Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Schullesebuch „Von Tieren und Menschen“ von 1946, das als eines der ersten in der Nachkriegszeit in der Schule Verwendung fand. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob und inwieweit die im Lesebuch enthaltenen Texte bereits Anzeichen der späteren Ideologie der Deutschen Demokratischen Republik enthalten oder transportieren. Daneben soll auch geklärt werden, ob die Personen überwiegend gleichaltrige Vorbilder sind. Die für die Bildungspolitik Verantwortlichen jener Zeit mussten sehr schnell entscheiden, welche Texte sie in das neue Lesebuch aufnehmen wollten. Deshalb habe ich mich in Kapitel 2 mit den Vorstellungen und Erwartungen der Regierung der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bezüglich der Aufgaben und Ziele der neu- en Schule beschäftigt. Bei dieser Untersuchung stütze ich mich auf das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ von 1946 und die Ausführungen Joachim Hohmanns zu diesem Thema.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische und bildungspolitische Einordnung des 1946er Schullesebuches
3. Allgemeine Analyse des 1946er Schullesebuches
3.1. Quantitative Analyse
3.2. Qualitative Analyse
3.3. Frequenzanalyse
4. Nachweis der Ideologiefreiheit an ausgewählten Texten
4.1. „Hochwasser“ von Georg Sicker
4.2. „Gelernt ist gelernt“ von Adolf Ryssel
5. Schlussfolgerung: Transportiert das 1946er Schullesebuch Ideologie?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Schullesebuch „Von Tieren und Menschen“ aus dem Jahr 1946, um zu analysieren, ob und inwieweit die enthaltenen Texte bereits ideologische Anzeichen der späteren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) aufweisen oder ob darin primär gleichaltrige Vorbilder für die Schulkinder dargestellt werden.
- Historische Einordnung des Schullesebuches in die Nachkriegszeit und die SBZ
- Quantitative und qualitative Analyse der im Lesebuch enthaltenen Texte
- Frequenzanalyse der dargestellten Verhaltensweisen und Tätigkeiten
- Untersuchung spezifischer Fallbeispiele („Hochwasser“ und „Gelernt ist gelernt“)
- Reflexion über das Bild von Vorbildern und die ideologische Neutralität
Auszug aus dem Buch
4.1. „Hochwasser“ von Georg Sicker
Man kann dem Quellenverzeichnis des Lesebuches (Deutsche Lehrerbücherei 1946, 191) entnehmen, dass dieser Text den Herausgebern des Schullesebuches nur als handschriftlicher Beitrag vorlag. Das deutet daraufhin, dass er möglicherweise erst nach 1945 entstand, dass Georg Sicker demnach ein Schulbuchautor in der SBZ war und das „Hochwasser“ extra für das erste Schullesebuch der SBZ geschrieben wurde.
Damit habe ich die Ergebnisse der quantitativen Analyse an diesem Text noch einmal bestätigen können: dieser ist einer der wenigen, die (vermutlich) nach 1945 geschrieben wurden und Georg Sicker ist einer der wenigen Autoren, die (vermutlich) aus der SBZ stammen.
Die Handlung ist schnell zusammengefasst: ein etwa 60jähriger Erzähler erinnert sich an eine Begebenheit seiner Jugend als in seiner Heimatstadt das Hochwasser zu einer ungewöhnlichen Zeit kam. Statt wie üblich im Frühjahr war in jenem Jahr das Wasser im Juli erneut gestiegen, was dem Jungen und seinen Freunden einen schönen Tag und, aufgrund der vom Wasser mitgeführten Fische, der Familie reichlich Essen einbrachte (Deutsche Lehrerbücherei 1946, 17-23). Die Familie besteht hier aus einer Mutter mit 2 Söhnen, ein Vater wird nicht genannt. Dieser könnte, im Hinblick auf die Zeit, im Krieg gefallen oder gefangen genommen worden sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob das 1946er Lesebuch bereits DDR-Ideologie transportiert oder realitätsnahe Vorbilder vermittelt.
2. Historische und bildungspolitische Einordnung des 1946er Schullesebuches: Das Kapitel verortet das Lesebuch im Kontext der sowjetischen Besatzungszone und der Entnazifizierung der Schulen nach 1945.
3. Allgemeine Analyse des 1946er Schullesebuches: Hier werden Kriterien für die quantitative, qualitative und Frequenzanalyse entwickelt, um das Lesebuch methodisch zu untersuchen.
3.1. Quantitative Analyse: Dieses Kapitel prüft die Anzahl relevanter Texte und die Herkunft der Autoren, um ideologische Tendenzen statistisch einzugrenzen.
3.2. Qualitative Analyse: Es wird die Sprache und der Stil der Texte untersucht, um die Eignung für den Einsatz in der 4. Klasse zu bewerten.
3.3. Frequenzanalyse: Hier werden Verhaltensweisen und Tätigkeiten in den Texten auf ihre ideologische Funktion oder ihren Bezug zur kindlichen Lebenswelt geprüft.
4. Nachweis der Ideologiefreiheit an ausgewählten Texten: Dieses Kapitel vertieft die Analyse an konkreten Textbeispielen, um die bisherigen Erkenntnisse zu bestätigen.
4.1. „Hochwasser“ von Georg Sicker: Die Geschichte wird im Hinblick auf das Identifikationspotenzial und die dargestellten Verhaltensweisen der Jungen untersucht.
4.2. „Gelernt ist gelernt“ von Adolf Ryssel: An diesem Beispiel wird die Bedeutung von Handwerk und familiärer Erziehung im Textkontext beleuchtet.
5. Schlussfolgerung: Transportiert das 1946er Schullesebuch Ideologie?: Das Fazit stellt fest, dass das Lesebuch ideologiefrei ist und vor allem der emotionalen Stabilisierung der Kinder in der Nachkriegszeit diente.
Schlüsselwörter
Schullesebuch, Nachkriegszeit, Sowjetische Besatzungszone, SBZ, DDR-Ideologie, Analyse, quantitative Analyse, qualitative Analyse, Frequenzanalyse, Georg Sicker, Adolf Ryssel, Identifikationspotenzial, Vorbilder, pädagogische Erziehung, Deutschunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das 1946 veröffentlichte Schullesebuch „Von Tieren und Menschen“ hinsichtlich möglicher ideologischer Einflüsse der späteren DDR und unterscheidet zwischen der Darstellung von Vorbildern und pädagogischer Absicht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung der Schulpolitik nach 1945, der methodischen Analyse von Lesebuchtexten und der Untersuchung von Vorbildfunktionen in der kindlichen Literatur.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, ob die Texte im Lesebuch von 1946 bereits Anzeichen für eine spätere DDR-Ideologie enthalten oder ob die Charaktere lediglich als realitätsnahe, gleichaltrige Vorbilder fungieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Autorin verwendet einen dreistufigen methodischen Ansatz, bestehend aus quantitativer Analyse (Autoren- und Textstatistik), qualitativer Analyse (Stilistik) und Frequenzanalyse (Inhalts- und Verhaltensmuster).
Welche inhaltlichen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Analyse der Texte des Lesebuchs und eine vertiefende Untersuchung der zwei ausgewählten Geschichten „Hochwasser“ von Georg Sicker und „Gelernt ist gelernt“ von Adolf Ryssel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind SBZ, Nachkriegspädagogik, Ideologiefreiheit, literarische Vorbilder, Identifikationspotenzial und der Deutschunterricht als Instrument zur Erziehung zu Humanität.
Welches Ergebnis erzielt die Autorin bezüglich der Ideologievorwürfe?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass das Lesebuch von 1946 keine Ideologie transportiert, da es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine ausgeprägten sozialistischen Erziehungsziele in den Lehrplänen gab.
Welche Funktion erfüllen die Charaktere laut der Schlussfolgerung?
Die Kinder in den Texten dienen vor allem als Projektionsfläche für Identifikationsmöglichkeiten und sollen den Schülern nach den Traumata des Krieges eine „heile Welt“ und Hoffnung vermitteln.
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- Kristina Müller (Author), 2006, Das Schullesebuch von 1946: ideologiefreie Texte über meist gleichaltrige Vorbilder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131670