Diese vorliegende Arbeit versucht die Wichtigkeit religiöser bzw. islamischer Erziehung in einer zunehmend säkularisierten Welt zu untersuchen, in der Religion und religiöse Werte immer mehr an Bedeutung und Beachtung verlieren.
Religiöse Bildung, Erziehung und Religionsunterricht stehen seit dem Säkularisierungsprozess vermehrt in einem schlechten Licht. Religion und religiöse Erziehung werden als autoritäre Eingriffe in das (Seelen-) Leben unmündiger Kinder und Heranwachsender gesehen. Kinder würden durch Religion und religiöse Erziehung verdorben und manipuliert, sowie um ein „vernünftiges“ Menschsein gebracht.
Auf der anderen Seite behaupten religiöse Menschen, dass Religion und Erziehung wie das Amen im Gebet zusammengehören. Für religiöse Menschen bewirkt Religion und religiöse Erziehung tiefgreifende positive Veränderungen beim Menschen. Der Vorgang des Erziehens und Erzogenwerdens, den der Mensch als Besonderheit seiner Geschöpflichkeit erlebt und betreibt, stellt sich als eine Disziplin dar, bei dem der Mensch nicht in seinem Zustand belassen wird, sondern einer Ordnung unterworfen wird. Man kann durchaus sagen, dass Religion irgendwo und irgendwie ein spezielles Erziehungssystem.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine kurze Definition von Pädagogik
3. Der pädagogische Wert des Islam bzw. der Schariah
4. Scharîah-Pädagogie: Gott als Erzieher
5. Bildung soll befreien, nicht versklaven
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und den Wert religiöser, insbesondere islamischer Erziehung in einer zunehmend säkularisierten Welt und setzt sich kritisch mit aktuellen pädagogischen Praktiken in islamischen Einrichtungen auseinander.
- Etymologische Herleitung des Begriffs Islam und dessen pädagogischer Bezug
- Die Konzeption von Gott als Erzieher (Rabb) in der islamischen Lehre
- Die Rolle der Schariah als Wegweisung im Bildungsprozess
- Emanzipation und Mündigkeit als Ziele einer spirituellen Erziehung
- Kritik an droh- und gewaltbasierten Erziehungsmethoden in Moscheen und Koranschulen
Auszug aus dem Buch
4. Scharîah-Pädagogie: Gott als Erzieher
Über den Begriff (Scharîah) wurde in den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Nicht wenige „Muslime“ fordern die Einführung der Scharîa als Grundgesetz in „islamischen“ Ländern. Anderseits haben viele Nicht-Muslime Angst vor der Scharîah, und sehen ein menschenfeindliches, eingeschränktes System, dass weder mit demokratischen Grundwerten noch mit Menschenrechten vereinbar ist. Das erstaunliche bei dieser Debatte ist jedoch, dass weder „Muslime“ noch Nicht-Muslime sich darüber einig sind, was Scharîah eigentlich ist.
Der Begriff ››Scharîah‹‹ hat in der arabischen Sprache folgende Bedeutungen: Die Wortwurzel des Begriffs „asch-schari’a“ ist „schar’a“ und bedeutet linguistisch „beginnen, Gesetze einführen, vorschreiben.“ Fachspezifisch bedeutet Scharîah „der klare Weg, der Weg zur Quelle bzw. zum Wasser.“ Ein weiteres Wort aus der Wortwurzel ist taschri‘, dass Weisung bedeutet. Es bedeutet auch einfach Straße. Aus diesem Grund stehen in arabischen Ländern ››Scharîah‹‹ auf den Straßenschildern. Wer auf dieser Straße, auf diesem Weggeht, erwirbt universelle Weisheit, deren Nutzen niemals versiegt.
Wir erkennen also, dass Scharîah etwas mit Wegweisung zu tun hat. Wir befinden uns auf den Wegen des Diesseits, und müssen den „klaren Weg zur Quelle bzw. zum Wasser“ finden. Die Bedeutung von Wasser ist in allen Religionen ››Leben‹‹. Die Einhaltung und Umsetzung der Scharîah-Gebote führen demnach zum Leben. Dafür haben wir die Wegweisung bzw. Rechtleitung (Quraan) zur Hand, indem die für den Weg zum Heil führenden Gesetze erlassen bzw. vorgeschrieben sind. Dies hat eine erzieherische Wirkung, dass den Menschen auf den Weg des Werdens schickt, um sein Heil(ung) zu erlangen, oder anders gesagt, um ins ewige Leben des Paradieses einzutreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Säkularisierung und die damit verbundene Kritik an religiöser Erziehung und stellt die Relevanz einer Untersuchung zur Wichtigkeit islamischer Erziehung heraus.
2. Eine kurze Definition von Pädagogik: Dieses Kapitel definiert den pädagogischen Grundbegriff wissenschaftlich und erörtert die etymologische Verwandtschaft zwischen westlichen und arabischen Bildungsbegriffen.
3. Der pädagogische Wert des Islam bzw. der Schariah: Hier wird der Begriff Islam etymologisch hergeleitet und als ein System für eine gesunde, den Menschen zum rechten Weg leitende Erziehung dargestellt.
4. Scharîah-Pädagogie: Gott als Erzieher: Das Kapitel analysiert das Konzept von Schariah als Wegweisung und beleuchtet durch quranische Verweise die Rolle Gottes als erzieherische Instanz, ähnlich einem weisen Mentor.
5. Bildung soll befreien, nicht versklaven: Dieser Abschnitt thematisiert Emanzipation als Zielsetzung der Bildung und fordert, dass Erziehung den Menschen zur Mündigkeit und Freiheit anstatt zu blinder Unterwerfung führen sollte.
Schlüsselwörter
Religiöse Erziehung, Islamische Pädagogik, Schariah, Bildung, Emanzipation, Gott, Gott als Erzieher, Rabb, Mündigkeit, Religion, Selbstentfaltung, Koran, Menschenbild, Spiritualität, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und dem pädagogischen Wert religiöser, insbesondere islamischer Erziehung und deren Zielsetzungen für eine gelungene Lebensgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Kernpunkten gehören die etymologische Herleitung islamischer Begriffe, das Konzept von Gott als Erzieher, die Rolle der Schariah als Lebenswegweiser und die Notwendigkeit von Emanzipation in Bildungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wichtigkeit religiöser Erziehung in einer säkularen Welt aufzuzeigen und dabei ein Bild von Erziehung zu vermitteln, das zu Mündigkeit und Freiheit statt zu Indoktrination führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse, indem sie etymologische Herleitungen, koranische Exegese und bildungstheoretische Ansätze miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Pädagogik, die Analyse des pädagogischen Werts des Islam, das Verständnis von Gott als Erzieher (Rabb) und die ethische Notwendigkeit einer befreienden Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Typische Schlüsselbegriffe sind religiöse Erziehung, Schariah, Emanzipation, Mündigkeit, Gott als Erzieher (Rabb) und islamische Bildung.
Wie unterscheidet sich das Verständnis der "Schariah" in dieser Arbeit von weitläufigen Klischees?
Die Arbeit definiert Schariah nicht als rigides Gesetzessystem, sondern als „klaren Weg“ der Wegweisung zur Quelle des Lebens, der universelle Weisheit vermitteln soll.
Welche Kritik übt der Autor an aktuellen islamischen Bildungseinrichtungen?
Der Autor kritisiert, dass in vielen Einrichtungen wie Moscheen oder Koranschulen heute oft mit Mitteln der Drohung und Gewalt, statt mit Liebe und zur individuellen Reflexion anregend, unterrichtet wird.
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- Deniz Canli (Autor), 2020, Die Wichtigkeit religiöser Erziehung und Bildung. Der pädagogische Wert der Scharia, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1314663