Es gibt eine Vielzahl an Kinderbibeln - durch welche Kriterien kann ich diese vergleichen, um die passende zu finden? Diese Frage stellt den Kern dieser Arbeit dar. Oftmals ist es für den Bereich Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung schwer, Material für den Religionsunterricht heranzuziehen, welches die Kinder verstehen und gleichzeitig dem biblischen Text gerecht wird. Als Option oder Erweiterung zum klassischen Schulbuch bietet es sich hier an, eine Kinderbibel zu verwenden, die in eine Unterrichtsstunde eingebunden werden soll.
Teil I dieser Arbeit beinhaltet die Analysekriterien und ihre theoretische Ausführung. In Teil II der Hausarbeit wird aus jedem vorgestellten Kriterienbereich ein Vergleichsaspekt ausgewählt, eine Szene aus den Kinderbibeln ausgesucht und diese Auswahl begründet. In Teil III soll anhand einer ausgewählten Szene und dem Vergleichsaspekt die Kinderbibel untersucht werden, indem die Befunde präsentiert und analysiert werden, die beiden Kinderbibeln in diesem Aspekt verglichen und ein kleines Fazit gezogen wird. Bei diesem Zwischenfazit ist auch immer der Aspekt der Zielgruppe zu berücksichtigen, da dieser nicht nur separat, sondern auch mit den anderen Kriterienbereichen verbunden betrachtet werden muss. Nachdem dieses Vorgehen bei jedem Vergleichsaspekt durchgeführt wurde, kommt es schlussendlich nochmals zu einem generellen Fazit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I- Analysekriterien
Kriterienbereich 1: Begriff und doppelte Adressierung
Kriterienbereich 2: Textanpassungen
Kriterienbereich 3: Funktionen von Bildern in Kinderbibeln
Kriterienbereich 4: Theologische Ausrichtung
Kriterienbereich 5: Bedingungen im Hinblick auf die Zielgruppe
Teil II Auswahl der Kriterien
Teil III Vergleich der beiden Kinderbibeln anhand der ausgewählten Aspekte aus den beiden Analyserastern
Vergleichsaspekt 1- doppelte Adressierung
Vergleichsaspekt 2- Textanpassung- Veränderungen des Textes- Anhand der Zisternenszene
Vergleichsaspekt 3- Illustration- Funktionen nach Landgraf- Anhand der Vorstellungszene & Verbeugungsszene
Vergleichsaspekt 4- Theologische Ausrichtung- Gottesbild- Anhand der Deutung des Pharaotraums
Vergleichsaspekt 5- Zielgruppeneigung- Identifikation- Anhand des Spannungsbogens
Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, zu analysieren, wie zwei ausgewählte Kinderbibeln die Josefgeschichte im Hinblick auf den Einsatz im Unterricht für Schüler*innen mit dem Förderschwerpunkt (FSP) geistige Entwicklung aufbereiten. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit die gewählten Kinderbibeln den Anforderungen an Kindgemäßheit, theologische Ausrichtung und zielgruppengerechte Didaktik gerecht werden.
- Kriteriengeleiteter Vergleich von Kinderbibeln als Unterrichtsmaterial
- Analyse von Textanpassungen und Bild-Konzeptionen
- Berücksichtigung der Zielgruppe mit geistiger Behinderung
- Theologische Rahmung und Gottesbildvermittlung
- Identifikationsmöglichkeiten für die Lernenden
Auszug aus dem Buch
Vergleichsaspekt 2- Textanpassung- Veränderungen des Textes- Anhand der Zisternenszene
Durch eine tabellarische Gegenüberstellung der Inhalte (Anhang 5) kam heraus, dass bei Haug und de Kort einige Details und Handlungsstränge der Zisternensituation weggelassen, aber auch eine Kommentierung hinzugefügt wurde. Weggelassen wurde der ursprüngliche Mordplan der Brüder und der damit verbundene Rettungsplan von Ruben. Außerdem wird es nicht in Worten erwähnt und auch auf den Bildern nicht dargestellt, dass Josef nackt in die Grube geworfen wird (Anhang 4). Der Abstieg wird hier also nicht durch das Kleidermotiv dargestellt. Auch das Brüdermahl wird weggelassen, wodurch es dementsprechend auch am Schluss der Geschichte nicht erneut aufgegriffen wird. Die Kaufleute auf dem Weg nach Ägypten werden thematisiert, doch die Kamele kommen nur auf dem zugehörigen Bild vor (Anhang 6). Da der Mordplan fehlt, wird auch die Szene, in der sich die Brüder umentscheiden und ihn doch nur verkaufen wollen, obsolet. In dieser Kinderbibel werden die midianitischen Männer ausgespart, die Josef anstatt der Brüder verkaufen, also verkaufen die Brüder Josef. Dadurch, dass sie wissen, dass Josef nach Ägypten gebracht wird, verliert sich die Begründung, warum die Brüder Josef in Ägypten zunächst nicht erkennen. Laut Lux ist dieses ungewisse Vermisst-Sein von Josef nämlich Voraussetzung für das Nicht-Erkennen in Gen 42-44 (vgl. Lux 2001, S. 92).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autorin legt dar, warum die Auswahl passender Kinderbibeln für den Religionsunterricht im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung eine Herausforderung darstellt und wie sie ihr methodisches Vorgehen strukturiert.
Teil I- Analysekriterien: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen wie die doppelte Adressierung, Textanpassungen, die Funktion von Bildern und theologische sowie zielgruppenspezifische Kriterien erarbeitet.
Teil II Auswahl der Kriterien: Die Autorin begründet die Wahl der Josefgeschichte als Analysegegenstand und erläutert ihre Auswahl spezifischer Abschnitte, die verschiedene Kriterienbereiche repräsentieren.
Teil III Vergleich der beiden Kinderbibeln anhand der ausgewählten Aspekte aus den beiden Analyserastern: Die Kinderbibeln werden in fünf Vergleichsaspekten detailliert gegenübergestellt, wobei Befunde analysiert und durch Zwischenfazite didaktisch bewertet werden.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Kinderbibeln unterschiedliche Stärken aufweisen, wobei die Auswahl stark von der individuellen Lerngruppe und der spezifischen Unterrichtssituation abhängt.
Schlüsselwörter
Kinderbibel, Josefgeschichte, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, Reliogionsunterricht, Textanpassung, Didaktik, Bildungsplan, Elementarisierung, Gottesbild, Identifikation, Inklusion, Religionspädagogik, Sonderpädagogik, Auswahlbibel, Schulbuch.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie zwei verschiedene Kinderbibeln die bekannte Josefgeschichte aufbereiten und inwiefern sich diese Aufbereitung für den Einsatz in Klassen mit Schülern und Schülerinnen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung eignet.
Welche zwei Kinderbibeln werden verglichen?
Verglichen werden „Das große Bibelbilderbuch“ von Kees de Kort und Hellmut Haug sowie die „Kinderbibel“ von Werner Laubi und Annegert Fuchshuber.
Welches Ziel verfolgt der Einsatz von Kinderbibeln im Unterricht?
Neben der Erschließung biblischer Inhalte sollen Kinderbibeln als didaktische Ergänzung dienen, die Schülern mit geistiger Behinderung den Zugang zu religiösen Themen durch angepasste Texte und bildhafte Darstellungen erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kriteriengeleitete Analyse. Hierfür wurden vorab verschiedene Analyseraster entwickelt, die theologische, bilddidaktische und zielgruppengerechte Kriterien systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden fünf spezifische Vergleichsaspekte (doppelte Adressierung, Textveränderung, Bildfunktionen, Gottesbild und Identifikationsmöglichkeiten) an konkreten Szenen der Josefgeschichte wie der Zisternenszene oder der Pharaotraumdeutung praktisch verglichen.
Welche Merkmale charakterisieren die untersuchten Kinderbibeln besonders?
Die Analyse zeigt, dass die eine Bibel sehr stark vereinfacht und auf visuelle Reduktion setzt, während die andere eher umfangreiche Paraphrasen und detaillierte Erzählweisen verwendet.
Welche Rolle spielt die Zisternenszene in der Analyse?
Diese Szene ist zentral für den Vergleich der Textanpassungen, da sie zeigt, welche Handlungsstränge (wie den Mordplan) die jeweiligen Autoren aussparen oder in welchem Maße sie Gefühle der Protagonisten explizit kommentieren.
Warum ist das "Kleidermotiv" in der Untersuchung relevant?
Das Kleidermotiv wird als wiederkehrendes erzählerisches Element analysiert, das hilft, Josefs Status innerhalb der Geschichte zu verstehen und dessen Wiedererkennungswert für die Zielgruppe zu steigern.
- Citar trabajo
- Leandra Zwölfer (Autor), 2022, Einsatz von Bibelgeschichten im Unterricht in Hinblick auf die geistige Entwicklung. Vergleich von zwei Kinderbibeln anhand der Josefgeschichte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316781