Im Allgemeinen assoziiert man mit der Gottheit Dionysos und dem dazugehörigen Kult Begriffe wie Wein, Gesang oder Tanz. Man denkt an orgiastische Feste und ausladende Gelage, an ungehemmtes Wohlleben und ekstatische Sinnesfreude. Zusätzlich wurden dem Gott des Weines in der Antike und der Moderne auch noch andere Attribute zugeschrieben, die sich in Verehrung und Kult widerspiegelten. Die Thematik des Indienzuges des Dionysos und seiner Siegreichen Rückkehr, wie sie sich in der griechischen Mythenwelt entwickelte, hat auch im antiken Rom, spätestens seit den enger werdenden Kontakten zum hellenistischen Ptolemäerreich, dessen Dynastie-Kult in Verbindung zur Gottheit Dionysos stand, Einzug gehalten. Ob die Verehrung des Gottes Dionysos bzw. die Thematik des triumphierenden Dionysos auch Einfluss auf den römischen Triumph genommen hat, wie von H. S. Versnel bzw. E. Künzl angenommen, gilt es im Folgenden zu klären. Unter Verwendung einschlägiger Literatur, hier sind vor allem „Liber Pater“ von A. Bruhl, „The dionysac mysteries of the Hellenistic and Roman age“ von M. P. Nilsson und „The divinity of the Roman emperor“ von L. R. Taylor zu nennen, wird zunächst Entstehung und Charakter des Dionysos-Kultes im Italien des 6. und 5. Jh. v. Chr. beschrieben und auf möglichen Einfluss auf den römischen Triumph eingegangen. Der zweite Teil der Untersuchung widmet sich dann den direkten Auswirkungen der Idee des triumphierenden Dionysos auf den römischen Triumph seit dem Hellenismus. Hier kann man sich vermehrt auf antike Quellen stützen, wie etwa die auszugsweise Beschreibung der dionysischen pompa in Alexandria durch Kallixeinos von Rhodos, der sich auch E. E. Rice in „The grand procession of Ptolemaios Philadelphos“ widmet. Die verwendeten Aufsätze und Monographien, die sich mit dem Thema befassen, stellen trotz gewisser „Alterserscheinungen“ den jüngsten Stand der Forschung dar. Unter der wenigen Literatur, die bisher zum Thema Triumph erschienen ist, wurde vor allem von den beiden Monographien „Triumphus“ von H. S. Versnel und „Der römische Triumph“ von E. Künzl Gebrauch gemacht. Um den Überblick über die Beziehungen, sowohl staatsrechtlicher als auch menschlicher Art, zwischen Rom und dem ptolemäischen Ägypten zu wahren, dienten die Werke „Ägypten in hellenistischer Zeit“ von W. Huß und „Geschichte des Ptolemäerreiches“ von G. Hölbl. Mit Hilfe der neu herausgegebene „Römische Geschichte“ von A. Heuß konnten geschichtliche Zusammenhänge
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Ursprünge des Dionysos-Kultes in Italien und mögliche Auswirkungen auf den römischen Triumph
2.1 Der Dionysos-Kult bei den Latinern
2.2 Der Dionysos-Kult bei den Etruskern
3 Der Einfluss des Dionysos-Kult auf den römischen Triumph seit hellenistischer Zeit
3.1 Der triumphierende Dionysos in der res publica und im Kaisertum
3.2 Gegenüberstellung: Dionysos – Iuppiter
4 Fazit
5 Quellen und Literatur
5.1 Quellenverzeichnis
5.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Dionysos-Kult sowie die Vorstellung vom triumphierenden Dionysos einen messbaren Einfluss auf die Ausgestaltung und Symbolik des römischen Triumphs ausgeübt haben. Dabei wird insbesondere geprüft, ob Theorien, die eine dionysische Prägung über etruskische Vermittlung oder hellenistische Vorbilder postulieren, den wissenschaftlichen Anforderungen standhalten.
- Entstehung und Charakter des Dionysos-Kultes in Italien
- Mögliche etruskische Einflüsse auf den römischen Triumph
- Die Rezeption der Idee des triumphierenden Gottes im Hellenismus
- Verhältnisbestimmung zwischen Dionysos und Iuppiter im Kontext der Staatsrepräsentation
- Kritische Würdigung der Forschungsmeinungen zu römischen Triumphriten
Auszug aus dem Buch
3.1 Der triumphierende Dionysos in der res publica und im Kaisertum
186 v. Chr. kam es in Rom zu einer religiös-politischen Affäre: der römische Senat ging mit harten Mitteln gegen einen dionysischen Geheimbund vor, der zuvor beim Prätor als verbrecherische Organisation denunziert worden war. Die Mitglieder feierten ihren Kult, der in ganz Italien verbreitet war, in, zumeist nachts stattfindenden, orgiastischen Festen, den sogenannten Bacchanalien. Da sich solche Geheimbünde zur damaligen Zeit im gesamten Mittelmeerraum fanden, ist es wahrscheinlich, dass diese griechisch orientalische Bewegung unabhängig von „Liber“ oder etrusksichen Elementen, nach Rom übergriff.36 Trotz des harten Vorgehens des Senates gegen die Mitglieder ist anzunehmen, dass der Kult um Bacchus im Untergrund weiterlebte und in den letzten Jahren der Republik wurden bacchische bzw. dionysische Kulte wieder populär.37
Ob C. Iulius Caesar beim Wiederaufleben des Dionysos-Kultes in Rom eine Rolle gespielt hat, ist schwer zu sagen.38 M. P. Nilsson verneint dies, geht aber von der Annahme aus, dass Caesar den Kult wohl befürwortet hat, weil er, im Gegensatz zu den Bacchanalien, keine fanatischen Züge hatte und vor allem von reicheren und wohlhabenden Personen betrieben wurde.39 Auffällig ist in jedem Falle der Triumph des Caesar im Jahre 46 v. Chr., bei welchem, wie Sueton berichtet, „primum et excellentissimum triumphum egit Gallicum, sequentem Alexandrinum, deinde Ponticum, huc proximum Africanum, novissimum Hispaniensem, diverso quemque apparatu et instrumento“.40 Der vierfache Charakter war aber nicht die einzige Besonderheit dieses Triumphes: nach der Beschreibung von Cassius Dio wurde vier Tage lang mit größtem Aufwand und Prunk gefeiert41, so dass der Triumph des Caesars der großen pompa des Ptolemaios wohl in nichts nachstand. Auch G. Hölbl bekräftigt die Ähnlichkeit der beiden pompae, „vor allem im Hinblick auf die Bewirtung des Volkes an 20000 Tischen und die mitgeführten exotischen Tiere“.42 Die These, dass der triumphierende Caesar in der Rolle des Dionysos auftrat43, kann nicht einfach bestätigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand und den Forschungsstand bezüglich der Verbindung zwischen dem Dionysos-Kult und dem römischen Triumph.
2 Die Ursprünge des Dionysos-Kultes in Italien und mögliche Auswirkungen auf den römischen Triumph: Dieses Kapitel analysiert die Einflüsse von Griechen und Etruskern auf den italischen Kult um den Gott Liber und bewertet mögliche dionysische Spuren in früh-römischen Triumphsymbolen.
3 Der Einfluss des Dionysos-Kult auf den römischen Triumph seit hellenistischer Zeit: Der Fokus liegt hier auf der Übertragung hellenistischer Ideen des triumphierenden Gottes auf die römische Republik und das Kaisertum, inklusive einer kritischen Gegenüberstellung zu Iuppiter.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein direkter Einfluss des Dionysos-Kultes kaum nachweisbar ist und der römische Triumph als eigenständige Institution primär durch römische Traditionen geprägt blieb.
5 Quellen und Literatur: Dieses Kapitel dokumentiert die verwendeten antiken Primärquellen sowie die wissenschaftliche Fachliteratur, die der Analyse zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Dionysos, Römischer Triumph, Liber Pater, Etrusker, Hellenismus, Iuppiter, Triumphator, Religion, Antike, Kult, Bacchus, Pompa, Mythologie, Staatsrepräsentation, Kaiserzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den möglichen Einfluss des griechischen Dionysos-Kultes auf die Ursprünge und die Ausgestaltung des römischen Triumphes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die religionsgeschichtliche Analyse der Kulte um Liber und Dionysos, die etruskische Vermittlungshypothese sowie der Vergleich zwischen dionysischer und römischer Triumphikonographie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Validität der Theorie zu prüfen, wonach der römische Triumph durch dionysische Elemente aus dem hellenistischen Raum beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte Analyse, die den Forschungsstand kritisch hinterfragt und die Aussagen antiker Quellen mit modernen Hypothesen abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der italischen Ursprünge des Kultes und eine Untersuchung des Einflusses ab der hellenistischen Zeit, inklusive Fallbeispielen wie dem Triumph Cäsars.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Dionysos, Römischer Triumph, Iuppiter, Liber Pater sowie der hellenistische Kultursynkretismus.
Welche Rolle spielte C. Iulius Caesar in diesem Kontext?
Die Arbeit diskutiert, ob Caesars prächtiger Triumph 46 v. Chr. als bewusste Selbstdarstellung in dionysischer Rolle zu interpretieren ist oder ob dies nur spekulativ bleibt.
Wie ist das Verhältnis zwischen Iuppiter und Dionysos im Triumph?
Das Werk kommt zu dem Schluss, dass der römische Triumph, besonders durch die Figur des Iuppiter Optimus Maximus, eine stark nationale, römische Ausprägung bewahrte und sich kaum dionysischen Ideen beugte.
- Citation du texte
- Oliver Christl (Auteur), 2004, Einfluss des Dionysos-Kultes auf den römischen Triumph, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131988