Gewalt unter Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren zu einem Thema geworden, das Medien und Öffentlichkeit vermehrt beschäftigt. Vor allem aus den Schulen melden Fernsehen und Zeitung immer wieder grauenvolle Taten, die die Leserschaft schocken und fragen lassen, wie es nur dazu kommen konnte. Und mit jedem dieser Gewaltfälle beginnen die Spekulationen über Ursachen wie Gewalt verherrlichende Videospiele und die angeblich zunehmende soziale Inkompetenz der heutigen Jugend von neuem, begleitet von steigender Angst und Misstrauen der Elternschaft den „Bildungsinstitutionen“ gegenüber. Auch in Japan wird „Gewalt unter Schülern“ immer wieder in Medien und Politik thematisiert und an ihren Ursachen gerätselt. In beiden Ländern nimmt dieses Thema somit einen hohen Stellenwert sowohl in Politik als auch in der breiten Öffentlichkeit ein.
Mit dieser Arbeit soll ein Versuch unternommen werden, die Entwicklung von Gewalt an deutschen und japanischen Schulen innerhalb der letzten Jahre kurz zu skizzieren. Da das Definitionsfeld von „Schulgewalt und abnormem schulischen Verhalten“ jedoch ein ausgesprochen weites ist, werde ich mich in dieser Arbeit lediglich auf den Themenbereich Ijime/Mobbing beschränken.
Die Form des Ländervergleiches soll dem Leser helfen, die Probleme, mit denen die beiden Länder im Bereich Schulgewalt zu kämpfen haben, ihre Gemeinsamkeiten aber auch ihre individuellen Merkmale und Ursachen noch klarer erfassen zu können. Er soll somit dem Leser ein besseres Verständnis des Themas ermöglichen, indem er hilft, das neue Wissen in Relation zu setzen. Auf Grund der Unterschiede der deutschen und japanischen Forschungsschwerpunkte,-methoden und -ergebnisse, die noch erläutert werden sollen, ist ein direkter Vergleich allerdings nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Daher mache ich darauf aufmerksam, dass der Schwerpunkt dieser Arbeit weniger auf Fakten und Statistiken, sondern vielmehr auf der Darstellung der landesspezifischen Sicht und des Umgangs mit den Problemen, sprich auf der wissenschaftlichen und öffentlichen Rezeption liegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ijime in Japan
2.1 Was ist Ijime?
2.2 Wie und seit wann wird es wahrgenommen?
2.3 Wie äußert sich Ijime?
2.4 Fallbeispiele zu Ijime
3. Mobbing in Deutschland
3.1 Was ist Mobbing ?
3.2 Wie und seit wann wird es wahrgenommen?
3.3 Wie äußert sich Mobbing?
3.4 Beispiele
4. Vergleich
5. Schluß
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Entwicklung von Gewalt an deutschen und japanischen Schulen innerhalb der letzten Jahre zu skizzieren und einen Ländervergleich zum Themenbereich Ijime und Mobbing durchzuführen. Dabei liegt der Schwerpunkt weniger auf reinen Statistiken als vielmehr auf der Darstellung der landesspezifischen Rezeption und des Umgangs mit diesen Phänomenen, um Gemeinsamkeiten sowie individuelle Merkmale und Ursachen besser erfassen zu können.
- Strukturierung der aktuellen Forschungsstände zu Mobbing in Deutschland und Ijime in Japan.
- Analyse der landesspezifischen Wahrnehmung und Rezeption von Schulgewalt.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansätze im Umgang mit den Problemen.
- Untersuchung der Rolle von Lehrern und des sozialen Umfeldes (Gruppenverhalten).
- Kritische Reflexion der Ursachen von Gewalt, wie Leistungsdruck und gesellschaftliche Normen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist Ijime?
Um sich genauer mit dem Thema Ijime befassen zu können bedarf es erst einmal der Klärung, was Ijime überhaupt ist. Das japanische Verb ijimeru (苛める oder 虐める) von dem das Substantiv Ijime abgeleitet ist, bedeutet: „Eine schwache Person absichtlich quälen und in Bedrängnis bringen.“
Ijime ist in Japan schon seit längerem zu einem feststehenden Term geworden, der nach der offiziellen Definition des Monbusho, die seit 1994 gilt, folgendes bedeutet: „1. einen Schwächeren einseitig und 2. fortgesetzt physisch oder psychisch angreifen, so dass das Gegenüber schwerwiegendes Leid empfindet. Dabei ist unerheblich, ob dies in oder außerhalb der Schule geschieht“
Die Hauptkriterien, die Ijime nach dieser Definition ausmachen sind also ein zwangsläufiges Machtungleichgewicht zwischen den beiden betroffenen Parteien, wobei der Schwächere logischerweise die Opferrolle einnimmt sowie eine über eine längere Zeit sich erstreckende Dauer, also keine einmalige Schikane.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der zunehmenden Gewalt an Schulen in Deutschland und Japan ein und beschränkt den Fokus der Arbeit explizit auf die Bereiche Ijime und Mobbing.
2. Ijime in Japan: Dieses Kapitel definiert das Phänomen Ijime, beleuchtet seine historische Wahrnehmung durch Regierung und Öffentlichkeit sowie die spezifischen Ausprägungsformen und gesellschaftlichen Hintergründe in Japan.
2.1 Was ist Ijime?: Hier wird der Begriff Ijime definiert, wobei das Machtungleichgewicht und die zeitliche Kontinuität als zentrale Kriterien hervorgehoben werden.
2.2 Wie und seit wann wird es wahrgenommen?: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Rezeptionsverlauf von Ijime in Japan und zeigt auf, wie öffentliche Aufmerksamkeitswellen durch Medien und Suizidfälle ausgelöst wurden.
2.3 Wie äußert sich Ijime?: Hier wird die qualitative Veränderung der Gewaltformen sowie die Entstehung eines speziellen Jargons und die Rolle des Gruppenverhaltens bei Ijime analysiert.
2.4 Fallbeispiele zu Ijime: Anhand konkreter Aussagen von Betroffenen werden die verschiedenen Formen und psychischen Auswirkungen von Ijime verdeutlicht.
3. Mobbing in Deutschland: Dieses Kapitel überträgt die Fragestellung auf die deutsche Schullandschaft, wobei insbesondere die mangelnde Forschungsbasis und die gesellschaftliche Sichtweise thematisiert werden.
3.1 Was ist Mobbing ?: Der Begriff Mobbing wird hier in den Kontext der deutschen Schulgewalt eingeordnet und anhand internationaler Definitionen sowie deren Besonderheiten in Deutschland charakterisiert.
3.2 Wie und seit wann wird es wahrgenommen?: Hier wird die Rezeptionsgeschichte von Mobbing in Deutschland skizziert, die sich durch ein zögerliches öffentliches Interesse und die Abgrenzung zur Jugendgewalt auszeichnet.
3.3 Wie äußert sich Mobbing?: Dieses Kapitel untersucht die subtilen Formen des Mobbings, die Schwierigkeiten der Früherkennung und die Problematik der Lehrerbeteiligung.
3.4 Beispiele: Durch die Darstellung konkreter Vorfälle wird die Dynamik des Mobbings im deutschen Schulalltag und die Rolle der Beteiligten illustriert.
4. Vergleich: Dieser Abschnitt stellt die japanische und deutsche Herangehensweise gegenüber und diskutiert kulturelle Unterschiede in der Rezeption sowie die zugrundeliegenden gesellschaftlichen Strukturen.
5. Schluß: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren gesellschaftlichen und schulischen Auseinandersetzung mit dem Thema, um Schüler besser zu schützen.
Schlüsselwörter
Ijime, Mobbing, Schulgewalt, Ländervergleich, Japan, Deutschland, Schulkultur, Sozialpsychologie, Gruppendynamik, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Bildungsreform, Prävention, Schulkonflikte, Opfer-Täter-Dynamik, Schulklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse von Schulgewalt in Form von Mobbing in Deutschland und Ijime in Japan.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die Definitionen, der Rezeptionsverlauf, die Ausdrucksformen und die gesellschaftlichen Ursachen von schulspezifischer Gewalt in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis der Probleme zu ermöglichen, indem die unterschiedlichen landesspezifischen Herangehensweisen und der Umgang mit Gewalt an Schulen in Relation gesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Rezeptionsanalyse, die durch die Auswertung vorhandener Studien, Statistiken und Fallbeispiele ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine getrennte Darstellung der aktuellen Forschungsstände zu Ijime in Japan und Mobbing in Deutschland sowie einen anschließenden direkten Vergleich der Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ijime, Mobbing, Schulgewalt, Gruppendynamik, Schulkultur und Prävention.
Warum wird Ijime in Japan anders rezipiert als Mobbing in Deutschland?
Die Arbeit legt nahe, dass dies durch unterschiedliche gesellschaftliche Grundhaltungen – Kollektivismus in Japan versus Individualismus in Deutschland – sowie eine unterschiedlich stark ausgeprägte öffentliche Thematisierung bedingt ist.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Lehrers in den beiden Ländern?
Während Lehrer in Japan stärker als Teil des Systems und der Ursachen (aber auch des Aufwands) gesehen werden, zeigt die deutsche Diskussion oft eine negative bis kriminalisierende Tendenz in der Bewertung der Lehrerbeteiligung.
Welche Rolle spielt das Gruppenverhalten bei beiden Phänomenen?
Gruppenverhalten und Gruppendynamik sind in beiden Ländern zentrale Faktoren, wobei die Ausprägung der Kollektivität in Japan besonders stark durch die gesellschaftliche Einstellung gefördert wird.
Welche Bedeutung haben die Fallbeispiele für die Untersuchung?
Fallbeispiele sind für die Autorin unumgänglich, um die Perspektive der Betroffenen abzubilden und die lebensweltlichen Auswirkungen der Gewalt jenseits der abstrakten Statistik sichtbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- M.A. Hannah Kronenberger (Autor:in), 2007, Gewalt und deviantes Verhalten an Schulen, dargestellt an Hand von Mobbing und Ijime , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131406