Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Beschreibung der höfischen Repräsentationsobjekte in der mittelhochdeutschen Versnovelle „Mauricius von Craûn“. Dazu möchte ich in einem kleinen geschichtlichen Exkurs, der einen kleinen Einblick in den Forschungsstand bis 2002 gewährt, zunächst herausstellen, was unter Repräsentationsobjekten der höfischen Gesellschaft im deutschsprachigen Gebiet um 1200 überhaupt zu verstehen ist. Die Erkenntnisse des Exkurses in die höfische Welt sollen als Grundlage und Ausgangspunkt für die danach folgende Analyse der Repräsentationsobjekte im MvC dienen. Diese werde ich textchronologisch aufnehmen, ihre Beschreibung analysieren und auf deren Funktion im MvC, im Rahmen dieser Objektanalyse, eingehen. Bevor ich letztlich im Schlussteil resümierend auf die Bearbeitung des Themas meiner Hausarbeit Bezug nehmen werde, möchte ich in einem weiteren Punkt den Text MvC als Textobjekt und weiter sogar als Repräsentationsobjekt betrachten und behandeln. Diese Art der Betrachtung stellt ihn mit dem zu behandelnden Thema in einen gemeinsamen Kontext und wird somit Gegenstand meiner Arbeit. Alle Teile stehen demnach in einem gemeinsamen Spannungsfeld und nehmen folglich aufeinander Bezug.
Der Umgang mit dem Thema wird vorrangig textanalytisch erfolgen. Meine Ausführungen werde ich an mittelhochdeutschen Textstellen belegen. Bei der Analyse der Repräsentationsobjekte im Text werde ich stets auf den geschichtlichen Exkurs rekurrieren.
Ich möchte in meiner Arbeit zeigen, wie sich das Verständnis von Repräsentation und den dazu gehörigen Objekten der höfischen Welt um 1200 in literarischen Werken wieder findet. Ausgehend vom Text MvC kann und möchte ich meine Aussagen jedoch nur auf dieses Werk bezogen entwerfen und geltend machen. Aussagen durch Ausweitung der Thematik auf andere Werke dieser Zeit würden einerseits natürlich einen repräsentativeren Charakter annehmen, andererseits würde dies den Rahmen einer Hausarbeit im Grundstudium sprengen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Repräsentationsobjekte der höfischen Gesellschaft im deutschsprachigen Raum um 1200
3 Beschreibung der höfischen Repräsentationsobjekte im „Mauricius von Craûn“
3.1 Der Ring
3.2 Das Prunkschiff
3.3 Das Turnierzelt
3.4 Die Kemenate
3.5 Das Bett
4 „Mauricius von Craûn“ im Ambraser Heldenbuch - eine Textsammlung als höfisches Repräsentationsobjekt
5 Schluss
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Funktion materieller Repräsentationsobjekte in der mittelhochdeutschen Versnovelle „Mauricius von Craûn“. Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die detaillierte Beschreibung von Sachgütern ein höfischer Idealzustand konstruiert wird, der den sozialen Herrschaftsanspruch des Adels legitimiert.
- Materieller Ausdruck höfischer Ideale und Lebensgestaltung um 1200
- Analyse spezifischer Repräsentationsobjekte: Ring, Prunkschiff, Turnierzelt, Kemenate und Bett
- Die Rolle von Qualität, Quantität und Exklusivität in der höfischen Sachkultur
- Textanalyse der Versnovelle „Mauricius von Craûn“
- Die Bedeutung von Literatur als Sonderform der Repräsentation (Beispiel Ambraser Heldenbuch)
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Prunkschiff
Das Schiff spielt als Repräsentationsobjekt im MvC eine sehr große Rolle. Die Beschreibung des Schiffbaus geschieht in allen Einzelheiten und erstreckt sich von Vers 627 beginnend über 113 weitere Verse. Sie ist die längste zusammenhängende Textpassage, die sich der Beschreibung von Repräsentationsobjekten widmet und spricht gleich mehrere Aspekte der höfischen Sachkultur an. Innovation, Öffentlichkeitsintensität und Exklusivität finden in den Ausführungen des Erzählers Anklang.
Der Bau eines Schiffes kann allein kein Anzeichen für Innovation sein. Sobald ein Schiff jedoch über das Land fahren kann und somit die alltäglichen Vorstellungen von der Verwendungsweise eines Schiffes sprengt, wird es zu Gegenstand innovativen Auftretens. Als Grundgerüst für den Bau des Schiffes dient ein Wagen, der aus leichtem Holz gefertigt war. Seine Ausmaße glichen denen eines Schiffes, denn der Wagen war bauchig gewölbt wie ein Schiff.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes, der Versnovelle „Mauricius von Craûn“, und die methodische Herangehensweise an die Analyse der Repräsentationsobjekte.
2 Repräsentationsobjekte der höfischen Gesellschaft im deutschsprachigen Raum um 1200: Theoretische Grundlagen zur materiellen Kultur und der Bedeutung von Repräsentation zur Abgrenzung und Herrschaftslegitimation des Adels.
3 Beschreibung der höfischen Repräsentationsobjekte im „Mauricius von Craûn“: Detaillierte Analyse der im Werk erwähnten Prunkobjekte und deren Funktion innerhalb der Erzählung.
3.1 Der Ring: Untersuchung der symbolischen Bedeutung des Rings als Zeichen für einen Minnevertrag.
3.2 Das Prunkschiff: Analyse des Schiffbaus unter den Gesichtspunkten von Innovation und Öffentlichkeitswirkung.
3.3 Das Turnierzelt: Erörterung der Prachtentfaltung und Gastfreundschaft im Kontext höfischer Feste.
3.4 Die Kemenate: Untersuchung der luxuriösen Ausstattung privater Räumlichkeiten als Ausdruck materieller Potenz.
3.5 Das Bett: Analyse der exklusiven Materialien und des kunstvollen Designs des Bettes als Höhepunkt der Repräsentation.
4 „Mauricius von Craûn“ im Ambraser Heldenbuch - eine Textsammlung als höfisches Repräsentationsobjekt: Betrachtung der Handschrift als Mäzenatentum und kaiserliche Selbstinszenierung.
5 Schluss: Resümee über die Bedeutung des objektorientierten Präsentationskults in der höfischen Literatur.
Schlüsselwörter
Mauricius von Craûn, höfische Gesellschaft, Repräsentationsobjekte, Sachkultur, Mittelalter, Exklusivität, Minnevertrag, Prunkschiff, Turnierzelt, Adelsattribut, Herrschaftslegitimation, materielle Kultur, Ambraser Heldenbuch, höfisches Ideal, Textanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die materielle Kultur der höfischen Gesellschaft um 1200 anhand der mittelhochdeutschen Versnovelle „Mauricius von Craûn“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe Repräsentation, Exklusivität und materielle Sachkultur als Ausdruck von Herrschaft und sozialem Status.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Repräsentationsobjekte dazu genutzt werden, den höfischen Anspruch auf Macht und Vorbildfunktion innerhalb der literarischen Handlung zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt vorwiegend eine textanalytische Methode, um die Beschreibungen im „Mauricius von Craûn“ unter Einbeziehung des geschichtlichen Forschungsstandes zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Objekte wie ein Ring, ein Prunkschiff, ein Turnierzelt, eine Kemenate und ein Bett detailliert auf ihre Beschaffenheit und Funktion im Text analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Höfische Gesellschaft, Repräsentationsobjekte, Sachkultur, Exklusivität und Herrschaftslegitimation.
Welche Rolle spielt das Schiff in der Erzählung?
Das Schiff dient als innovatives Prunkobjekt dazu, durch seine ungewöhnliche Funktionsweise über das Land zu fahren, maximale öffentliche Aufmerksamkeit und Bewunderung zu erregen.
Warum wird das Ambraser Heldenbuch im vierten Kapitel thematisiert?
Es dient als Beispiel dafür, wie ein literarisches Werk selbst zum Repräsentationsobjekt werden kann, wenn es von einem Kaiser in Auftrag gegeben wird, um den eigenen Stand und die Herrschaft zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Langer (Autor:in), 2006, Höfische Repräsentationsobjekte und ihre Beschreibung im 'Maricius von Craun', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131970