In dieser Arbeit soll der Zusammenhang zwischen Foreign-Language-Anxiety (Fremdsprachenangst) im Hinblick auf die Verwendung von Business Englisch als Lingua Franca (BELF) am Arbeitsplatz und der Arbeitszufriedenheit von nicht-englischsprachigen Beschäftigten untersucht werden. Außerdem soll geprüft werden, ob die individuelle berufliche Selbstverwirklichung mit Foreign-Language-Anxiety (FLA) korreliert.
104 Testpersonen füllten einen Onlinefragebogen aus. FLA wurde mittels der FLA-FS-Skala von Gargalianou et al. (2016) und die Arbeitszufriedenheit mittels der Skala von Fischer und Lück (1972) unter Berücksichtigung von soziodemografischen Daten erhoben. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen eine schwach negative Korrelation zwischen FLA und Arbeitszufriedenheit
(r = -.39), sowie zwischen FLA und beruflicher Selbstverwirklichung (r = -.40), d. h. je höher die Angstwerte sind, desto niedriger ist die Arbeitszufriedenheit bzw. die Zufriedenheit mit der beruflichen Selbstverwirklichung. Außerdem lässt sich ein stark positiver Zusammenhang von FLA und den individuellen Englischkenntnissen (r = .70) feststellen, d. h., dass sprachinduzierte Angst vor allem, aber nicht ausschließlich, bei Sprachanfängern vorkommt.
Angesichts der Untersuchungsergebnisse und den Folgen von FLA auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden müssen multinationale Unternehmen, in denen BELF eingeführt wurde, die Anzeichen von FLA bei Beschäftigten erkennen können und Maßnahmen einführen, um den negativen Auswirkungen auf Angestellte und Organisation entgegenzusteuern.
Da es bislang keine Forschungen zu diesem Thema gibt, soll diese Arbeit einen Beitrag zur Schließung der Forschungslücke leisten. Weiterführende, umfassende Forschungen zu FLA und Arbeitszufriedenheit wären notwendig, um wesentliche wirtschaftspsychologische Erkenntnisse in diesem Bereich zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 Business-Englisch als Lingua Franca (BELF)
2.2 Foreign-Language-Anxiety
3 Forschungsstand
3.1 Auswirkungen von FLA
3.2 FLA und Arbeitszufriedenheit
4 Vorläufiges Fazit und Forschungslücke
5 Fragestellungen und Hypothesen
6 Methodik
6.1 Eingesetzte Messinstrumente
6.1.1 Erfassung der Anwendungshäufigkeit von BELF
6.1.2 Erfassung der Englischkenntnisse
6.1.3 Erfassung der Berufsposition
6.1.4 FLA in Formal-Settings-Skala (FLA-FS)
6.1.5 Skala zur Messung der Arbeitszufriedenheit (SAZ)
6.2 Durchführung der Untersuchung
6.3 Stichprobe
6.4 Datenauswertung
7 Ergebnisse
7.1 Deskriptive Statistik
7.1.1 Statistische Auswertung der Fragebögen
7.1.2 Varianzanalysen
7.2 Korrelationsanalysen
8 Diskussion
8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
8.2 Praktische Bedeutung
8.3 Einschränkungen und Empfehlungen für die weitere Forschung
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Bachelorarbeit ist es, den Zusammenhang zwischen der Fremdsprachenangst (Foreign-Language-Anxiety, FLA) im Kontext der Nutzung von Business-Englisch als Lingua Franca (BELF) und der Arbeitszufriedenheit bei nichtenglischsprachigen Beschäftigten zu analysieren. Dabei wird ebenfalls untersucht, ob die wahrgenommene berufliche Selbstverwirklichung durch diese Form der sprachinduzierten Angst beeinflusst wird, um daraus Management-Empfehlungen abzuleiten.
- Zusammenhang zwischen FLA und der allgemeinen Arbeitszufriedenheit
- Einfluss von Englisch als Geschäftssprache (BELF) auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz
- Korrelation zwischen Fremdsprachenangst und beruflicher Selbstverwirklichung
- Rolle von individuellen Englischkenntnissen bei der Entstehung von FLA
- Konsequenzen von sprachbedingten Barrieren für die Teamdynamik und den Unternehmenserfolg
- Praktische Maßnahmen zur Förderung eines psychologisch sicheren Unternehmensklimas
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswirkungen von FLA
Wie eingangs erwähnt, kann FLA situationsspezifischen Angstreaktionen zugewiesen werden. Diese entstehen zunächst in der Amygdala, die ein Teil des menschlichen Gehirns und des limbischen Systems ist und Angstzustände verarbeitet. Durch eine Erhöhung der Adrenalinproduktion bereitet sie den Körper auf Kampf oder Flucht vor und erzeugt daher körperliche Veränderungen wie Schweißausbrüche, einen trockenen Mund oder einen erhöhten Puls (Aichhorn & Puck, 2017; Davis, 1992). Auf emotionaler Ebene erzeugt FLA bei Personen Gefühle von Verlegenheit und Scham in Bezug auf ihre sprachlichen Fähigkeiten und Kompetenzen. Dadurch erleben sie eine mentale Blockade in der Kommunikation, die durch die Tatsache, dass FLA beim Sprechen am höchsten ist, noch verstärkt wird (Cheng, Horwitz & Schallert, 1999). Aufgrund der Schamgefühle wird außerdem die Bereitschaft von Personen, sich anderen Teammitgliedern zu öffnen, gehemmt und die Bildung von vertrauensvollen Beziehungen erschwert (Mauranen & Ranta, 2009; Piekkari, Welch & Welch, 1997; Hinds, Neeley & Cramton, 2014; Tenze, Terjesen & Harzing, 2016; Dunn & Schweitzer, 2005). Des Weiteren führt FLA zu einer übermäßigen Selbstwahrnehmung im Hinblick auf das eigene Potential, d. h. den sprachlichen Fähigkeiten, und erzeugt Angst vor der negativen Beurteilung von anderen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit der Person überwiegend auf sich selbst und andere gelenkt und nicht in adäquater Weise auf die arbeitsbezogene Tätigkeit, was eine Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat (Eysenck, 1979).
Darüber hinaus haben Personen Schwierigkeiten, ihre Gedanken und Gefühle in der englischen Sprache auszudrücken, da sie ihre rhetorischen Fähigkeiten in der Muttersprache nicht vergleichbar anwenden können. Die eigene Authentizität kann daher nicht vollkommen ausgelebt werden, weshalb FLA ein vermindertes Selbstwertgefühl erzeugen kann (Tenzer & Pudelko, 2015). Zudem hat FLA auch Auswirkungen auf das Verhalten. Studien haben ergeben, dass nichtenglischsprachige Beschäftigte dazu neigen, auf passive, emotionsorientierte Bewältigungsstrategien zurückzugreifen, z. B. indem sie Unterhaltungen auf Englisch vermeiden, sich in Besprechungen nur nach Aufforderung äußern oder diesen von vornherein fernbleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung thematisiert die weite Verbreitung von Business-Englisch als Lingua Franca (BELF) in deutschen Unternehmen und skizziert die damit einhergehenden potenziellen Störquellen in der Kommunikation sowie deren negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden.
2 Begriffsbestimmung: Hier werden die Kernbegriffe BELF, Foreign-Language-Anxiety (FLA) und Arbeitszufriedenheit definiert und theoretisch eingeordnet, wobei insbesondere das Konzept der Arbeitszufriedenheit nach Herzberg beleuchtet wird.
3 Forschungsstand: Dieser Abschnitt fasst vorhandene Erkenntnisse zu den emotionalen Auswirkungen von Sprachbarrieren und dem Konstrukt der Fremdsprachenangst im wirtschaftlichen Umfeld zusammen und identifiziert die Forschungslücke.
4 Vorläufiges Fazit und Forschungslücke: Das Kapitel schließt aus der Literatur, dass FLA physische und kognitive Folgen hat, und betont, dass dieses Thema in bestehenden Modellen der Arbeitszufriedenheit bisher zu wenig berücksichtigt wird.
5 Fragestellungen und Hypothesen: Basierend auf der Forschungslücke werden eine ungerichtete und zwei gerichtete Arbeitshypothesen formuliert, um den Zusammenhang zwischen FLA, Arbeitszufriedenheit und beruflicher Selbstverwirklichung empirisch zu prüfen.
6 Methodik: Es wird das Forschungsdesign beschrieben, das eine quantitative Online-Umfrage (n=104) mittels validierter Skalen (FLA-FS für Fremdsprachenangst, SAZ für Arbeitszufriedenheit) umfasst.
7 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren eine schwach negative Korrelation zwischen FLA und Arbeitszufriedenheit sowie eine stark positive Korrelation zwischen FLA und niedrigen Englischkenntnissen.
8 Diskussion: Die Resultate werden interpretiert, wobei die Bedeutung psychologischer Sicherheit und praktischer Management-Maßnahmen wie Diversitätskultur und Sprachförderung im Fokus stehen.
9 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Fremdsprachenangst die berufliche Selbstverwirklichung und das Wohlbefinden einschränkt und empfiehlt Unternehmen, FLA als zentrales Management-Thema zu integrieren.
Schlüsselwörter
Business-Englisch als Lingua Franca, BELF, Foreign-Language-Anxiety, Fremdsprachenangst, Arbeitszufriedenheit, berufliche Selbstverwirklichung, internationale Kommunikation, psychologische Sicherheit, Mitarbeiterführung, Sprachbarrieren, wirtschaftspsychologische Forschung, Risikovermeidung, Diversity Management, Angstkonstrukt, Unternehmensklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der durch Business-Englisch als Lingua Franca (BELF) verursachten Fremdsprachenangst (FLA) und der Arbeitszufriedenheit von nichtenglischsprachigen Beschäftigten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Sprachbarrieren in einem globalisierten Arbeitsumfeld, die psychologischen Auswirkungen von Fremdsprachenangst auf die Arbeitsleistung und die Bedeutung von psychologischer Sicherheit für die Zufriedenheit der Mitarbeitenden.
Welches primäre Forschungsziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel ist es, die bestehende Forschungslücke bezüglich des Zusammenhangs von FLA und Arbeitszufriedenheit zu schließen und konkrete Maßnahmen für Führungskräfte abzuleiten, um negative Auswirkungen von BELF zu mildern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Studie durchgeführt, bei der 104 Probanden mittels Online-Fragebögen befragt wurden. Die Daten wurden anschließend mit statistischen Verfahren wie dem t-Test, der einfaktoriellen ANOVA und Spearman-Korrelationen analysiert.
Was deckt der theoretische Hauptteil inhaltlich ab?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Arbeitszufriedenheit, das Konstrukt der FLA sowie deren physische, emotionale und verhaltensbezogene Auswirkungen auf das Individuum und die Teamdynamik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Foreign-Language-Anxiety (FLA), Business-Englisch als Lingua Franca (BELF), Arbeitszufriedenheit, berufliche Selbstverwirklichung, psychologische Sicherheit und interkulturelle Kommunikation.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Fremdsprachenangst?
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen keine signifikanten Unterschiede in der FLA-Ausprägung zwischen Männern und Frauen, was im Widerspruch zu manchen Vorläuferstudien steht.
Wie korrelieren Sprachkenntnisse mit der Fremdsprachenangst?
Die Untersuchung ergab eine stark positive Korrelation: Beschäftigte mit geringeren Englischkenntnissen (Anfänger) weisen signifikant höhere Angstwerte auf als Beschäftigte mit fortgeschrittenen oder verhandlungssicheren Sprachkenntnissen.
Welche Rolle spielt die Führungsebene bei diesem Thema?
Die Studie zeigt überraschenderweise, dass FLA auch bei Führungskräften auftreten kann, was für den Unternehmenserfolg kritisch ist, da diese Personen maßgebliche Entscheidungen treffen und Teams leiten.
Welche praktischen Empfehlungen werden für Unternehmen gegeben?
Es wird empfohlen, FLA in das Diversity-Management aufzunehmen, psychologische Sicherheit zu etablieren, Sprachförderung anzubieten und englische Muttersprachler zu einem sprachlich inklusiven Verhalten zu verpflichten.
- Arbeit zitieren
- Sarah Capozza (Autor:in), 2023, Der Zusammenhang von Business-Englisch als Lingua Franca und der Arbeitszufriedenheit von nicht-englischen Muttersprachlern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1318086