Die Unterscheidung der Liebe von Celinde und Olympia in "Cardenio und Celinde oder Unglücklich Verliebte"

Trauerspiel von Andreas Gryphius


Hausarbeit, 2008

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. CHARAKTERISIERUNG DER FIGUREN CELINDE UND OLYMPIA UND IHRER LIEBESMODELLE

3. SCHLUSSBETRACHTUNG

4. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

„Cardenio und Celinde Oder Unglücklich Verliebte. Trauerspiel.“1 Ein Titel, der auf den ersten Blick an Romeo und Julia, das tragischste Meisterwerk Shakespeares erinnert, Spannung aufbaut und ein trauriges Ende erwarten lässt. Doch wird man bereits in der Vorrede vom Verfasser des Werkes ernüchtert. In seinem Trauerspiel geht es Andreas Gryphius nicht darum, die unerschütterliche irdische Liebe zweier Menschen zueinander bis in den Tod zu erzählen, sondern dem Leser die Eitelkeiten der irdischen Liebe und die Vergänglichkeit des Irdischen vor Augen zu führen und zu einem demütigen, gottesfürchtigen Leben anzuregen. Dieses Anliegen wird unter anderem anhand von zwei antithetischen Varianten der Liebe zweier Frauen umgesetzt. Damit sein Anliegen auch unmissverständlich erkennbar wird und nicht die Gefahr einer falschen Interpretation aufkommt, nimmt Gryphius bereits in der Vorrede die Lehre seines Stückes vorweg:

„Mein Vorsatz ist zweyeriey Liebe. Eine keusche / sitsame vnd doch inbrunstige in Olympien: Eine rasende /tolle vnd verzweifflende in Celinden, abzubilden. [...] Mit einem Wort /man wird hierinnen als in einem kurtzen Begrieff / atfe diese Eitelkeiten in welche die verirrete Jugend gerathen mag / erblicken.

Auch die anderen Protagonisten des Stückes werden bereits in der Vorrede dem Leser beschrieben. Durch diese, vom Verfasser vorangestellte Charakterisierung der beiden weiblichen, aber auch der anderen Hauptfiguren, wird dem Leser bereits vor Beginn des eigentlichen Stückes nicht nur die Intention vorweggenommen, sondern auch die Art, wie man das Trauerspiel zu lesen hat und die Figuren und ihre Handlungen darin zu bewerten sind. Ich werde beide Frauen und ihre Liebe an Beispielen des Werkes analysieren und interpretieren, um am Ende die Frage zu beantworten, worin sich die Liebe von Olympia und Celinde unterscheidet. Am Ende sollte dabei deutlich werden, warum der einen, durch Leidenschaft entflammten rasende und tolle Liebe, das Eheglück verwehrt bleibt und nur der keuschen Liebe zwischen Olympia und ihrem Gatten Lysander zuteilwerden kann.

Um eine Häufung von Fußnoten zu vermeiden und das Auffinden der Zitatstelle und Bezugsstellen im Primärtext zu erleichtern, werde ich bei diesen Anführungen (Zitate und Textbezüge) die Fundstelle in folgender Weise hinter der jeweiligen Aussage angeben: (Ziffer der Abhandlung in römischer Ziffer, Verszeile).

2. Charakterisierung der Figuren Celinde und Olympia und ihrer Liebesmodelle

Ich werde im Folgenden den Umgang der beiden Figuren Celinde und Olympia mit ihren Liebesbeziehungen und ihre jeweiligen Entscheidungen unter Hinzuziehungen des Primärtextes analysieren und versuchen zu deuten. Als Erstes gehe ich noch einmal kurz auf die Personenbeschreibung in der Vorrede durch Gryphius selbst ein, um bereits hier eine Einschätzung der Figuren vorzunehmen. Anschließend werde ich erst Olympias und anschließend Celindes Erscheinungsformen der Liebe systematisch anhand der einzelnen Abhandlungen darstellen. Dabei werde ich vor allem im zweiten Teil immer wieder vergleichende Bezüge zur jeweils anderen Figur herstellen, um die vorherige Einschätzung der beiden Figuren zu untermauern oder zu widerlegen.

Wie schon in der Einleitung erwähnt, charakterisiert Gryphius bereits in seiner Vorrede die Liebe der beiden Figuren Olympia und Celinde. Olympias Liebe bezeichnet Gryphius dort als keusch, sittsam und inbrünstig und stellt dieser anzustrebenden Liebe die Liebe der Celinde gegenüber. Olympia symbolisiert in dem Stück die keusche Jungfrau, die durch Gottvertrauen, Vernunft und Tugend ihr beständiges Glück in der dauerhaften Ehe mit Lysander findet und sich nicht von den irdischen Reizen verführen lässt. Celinde steht für die eigenmächtige Sünderin, die sich durch die zeitlich begrenzten Verlockungen der irdischen Liebe immer mehr von Gott entfremdet und fast ihr Seelenheil verspielt. In der ersten Abhandlung wird Olympia durch die Erzählung Cardenios eingeführt. Er beschreibt sie als „ (I, 73), die den bis dahin hochmütigen und fehlerhaften Cardenio (Selbstcharakterisierung: I, 59-73) durch ihre Sittsamkeit bekehren könnte (I, 80). Die Liebe zwischen Cardenio und Olympia ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Sie scheitert nicht nur an den familiären Hindernissen (Unwillen des Vaters, Duell mit dem Bruder Viren), sondern auch an der Geduld und dem Vertrauen Olympias gegenüber Cardenio. Olympia beschuldigt Cardenio irrtümlich, den von Lysander verübten Hausfriedensbruch begangen zu haben und in ihr Schlafgemach eingebrochen zu sein. Sie vertraut ihm auch nicht, als sie bei seiner langen Abwesenheit keine Nachricht von ihm erhält und unterstellt ihm, dass seine Liebe zu ihr wankelmütig (I, 280) sei und seine Liebesabsichten nicht ehrlich wären (I, 320). Olympia interpretiert die Hindernisse und Geschehen, die beide Liebenden auseinander treibt als gottgewollt. Nach ihrem tiefgläubigen Verständnis konnte die Liebe zwischen ihr und Cardenio nicht gelingen und ist die Ehe mit Lysander gesegnet:

„Zwey Seelen konnen ja hlerein Verbundnuli machen;Gott bindet oder trennt! was dem zu wider geht Geht auffs verterben aus.' was durch jhn kommt/ besteht.Wenn mit Cardenio mir nutzlich stets zu leben; Er hatte warlich mir Lysander nicht gegeben."(///,82-86)3

In dem Olympia sich entscheidet 2 + (III, 57) und sich somit ) " 3 " (III, 57) unterwirft, nimmt sie ihr Schicksal und somit die Ehe mit Lysander im Vertrauen auf Gott hin.

Dieses Verständnis, der Glaube an Gott, und die damit verbundene Erkenntnis, dass ihr bisheriges eigenmächtiges Handeln gegen die göttlichen Normen verstoßen haben könnte, unterscheidet Olympia grundlegend von Celinde. Ihre Liebe zu Lysander wächst nach ihrem Verständnis, da sie durch 4„Priesterlichen Spruch"(III, 50), also mit Gottes Segen gegeben wurde und „Lieb vnendlich sich in keuscher Eh" (III, 51) vermehrt. Celindes Haltung zu Liebe und Glück läuft konträr zur vorher dargestellten Liebe Olympias. In der ersten Abhandlung wird sie eigenständig handelnd in das Spiel eingeführt. Die erste Erwähnung durch Cardenio stellt sie schmachtend seufzend vor (I, 335-337), in der zweiten Vorstellung lässt sie Cardenio einen Bittbrief zukommen (I, 380-381), handelt also selbstständig, um ihr Ziel, in diesem Fall Cardenio, zu erreichen. Im Gegensatz zu Olympia gab sie ihre Keuschheit und Sittsamkeit leichtfertig auf, denn sie gab sich einem jungen Adligen hin, der sie jedoch auf Grund seines Ritterstandes nicht ehelichen konnte (I, 414-419). Celindes Ansehen in der Gesellschaft wird auch dementsprechend in Cardenios Erzählung dargestellt:

ich hort um jhrerThur Viol' vnd Lauten klingen / Doch mehr zu Schimpff als Ehr' ich hort ein Liedlein singen / Von jhrem Wanckelmut/* (/, 385-387)

Olympia die jungfräuliche und angesehene weibliche Gestalt in dem Trauerspiel wendet sich nach dem Ende der Liaison mit Cardenio vollständig von ihrem ehemaligen Geliebten ab. Sie sieht sich ."zur Eh' vnd keuschen Ehr erkorerT“ (I, 354) und wird die Sünde des Ehebruchs nicht begehen. Obwohl sie für Cardenio anfangs noch Gefühle zu haben scheint, gibt sie ihrem Verlangen nicht nach.

[...]


1 Gryphius, Cardenio und Celinde (1995), Titelblatt.

2 Gryphius, Cardenio und Celinde (1996), S. 6.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Unterscheidung der Liebe von Celinde und Olympia in "Cardenio und Celinde oder Unglücklich Verliebte"
Untertitel
Trauerspiel von Andreas Gryphius
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Literatur in der Frühen Neuzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V131995
ISBN (eBook)
9783640418589
ISBN (Buch)
9783640418961
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Unterscheidung, Liebe, Celinde, Olympia, Cardenio, Celinde, Unglücklich, Verliebte, Trauerspiel, Andreas, Gryphius
Arbeit zitieren
Katja Wolf (Autor), 2008, Die Unterscheidung der Liebe von Celinde und Olympia in "Cardenio und Celinde oder Unglücklich Verliebte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131995

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Unterscheidung der Liebe von Celinde und Olympia in "Cardenio und Celinde oder Unglücklich Verliebte"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden