In dieser Arbeit geht es um viele Aspekte der Mehrsprachigkeit in der Schule. Grundlage bilden zum einen die Sprachenpolitik und das Sprachregime, ebenso wie das Stichwort des 'monolingualen Habitus'. Zum anderen thematisiert das Portfolio die Ebenen des wahrgenommenen Raumes, des konzipierten Raumes und des gelebten Raumes. Das Portfolio besteht aus vier verschiedenen Aufgaben. An erster Stelle steht die Reflexion der eigenen Raumwahrnehmung. Dieses bezeichnet den Diskurs im Raum, bei dem Raum- und Sprachpraktiken miteinander verbunden werden. Busch beschreibt, dass es sich bei Sprache im wahrgenommenen Raum um "habitualisierte, sprachliche Praktiken, die dazu beitragen, den sozialen Raum als solchen zu konstituieren" handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Selbstreflexion: Raumwahrnehmung und Diversity
3. Transkriptanalyse und Heuristik des Sprachregimes
4. Interviewanalyse und Grounded Theory
5. Selbstreflexion: Lernprozess
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Sprachregimes im schulischen Kontext sowie die kritische Reflexion der Gestaltung mehrsprachiger Bildung unter Anwendung theoretischer Konzepte. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Sprachen in diversen Lernumgebungen wahrgenommen, konzipiert und gelebt werden und welche Herausforderungen sich daraus für die pädagogische Praxis ergeben.
- Grundlagen des Sprachregimes und des monolingualen Habitus
- Analyse mehrsprachiger Unterrichtspraktiken anhand der Theorie von Henri Lefebvre
- Anwendung der Grounded Theory zur Auswertung von Interviewdaten
- Reflexion der eigenen Raumwahrnehmung und Diversität im Bildungsalltag
- Spannungsfelder zwischen Deutsch als Institutionssprache und der Mehrsprachigkeit der Schüler
Auszug aus dem Buch
3. Transkriptanalyse und Heuristik des Sprachregimes
In diesem Kapitel soll die Mehrsprachigkeit und das Sprachregime im Unterricht thematisiert werden. Dazu wird im Laufe des Kapitels ein Transkript, welches sich im Anhang befindet, mithilfe der Heuristik des Sprachregimes analysiert. Zuerst wird die Relevanz des Themas „Sprachregime im Kontext von Mehrsprachigkeit“ begründet und anschließend überblicksartig das Konzept des Sprachregimes nach Busch (2013) dargestellt. Das Transkript wird dann mithilfe der Analysefragen der drei Dimensionen des Sprachregimes analysiert.
Zunehmend begegnen Lehrer*Innen in der Schule Kinder, deren Erst- oder Zweitsprache eine andere ist, als die deutsche Sprache, die in der Institutionen Schule genutzt wird. Dieser monolinguale Habitus des Deutschen, welcher zuvor bereits kurz angesprochen wurde, macht es Kindern zunehmend schwer, gleichgestellt an der Institution Schule zu partizipieren, denn er entspricht meist nicht der Lebensrealität der Kinder. Diese bringen aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit Fähigkeiten mit, die im normalen Unterricht ungenutzt bleiben. Denn diese Kinder leben außerhalb der Schule in einer Lebenswelt voller mehrsprachiger Praktiken und Räume. Es zeigt sich sinnvoll, Mehrsprachigkeit im Sinne von Raum und Raumperspektiven anzuschauen, denn die Sprachräume sind stets in Bewegung und prozesshaft (Busch, 2013, S. 127). Insbesondere in der Schule, ist das örtliche, sozial und sprachlich konstituierte Sprachregime geprägt von Machtkonstellationen und Hierarchien (Busch, 2013, S. 127). Die Heuristik des Sprachregime wird im Folgenden genutzt, um neue Erkenntnisse in der Mehrsprachigkeitsforschung zu treffen, denn dieses Konzept ermöglicht es, verschiedene Perspektiven einzunehmen. So kann der Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Schule genau untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themen Mehrsprachigkeit, Sprachenpolitik und das Konzept des Sprachregimes ein und skizziert den Aufbau der vier Portfolio-Aufgaben.
2. Selbstreflexion: Raumwahrnehmung und Diversity: Dieses Kapitel setzt sich mit der persönlichen Raumwahrnehmung und dem Verständnis von Diversity auseinander, indem ein Zitat von Katrin Oberhoeller reflektiert wird.
3. Transkriptanalyse und Heuristik des Sprachregimes: Hier wird anhand eines Transkripts untersucht, wie mehrsprachige Bildung in einer Schulsituation reguliert wird und wo der monolinguale Habitus im Widerspruch zur Lebenswirklichkeit der Schüler steht.
4. Interviewanalyse und Grounded Theory: Durch die Methode der Grounded Theory werden Interviewdaten ausgewertet, um die Gestaltung mehrsprachiger Bildung und das Spannungsfeld zwischen Förderung und Forderung im Schulalltag zu beleuchten.
5. Selbstreflexion: Lernprozess: Der abschließende Teil reflektiert den persönlichen Erkenntnisgewinn aus dem Seminar und diskutiert die Herausforderungen bei der Umsetzung mehrsprachiger Ansätze im realen System Schule.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Sprachregime, Monolingualer Habitus, Grounded Theory, Diversität, Schulpraxis, Raumwahrnehmung, Unterrichtsqualität, Machtverhältnisse, Sprachpraktiken, Inklusion, Deutsch als Zweitsprache, Pädagogische Reflexion, Lernprozess, Institution Schule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Sprachregime innerhalb des deutschen Schulsystems und analysiert, wie pädagogische Fachkräfte mit der Mehrsprachigkeit ihrer Schüler umgehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen zählen die theoretische Einordnung von Sprachregimen, die Reflexion von Diversität, die praktische Unterrichtsanalyse sowie die Untersuchung des institutionellen Habitus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen geforderter Mehrsprachigkeit und der im Unterricht oft dominierenden monolingualen Ausrichtung aufzuzeigen und Strategien zur produktiven Gestaltung mehrsprachiger Bildung zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Heuristik des Sprachregimes nach Busch sowie die Methode der Grounded Theory, um Transkripte und Interviews empirisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse von Unterrichtstranskripten bezüglich Sprachpraktiken und einer kodierbasierten Auswertung von Experteninterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Das Werk wird maßgeblich durch Begriffe wie Mehrsprachigkeit, Sprachregime, monolingualer Habitus und Grounded Theory geprägt.
Wie bewertet die Autorin den Einsatz von Muttersprachen im Unterricht?
Die Autorin stellt fest, dass der Einsatz oft noch oberflächlich erfolgt und die Gefahr besteht, durch eine fehlerhafte Umsetzung der Mehrsprachigkeit eher eine Abgrenzung oder ein "Othering" der Schüler zu forcieren.
Warum wird im Fazit die Rolle der Lehrkraft betont?
Die Autorin unterstreicht, dass Lehrkräfte in einem fortwährenden Spannungsfeld zwischen den institutionellen Anforderungen der deutschen Sprache und dem Wunsch nach Inklusion stehen und daher situativ und individuell agieren müssen.
- Quote paper
- Isabel Bohn (Author), 2021, Sprachregime in Schule und Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1318424