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Selbstsozialisation (Luhmann) und Habitualisierung (Bourdieu)

Title: Selbstsozialisation (Luhmann) und Habitualisierung (Bourdieu)

Term Paper , 2009 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. René Klug (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Summary Excerpt Details

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Konzepte von Sozialisation der beiden einflussreichen Soziologen Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu vorzustellen, sowie in einem nächsten Schritt zu überprüfen, ob –und falls ja, inwiefern– sich beide Konzepte in ein Verhältnis zueinander setzen lassen. Sozialisationsprozesse standen weder für Luhmann noch für Bourdieu im Zentrum ihrer Arbeit. Während Luhmann sich vorrangig an einer allgemeinen Theorie sozialer Systeme abarbeitete, die dann erst später sozusagen auf einzelne gesellschaftliche Teilsysteme angewendet und übertragen werden sollte (etwa auf das Rechtssystem, die Religion oder auch das Erziehungssystem), so widmete sich Bourdieu vornehmlich der –meist im Alltagsleben verwurzelten– empirischen Forschung, dabei insbesondere zur gesellschaftlichen Reproduktion. Auf diese Weise ist der Begriff der Sozialisation im Gesamtwerk Luhmanns nur von marginaler Bedeutung, während Bourdieu erst gar keine Theorie der Sozialisation entwickelt hat. Dennoch lassen sich Bourdieus Ausführungen zum Habitus für eine Sozialisationstheorie anschlussfähig machen, und auch Luhmanns knappe Ausführungen zum Begriff der (Selbst-)Sozialisation bieten neue Erkenntnisse auf dem Feld der Sozialisationsforschung.
Um ein angemessenes Verständnis von Selbstsozialisation und Habitualisierung zu ermöglichen, ist es unumgänglich, zunächst jeweils einige zentrale Grundbegriffe Luhmanns und Bourdieus einzuführen sowie im Kontext zu erläutern. Insbesondere im Hinblick auf die Systemtheorie ist dies ein durchaus schwieriges Unterfangen, da Luhmann diese so angelegt hat, dass man zur Darstellung einzelner systemtheoretischer Sachverhalte im Grunde immer auch auf andere Begriffe aus der Systemtheorie zurückgreifen muss. Dennoch kann in dieser Arbeit keine vollständige systemtheoretische Rezeption erfolgen, weshalb ich mich auf eine Darstellung der für Luhmanns Sozialisationskonzept zentralen Begriffe Autopoiesis und Kommunikation sowie auf eine überblicksartige Beschreibung sozialer Systeme beschränken möchte, bevor der Begriff der Sozialisation selbst diskutiert wird. Bourdieus Modell der Habitualisierung wiederum setzt eine Klärung des Habitusbegriffs sowie der von ihm differenzierten Kapitalformen voraus. Im Anschluss an die Beschreibung der beiden Sozialisationskonzepte sollen jeweils die Konsequenzen für die Pädagogik diskutiert werden, bevor es abschließend um die Frage geht, in welchem Verhältnis beide Theorien zueinander gedacht werden können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. NIKLAS LUHMANN: SOZIALISATION ALS SELBSTSOZIALISATION

2.1 AUTOPOIESIS

2.2 KOMMUNIKATION

2.3 SOZIALE SYSTEME

2.4 SOZIALISATION

2.5 INTENTIONALE SOZIALISATION

2.6 SEKUNDÄRE SOZIALISATION

2.7 KONSEQUENZEN FÜR DIE PÄDAGOGIK

3. PIERRE BOURDIEU: SOZIALISATION ALS HABITUALISIERUNG

3.1 HABITUS

3.2 KAPITAL

3.2.1. Ökonomisches Kapital

3.2.2. Kulturelles Kapital

3.2.3. Soziales Kapital

3.2.4. Symbolisches Kapital

3.3 KONSEQUENZEN FÜR DIE PÄDAGOGIK

4. SELBST- UND/ODER FREMDSOZIALISATION?

5. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen theoretischen Perspektiven von Niklas Luhmann und Pierre Bourdieu auf den Prozess der Sozialisation. Das zentrale Ziel ist es, diese Konzepte darzustellen, ihre theoretischen Implikationen für die Pädagogik zu analysieren und abschließend zu erörtern, ob und in welcher Weise sie in einem produktiven Verhältnis zueinander gedacht werden können.

  • Systemtheoretische Grundlagen von Sozialisation (Autopoiesis, Kommunikation)
  • Habitustheoretische Ansätze und Kapitalformen bei Bourdieu
  • Die kritische Bewertung pädagogischer Interventionen
  • Das Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdsozialisation
  • Möglichkeiten einer integrativen theoretischen Heuristik

Auszug aus dem Buch

2. Niklas Luhmann: Sozialisation als Selbstsozialisation

In seinem 1984 veröffentlichten Hauptwerk „Soziale Systeme“ überträgt Niklas Luhmann die Idee der Autopoiesis (= Selbst-Produktion) auf soziale Systeme. Das Konzept der Autopoiesis, welches zuvor hauptsächlich in biologischen Kontexten verwendet wurde, führt zu einer scharfen Trennung zwischen verschiedenen autopoietischen Organisationsformen, so etwa zwischen Leben, Bewusstsein und Kommunikation. Nach Luhmann kann daher das Verhältnis zwischen sozialen Systemen und Menschen nur dadurch angemessen beschrieben werden, indem man akzeptiert, dass beide füreinander Umwelt sind. Die Annahme eines solchen theoretischen Hintergrunds führt schließlich zu einer neuartigen Konzeption von Sozialisation.

Während die Trennung von sozialen Systemen und Menschen auch in anderen soziologischen Theorien seit langem etabliert ist, so konzentriert sich Luhmann explizit auf die scharfe Abgetrenntheit beider Systemtypen, und nicht – wie etwa sein Lehrmeister Talcott Parsons – im Sinne einer Übernahme von sozialen Rollen auf deren Interdependenz. Bewusstsein und Kommunikation sind nach Luhmann zwei grundlegend verschiedene Formen von autopoietischer Reproduktion, die nicht an der gegenseitigen Selbsterneuerung teilhaben (vgl. Vanderstraeten 2000a: 581 f.).

Bereits diese knappen einleitenden Bemerkungen machen deutlich, dass Sozialisation nach Luhmann nicht mehr länger im klassischen Sinne etwa als eine Übertragung von kulturellem Kapital (Bourdieu) verstanden werden kann:

„This theoretical approach entails important consequences for the conceptualization of socialization and education. In classical socialization research, as displayed in the writings of Emile Durkheim, Talcott Parsons, Pierre Bourdieu and others, socialization fulfils a fairly unambiguous societal function. Socialization refers to the internalization or inculcation of social expectations” (Vanderstraeten 2003: 137).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung steckt das Ziel ab, die Sozialisationskonzepte von Luhmann und Bourdieu darzustellen und ihr mögliches Verhältnis zueinander zu prüfen.

2. NIKLAS LUHMANN: SOZIALISATION ALS SELBSTSOZIALISATION: Dieses Kapitel erläutert die systemtheoretischen Grundlagen wie Autopoiesis und Kommunikation, die Luhmanns Verständnis von Sozialisation als Selbstsozialisation definieren.

3. PIERRE BOURDIEU: SOZIALISATION ALS HABITUALISIERUNG: Hier wird Bourdieus Konzept der Habitualisierung eingeführt, wobei der Fokus auf dem Habitusbegriff und den verschiedenen Formen des Kapitals liegt.

4. SELBST- UND/ODER FREMDSOZIALISATION?: Dieser Abschnitt kritisiert das systemtheoretische Modell der Selbstsozialisation und diskutiert den Nutzen des Habituskonzepts für eine umfassendere Sozialisationstheorie.

5. FAZIT: Das Fazit fasst die Gemeinsamkeiten der beiden Ansätze in ihrer skeptischen Sicht auf die Pädagogik zusammen und erörtert Potenziale für eine theoretische Verknüpfung.

Schlüsselwörter

Sozialisation, Selbstsozialisation, Habitualisierung, Niklas Luhmann, Pierre Bourdieu, Systemtheorie, Autopoiesis, Habitus, Kulturelles Kapital, Soziale Systeme, Pädagogik, Kommunikation, Gesellschaft, Struktur, Individuation.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?

Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte von Sozialisation bei Niklas Luhmann (Selbstsozialisation) und Pierre Bourdieu (Habitualisierung).

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die systemtheoretischen Ansätze Luhmanns sowie die habitustheoretischen Erklärungsmodelle Bourdieus, jeweils im Hinblick auf deren pädagogische Konsequenzen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Konzepte beider Soziologen vorzustellen und zu untersuchen, ob und inwiefern sich diese beiden theoretischen Ansätze in ein Verhältnis zueinander setzen lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und komparative Gegenüberstellung soziologischer Begriffe und Modelle zur Sozialisation.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Luhmanns Autopoiesis-Konzept und Bourdieus Habitus- und Kapitaltheorie sowie deren jeweilige Reflexion auf die Erziehungspraxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Selbstsozialisation, Habitus, Systemtheorie, Kapitalformen und pädagogische Paradoxien charakterisieren.

Wie unterscheidet sich Luhmanns Verständnis von Sozialisation vom klassischen Verständnis?

Luhmann betrachtet Sozialisation nicht als Übertragung von Wissen oder Normen (als Übertragungsleistung), sondern als Prozess, in dem das psychische System seine Autopoiesis aufrechterhält und Kommunikation nur als Anlass zur Selbstsozialisation dient.

Welche Rolle spielt der „heimliche Lehrplan“ in der Arbeit?

Der heimliche Lehrplan wird als unvermeidliches Resultat pädagogischer Erziehungsversuche identifiziert, das durch die operative Geschlossenheit der Schüler als selbstreferentielle Systeme entsteht.

Inwiefern kann der Habitus als „black box“ gesehen werden?

Der Habitus wird als Vermittlungsglied zwischen sozialen Herkunftsbedingungen und dem späteren Lebensstil betrachtet, wobei kritisch angemerkt wird, dass Bourdieu den eigentlichen Sozialisationsprozess selbst nicht hinreichend expliziert hat.

Was ist das Fazit zur Pädagogik bei beiden Theoretikern?

Beide kommen zu einer skeptischen Bewertung pädagogischer Wirksamkeit: Luhmann sieht Erziehung als Gefahr unkontrollierter Effekte, während Bourdieu darin ein Mittel zur Verschleierung und Legitimation von Machtverhältnissen erkennt.

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Details

Title
Selbstsozialisation (Luhmann) und Habitualisierung (Bourdieu)
College
Ruhr-University of Bochum  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Course
Person und System - Luhmann und der pädagogische Konstruktivismus
Grade
1,0
Author
B.A. René Klug (Author)
Publication Year
2009
Pages
35
Catalog Number
V131597
ISBN (eBook)
9783640374243
Language
German
Tags
Niklas Luhmann Pierre Bourdieu Selbstsozialisation Habitualisierung Autopoiesis Kommunikation Soziale Systeme Sozialisation Habitus Kapital
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. René Klug (Author), 2009, Selbstsozialisation (Luhmann) und Habitualisierung (Bourdieu), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131597
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