Auch wenn der Verlust eines geliebten Menschen kaum zu begreifen ist, so ist es uns dennoch unmöglich, ihn wieder lebendig zu machen. Egal wie viel Energie wir aufwenden und ihn uns ins Diesseits zurückwünschen, so vergeblich scheitern wir an diesem Versuch. Besonders auffällig ist die Empörung und Trauer des Ackermanns im Werk von Johannes von Tepl "Der Ackermann", welche sich im Fortlauf der Lektüre herauskristallisiert. Der Ackermann ist zutiefst betroffen über den existentiellen Verlust seiner Gattin, woraufhin er die Schuld dem Tod zuschreibt. In dieser schriftlichen Untersuchung stellt sich zunächst die Frage, inwiefern es sinnvoll ist, jegliche Art von Energie aufzuwenden, wenngleich der Tod der Ehefrau faktisch bereits geschehen ist. Des Weiteren wird dargelegt, dass der Ackermann viele Argumente liefert, um als schlechter Verlierer bezeichnet werden zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Argumentationsstruktur
3. Egoismus und Selbstbezug
4. Paradoxien im Text
5. Relevanz der literarischen Darstellung
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische und argumentative Verfassung der Titelfigur im Werk "Der Ackermann" von Johannes von Tepl, mit dem primären Ziel, den Ackermann als exemplarischen "schlechten Verlierer" im Angesicht des unausweichlichen Todes zu charakterisieren.
- Analyse des Gegensatzes zwischen rationaler Todesargumentation und irrationaler Empörung
- Untersuchung der aggressiven Sprachverwendung als Ausdruck existenziellen Scheiterns
- Kritische Betrachtung des egoistischen Selbstbezugs der Figur
- Hinterfragung der paradoxen Anrufung Gottes als Hilfe gegen göttlich gegebene Sterblichkeit
Auszug aus dem Buch
Argumentationsstruktur des Todes
Anders als der Ackermann, zeichnet sich die Argumentationsstruktur des Todes durch Rationalität und Sinnhaftigkeit aus. Wie bereits oben erwähnt, ist im Streitgespräch, oder besser gesagt in der Anklage die der Ackermann verübt, keine Spur von Sachlichkeit zu finden. Dagegen versucht der Tod seine Position zu rechtfertigen, indem er rational beginnt. Mittels einem großen Argumentationsvorrat, ist es dem Tod möglich, den Schicksalschlag des Ackermann gekonnt abzuwerten: „Kondestu recht messen, wegen, zelen oder tichten, auß / odem kopff listu nicht solliche rede. Du fluchest vnd / byttest vnuerschickenlich vnde on notdorfft […] Alle jrdische [6rb] lieb muß / zu leyde werden […] Zu sollichem ende lauffen alle leben-/ dige ding.“ Damit zitiert der Tod die Lebensphilosophie des Vergänglichen und der Sterblichkeit, da alles irgendwann ein Ende finden muss. Er argumentiert folglich, dass es dazu gehört zu scheitern und zu verlieren. Folglich spielt es keine Rolle, wie sehr der Ackermann mit Lobformeln, philosophischen Reden und Bitten versucht den Tod zu bekehren. Ihm wird es in keinster Weise möglich sein, die Argumente des Tods zu entkräften. So gesehen steht der Ackermann klar als Verlierer dar, der sich unausweichlich mit dem Verlust seiner Gattin arrangieren muss. Sein Ausdruck von Zorn und Wut verstärkt lediglich seine Empörung, trägt jedoch zu keiner zielführenden Lösung bei. Literarisch gesehen wird dadurch der Status des Ackermann als eindeutiger Verlierer verschärft, denn anstatt das unausweichliche Schicksal zu akzeptieren, verbeißt er sich nahezu auf seinen schwächeren Standpunkt. Hierbei möchte ich erneut ein sehr passendes Zitat Kiening’s anführen, der diesen Gedankengang in ein paar Worten sehr treffend auszudrücken vermag. Denn er führt hierbei die „Naturgesetzlichkeit des menschlichen Sterbens“ an. Folglich postuliert er: „Es geht damit nicht um ein mechanisches Urteilen und Entscheiden der Streitsituation, sondern um ein Begreifen. Der Kläger hat den unvermeidlichen Sieg des Todes anzunehmen, nicht als Faktum aber, sondern als therapeutische Einsicht in die göttlich-ontologische Ordnung […]“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des existenziellen Verlusts ein und stellt die These auf, dass der Ackermann aufgrund seiner irrationalen Wut als schlechter Verlierer zu betrachten ist.
Analyse der Argumentationsstruktur: Dieser Abschnitt kontrastiert das rationale Argumentieren des Todes mit der von Affekten geprägten, aussichtslosen Gegenwehr des Ackermann.
Egoismus und Selbstbezug: Hier wird dargelegt, dass der Ackermann den Fokus fälschlicherweise auf sein eigenes Leid statt auf den Verlust seiner Frau legt.
Paradoxien im Text: Das Kapitel beleuchtet die inhaltlichen Widersprüche, insbesondere die verzweifelte Anrufung Gottes gegen die von Gott gegebene Sterblichkeit.
Relevanz der literarischen Darstellung: Die Analyse untersucht, wie sprachliche Mittel die Intensivierung des Konflikts vorantreiben und das Bild des Verlierers festigen.
Fazit: Das Fazit bestätigt die These durch den Verweis auf das göttliche Urteil, welches jeder Hoffnung auf Sonderrechte eine Absage erteilt.
Schlüsselwörter
Der Ackermann, Johannes von Tepl, Scheitern, Tod, Sterblichkeit, Verlierer, Rationalität, Irrationalität, Trauerbewältigung, Existenzphilosophie, Streitgespräch, Schicksalsbewältigung, Egoismus, Rhetorik, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarische Figur des Ackermanns aus dem gleichnamigen Werk von Johannes von Tepl unter dem Aspekt seines Umgangs mit dem Tod seiner Ehefrau.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Scheitern, die Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens, der Gegensatz zwischen rationaler und affektiver Argumentation sowie die psychologische Verfassung eines Menschen in tiefer Trauer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Ackermann als "schlechten Verlierer" zu qualifizieren, der sich dem unausweichlichen Schicksal durch irrationale Aggression und Egoismus verwehrt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die durch die Heranziehung von Forschungsliteratur, insbesondere von Christian Kiening, gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Argumentationsstruktur des Todes, die egoistische Selbstzentrierung des Klägers sowie die paradoxe Verstrickung in religiöse und logische Widersprüche.
Wodurch zeichnet sich die Arbeit aus?
Die Arbeit charakterisiert sich durch die Verknüpfung von Primärtextanalysen mit ontologischen und literaturwissenschaftlichen Perspektiven auf die menschliche Sterblichkeit.
Warum wird der Ackermann als "schlechter Verlierer" bezeichnet?
Er wird so bezeichnet, da er trotz der offensichtlichen Unausweichlichkeit des Todes und der rationalen Überlegenheit seines Gegenübers nicht einsichtig wird, sondern sich aggressiv gegen das Schicksal auflehnt.
Welche Rolle spielt die Anrufung Gottes im Werk?
Die Anrufung Gottes ist in ihrer Widersprüchlichkeit zentral: Der Ackermann sucht Hilfe bei Gott, kämpft aber gleichzeitig gegen die von Gott geschaffene Ordnung der Vergänglichkeit an.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Todes?
Der Tod wird als rationale Instanz dargestellt, die die Norm vertritt und deren finales Urteil die absolute Unausweichlichkeit der natürlichen Sterblichkeit unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Janina Pleli (Autor:in), 2022, Aspekte des Scheiterns in Johannes von Tepls "Der Ackermann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1315965