In der heutigen Welt gibt es immer mehr Konflikte, die ohne Hilfe von außen nicht mehr lösbar erscheinen. Ein Verfahren, das sich darauf spezialisiert hat, außergerichtliche Einigungen durch die Einschaltung eines Vermittlers zu erzielen, ist die Mediation.
Innerhalb dieser Disziplin gibt es zwei gegensätzliche, sich zum Teil aber auch ergänzende Ansätze: das Harvard-Konzept und den Transformationsansatz.
In dieser Ausarbeitung sollen zunächst die Grundprinzipien jeder Mediation dargestellt werden. Danach werden beide Modelle näher erläutert, bevor sie abschließend miteinander verglichen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Mediation?
3. Das Harvard-Konzept
4. Der Transformationsansatz
5. Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Ausarbeitung verfolgt das Ziel, das Harvard-Konzept und den Transformationsansatz im Kontext der Mediation gegenüberzustellen, ihre jeweiligen Grundprinzipien zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der praktischen Anwendung aufzuzeigen.
- Grundlagen und Phasen der Mediation
- Die Kernprinzipien des Harvard-Konzepts
- Das Menschenbild und die Ziele des Transformationsansatzes
- Vergleichende Analyse der Verhandlungsstile und Rollenverständnisse
- Potenziale einer kombinierten Anwendung beider Mediationsmodelle
Auszug aus dem Buch
3. Das Harvard-Konzept
Das Harvard-Konzept wurde an der gleichnamigen Universität entwickelt. Im Rahmen von Konfliktforschung wurde hier ein Model erarbeitet, das an jede erfolgreiche Verhandlung drei Kriterien anlegt. Erstens sollte eine „vernünftige Übereinkunft zustande kommen, zweitens muss die Art der Verhandlungsführung Effizienz aufweisen und drittens sollten während der Mediation keine persönlichen Beziehungen geschädigt werden“.
Um diesen Kriterien zu entsprechen, ist der Verhandlungsstil beim Harvard-Konzept weder hart (die Teilnehmer setzen sich unter Druck, verharren stur auf ihren Positionen und sind nicht zu Kompromissen bereit), noch weich (die Teilnehmer geben schnell nach, wollen Beziehungen schützen etc.). Man könnte diese Art der Verhandlungsführung als den „dritten Weg“ bezeichnen, denn sie versucht, „sachbezogen“ zu agieren.
Das erste Prinzip besagt, dass „Menschen und Probleme getrennt voneinander [zu] behandeln [sind]“. Dies bedeutet konkret, dass die persönliche Beziehung zur anderen Partei von der Sachfrage getrennt gehalten werden sollte. Da die Gegenseite bei einer Mediation „aus Menschen und nicht aus abstrakten Repräsentanten besteht“, ist dies nicht immer leicht. Beim Umgang mit Menschen sind demnach drei Grundbegriffe von entscheidender Bedeutung: Vorstellung, Emotion und Kommunikation. Unter Vorstellung versteht man das Hineinversetzen in die Sichtweise der anderen Partei Emotion bedeutet, dass man der Gegenseite die Berechtigung zuspricht, Gefühle zu haben und diese auch zu artikulieren. Mit Kommunikation ist gemeint, dass man sich im Klaren darüber sein muss, dass zwischenmenschliche Verständigung von Missverständnissen geprägt sein kann und, dass man aktiv an einer Verbesserung derselben arbeitet. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang ist die Ansicht, dass die Vergangenheit nicht als Argumentationsgrundlage dienen sollte. Stattdessen soll konstruktiv an der momentanen Situation und vor allem gemeinsam an Lösungswegen für die Zukunft gearbeitet werden. Unter Berücksichtigung dieser Verhaltensregeln im Umgang mit dem Gegenüber, sollte es möglich sein, persönliche Beziehungen trotz eines bestehenden Konfliktes aufrechtzuerhalten und den Sachverhalt getrennt davon zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Mediation bei unlösbar erscheinenden Konflikten ein und stellt die beiden zu vergleichenden Ansätze vor.
2. Was ist Mediation?: Das Kapitel erläutert den Begriff der Mediation als Streitbeilegungsverfahren und beschreibt den klassischen Ablauf in fünf verschiedenen Phasen.
3. Das Harvard-Konzept: Hier werden die Kernprinzipien des Harvard-Modells – die Trennung von Mensch und Problem, die Konzentration auf Interessen statt Positionen sowie faire Bewertungskriterien – detailliert dargestellt.
4. Der Transformationsansatz: Dieses Kapitel widmet sich dem transformativen Menschenbild, den Auswirkungen von Konflikten auf die Interaktion und den zentralen Begriffen "Empowerment" und "Recognition".
5. Vergleich: Es findet eine direkte Gegenüberstellung der beiden Ansätze hinsichtlich ihrer Zielsetzung, der Rolle des Mediators und des Umgangs mit der Vergangenheit statt.
6. Fazit: Das Fazit bewertet die Stärken und Schwächen beider Modelle und schlägt eine Kombination beider Ansätze als wünschenswerte Mediationspraxis vor.
Schlüsselwörter
Mediation, Harvard-Konzept, Transformationsansatz, Konfliktlösung, Sachbezogenheit, Interessen, Positionen, Empowerment, Recognition, Konfliktspirale, Verhandlungsführung, Beziehungsmanagement, Kommunikation, Vermittlung, Einigungsphase
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das Harvard-Konzept und den Transformationsansatz in der Mediation, um deren methodische Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen beider Ansätze, der Ablauf des Mediationsprozesses, das Rollenverständnis des Mediators sowie der Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Sachproblemen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Gegenüberstellung beider Modelle, um zu evaluieren, wie sie zur effektiven Konfliktbeilegung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf einschlägigen Standardwerken zur Mediationsforschung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundprinzipien des Harvard-Konzepts, die Erklärung des transformativen Menschenbildes und den direkten Vergleich beider Ansätze.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Sachbezogenheit" (Harvard) und "Konflikt-Transformation" (transformativ) geprägt.
Warum wird im Harvard-Konzept die Trennung von Mensch und Problem gefordert?
Dies soll verhindern, dass persönliche Beziehungen die sachliche Problemlösung blockieren, und einen sachorientierten, konstruktiven Verhandlungsstil ermöglichen.
Was unterscheidet das Verständnis von Erfolg in beiden Modellen?
Während beim Harvard-Konzept eine praktische, effiziente Lösung im Vordergrund steht, definiert der Transformationsansatz Mediation bereits dann als erfolgreich, wenn sich die Kommunikation verbessert und gegenseitiges Verständnis entsteht.
- Quote paper
- Julian Gotthardt (Author), 2008, Mediation - Vergleich des Harvardkonzeptes mit dem Transformationsansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131585