichte
Hochschule
Sciences Po Paris, Dijon, Nancy, Poitier, Menton, Havre  (Institut d'études politiques )
Veranstaltung
Geschichte des 19. Jahrhunderts.
Note
18/20
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V131331
ISBN (eBook)
9783640414574
ISBN (Buch)
9783640413522
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dreyfus, Affäre, Wendepunkt, Geschichte
Arbeit zitieren
Adrien Planès (Autor), 2007, Die Dreyfus Affäre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131331

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