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Die §218-Kampagne im Mediendiskurs der 70er Jahre

Title: Die §218-Kampagne im Mediendiskurs der 70er Jahre

Seminar Paper , 2009 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Claudia Zimmermann (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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„Eine Schwangere, die ihre Frucht abtreibt oder im Leib tötet wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft“ , Frauen sehen sich gezwungen ihre ungeborenen Kinder in Hinterhöfen oder Kneipenzimmern von Kurpfuschern und so genannten Engelmachern unter lebensbedrohlichen Bedingungen entfernen zu lassen oder legen in ihrer Verzweiflung mit barbarischen Geräten selbst Hand an.
All dies hört sich eher nach Berichten mittelalterlicher Verhältnisse als nach Zuständen Ende des 20. Jahrhunderts an. Doch war das in Deutschland noch in den 70er Jahren Realität, wahrscheinlich mehrere hundert Mal am Tag. Aber die Frauen begannen sich zu wehren, sich Öffentlichkeit zu verschaffen und unter dem Motto „Mein Bauch gehört mir“ für eine Liberalisierung des an der sozialen Wirklichkeit vorbeigehenden Paragraphen 218 zu kämpfen. Die Front der Gegner jedoch, welche vor allem aus kirchlichen Vertretern, Ärzten und Politikern der CDU bestand, schien keinen Millimeter von ihren konservativen Ansichten abrücken zu wollen, um betroffene Frauen aus ihrer demütigenden und gefährlichen Lage zu befreien.
Obwohl bis dahin weitestgehend ein Tabuthema, setzte vor allem in den Medien der 70er Jahre ein reger Diskurs über die Abtreibung ein. Anhand ausgewählter Artikel der Zeitung Die ZEIT, dem Magazin Der SPIEGEL und der Frauenzeitschrift EMMA aus diesem Jahrzehnt, sowie anhand des im STERN veröffentlichten Appell gegen das bestehende Abtreibungsgesetz wird in der vorliegenden Arbeit ein Einblick in das Dilemma der ungewollt schwangeren Frau, die §218- Kampagne und die Argumente der Gegenseite geschaffen. Anhand dessen soll dabei der Frage nachgegangen werden, inwiefern eine Liberalisierung der Abtreibung unabdingbar war, aber auch dahingehende Befürchtungen ihre Berechtigung hatten. Zusätzlichen Anlass zur Hinterfragung soll des Weiteren die zwiespältige Rolle des Mannes bei dieser Angelegenheit geben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Geschichte der Abtreibung

III. Die §218- Kampagne im Mediendiskurs der 70er Jahre

III.1 DIE ZEIT vom 30.04.1971 „Ist Abtreibung Mord?“

III.2. DER SPIEGEL vom 31.05.1971 „Ich habe nur Umgang mit Mörderinnen“

III.3. DER STERN vom 06.06.1971 „Ich habe abgetrieben“

III.4. DER SPIEGEL vom 21.05.1973 „Abtreibung: Massenmord oder Privatsache?“

III.5. DIE ZEIT vom 15.03.1974 „Keine Abtreibung auf dem Bildschirm?“

III.6. DIE ZEIT vom 11.02.1977 „Ein Mönch schockt Bäuerinnen“

III.7. EMMA 1978 „Der §218- Skandal wird immer größer“

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftspolitischen Diskurs über den Paragraphen 218 und die damit verbundene Abtreibungsproblematik in den westdeutschen Medien der 1970er Jahre. Ziel ist es, anhand ausgewählter Presseberichte das Dilemma ungewollt schwangerer Frauen, die Rolle der Frauenbewegung sowie die konträren Argumentationsmuster der Befürworter und Gegner einer Liberalisierung des Abtreibungsverbots kritisch zu hinterfragen.

  • Die historische Entwicklung des Abtreibungsverbots und der Paragraphen 218.
  • Die Rolle der Medien als Meinungsbildner und Akteure im Diskurs.
  • Die Selbstbezichtigungskampagne „Wir haben abgetrieben“ als Tabubruch.
  • Die Rolle der Kirchen und konservativer Ärzte als zentrale Gegner der Liberalisierung.
  • Das Spannungsfeld zwischen patriarchalen Strukturen und dem Anspruch auf Selbstbestimmung der Frau.

Auszug aus dem Buch

III.2. DER SPIEGEL vom 31.05.1971 „Ich habe nur Umgang mit Mörderinnen“

Dieser mehr als elf Seiten lange Artikel, welcher sogar als Titel dieser Ausgabe des SPIEGEL erschien, zeigt sehr deutlich und umfassend die Kontroversität der Abtreibungsdebatte auf. So heißt es einleitend „Kaum ein Gesetz in der Bundesrepublik wird so häufig übertreten wie das gegen die Abtreibung. (…)Kirchen wie konservative Ärzte und Politiker lehnen die Freigabe der Schwangerschaftsunterbrechung ab- aber die Frauen fordern nun das Recht, über ihr Schicksal selbst zu bestimmen“. Berichtet wird zunächst von einer Tagung der Evangelischen Akademie in Bad Boll zur Reform des §218, auf dem eine Hundertschaft politisch engagierter Frauen aus der „Frauen- Aktion 70“, dem „Weiberrat“ und dem „Sozialistischen Frauenbund“ eine Beteiligung verlangten, denn, so der Bericht, „diesmal scheint sich auch nicht der geringste Konsensus anzubahnen, jedenfalls, solang Männer – Strafrechtler, Moraltheologen, Ärzte und Soziologen – die Debatte bestreiten“, denn „Keine der von Männern beherrschten Legislativen hat jemals die Redlichkeit aufgebracht, in einem Referendum die Meinung der Frauen zu dieser Frage einzuholen“, so der amerikanische Wissenschaftsautor L. Lader. Es ginge um zwölf Millionen betroffene Frauen in der Bundesrepublik, deren physische und seelische Gesundheit, ihr Anspruch auf Selbstbestimmung des eigenen Schicksals, ihr Recht, Not und Leiden von sich und ihren ungeborenen Kindern abzuwenden, verhandelt werden, doch dies allein von Männern.

Gynäkologen werfen den Frauen vor, „Karrieresucht und Angst um die Figur“ seien meist „die wahren Gründe für eine Abtreibung“. Dennoch kenne die Psychotherapeutin Dr. H. Droste viele Ärzte, „die öffentlich gegen eine Freigabe der Abtreibung sind, in der Praxis aber vierstellige Summen für den Eingriff kassieren“. Oder aber man reise als reiche Frau nach London, um den Eingriff legal vornehmen zu lassen, wer allerdings arm sei und sich nicht auskenne, müsse zum Kurpfuscher auf den Küchentisch. Kaum ein Gesetz gehe derart an der sozialen Wirklichkeit vorbei, wie das gegen die Abtreibung. Und so seien es nach wie vor das Hinterzimmer eines Zigarettenladens oder das schmuddelige Eisenbett eines drittklassigen Gasthofs, in denen Frauen „es sich wegmachen lassen“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problematik des Paragraphen 218 in den 70er Jahren und stellt das Vorhaben dar, die gesellschaftliche Debatte anhand von Medienbeiträgen zu analysieren.

II. Die Geschichte der Abtreibung: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über den juristischen und moralischen Umgang mit dem Schwangerschaftsabbruch von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.

III. Die §218- Kampagne im Mediendiskurs der 70er Jahre: Dieses Hauptkapitel analysiert ausgewählte Artikel aus ZEIT, SPIEGEL, STERN und EMMA, welche die kontroversen Standpunkte der damaligen Debatte widerspiegeln.

III.1 DIE ZEIT vom 30.04.1971 „Ist Abtreibung Mord?“: Der Artikel beleuchtet die gesellschaftspolitischen Hintergründe, die Frauen in die soziale Notlage treiben, und hinterfragt den Begriff der „positiven Entscheidung“.

III.2. DER SPIEGEL vom 31.05.1971 „Ich habe nur Umgang mit Mörderinnen“: Dieser Abschnitt dokumentiert die Tagung der Evangelischen Akademie und thematisiert die Forderung der Frauen nach Selbstbestimmung gegenüber einer von Männern dominierten Gesetzgebung.

III.3. DER STERN vom 06.06.1971 „Ich habe abgetrieben“: Der Fokus liegt auf der spektakulären Selbstbezichtigungskampagne, mit der prominente und nicht-prominente Frauen öffentlich ein Tabu brachen.

III.4. DER SPIEGEL vom 21.05.1973 „Abtreibung: Massenmord oder Privatsache?“: Hier wird die zunehmende Polarisierung dargestellt, inklusive der Gegenkampagnen kirchlicher und ärztlicher Interessenverbände.

III.5. DIE ZEIT vom 15.03.1974 „Keine Abtreibung auf dem Bildschirm?“: Dieser Artikel behandelt die öffentliche Kontroverse um die geplante Ausstrahlung eines Films über eine Absaug-Abtreibung im Fernsehen.

III.6. DIE ZEIT vom 11.02.1977 „Ein Mönch schockt Bäuerinnen“: Das Kapitel thematisiert die drastischen und teils unseriösen Propagandamethoden religiöser Gruppierungen nach der Reform des §218 im Jahr 1976.

III.7. EMMA 1978 „Der §218- Skandal wird immer größer“: Die Analyse zeigt auf, wie die neuen Regelungen in der Praxis von Behörden und Ärzten durch restriktive Maßnahmen untergraben wurden.

Schlussbetrachtung: Die Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Rolle der Medien bei der Polarisierung sowie die patriarchalen Strukturen in der Debatte.

Schlüsselwörter

Paragraph 218, Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch, Frauenbewegung, Mediendiskurs, Selbstbestimmung, Frauenrechte, Schwangerschaftskonflikt, §218-Kampagne, 70er Jahre, Moral, Kirche, Sozialpolitik, Feminismus, Emanzipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den medialen Diskurs über den Paragraphen 218 (Abtreibungsverbot) in der Bundesrepublik Deutschland während der 1970er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die rechtliche und moralische Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs, die Rolle der Frauenbewegung, die mediale Berichterstattung sowie den Widerstand von Kirche und Ärzteschaft gegen eine Liberalisierung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, anhand von Medienbeiträgen aufzuzeigen, wie sich der Diskurs um den Paragraphen 218 gestaltete und inwieweit eine Liberalisierung sowohl notwendig war als auch gesellschaftliche Ängste provozierte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?

Die Autorin verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse von ausgewählten, für die Zeit repräsentativen Presseartikeln und Appellen, um die Argumentationsstrukturen der verschiedenen Akteure abzubilden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Im Hauptteil werden sieben ausgewählte Medienbeiträge (aus ZEIT, SPIEGEL, STERN und EMMA) analysiert, die von der gesellschaftspolitischen Kritik bis hin zur Selbstbezichtigungskampagne und den Reaktionen auf Gesetzesreformen reichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem: Paragraph 218, Abtreibung, Selbstbestimmung der Frau, Frauenbewegung, 70er Jahre und Diskursanalyse.

Wie wurde die Rolle des Mannes in dieser Debatte bewertet?

Die Arbeit kritisiert die patriarchale Struktur der Debatte, in der vornehmlich Männer über ein Gesetz urteilten, das primär die körperliche und soziale Realität von Frauen betraf, ohne deren individuelle Leidenswege ausreichend zu berücksichtigen.

Welche Bedeutung hatte die Selbstbezichtigungskampagne im STERN?

Die Kampagne von 1971 war ein zentraler Tabubruch, der dazu führte, dass das Thema aus dem fachpolitischen Diskurs in die breite Öffentlichkeit getragen wurde und den Druck auf die Justiz massiv erhöhte.

Gab es nach der Gesetzesreform 1976 tatsächlich eine Entspannung der Lage?

Nein, wie das Beispiel der EMMA-Berichterstattung von 1978 zeigt, blieb die Umsetzung des Gesetzes konfliktreich, da Beratungsstellen und medizinische Einrichtungen häufig den Zugang zu Abbrüchen weiter erschwerten.

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Details

Title
Die §218-Kampagne im Mediendiskurs der 70er Jahre
College
http://www.uni-jena.de/  (Historisches Institut)
Course
Basismodul - Die siebziger Jahre im deutsch-deutschen Vergleich
Grade
1,0
Author
Claudia Zimmermann (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V131345
ISBN (eBook)
9783640371143
ISBN (Book)
9783640371327
Language
German
Tags
Abtreibung §218-Kampagne Medien 70er Jahre EMMA SPIEGEL DIE ZEIT
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Zimmermann (Author), 2009, Die §218-Kampagne im Mediendiskurs der 70er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131345
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