Struktur und filmische Gestaltung des Dokumentarfilms: „Überleben in New York“

Ein Film von Rosa von Praunheim


Hausarbeit, 2008

35 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Analyse

Fazit

Literaturverzeichnis
Internetquellen

Anlage

Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich die Reportage „Überleben in New York“ von Rosa von Praunheim, die 1989 in Zusammenarbeit mit dem WDR entstanden ist näher analysieren. Die deutsche Erstausstrahlung lief am 16.07.1991 beim WDR. Uraufgeführt wurde die Reportage 1989 auf dem Filmfestival in Hof und lief 28 Wochen in Berlin im Kino. Die Reportage dauert 90 Minuten und ist vollständig, bis auf einige schwarz-weiße Fotos (beispielsweise aus dem Vietnam Krieg) in Farbe.

Um einen Überblick über die Reportage zu erhalten, werde ich erst die Grobstruktur ermitteln. Im Analyseteil versuche ich das Verhältnis von Bild- und Ton-ebene näher zu bestimmen, indem ich beide Ebenen separat untersuche. Ich möchte herausfinden, ob die beiden Ebenen gleichwertig ihren Teil zur Reportage beitragen oder ob vielleicht eine Ebene wichtiger für die Erzählung ist als die andere. Bei der Bildebene werde ich außerdem noch näher auf die Kameraarbeit von Jeff Preiss eingehen. Am Ende soll die Stellung des Reporters innerhalb der Reportage kurz erläutert werden.

Aufgrund der Länge der Reportage, kann im Rahmen dieser Hausarbeit vermutlich nicht auf alle Besonderheiten und Eigenarten der Reportage eingegangen werden. Deshalb versuche ich zumindest einen ersten tieferen Eindruck zu vermitteln, der noch Platz für weitere Analysen lässt.

Analyse

„Überleben in New York“ handelt von drei deutschen Frauen namens Claudia, Ulli und Anna, die in den 1980er Jahren nach New York gereist sind, um dort ein neues Leben zu beginnen. Claudia reiste gemeinsam mit ihrem damaligen Freund nach New York. Nach einiger Zeit gestand sie sich ein, dass sie lesbisch ist und zog daraufhin mit einer ihr damals völlig fremden Frau zusammen, mit der sie später eine Beziehung einging. Die im Film sehr naiv wirkende Ulli kam allein nach New York, bezog aber nach kurzer Zeit mit ihrem Freund gemeinsam eine Wohnung in Harlem. Die dritte Hauptperson Anna, ist zu Beginn noch nicht gebunden, doch aus Gründen der Aufenthaltsgenehmigung heiratet sie ziemlich überstürzt einen schwarzen Modedesigner. Schon kurz nach der Hochzeit trennt sie sich von ihm, um mit einem Richter zusammen zu sein, der seinen Job aufgibt um für sie eine Striptease Bar zu eröffnen.[1] Bevor Rosa von Praunheim mit den Dreharbeiten begann, führte er einzeln vierstündige Interviews mit den drei Frauen durch. Daraufhin drehte er „viele stumme Bilder“[2] und erst danach begann er genauere Fragen zu stellen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt vier Wochen. Zu Beginn der Reportage werden die Frauen gefragt wie sie sich New York vorstellen und welche Einstellung sie vor ihrem ersten Besuch Amerika gegenüber hatten. Auf diesen Fragen baut sich die gesamte Reportage auf und gipfelt in der Frage am Ende, ob sich die Frauen nun in New York wohlfühlen und wie ihre Zukunftspläne aussehen. Man kann diese Fragen als Leitgedanken der gesamten Reportage sehen und auf deren Antworten soll hingearbeitet werden. Diese Leitgedanken sind in eine Rahmung eingebettet. Jeweils am Anfang und am Ende der Reportage fahren die drei Hauptdarstellerinnen mit einem Schiff über den Hudson Fluss. Die ganze Reportage wird durch diese Schifffahrt abgerundet. Auf dem linken Bild sind die Frauen zu Anfang der Reportage zu sehen. Am Ende entsteht ein ähnliches Bild, mit dem einzigen Unterschied, dass die Frauen nun mit dem Rücken zum Zuschauer stehen (Bild rechts).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um einen ersten groben Überblick über die Reportage zu erhalten, soll im Folgenden die Grobstruktur ermittelt werden. Die Reportage ist in sieben Sinnabschnitte unterteilt. Durch eine Analyse der Antworten der drei Frauen fällt auf, dass der Reporter den Frauen nacheinander ähnliche Fragen gestellt hat. Es wurden thematische Sinnabschnitte gesetzt, in denen jede Frau etwas zu dem angesprochenen Thema erzählt.

Im ersten Sinnabschnitt[3] werden die Frauen dem Zuschauer vorgestellt. Sie erzählen von ihrer Herkunft, was sie studiert haben, was ihre Gründe waren nach New York zu gehen, wie ihre Einstellung gegenüber Amerika ist, ob sich diese nach ihrer Ankunft im Land geändert hat und außerdem schildern sie ihre ersten Eindrücke von der Stadt. Ulli wird als Erste näher vorgestellt. Sie stammt aus Süddeutschland, aus einem kleinen Ort in der Schwäbischen Alb. Anna stammt ebenfalls aus einem kleinen Dorf am Niederrhein. Aufgewachsen ist sie in einer etwas größeren Stadt namens Moers. Claudia stammt aus Essen. Ulli hatte als sie zum ersten Mal nach New York gekommen ist noch kein Studium und auch keine Ausbildung abgeschlossen. Im Gegensatz zu Anna und Claudia die beide vorher studiert haben. Anna studierte Erziehungswissenschaften in Berlin und arbeitete nebenbei in einem Obdachlosenheim. Claudia studierte Theaterwissenschaften, Philosophie, Völkerkunde und Kunstgeschichte in Köln. Die drei Frauen hatten unterschiedliche Beweggründe für die Reise nach New York. Ullis Vater lebt in der Nähe von New York und zu ihrem 18. Geburtstag lud er sie zu sich nach Amerika ein. Claudia begleitete ihren damaligen Freund Caroll. Er war Künstler und erhielt ein Stipendium für Amerika. Anna war so begeistert von einer Künstlergruppe aus New York, die in Deutschland auftrat, dass sie beschloss die Stadt selbst zu besuchen um dort Theater zu studieren und verschiedene Workshops zu machen. Bevor man ein neues Land besucht, hat man immer bestimmte Vorstellungen von dem Land. Die Art und Weise wie man das Land wahrnimmt ist von der eigenen Einstellung gegenüber dem Land abhängig. Ulli war schon immer sehr an Amerika interessiert. Sie sah sich viele Hollywood Filme an und las alle Karl May Bücher. Sie sah Amerika als ein sehr buntes und interessantes Land und wollte schon immer selbst dorthin. Das Bild das Anna von Amerika hatte, war ähnlich wie Ullis. Es war ebenfalls stark von Medien geprägt, hauptsächlich durch das Medium Fernsehen. Sie war begeistert von Filmen mit Indianern oder Dick und Doof. Claudia baute eine anti-amerikanische Haltung auf und übernahm so die Meinung ihrer Mutter. Ihr Vater war immer sehr begeistert von dem Land, doch ihre Mutter sah das Land als dekadent an und verbot ihrer Tochter zum Beispiel das Trinken von Cola. Die ersten Eindrücke der Frauen von der Stadt waren auch sehr unterschiedlich. Ulli war von Anfang an begeistert und so wurden ihre Erwartungen vom bunten und interessanten Amerika nicht getrübt. Vor allem die bunten Lichter die nachts in der Stadt leuchten gefielen ihr gut, da sie nicht so langweilig weiß wie in Deutschland sind. Anna hatte nicht wirklich hohe Erwartungen an die Stadt, deshalb konnte sie auch nicht enttäuscht werden. Sie interessierte sich hauptsächlich für das Theater, speziell das Straßentheater. Von der Arbeit in New York war sie von Anfang an begeistert, da sie binnen sehr kurzer Zeit viele Menschen kennenlernte mit denen sie zusammen Theater machte. Claudia die von Anfang an negativ gegenüber Amerika eingestellt war, war anfangs geschockt von der Stadt. Sie bekam richtig Angst als sie zum ersten Mal in die Stadt fuhren und alle schlechten Dinge die sie je über New York hörte kamen ihr wieder in den Sinn. Von den vielen hohen Gebäuden fühlte sie sich beengt. Auch der Zustand der Stadt enttäuschte sie, zum Beispiel der Broadway versprühte keinen Glamour wie man es sich vorstellt sondern war höchst dreckig und voller Müll.

Im zweiten[4] Sinnabschnitt beschreiben die Frauen ihr anfängliches Leben in der Stadt. Da der erste Aufenthalt Ullis nur als kurzer Besuch geplant war, reiste sie 1981 noch einmal nach New York um dieses Mal länger zu bleiben. Sie lebte in Hostels, da diese besonders billig zum Leben waren. Sie nahm alle möglichen Nebenjobs an. Beispielsweise pflegte sie eine ältere Dame, arbeitete als Putzfrau und später als Au-Pair in einer reichen Familie. Der Job als Au-pair gefiel ihr besonders gut, weil sie begeistert war, wie das Leben in New York sein konnte, wenn man nur genügend Geld besaß. Bald lernte sie einen Mann kennen, der für die Guardian Angels arbeitete, einer Nachbarschaftsschutz-Patrouille. Kurze Zeit später hatten sie eine Beziehung und bezogen gemeinsam ein Apartment in Harlem. Doch die Beziehung zerbrach an den ständigen Geldproblemen die sie hatten. Claudia kam gemeinsam mit ihrem damaligen Freund nach New York, der Künstler war und ein Stipendium in NY erhielt. Gemeinsam bezogen sie ein Loft im fünften Stock. Schon bald merkte sie, dass sie sich Amerika schlimmer vorgestellt hat als es ist und ihre anfänglichen Ängste unbegründet waren. Die Stadt übte ihre Faszination auf Claudia aus und diese bemerkte selbst, dass sie viel offener wurde. Sie versuchte Drogen aus und lebte vollkommen mit der Stadt. Sie sah New York als „Faszination des Schrecklichen“. Doch ebenfalls sie und ihr Freund hatten nach Ablauf des Stipendiums ständig Geldprobleme. Ihre Beziehung litt sehr darunter, da Caroll nicht gut mit der Geldnot umgehen konnte. Anna war Anfangs alleine in der Stadt, ohne einen Mann an ihrer Seite. Auch bei ihr wurde das Geld schnell knapp und sie musste sich einen Job suchen. Sie fand einen Job als Go-go Tänzerin in einer Strip Bar. Sie war zufrieden mit ihrem Job, da sie es noch nie schlimm fand in der Öffentlichkeit nackt zu sein. Anna verdiente viel Geld und war zufrieden mit ihrem Leben in New York.

Der dritte Sinnabschnitt[5] beschäftigt sich mit der beruflichen und privaten Entwicklung der Frauen in New York. Um endlich finanziell besser abgesichert zu sein und um sich beruflich weiter zu entwickeln, begann Ulli eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nach der Ausbildung begann sie in einem Krankenhaus in der psychiatrischen Abteilung zu arbeiten. Anna kam 1983-84 in eine Phase in der sie begann mehr über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Sie hörte von Freunden aus Deutschland, die gemeinsam mit ihr studiert hatten, was diese alles erreicht hatten. So fasste sie den Entschluss eine Ausbildung zur Psychotherapeutin zu beginnen. Sie fand direkt im Anschluss an ihre Ausbildung eine Stelle in einer Klinik, wo sie einen Tag die Woche arbeitete. Bald wurde ihr das zu wenig und sie nahm Halbtagsstellen an zwei katholischen Schulen an, wo sie sich um die Probleme der jungen Erwachsenen kümmerte. Bei Claudia erfährt der Zuschauer nicht wirklich von welchem Geld sie in New York lebt, doch es ist naheliegend, dass sie vom Geld ihres Freundes lebt, der seins wiederrum durch sein Stipendium erhält. Privat veränderte sich durch New York viel in Claudias Leben. Von ihrem Freund entfernte sie sich immer mehr, das sich dadurch ausdrückt, dass sie sich immer, wenn er auf Geschäftsreise ist, in Bars mit anderen Frauen trifft. Das Verlangen nach Frauen wird immer stärker, so dass sie auch beginnt sich mit Frauen zu treffen wenn Caroll in der Stadt ist. Sie merkt bald, dass es das Beste ist wenn sie und Caroll ihre Beziehung beenden, worauf Caroll nach vier Jahren in New York nach Deutschland zurückkehrt. Claudia gibt sich nun voll ihrer Vorliebe für Frauen hin und zieht zu einer ihr damals völlig unbekannten Frau nach Brooklyn. Ihre berufliche Entwicklung erläutert sie erst später genau, was aufgrund der thematischen Zugehörigkeit schon hier genannt werden soll. Sie versucht als Journalistin Fuß in New York zu fassen, arbeitet allerdings nur für Klatschzeitungen.

Im vierten Sinnabschnitt[6] sprechen die Frauen von ihren Beziehungen die sie in New York führen. Anna lernte in der Strip Bar in der sie arbeitete einen Mann kennen, der ihr direkt gut gefiel. Sie tauschen ihre Nummern aus und noch am selben Abend treffen sie sich. Da Anna langsam Probleme mit ihrer Aufenthaltsgenehmigung bekommt, beschließen die beiden zu heiraten. Anna war zum Zeitpunkt der Hochzeit nur noch mit halben Herzen dabei, da sie sich bereits in einen anderen Mann verliebt hat. Ulli lernte nach der Beziehung mit dem Guardian Angel einen anderen Mann namens Ronny kennen. Mit dem Vietnam Veteran geht sie nach kurzer Zeit eine Beziehung ein. Claudia hat, nachdem Sie sich von ihrem Freund trennte eine Beziehung mit einer Frau angefangen. Privat geht es ihr jetzt gut, doch sie möchte auch beruflich durchstarten und dafür benötigt sie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Sie und Ryan, ihre Freundinn wollen einen Mann suchen, den Claudia heiraten kann. John ein sogenannter „Underground Star“ erklärt sich zur Hochzeit bereit und so kann sie problemlos in New York bleiben.

Der fünfte Sinnabschnitt[7] kann nicht so leicht unter ein Oberthema geordnet werden. Ulli redet von ihrem persönlichen Interesse an Tierrechtsthemen und von ihren Hunden. Außerdem erzählt Ronny, ihr Freund etwas über die gemeinsamen Hunde. Claudia erzählt von ihrem Job mit dem Juden Hans Sahl, um den sie sich kümmert. Von ihm erfährt sie mehr über die Juden, die wegen des zweiten Weltkrieges in die USA geflüchtet sind. Anna ist nun mit Roman zusammen und erzählt von ihrer Beziehung.

[...]


[1] http://www.absolutondemand.de/movie.php?id=22.

[2] Vgl. Praunheim, Rosa von: 50 Jahre pervers. Die sentimentalen Memoiren des Rosa von Praunheim , S. 355.

[3] Siehe Filmprotokoll: Szene eins bis zehn.

[4] Siehe Filmprotokoll: Szene elf bis 14.

[5] Siehe Filmprotokoll: Szene 15 bis 17 und Szene 25.

[6] Siehe Filmprotokoll: Szene 18 bis 24.

[7] Siehe Filmprotokoll: Szene 26 bis 30.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Struktur und filmische Gestaltung des Dokumentarfilms: „Überleben in New York“
Untertitel
Ein Film von Rosa von Praunheim
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1.7
Autor
Jahr
2008
Seiten
35
Katalognummer
V131947
ISBN (eBook)
9783640396689
ISBN (Buch)
9783640396931
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Struktur, Gestaltung, Dokumentarfilms, York“, Film, Rosa, Praunheim
Arbeit zitieren
Anina Müller (Autor), 2008, Struktur und filmische Gestaltung des Dokumentarfilms: „Überleben in New York“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131947

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