Das Ziel dieser Längsschnittstudie besteht darin, frühe Einflussfaktoren auf die numerische Entwicklung im Alter von sechs Jahren und am Ende der zweiten Klasse ausfindig zu machen. Hierzu werden bereichsübergreifende kognitive Kompetenzen (Intelligenz, Arbeitsgedächtnis, Zugriffsgeschwindigkeit auf das Langzeitgedächtnis, Wortschatz, phonologische Bewusstheit) von fünfjährigen Kindergartenkindern als Prädiktoren für spätere numerische Kompetenzen untersucht. Insgesamt gehen Daten von 201 Kindern in die Untersuchung ein.
Die Ergebnisse aus den Regressionsanalysen zeigen, dass für die numerischen Kompetenzen im Alter von sechs Jahren die Arbeitsgedächtnisfähigkeiten der Fünfjährigen bedeutsam sind. Das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis ist dabei von besonderer Bedeutung. Alle anderen bereichsübergreifenden Kompetenzen leisteten hingegen keinen signifikanten Beitrag zur Varianzaufklärung. Für die Mathematikleistung der Zweitklässler (DEMAT 2+) sind neben dem Arbeitsgedächtnis der Wortschatz und die Intelligenz bedeutsame Prädiktoren. Innerhalb des Arbeitsgedächtnisses stellt die Funktionstüchtigkeit der zentralen Exekutive einen wichtigen Einflussfaktor dar. Die Analyse einzelner numerischer Inhaltsbereiche zeigt unter anderem, dass die phonologische Bewusstheit, entgegen der Erwartung, für die Zählfertigkeiten mit sechs Jahren keine bedeutende Rolle spielt. Hingegen nehmen Fähigkeiten des Arbeitsgedächtnisses signifikant Einfluss auf diesen numerischen Kompetenzbereich und ebenso auf alle anderen Bereiche (Kenntnis arabischer Zahlen, Addition, Mengenvergleich). Bezüglich der mathematischen Leistungen zeigt sich, dass das Arbeitsgedächtnis und die Intelligenz bedeutsam für Fähigkeiten in der Arithmetik sind. Die Leistung im Umgang mit Größen wird durch das Wortschatzwissen prognostiziert. Wider Erwarten trägt keine der bereichsübergreifenden Kompetenzen zur Erklärung der Leistungsfähigkeit in den Sachaufgaben bei. Für die Vorhersage der Fähigkeiten in Geometrie stellt die Intelligenz einen bedeutsamen Einflussfaktor dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung
2 Einleitung
3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Entwicklung numerischer Basiskompetenzen
3.1.1 Entwicklung von Mengen- und Zahlkonzepten
3.1.2 Entwicklung von Rechenstrategien
3.2 Bereichsübergreifende kognitive Einflussfaktoren
3.2.1 Intelligenz
3.2.2 Arbeitsgedächtnis
3.2.3 Zugriffsgeschwindigkeit auf das Langzeitgedächtnis
3.2.4 Sprachliche Kompetenzen
3.2.4.1 Phonologische Bewusstheit
3.2.4.2 Wortschatz
3.3 Rechenschwäche
4 Fragestellung und Hypothesen
5 Methode
5.1 Stichprobe
5.2 Messinstrumente
5.2.1 Bereichsübergreifende Kompetenzen (Prädiktoren)
5.2.1.1 Intelligenz
5.2.1.2 Arbeitsgedächtnis
5.2.1.3 Abrufgeschwindigkeit aus dem Langzeitgedächtnis
5.2.1.4 Phonologische Bewusstheit
5.2.1.5 Wortschatz
5.2.2 Numerische Kompetenzen
5.2.3 Mathematikleistung
5.3 Datenaufbereitung
6 Ergebnisse
6.1 Fragestellung 1
6.2 Fragestellung 2
6.3 Fragestellung 3
7 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den längsschnittlichen Einfluss bereichsübergreifender kognitiver Fähigkeiten bei fünfjährigen Kindergartenkindern auf ihre spätere numerische Entwicklung im Alter von sechs Jahren sowie auf ihre mathematischen Leistungen am Ende der zweiten Klasse. Das Hauptziel besteht darin, Prädiktoren für den numerischen Kompetenzerwerb zu identifizieren und die Rolle früher kognitiver Faktoren für das Risiko einer Rechenschwäche zu evaluieren.
- Bedeutung kognitiver Vorläuferfähigkeiten
- Einfluss des Arbeitsgedächtnisses auf Mathematikleistungen
- Vergleich von Vorschul- und Grundschulanforderungen
- Zusammenhang zwischen Intelligenz, Sprache und Rechnen
- Früherkennung von Rechenschwierigkeiten
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Arbeitsgedächtnis
Neben der Intelligenz hat sich in letzter Zeit vor allem die Funktionstüchtigkeit des Arbeitsgedächtnisses als wichtige Einflusskomponente für den Erwerb von bereichsspezifischen Kompetenzen herausgestellt und rückt zunehmend in den Fokus der Forschung (z.B. Simmons, Singleton & Horne, 2008; Schuchardt, Kunze, Grube & Hasselhorn, 2006; Ricken & Fritz, 2006). Im Gegensatz zur Intelligenz scheint das Arbeitsgedächtnis laut mehrerer Autoren einen viel größeren Einfluss auf die Entwicklung spezifischer Kompetenzen zu haben, so auch auf den numerischen Kompetenzerwerb (Krajewski, Schneider & Nieding, 2008; Alloway & Alloway, 2010; Schuchardt et al., 2014). Alloway und Alloway (2010) konnten in ihrer Längsschnittstudie belegen, dass die Arbeitsgedächtnisfähigkeiten bei fünfjährigen Kindern die Schulleistungen im Lesen, Schreiben und auch Rechnen sechs Jahre später besser vorhersagen konnten als der IQ.
Das Arbeitsgedächtnis dient der kurzfristigen Speicherung und Verarbeitung von Informationen und ist damit schon ab der frühen Kindheit als ein Schlüsselsystem für das Verständnis komplexer kognitiver Leistungen anzusehen (Hagendorf, 2006).
Das Lösen einer mündlich gestellten Rechenaufgabe, z.B. 15 x 3 stellt für einen Rechenanfänger eine komplexe kognitive Anforderung dar, die das Arbeitsgedächtnis in hohem Maße beansprucht. So muss die Aufgabe zunächst als auditiv-verbale Information im Arbeitsgedächtnis behalten werden, um dann eine Lösungsstrategie zu planen und auszuführen. Während der Ausführung müssen unter Umständen auch Zwischenergebnisse gespeichert werden, die erst später weiterverarbeitet werden. Für erwachsene geübte Rechner stellt diese Aufgabe hingegen keine Schwierigkeit dar. Sie benötigen aufgrund der Bekanntheit jedes Lösungsschrittes nur eine geringe Menge an Arbeitsgedächtniskapazität oder haben das Ergebnis bereits in ihrer Wissensbasis gespeichert und können es daher ohne Mühe abrufen (Grube, 2005).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zusammenfassung: Diese Studie analysiert längsschnittlich, wie kognitive Kompetenzen von Fünfjährigen die numerische Entwicklung beeinflussen.
2 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des numerischen Vorwissens und die Herausforderung, Defizite frühzeitig zu identifizieren.
3 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert Modelle zur Entwicklung numerischer Kompetenzen und kognitiver Prädiktoren wie Intelligenz und Arbeitsgedächtnis.
4 Fragestellung und Hypothesen: Hier werden die Forschungsfragen zur Bedeutung kognitiver Einflussfaktoren im Vor- und Grundschulalter sowie zu Risikofaktoren formuliert.
5 Methode: Das Kapitel beschreibt das Design der Längsschnittstudie, die eingesetzten Testverfahren und die Datenaufbereitung.
6 Ergebnisse: Zusammenfassung der Regressionsanalysen, die den signifikanten Einfluss des Arbeitsgedächtnisses auf die numerische Leistung aufzeigen.
7 Diskussion: Diskussion der Befunde vor dem Hintergrund bestehender Forschung und Implikationen für die Förderung rechenschwacher Kinder.
Schlüsselwörter
Numerische Kompetenzen, Arbeitsgedächtnis, Intelligenz, Rechenschwäche, Längsschnittstudie, Phonologische Bewusstheit, Wortschatz, Mathematikförderung, Zentrale Exekutive, Visuell-räumlicher Notizblock, Kognitive Prädiktoren, Schulleistungen, Grundschulalter, Vorschulalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss bereichsübergreifender kognitiver Faktoren bei fünfjährigen Kindern auf deren spätere mathematische Kompetenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Arbeitsgedächtnis, Intelligenz, mathematische Vorläuferfähigkeiten und die Identifikation von Risikofaktoren für Rechenschwäche.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, zu analysieren, welche frühen kognitiven Kompetenzen im Vorschulalter am stärksten die mathematische Leistung in der Grundschule vorhersagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Längsschnittstudie, in der Daten mittels linearer und logistischer Regressionsanalysen statistisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Hintergrund zu numerischen Kompetenzen sowie die detaillierte Beschreibung der Testmethoden und der statistischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Arbeitsgedächtnis, numerische Kompetenz, Rechenschwäche, Längsschnittanalyse und kognitive Prädiktoren.
Welche Rolle spielt das Arbeitsgedächtnis für Rechenaufgaben?
Das Arbeitsgedächtnis ist bei Rechenanfängern entscheidend, da es zur Speicherung und Verarbeitung von Aufgabeninformationen und Zwischenschritten benötigt wird.
Hat Intelligenz einen direkten Einfluss auf die Mathematikleistung?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Intelligenz erst für die komplexeren mathematischen Anforderungen in der zweiten Grundschulklasse signifikant bedeutsam wird.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2014, Der Einfluss kognitiver Faktoren auf die Entwicklung numerischer Kompetenzen im Vorschul- und Grundschulalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315855