Kreditvergabe im Private Banking im Vergleich zum Retail Banking


Masterarbeit, 2009

64 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Private Banking
2.2 Philosophien zu Private Banking von österreichischen Privatbanken
2.3 Retail Banking

3 Kundensegmentierungsmerkmale im Private Banking
3.1 Segmentierungskriterien
3.2 Einstiegsgrenzen

4 Produkte im Private Banking

5 Das Kreditgeschäft
5.1 Die Bedeutung des Kreditgeschäfts
5.2 Aktuelle Situation am Finanzmarkt
5.3 Kreditarten im Private Banking
5.3.1 Kontokorrentkredit
5.3.2 Einmalkredit – Darlehen
5.3.3 Lombarddarlehen/ Effektenlombard
5.3.4 Avalkredit
5.3.5 Investitionskredit
5.3.6 Betriebsmittelkredit
5.4 Bevorzugte Finanzierungswünsche im Private Banking
5.4.1 Immobilienfinanzierungen
5.4.2 Fremdwährungskredite
5.4.3 Tilgungsträgerkredite
5.4.4 Unternehmensbeteiligungen
5.4.5 Objektfinanzierungen
5.5 Bevorzugte Finanzierungswünsche im Retail Banking
5.5.1 Konsumentenkredite
5.5.2 Private Baufinanzierung

6 Bonitätsprüfung
6.1 Bonität
6.2 Kreditfähigkeit
6.3 Kreditwürdigkeit
6.3.1 Prüfung der persönlichen Kreditwürdigkeit
6.3.2 Prüfung der wirtschaftlichen/materiellen Kreditwürdigkeit
6.3.3 Prüfung der Besicherung
6.4 Kreditgeschäft als Risikogeschäft

7 Rating Systeme - Methodik
7.1 BASEL II
7.1.1 Quantifizierung des Risikos
7.1.1.1 Externes und internes Rating
7.1.1.1.1 Externes Rating
7.1.1.1.2 Internes Rating
7.2 Ratingmodell – Privatkunden
7.3 Marktgängige Modelle zur Bonitätsbeurteilung
7.4 Einfluss der Ratingergebnisse auf die Konditionengestaltung

8 Kreditsicherheiten
8.1 Formen der Kreditsicherheiten in Österreich
8.1.1 Personalsicherheiten
8.2 Bürgschaft
8.2.1 Merkmale der Bürgschaft:
8.2.2 Bürgschaftsformen
8.2.2.1 Gemeine Bürgschaft
8.2.2.2 Ausfallsbürgschaft
8.2.2.3 Bürge und Zahler
8.3 Garantie
8.4 Schuldbeitritt
8.4.1 Sachsicherheiten / Realsicherheiten
8.5 Hypothek
8.5.1 Formen der Hypothek
8.5.1.1 Festbetragshypothek
8.5.1.2 Höchstbetragshypothek
8.5.1.3 Einverleibungsfähige Pfandbestellungsurkunde
8.6 Pfandrecht an beweglichen Sachen
8.6.1 Pfandrecht an einem Sparbuch
8.6.2 Pfandrecht an Wertpapieren
8.6.3 Pfandrecht an Geschäftsanteilen

9 Kreditvergabe - Kreditentscheidung
9.1 Kundengespräch
9.2 Kreditantrag
9.3 Kreditwürdigkeitsprüfung
9.4 Kreditentscheidung
9.5 Kreditvertrag
9.6 Kreditkontrolle
9.7 Vergleich Kreditvergabeprozess Private Banking/ Retail Banking

10 Zusammenfassung und Ausblick

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Segmentierungskriterien für Kunden

Abbildung 2: Privatkundenschaft am Bankenmarkt

Abbildung 3: Geldvermögen gesamt und Marktvolumen vermögender Kunden Österreich

Abbildung 4: Einstiegsgrenzen Private Banking

Abbildung 5: Maßgeschneiderte Produktpalette PRIVAT BANK AG

Abbildung 6: Leistungsangebot Privatbanken

Abbildung 7: Angebote Produkte

Abbildung 8: Entwicklung Kreditvergabe 2007/2008 in Österreich

Abbildung 9: Teilrisiken des Kreditrisikos

Abbildung 10: Die drei Säulen von Basel II

Abbildung 11: Ratingklassen externer Ratingagenturen

Abbildung 12: Systematik der Informationsquellen

Abbildung 13: Systematisierung der Modelle zur Bonitätsbeurteilung

Abbildung 14: Einflussfaktoren der Kreditkondition

Abbildung 15: Ausgestaltung der Konditionenvariabilität zwischen Standard- und Individualkunde

Abbildung 16: Kreditvergabeprozess

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Gerade in den letzten Jahren kam es auf dem Bankenmarkt zu vielfältigen Umbrüchen. Vor allem das Privatkundengeschäft wird nachhaltig umstrukturiert. Neben den traditionellen Privatbanken haben längst auch Großbanken, Universalbanken und Vermögensverwalter das Private Banking entdeckt.

Der österreichische Bankenmarkt wird zunehmend für Niederlassungen ausländischer Privatbanken interessant. Die österreichischen Institute versuchen in den Nachbarländern Deutschland und Tschechien Fuß zu fassen. Darüber hinaus haben die Start-ups der Direktbanken in den letzten Jahren zu einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs geführt. Die Konkurrenz steigt und der Wettbewerb wird vielfach über den Preis ausgetragen. Dieser treibt die Einlagenzinsen in die Höhe, lässt Kreditmargen und Kontogebühren schrumpfen und führt zu gegenseitigem Unterbieten bei den Konditionen für Dienstleistungen.

Dennoch gilt der Private Banking Markt als lukrativ, die Margen sind im Vergleich zum Standard Retail Geschäft höher. Der Private Banking Kunde gibt sich nicht mit standardisierten Produkten und Dienstleistungen zufrieden, er möchte eine individuelle Lösung und Beratung angeboten bekommen und ist dafür auch bereit zu zahlen.

Auf der anderen Seite wünscht jedoch auch der Retail-Kunde eine stärkere Beziehungsorientierung in Form von differenzierten Kundenansprachen. Zusätzlich zu den standardisierten Grundprodukten verlangen sie Finanzdienstleistungen, die ihren spezifischen aktuellen und künftigen Bedürfnissen entsprechen.

Während bei Privatbanken das Kerngeschäft im Bereich Veranlagungen liegt, wird das Finanzierungsgeschäft als Ergänzung gesehen. Im Retail Banking liegt der Fokus auf den Basisprodukten, die wenig erklärungsbedürftig sind wie Einlagenprodukte, Girokonto als Schlüsselprodukt, Kreditprodukte, Vermittlung von Bausparprodukten und Versicherungen etc.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit wird auf das Grundprodukt Kredit gelegt, wobei mögliche Unterschiede in den beiden Geschäftsmodellen herausgearbeitet werden. Die Zielsetzung ist es, Divergenzen zwischen Private Banking und Retail Banking im Kreditgeschäft bzw. in der Kreditvergabe darzustellen.

Vorerst soll ein Überblick über die verschiedenen Definitionen der beiden Geschäftsmodelle geschaffen werden. Anschließend wird auf die unterschiedlichen Segmentierungsmerkmale und Produktangebote im Allgemeinen im Private Banking eingegangen.

Vor allem der Bereich Finanzierungen soll in den weiteren Kapitel näher betrachtet werden.

Bevor auf die speziellen Finanzierungswünsche im Private Banking und im Retail Banking eingegangen wird, wird ein Überblick über die am häufigsten vorkommenden Kreditarten gegeben.

Als ein wichtiger Punkt beim Prozess der Kreditvergabe und auch im Hinblick auf die Regelungen von Basel II, wird die Bonitätsprüfung gesehen. Die Anforderungen an ein Rating für den Privatkunden bzw. an das vereinfachte Scoring für den Mengenkunden im Retail Banking werden in den Kaptitel 6 und 7 beschrieben.

Seit der Einführung des neuen Basel II Akkordes wird das Augenmerk verstärkt auf die Kreditwürdigkeitsprüfung gelegt. Damit eng im Zusammenhang stehen die mit der Kreditvergabe verbundenen Risiken und deren Bepreisung. Die Bonität eines Kunden beeinflusst somit die Konditionen maßgeblich.

Aber auch die Stellung von Sicherheiten kann nachhaltig auf die Kreditkondition wirken. In Kapitel 8 wird ein Überblick über jene Personal- und Realsicherheiten dargestellt, die im Kreditgeschäft mit Privatkunden üblich sind.

Im letzten Kapitel wird der Kreditvergabeprozess erläutert und schematisch dargestellt. Angefangen mit der Kreditantragstellung, bis zur Kreditentscheidung und Kreditkontrolle werden die einzelnen Schritte erklärt und die Unterschiede in den beiden Geschäftsmodellen herausgearbeitet.

2 Definitionen

2.1 Private Banking

Eine einheitliche Definition des Begriffs „Private Banking“ existiert nicht. In der Literatur sind verschiedene Begriffe wie Privatkundengeschäft, Privatbanken, Privatbankiers, Vermögensverwaltung als auch Wealth Management zu finden. Zur besseren Verständlichkeit werden verschiedene Auslegungen aus der Literatur angeführt, sowie Definitionen bzw. Philosophien einiger Privatbanken angeführt.

Private Banking bezeichnet die Spezialisierung auf bestimmte Finanzdienstleistungen mit einer hohen persönlichen Service- und Qualitätskomponente, die den Bedarf einer institutsspezifisch klar definierten, vermögenden Privatkundengruppe abdecken. Ziel ist unter anderem die kundenindividuelle Planung und Realisation der langfristigen, persönlichen und finanziellen Zukunftsvorstellungen.[1]

Walbert verweist außerdem darauf, dass unter Private Banking Finanzdienstleistungen subsumiert werden, mit denen die meist ganz speziellen und anspruchsvollen Anlagebedürfnisse von vermögenden Privatkunden befriedigt werden.[2]

Nicht zu vergessen sind die mit der Finanzdienstleistung verbundenen qualitativ hochwertigen Beratungs- und ergänzenden Zusatzdienstleistungen.[3] Eine deutliche Abgrenzung des angebotenen Leistungsspektrum zum breiten Privatkundengeschäft ist eine wichtige Voraussetzung: „The difference between retail and private banking services is that the latter should offer choice – of products and services, and choice of payment method between spreads and management fees. The other difference is attitude – private banking services cannot afford to be producer-led, but need to be developed with the wishes of the client in full view.”[4]

Schierenbeck fasst in diesem Zusammenhang noch drei kennzeichnende Definitionen für das Geschäftsfeld Private Banking zusammen.

1. Zielkundengruppe im Private Banking sind die vermögenden Privatkunden.
2. Der Kunde erhält maßgeschneiderte Dienstleistungen, die auf seine individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Im Mittelpunkt steht dabei der Anlagebedarf des Kunden.
3. Die langfristig ausgerichtete Beziehung zwischen dem Kunden und dem Kundenberater hat einen stark persönlichen Charakter und basiert auf Diskretion und Vertrauen.[5]

Private Banking, einst eine Dienstleistung im Verborgenen und nur von wenigen Banken in der Schweiz und in England für eine kleine, vermögende Kundengruppe angeboten, ist weltweit zu einer weit verbreiteten Beratungsdienstleistung und Servicephilosophie von Finanzdienstleistern geworden.[6]

Auch im deutschsprachigen Raum hat sich das Private Banking etabliert. Eine Wachstumsrate von 15 – 20 % pro Jahr verdeutlicht das. In Österreich wächst der Private-Banking-Markt zwischen fünf und zehn Prozent jährlich.[7]

In den letzten Jahren hat sich Private Banking immer mehr zu einem eigenen Geschäftsfeld entwickelt. Immer mehr Banken, darunter viele Universalbanken[8] drängen in das Private Banking Business. Die Konkurrenz um das attraktive Segment der wohlhabenden Kunden steigt stetig und die Dienstleistungen der Retail- oder Universalbanken auf der einen Seite und der Privatbanken auf der anderen Seite werden immer ähnlicher.[9]

2.2 Philosophien zu Private Banking von österreichischen Privatbanken

Um nur einige von den vielen Unternehmensphilosophien und Leitbilder der Privatbanken zu nennen, werden hier beispielhaft angeführt:

- Bank Privat
- PRIVAT BANK AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
- Bankhaus Krentschker
- Bankhaus Spängler

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bank Privat AG

Die Unternehmensphilosophie basiert auf vier tragenden Säulen:

- Relationship Management
- Personal Investment Planning
- Best Advice & Best Selection
- International Private Banking[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die PRIVAT BANK AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich baut auf folgende Eckpfeiler.

- Sicherheit
- Diskretion
- Flexibilität
- Ertrag[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Bankhaus Krentschker & Co definiert ihr Leitbild so:

“First Class Banking: unser Leitbild

Wir verstehen uns als Privatbank, weil unsere Kunden uns als selbstverständlichen Teil ihrer vertraulichen Privatsphäre ansehen sollen. Deswegen ist Diskretion unser höchstes Gut"[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bankhaus Carl Spängler & Co. AG

Das Unternehmensleitbild beschreibt sich so:

- Fundament einer unabhängigen Privatbank
- Persönliche Beratung mit hoher Expertise
- Nachhaltige Geschäftspolitik
- Familiäre, partnerschaftliche Beziehungen[13]

2.3 Retail Banking

Aus wissenschaftlicher Sicht fällt zunächst auf, dass der Begriff Retail Banking verbreitet verwendet wird, ohne exakt oder gar allgemein gültig definiert zu sein.

Zumeist wird Retail Banking mit standardisiertem Mengengeschäft[14] in Zusammenhang gebracht. Dieses Mengengeschäft lässt sich durch Zielgruppenkunden und Produktgruppen näher beschreiben: Einerseits fokussiert es das Privatkundengschäft und wird andererseits durch das Geschäft mit kleinen Firmenkunden, Selbstständigen und Freiberuflern, die im Nachfrageverhalten Privatkunden ähnlich sind, ergänzt.[15]

Retail Banking kann in das vereinheitlichte Massengeschäft mit Privatkunden eingeordnet werden, wo vor allem Basisleistungen beansprucht werden und ein relativ geringes Beratungsbedürfnis vorhanden ist.[16] Diese Leistungen sind wenig individualisiert, sehr verbreitet sowie häufig in Anspruch genommene Bankleistungen. Aufgrund ihrer weit reichenden Einheitlichkeit und großen Stückzahlen weisen sie einen hohen Standardisierungsgrad auf.[17]

Auch Schmoll hebt hervor, dass die Maßstäbe des Massengeschäfts die Einfachheit, die Standardisierung und die Effizienz sind, welche die Überlebensgrundlage des Retail Bankings bilden.[18]

Hier grenzt sich das Retail Banking gegenüber dem Private Banking ab, das sich durch einen höheren Individualisierungsgrad und größere Einzelgeschäftsvolumina auszeichnet.

Laut Swoboda lassen sich wesensbestimmende Merkmale für sogenannte Konsumentenbanken herausarbeiten.

- Konzentration der Geschäftstätigkeit auf die breite Privatkundenschaft bzw. Mengenkunden
- Bildung von Kundengruppen innerhalb des privaten Haushalts
- Kundengruppenorientierte Marktbearbeitung durch Zielgruppen-Marketing
- Kundenfreundliche Bedienung sowie hohe Beratungsqualität
- Umsetzung der Zielgruppenorientierung in die Organisationsstruktur[19]

Dem Retail Banking wird in der öffentlichen Diskussion weitaus weniger Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl jeder auf das „Brot- und Buttergeschäft“ einer Bank angewiesen ist. Ein effizient und sicher funktionierendes Massengeschäft ist für eine prosperierende Volkswirtschaft sogar unabdingbar.[20] Konsumentenbanken sind einem dynamischen Veränderungsprozess ausgesetzt und das Retail Banking ist heute wieder einer der wichtigsten Geschäftsbereiche.[21] Die Banken haben die Privatkunden als stabile Ertragquelle wiederentdeckt. Jedoch sind sie einem schärferen Wettbewerb ausgesetzt. Besonders die Direktbanken nehmen den Filialbanken zunehmend Marktanteile ab.[22]

3 Kundensegmentierungsmerkmale im Private Banking

Wer kann was Dummes, wer was Kluges,
das nicht die Vorwelt schon gedacht?

Johann Wolfgang von Goethe[23]

3.1 Segmentierungskriterien

Die Grundannahme aller Segmentierungen ist, dass sich Bankkunden hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Präferenzen, ihrer Erwartungen an die einzelnen Produkte und des ihnen zur Verfügung stehenden Vermögens unterscheiden.[24]

Üblicherweise segmentieren die Kreditinstitute den Privatkundenmarkt nach den Vermögens- und Einkommensverhältnissen in zwei Hauptzielgruppen: Mengenkunden (breite Privatkundenschaft) und vermögende Privatkunden (gehobene Privatkundenschaft).[25]

Der moderne Private Banking Markt hat sich zu einem Käufermarkt entwickelt, in dem die Bedürfniserkennung- und Befriedigungsmöglichkeit zu dominanten Segmentierungskriterien geworden sind. Daher ist eine Segmentierung, die sich an den Bedürfnissen des Kunden orientiert, sehr wichtig.[26] Individuelle Betreuung der Vermögenswerte, sowie maßgeschneiderte Produkte und Servicekonzepte, sind genauso bedeutend, wie eine eigene organisatorische Struktur dieses Ansatzes.[27]

Eine empirische Analyse von Cocca zum Thema Private Banking in Österreich besagt, dass viele österreichische Banken mehrere Kriterien zur Segmentierung ihrer Kunden verwenden. Das am meisten verwendete Kriterium ist das angelegte Kundengeld. Dabei wurde das derzeit investierte Vermögen herangezogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Segmentierungskriterien für Kunden,
Anteil der Banken, die Kriterium anwenden[28]

Laut einer Aufstellung des Bankenakademie Verlages könnte eine Segmentierung nach Einkommensverhältnissen so dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Privatkundenschaft am Bankenmarkt[29]

3.2 Einstiegsgrenzen

Für viel Diskussionsstoff im Bereich des Private Banking haben die, teils von den Privatbanken vorausgesetzten Einstiegsgrenzen für Kunden gesorgt.

Um den Service einer Privatbank in Anspruch zu nehmen, bedarf es bei den potenziellen Kunden eines gewissen Mindestanlagebetrages. Die erforderlichen Volumina sind jedoch von Bank zu Bank unterschiedlich, auch im Hinblick auf das unterschiedliche Angebot der Dienstleistungen. Die Privatbanken, ursprünglich nur an den wirklich großen Vermögen interessiert, öffnen sich immer mehr für kleinere Vermögen.[30] Die Privatkunden der Zukunft sind die gut verdienenden Aufsteiger und Firmengründer, die aber vielleicht noch kein großes Vermögen haben.[31]

Immer mehr Leute wachsen in dieses Segment hinein und den Privatbanken geht es verstärkt um die „gehobene Mittelschicht“. Privatbanken drücken schon auch mal beide Augen zu und akzeptieren auch den gewöhnlichen Kunden.[32]

Anbei eine Abbildung zur Veranschaulichung der Einstiegsgrenzen am heimischen Private Banking Markt. Dieses Beispiel zeigt auch wie unterschiedlich die Banken die Volumensgrenze festlegen. In der Praxis sind die Grenzen jedoch fließend, sodass die angeführten Vermögensvolumina lediglich Richtwerte darstellen. Die Grenzen sind abhängig von der konkreten Situation und den Potenzialauslegungen des Institutes.[33]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Einstiegsgrenzen Private Banking (in TEUR)[34]

Dem World Wealth Report 2008 von Cap Gemini und Merrill Lynch ist zu entnehmen, dass in Österreich die Zahl der vermögenden Privatpersonen um 7,0% auf 77.700 (Vorjahr 72.600) gestiegen ist.[35] In der Abbildung wird das Geldvermögen der Private Banking Klientel im Verhältnis zum gesamten Geldvermögen der österreichischen Haushalte dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abbildung 3: Geldvermögen gesamt und Marktvolumen vermögender Kunden Österreich[36]

Ausschlaggebend für die Offensive gegenüber bescheidenerem Vermögen ist vor allem die Angst der Universalbanken gewesen, gerade ihre besten Kunden mangels qualitativer Beratung zu verlieren. Das ist auch der wesentliche Grund, warum Regionalbanken verstärkt ins Privat Banking Geschäft drängen. Früher wurde das klassische Filialgeschäft forciert während jetzt nach Alternativen gesucht wird.[37]

Vor allem viele Universalbanken, die bisher den Fokus auf das Massengeschäft gelegt haben stoßen nun in den Private Banking Sektor vor. Es fällt ihnen besonders leicht, aus dem großen Kundenkreis geeignete Kandidaten auszuwählen, sie wollen verhindern, dass gerade die lukrativsten Kunden abwandern. Kaum eine Privatbank gibt sich gerne mit profanen Dingen wie Girokonto, Daueraufträgen, Bausparen oder Leasing ab. Gibt eine Großbank einen Kunden an die eigene Private Banking Abteilung oder eine Privatbanktochter ab, bleibt das Standardgeschäft trotzdem im Haus.[38]

4 Produkte im Private Banking

Private Banking Produkte werden immer stärker auf spezifische Kundenbedürfnisse ausgerichtet. Das Paradigma heißt, Bankprodukte so zu produzieren, dass möglichst viele Kunden genau die Leistungen erhalten, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen.[39]

Durch einen hohen Grad an Dienstleistungen wie etwa die Beratung bei Nachfolgeregelungen und Stiftungsgründungen sowie die Kombination aus Investmentbank und Vermögensverwaltung, versuchen die Privatbanken, sich von ihren Mitbewerbern zu unterscheiden.[40]

Das Haupttätigkeitsfeld der Privatbanken liegt im Bereich der Veranlagung. Angeboten werden die individuelle Vermögensverwaltung, als auch standardisierte Produkte. Je höher das Kapitalvermögen, desto höher auch der Individualisierungsgrad der Produkte.

Maßgeschneiderte Produkte, die individuell an die Bedürfnisse des jeweiligen Investors angepasst werden, bietet zum Beispiel die PRIVAT BANK AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich bereits ab einem Anlagevolumen von 75.000 Euro an.[41] Ab einem Vermögen von ca. 8 Millionen Euro werden auch Spezialfonds aufgelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Maßgeschneiderte Produktpalette PRIVAT BANK AG[42]

Neben dem Schwerpunkt der Veranlagung deckt das Leistungsangebot der PRIVAT BANK AG für den Kunden auch den Finanzierungsbereich ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Leistungsangebot PRIVAT BANK AG[43]

Viele Privatbanken bieten auch das gesamte Leistungsspektrum einer Universalbank vom Wertpapiergeschäft bis zum Einlagen- und Kreditgeschäft an.

[...]


[1] Vgl. Brost/ Faust, 2006, 57

[2] Vgl. Walbert, 2006, 9

[3] Vgl. Schierenbeck, 1998, 5

[4] Taylor, 1990, 16

[5] Vgl. Schierenbeck, 1998, 5

[6] Vgl. Brost / Faust, 2006, 57

[7] Vgl. Standfest, 2006, 64

[8] Eine Universalbank hat sich hinsichtlich ihrer Geschäftstätigkeit keine Begrenzungen weder quantitativer noch regionaler, noch lokaler, noch kundenbezogener, noch branchenmäßiger noch qualitativer Art auferlegt. Als Universalbank sollen jene Kreditinstitute subsumiert werden, die das Einlagen- und Kreditgeschäft und das Wertpapiergeschäft in allen Formen verbinden. Vgl. Büschgen H, 1998, 9

[9] Vgl. Lang, 2008, 65

[10] Vgl. Bank Privat AG, 2008

[11] Vgl. PRIVAT BANK AG, 2008

[12] Vgl. Bankhaus Krentschker, 09.12.2008

[13] Vgl. Bankhaus Spängler, 09.12.2008

[14] Beim Mengengeschäft handelt es sich um das standardisierte Geschäft mit Privatkunden.
Vgl. Österreichische Nationalbank, 2004, 29

[15] Vgl. Knuefermann, 2005, 34

[16] Vgl. Vöter, 2004, 159

[17] Vgl. Baxmann, 2008, 38

[18] Vgl. Schmoll, 1999, 149

[19] Vgl. Swoboda, 1996, S. 20

[20] Vgl, Naumann, 2007, 12

[21] Vgl. Bernet/ Schmid, 1995, 30

[22] Vgl. Schweizer Bank, 2008, 30

[23] Deutscher Dichter, 1749 – 1832, Zitat aus Faust II: Mephisto im Gespräch mit Baccalaureus, Akt 2 „Hochgewölbtes gotisches Zimmer“, Vers 6809 ff

[24] Vgl. Swoboda, 1996, 105

[25] Vgl. Swoboda, 1996, 110

[26] Vgl. Wübker/ Engelke, 2008, 47

[27] Vgl, Brost / Faust , 2006, 61

[28] Quelle: Cocca, 2008, 8

[29] Quelle: Butschek,2008, 1

[30] Vgl. Brandstetter, 2005, 5

[31] Vgl. Brandstetter, 2005, 5

[32] Vgl. Benisch, 2006, 161

[33] Vgl. Swoboda, 2001, 321

[34] Quelle: Dimma, 2009, 10

[35] Vgl. Capgemini und Merrill Lynch, 2008, 21

[36] Quelle: Dimma, 2009, 6

[37] Vgl. Benisch, 2006, 161

[38] Vgl. Benisch, 2006, 140

[39] Vgl. Gehring, 1996, 38

[40] Vgl. Goedeckemeyer, 2006

[41] Vgl. PRIVAT BANK AG, 2008

[42] Quelle: PRIVAT BANK AG, 2008

[43] Quelle: PRIVAT BANK AG, 2008

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Kreditvergabe im Private Banking im Vergleich zum Retail Banking
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Forschungsinsitut für Bankwesen)
Note
Gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
64
Katalognummer
V132024
ISBN (eBook)
9783640376780
ISBN (Buch)
9783640376902
Dateigröße
1099 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreditvergabe, Private, Banking, Vergleich, Retail
Arbeit zitieren
Elisabeth Dizili (Autor), 2009, Kreditvergabe im Private Banking im Vergleich zum Retail Banking, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132024

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