In der vorliegenden Arbeit sollen zwei thematische Schwerpunkte aufgegriffen und
näher beleuchtet werden: Zum einem wird die Verteidigungsrede Apologia unter den
Aspekten Inhalt, Komposition, Argumentationsstrategie und Authentizität ansatzweise
angerissen, zum anderen liegt der zweite thematische Schwerpunkt auf der Zweiten
Sophistik. In dem ersten Schwerpunkt soll der Inhalt, der Aufbau der Rede und
mögliche Probleme in zusammenfassender Form dargestellt werden. In dem zweiten
Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit versuche ich den Sophistikbegriff zu
definieren, indem ich ihr Entstehen, Wirkung und Grundannahmen als Grundlage für
das Folgende ansatzweise anreiße. Anschließend gehe ich zu der Definition und den
entscheidenden charakteristischen Merkmalen der Zweiten Sophistik über. Daran
anknüpfend soll die Frage aufgegriffen werden, ob man die Verteidigungsschrift
Apologia als ein Werk der Zweiten Sophistik deklarieren kann. Nach einer allgemeinen
Auflistung von Elementen, die die Rede zu einem Werk der Zweiten Sophistik erklären,
soll anhand der Textgrundlage Apul. Apol 4,1 – 7,7 die wichtigsten Elemente im
Hinblick auf ihre Funktion innerhalb der Verteidigungsschrift herausgearbeitet und
interpretiert werden, die als typisch sophistisch zu betrachten sind und die
Verteidigungsschrift Apologie zu einem meisterhaften Werk der Zweiten Sophistik
deklarieren. Es geht also darum, auf der ausgewählten Textgrundlage zu zeigen, warum
diese Rede als ein Erzeugnis der Zweiten Sophistik zu betrachten ist. Vor diesem
Hintergrund soll auch ansatzweise darauf eingegangen werden, inwiefern bei der
vorliegenden Verteidigungsrede eine Literarisierung vorliegt. Kann man von einer
starken Literarisierung der Apologia reden? Abschließend werden in einer
Zusammenfassung noch einmal die zentralen Kernaussagen der vorliegenden
Hausarbeit festgehalten.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vita und Werke des Apuleius
3. Inhalt und Aufbau der Verteidigungsschrift Apologia
3.1. Einführung
3.2. Inhalt
3.3. Komposition und Argumentationsstrategie
3.4. Authentizität/Echtheitsfrage
4. Die Zweite Sophistik
4.1. Definition des Sophistikbegriffs
4.2. Der Entstehungszusammenhang, Wirkung und Grundzüge der Sophistik
4.3. Die Zweite Sophistik
4.4. Die Verteidigungsrede Apologia als Werk der Zweiten Sophistik
4.4.1 Welche allgemeinen Elemente deklarieren die Verteidigungsschrift Apologia zum Werk der Zweiten Sophistik?
4.4.2. Analyse und Interpretation: Textgrundlage Apul. Apol. 4,1 – 7,7
5. Zusammenfassung der Kernaussagen/Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verteidigungsrede "Apologia" des Apuleius im Hinblick auf ihre inhaltliche Struktur, rhetorische Strategie und Authentizität. Ein zentrales Ziel ist es, nachzuweisen, dass dieses Werk als ein exzellentes Beispiel für die Zweite Sophistik gelten kann, indem die Literarisierung und die sophistischen Merkmale in der Argumentation des Angeklagten herausgearbeitet werden.
- Analyse der Verteidigungsstrategie des Apuleius
- Definition und historische Einordnung der Zweiten Sophistik
- Untersuchung rhetorischer Stilelemente und Literarisierung
- Untersuchung der philosophischen Selbstinszenierung im Prozess
Auszug aus dem Buch
Abschnitt aus I. Refutatio: Person und Lebensweise des Angeklagten
(1) Audisti ergo paulo prius in principio accusationis ita dici: 'accusamus apud te philosophum formonsum et tam Graece quam Latine' - pro nefas! - 'disertissimum.' (2) Nisi fallor enim, his ipsis uerbis accusationem mei ingressus est Tannonius Pudens, homo uere ille quidem non disertissimus. (3) Quod utinam tam grauia formae et facundiae crimina uere mihi opprobrasset! Non difficile ei respondissem quod
οὔ τοι ἀπόβλητ' ἐστὶ θεῶν ἐρικυδέα δῶρα,
(4) ὅσσα κεν αὐτοὶ δῶσιν, ἑκὼν δ' οὐκ ἄν τις ἑλοιτο
(5) munera deum gloriosissima nequaquam aspernanda; quae tamen ab ipsis tribui sueta multis uolentibus non obtingunt. Haec ego de forma respondissem. (6) Praeterea: licere etiam philosophis esse uoltu liberali. (7) Pythagoram, qui primum se esse philosophum nuncuparit, eum sui saeculi excellentissima forma fuisse; (8) item Zenonem illum antiquum Velia oriundum, qui primus omnium sollertissimo artificio ambifariam dissoluerit, eum quoque Zenonem longe decorissimum fuisse, ut Plato autumat; (9) itemque multos philosophos ab ore honestissimos memoriae prodi, qui gratiam corporis morum honestamentis ornauerint. (10) Sed haec defensio, ut dixi, aliquam multum a me remota est, cui praeter formae mediocritatem continuatio etiam litterati laboris omnem gratiam corpore deterget, habitudinem tenuat, sucum exsorbet, colorem obliterat, uigorem debilitat. (11) Capillus ipse, quem isti aperto mendacio ad lenocinium decoris promissum dixere, uides quam sit amoenus ac delicatus: (12) horrore implexus atque impeditus, stuppeo tomento adsimilis et inaequaliter hirtus et globosus et congestus, prorsum inenodabilis diutina incuria non modo comendi, sed saltem expediendi et discriminandi. (13) Satis, ut puto, crinium crimen, quod illi quasi capitale intenderunt, refutatur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Schwerpunkte der Arbeit, insbesondere die Analyse der Apologia als Werk der Zweiten Sophistik und die Definition der zentralen rhetorischen Begriffe.
2. Vita und Werke des Apuleius: Ein Überblick über das Leben des Apuleius, seine Ausbildung und seine literarische Bedeutung im 2. Jahrhundert n. Chr.
3. Inhalt und Aufbau der Verteidigungsschrift Apologia: Detaillierte Analyse des prozessualen Hintergrunds, der Redestruktur und der rhetorischen Argumentationsstrategie des Apuleius.
4. Die Zweite Sophistik: Historische Einordnung der Sophistik sowie Erläuterung der Merkmale der Zweiten Sophistik als rhetorische Wiedergeburt.
5. Zusammenfassung der Kernaussagen/Schlusswort: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, welche Apuleius als bedeutenden Vertreter der Zweiten Sophistik bestätigen.
Schlüsselwörter
Apuleius, Apologia, Zweite Sophistik, Rhetorik, Gerichtsrede, Philosophie, Literarisierung, Verteidigungsstrategie, Antike, Magievorwurf, Sophist, Gelehrsamkeit, Redekunst, Argumentationsstrategie, Prozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Verteidigungsrede "Apologia" des Apuleius und untersucht, inwiefern sie typische Merkmale der Zweiten Sophistik aufweist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die antike Rhetorik, die literarische Selbststilisierung des Autors als Philosoph und die historische Einordnung in die Zweite Sophistik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Verteidigungsschrift durch ihre spezifische literarische und rhetorische Ausgestaltung als ein meisterhaftes Zeugnis der Zweiten Sophistik anzusehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische und interpretative Methode, basierend auf antiken rhetorischen Theorien und literaturwissenschaftlichen Kriterien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Vita des Autors, der Struktur der Verteidigungsrede, der Definition der Sophistik und einer detaillierten Analyse des Textabschnitts Apul. Apol. 4,1 – 7,7.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Apuleius, Zweite Sophistik, Rhetorik, Verteidigungsrede, Literarisierung und philosophische Selbstinszenierung.
Wie begegnet Apuleius im Text dem Vorwurf des hübschen Aussehens?
Er entgegnet dem Vorwurf ironisch, indem er sich auf berühmte Philosophen wie Pythagoras beruft und sein tatsächliches, eher ungepflegtes Äußeres kontrastierend beschreibt.
Welche Rolle spielt die Bilingualität in Apuleius' Verteidigungsstrategie?
Die Beherrschung des Griechischen dient Apuleius als Mittel zur Präsentation seiner umfassenden Gelehrsamkeit und zur Abgrenzung von den als ungebildet dargestellten Klägern.
- Citar trabajo
- Ibrahim Gönül (Autor), 2009, Literarisierung der Rhetorik – die Zweite Sophistik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131909