Im Rahmen einer Längsschnittstudie wurden die numerischen Kompetenzen von 90 Vorschulkindern aus dem Raum Hildesheim untersucht. Dabei wurde geprüft, ob sich Kinder mit unterschiedlicher Arbeitsgedächtniskapazität (niedrig, mittel, hoch) hinsichtlich Leistungsniveau und Entwicklungsverlauf in den numerischen Kompetenzen unterscheiden.
Zur Bildung der drei Subgruppen wurde die Leistung des Arbeitsgedächtnisses im Alter von fünf Jahren anhand der Arbeitsgedächtnistestbatterie AGTB 5-12 festgestellt. Die numerische Leistung wurde im Alter von viereinhalb, fünf und fünfeinhalb Jahren getestet. Als abhängige Variable wurden Aufgaben zu fünf verschiedenen numerischen Kompetenzbereichen gemessen: Kenntnis arabischer Zahlen, Mengenvergleich, Zählfertigkeiten, Addition und Zahlenwissen im Alltag. Neben der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses wurde auch die häusliche numerische Umwelt, genannt Home Numeracy Environment (HNE), als unabhängige Variable mit einbezogen. Hierbei wurden Kinder verglichen, die eine große Anzahl an häuslicher numerischer Erfahrung aufweisen können (HNE hoch) und Kinder, die weniger dieser Lernerfahrungen sammeln konnten
(HNE niedrig).
Inhaltsverzeichnis
1. ZUSAMMENFASSUNG
2. EINLEITUNG
3. THEORETISCHER HINTERGRUND
3.1 Entwicklung numerischer Basiskompetenzen
3.1.1 Entwicklung von Mengen- und Zahlkonzepten
3.2 Einflussfaktoren numerischer Kompetenzen
3.2.1 Intelligenz
3.2.2 Arbeitsgedächtnis
3.2.3 Soziale Umwelt
3.2.3.1 Home Numeracy Environment
4. FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESEN
5. METHODE
5.1 Stichprobe
5.2 Messinstrumente
5.2.1 Numerische Kompetenzen
5.2.2 Arbeitsgedächtniskapazität
5.2.3 Home Numeracy Environment
5.3 Durchführung
6. ERGEBNISSE
7. DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Arbeitsgedächtniskapazität und der häuslichen numerischen Lernumwelt (Home Numeracy Environment) auf die Entwicklung numerischer Basiskompetenzen bei Vorschulkindern, um mögliche Risiken für spätere Rechenschwierigkeiten frühzeitig zu identifizieren.
- Entwicklung numerischer Basiskompetenzen im Vorschulalter
- Funktion des Arbeitsgedächtnisses als kognitive Einflussgröße
- Einfluss der häuslichen numerischen Lernumwelt (HNE)
- Längsschnittliche Untersuchung von Entwicklungsverläufen
- Früherkennung von numerischen Entwicklungsrückständen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Entwicklung von Mengen- und Zahlkonzepten
Bezüglich der Grundsatzfrage, ob numerische Kompetenzen angeboren sind oder nicht, gab es gegensätzliche Meinungen in der Forschung. Traditionelle Ansätze des Empirismus nahmen an, dass Kinder als unbeschriebenes Blatt (tabula rasa) und ohne jegliches Wissen geboren werden. Wissen und Erkenntnis würden diesem Ansatz nach nur durch Sinneserfahrungen (Empirie) erworben werden (Krajewski, 2003).
Der schweizerische Entwicklungspsychologe Piaget hatte hingegen die Auffassung, dass das Kind eine aktive Rolle bei der Aneignung von Wissen einnähme und verstand die Denkentwicklung nicht bloß als passiven Erwerb von Fakten. Ein Säugling sei neben den Möglichkeiten zur Wahrnehmung und Motorik auch mit einem allgemeinen Lernmechanismus ausgestattet (Piaget & Szeminska, 1975). Piaget postulierte, dass sich durch die Verinnerlichung von Regelhaftigkeiten der Außenwelt im Geist des Kindes sukzessive logische und mathematische Fähigkeiten, wie auch alle anderen kognitiven Fähigkeiten, entwickeln würden.
Der Zahlbegriff baue auf dem sensumotorischen Niveau der kognitiven Entwicklung eines Kindes auf und würde durch aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt konstruiert werden. Demnach würden Kinder ohne Intuition dafür auf die Welt kommen, was eine Zahl ist und der Erwerb eines Zahlkonzepts würde erst durch langjährige Wechselwirkung mit der Umwelt entwickelt werden. Für diese Entwicklung spiele die von Piaget postulierte prä-operationale Stufe (2-7 Jahre) und die konkret-operationale Stufe (7-12 Jahre) seines Denkmodells eine entscheidende Rolle. Nach Piaget erwerben Kinder den Zahlbegriff allerdings erst auf der konkret-operationalen Stufe vollständig. Eine Voraussetzung hierfür sei das Verständnis der Invarianz, welche besagt, dass eine Menge unveränderbar bleibt, unabhängig ihrer räumlichen Ausbreitung und Anordnung (Piaget & Szeminska, 1975).
Zusammenfassung der Kapitel
1. ZUSAMMENFASSUNG: Kurzer Überblick über die Längsschnittstudie mit 90 Vorschulkindern zur Untersuchung numerischer Kompetenzen in Abhängigkeit von Arbeitsgedächtnis und häuslicher Umwelt.
2. EINLEITUNG: Hinführung zur Bedeutung der frühen Förderung numerischer Basiskompetenzen und Identifikation von Einflussfaktoren wie Arbeitsgedächtnis und häusliche Lernumwelt.
3. THEORETISCHER HINTERGRUND: Darlegung entwicklungspsychologischer Theorien zur Zahlkonzeptentwicklung und Analyse der Rolle des Arbeitsgedächtnisses sowie der sozialen Umwelt.
4. FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESEN: Formulierung der Forschungsfragen hinsichtlich der Bedeutung von Arbeitsgedächtniskapazität und häuslicher numerischer Erfahrung für die numerische Entwicklung.
5. METHODE: Beschreibung der Stichprobe, der eingesetzten Messinstrumente (Aufgabenbatterien zur Erfassung numerischer Kompetenzen und Arbeitsgedächtnis) sowie des Versuchsablaufs.
6. ERGEBNISSE: Detaillierte statistische Auswertung der Leistungsunterschiede und Entwicklungsverläufe in Abhängigkeit von der Arbeitsgedächtniskapazität und dem Home Numeracy Environment.
7. DISKUSSION: Interpretation der Befunde im Hinblick auf sensitive Phasen der Entwicklung und Implikationen für die pädagogische Praxis und Förderung von Kindern.
Schlüsselwörter
Numerische Basiskompetenzen, Arbeitsgedächtnis, Vorschulalter, Home Numeracy Environment, Längsschnittstudie, Rechenentwicklung, Zahlenvorwissen, Zählfertigkeiten, Mengenvergleich, Dyskalkulie-Prävention, Kognitive Entwicklung, Mathematische Vorläuferfertigkeiten, Zentrale Exekutive, Phonologische Schleife, Visuell-räumlicher Notizblock.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung numerischer Fähigkeiten von Vorschulkindern unter Berücksichtigung ihrer kognitiven Voraussetzungen, insbesondere des Arbeitsgedächtnisses, und ihrer häuslichen Lernumwelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die frühkindliche mathematische Entwicklung, die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses, den Einfluss der familiären häuslichen Erfahrung (Home Numeracy Environment) und die Identifizierung von Risikofaktoren für Rechenschwierigkeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern sich Kinder mit unterschiedlich ausgeprägter Arbeitsgedächtniskapazität in ihrer numerischen Entwicklung unterscheiden und welchen Einfluss das häusliche numerische Umfeld darauf nimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Längsschnittstudie, in der 90 Vorschulkinder mittels computergestützter Aufgabenbatterien zu verschiedenen Zeitpunkten (im Alter von 4;6, 5;0 und 5;6 Jahren) getestet wurden. Die statistische Auswertung erfolgte u.a. mittels Varianzanalysen mit Messwiederholung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über numerische Kompetenzen und Arbeitsgedächtnismodelle (v.a. nach Baddeley), die Hypothesenbildung, die detaillierte Beschreibung der Testinstrumente sowie die statistische Auswertung und Diskussion der gewonnenen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere numerische Basiskompetenzen, Arbeitsgedächtniskapazität, Vorschulalter, Home Numeracy Environment sowie mathematische Vorläuferfertigkeiten.
Welchen Einfluss hat das Arbeitsgedächtnis konkret?
Die Ergebnisse belegen, dass Kinder mit einer höheren Arbeitsgedächtniskapazität signifikant bessere und raschere Fortschritte in numerischen Kompetenzen erzielen sowie insgesamt ein höheres Leistungsniveau aufweisen als Kinder mit geringerer Kapazität.
Lohnt sich die Einbeziehung der häuslichen numerischen Erfahrungen?
Ja, die Studie zeigt, dass eine anregungsreiche häusliche numerische Lernumwelt einen positiven Effekt auf den numerischen Kompetenzerwerb hat, wobei Kinder mit niedrigerer Arbeitsgedächtniskapazität besonders von diesen Erfahrungen profitieren können.
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- Anonym (Author), 2011, Die Entwicklung numerischer Basiskompetenzen im Vorschulalter in Abhängigkeit von der Arbeitsgedächtniskapazität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315853