Anhand der "Diggers" bzw. "True Levellers" wird ein radikaler Diskurs im Rahmen des englischen Bürgerkriegs aufgezeigt. Die Kernthese lautet, dass erst der Zusammenbruch der staatlichen Gewalt nach dem Tod bzw. Sieg über Karl I. eine solche Radikalität ermöglichte. Dazu werden einige wichtige Elemente des englischen Bürgerkriegs bzw. der englischen Revolution kurz dargestellt, um am Schluss die Frage in den Raum zu stellen, inwieweit agrarkommunistische, utopische Konzeptionen auch in weiteren Kontexten entstehen können.
Inhaltsverzeichnis
I
II
III
IV
V
VI
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den politischen Radikalismus im England des 17. Jahrhunderts, mit einem besonderen Fokus auf die „Diggers“ und deren radikale Kapitalismus- und Besitzkritik im Kontext des englischen Bürgerkriegs. Ziel ist es, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen zu beleuchten, unter denen solche revolutionären Diskurse entstehen konnten, und deren theoretische Verbindung zu historischen sowie modernen Widerstandskonzepten herzustellen.
- Die Rolle des Puritanismus als politische Entstehungsgrundlage des Kapitalismus
- Die Bedeutung der „Putney Debates“ als Quelle für sozialrevolutionäres Gedankengut
- Die Analyse des radikalen Programms der „Diggers“ und deren Ablehnung des Privateigentums
- Die historiographische Neubewertung des englischen Bürgerkriegs durch Christopher Hill
- Die Relevanz der historischen Traditionsbildung als Mittel der politischen Legitimation
Auszug aus dem Buch
Die Diggers und die Aufhebung des Privateigentums
Die Diggers kannten historische Vorläufer, darunter besonders den Bauernaufstand 1381, bei dem der berühmte Satz des Priesters John Ball fiel: „Als Adam grub und Eva spann, wo war da der Edelmann?“ Die Existenz von Autorität wird hiermit verneint. Der „Edelmann“ ist kein gottgewolltes Geschöpf, sondern menschliche Anmaßung. Mitnichten bezieht sich die Formel auf das Paradies, wie nun sich nun dagegen einwenden ließ. John Ball redete nicht vom Paradies, denn aus diesem war die Menschheit (damals freilich aus ganzen zwei Vertretern bestehend) bereits vertrieben. Ein Blick in die Bibel bietet Aufschluss: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis zu wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde, und zu Erde sollst du werden. (1. Mose 3, 19). „Und Gott der Herr sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.“ (1. Mose 3, 22) Im Schweiße deines Angesichts = als Adam grub und Eva spann. Von Herrschern war nirgendwo die Rede, und, noch viel brisanter: „der Mensch ist geworden wie unsereiner.“ Der Mensch verfügt nun über Vernunft, und wird dank dieser gottgleich.
Zusammenfassung der Kapitel
I: Dieses Kapitel erläutert die historiographische Debatte um die englische Revolution und den Einfluss von Christopher Hill auf das Verständnis des puritanischen Erbes.
II: Hier werden die gesellschaftlichen Umbrüche und die Bedeutung der „Putney Debates“ für das Verständnis der Forderungen der „einfachen Männer“ thematisiert.
III: Dieser Abschnitt analysiert das Aufkommen radikaler religiöser Sekten wie der „Ranters“ und deren ablehnende Haltung gegenüber gesellschaftlichen Hierarchien.
IV: Es wird die Entstehung der „Diggers“ als radikale Abspaltung der Levellers sowie deren Forderung nach gemeinschaftlicher Landnutzung dargestellt.
V: Dieses Kapitel untersucht die theologische Argumentation der Diggers, insbesondere deren Bezugnahme auf die Vernunft als göttliches Element und die radikale Ablehnung des Privateigentums als Raub.
VI: Das abschließende Kapitel reflektiert die langfristige Bedeutung der Diggers und ihre Rolle als Vorläufer sozialistischer Konzepte sowie die Relevanz ihres Widerstandsbegriffs.
Schlüsselwörter
Diggers, Englischer Bürgerkrieg, Kapitalismuskritik, Privateigentum, Puritanismus, Levellers, Christopher Hill, Putney Debates, Radikalismus, Winstanley, Sozialrevolution, Vernunft, Gemeineigentum, Politische Theorie, Geschichte Englands
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse politisch-radikaler Bewegungen, insbesondere der „Diggers“, während des englischen Bürgerkriegs im 17. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verbindung zwischen religiösem Glauben, der Kritik an sozialen Hierarchien und dem Bestreben, Privateigentum zugunsten kollektiver Bewirtschaftung abzuschaffen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie der politische Umbruch des Bürgerkriegs radikale Diskurse ermöglichte und inwieweit die Ideen der damaligen Radikalen eine Vorform moderner sozialistischer Ansätze darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historiographische und ideengeschichtliche Analyse, die primäre Quellentexte der Zeit mit der Deutung durch den Historiker Christopher Hill verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsvoraussetzungen durch den Puritanismus, die Darstellung spezifischer Gruppen wie Levellers, Ranters und Diggers sowie die detaillierte Analyse der theologisch-politischen Argumentationsweise der Diggers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie „radikaler Agrarkommunismus“, „Besitzkritik“, „politischer Radikalismus des 17. Jahrhunderts“ und „Christopher Hill“ beschreiben.
Warum spielt die Interpretation des Paradies-Mythos bei den Diggers eine so große Rolle?
Die Diggers nutzten die biblische Erzählung, um Herrschaft als menschliche Anmaßung und nicht als gottgegeben zu entlarven, was ihnen die moralische Basis für ihr Agrarkollektiv lieferte.
Inwiefern beeinflusste die normannische Eroberung die Ideologie der Diggers?
Die Diggers konstruierten ein Geschichtsbild, in dem ein „glückliches angelsächsisches Gemeinwesen“ durch das „normannische Joch“ zerstört wurde, um den Status Quo der Landverteilung als illegitim darzustellen.
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- Nicholas Williams (Author), 2009, Poor English Israelites: Politischer Radikalismus im England des 17. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131362