Zunächst wird das Werk Historia Romana von Velleius genauer in Augenschein genommen. Hier soll hauptsächlich der Charakter des Varus untersucht werden. In einem nächsten Schritt widmet sich die Arbeit der Beschreibung der Segestes-Szene bei Tacitus. Innerhalb der Untersuchungen soll die Funktion der unterschiedlichen Darstellungen erläutert werden. Was wollten die Autoren mit ihrer Darstellung bezwecken? Warum haben sie diese Art der Darstellung gewählt? Im Anschluss daran sollen diese beiden Quellen kurz miteinander verglichen werden, um im anschließenden Fazit die Ergebnisse zusammenzufassen.
“Duci plus ad moriendum quam ad pugnandum animi fuit.“ (Vell. 2,119,3)
„Er hatte als Führer mehr an Mut zum Sterben als zum Kämpfen.”
Dieses Zitat stammt vom römischen Geschichtsschreiber Velleius Paterculus (20/19 v. Chr. – 30 n. Chr.), der hier von Publius Quinctilius Varus spricht. Varus wurde durch die Niederlage im Teutoburger Wald bekannt, die sich im Jahre 9 n. Chr. ereignete. Umfassend war es wohl eine der schlimmsten Niederlagen in der römischen Geschichte, da nicht nur die Elitelegionen des römischen Heeres vollkommen vernichtet wurden, sondern auch, da das römische Volk auch Jahrzehnte danach darunter zu leiden hatte.
Insgesamt vier Autoren berichteten über die clades Variana; in dieser Arbeit sollen allerdings nur die Ausführungen des Velleius Paterculus und des Tacitus (58-120 n. Chr.) untersucht werden. Es stellt sich die Frage, welcher Natur der Feldherr Quinctilius Varus wirklich war und wie es überhaupt zu dieser Niederlage gekommen war.
Dem oben genannten Zitat nach war der römische Statthalter Varus seinem Amt als Feldherr keinesfalls gewachsen und gab sich freiwillig dem Tod hin. Er hatte keinen bzw. nicht genügend Mut, um gegen den germanischen Angriff anzukämpfen, was für den Anführer der drei bedeutendsten Legionen Roms aufgrund dieser hohen Verantwortung gewissermaßen ausgeschlossen war.
1. Einleitung
2. Velleius Paterculus und Tacitus im Überblick
3. Die Darstellung des Varus bei Velleius Paterculus
4. Die Darstellung des Varus bei Tacitus
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die konträren Darstellungen der Varusschlacht und der Person Publius Quinctilius Varus bei den antiken Geschichtsschreibern Velleius Paterculus und Tacitus. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie beide Autoren den Feldherrn Varus charakterisieren, welche Rolle die Vorhersage beziehungsweise Warnung durch Segestes einnimmt und welche rhetorischen Mittel sie einsetzen, um das Ansehen des römischen Heeres nach der traumatischen Niederlage zu schützen.
- Analyse des Varus-Bildes bei Velleius Paterculus
- Untersuchung der Narration von Tacitus mit Fokus auf Segestes
- Vergleichende Analyse der Erzählperspektiven und Darstellungsabsichten
- Bedeutung der clades Variana für das römische Selbstverständnis
Auszug aus dem Buch
3. Die Darstellung des Varus bei Velleius Paterculus
Velleius beschreibt Varus als einen aus einer hoch angesehenen Familie stammenden Menschen, der eher von ruhiger Gesinnung sei und eher an das Lager als an den Kriegsdienst gewöhnt sei. (Vell. 2,117,2). Dies alles beschreibt Velleius in einem Satz, sodass der Leser sofort über Herkunft, Charakter und Verhalten des Feldherrn informiert wird. Velleius fällt mit dieser Aussage schon sehr früh im Text das Urteil, das Amt des Statthalters und der damit verbundene Oberbefehl über das Heer sei keine für Varus geeignete Aufgabe gewesen. Diese Aussage kann einerseits als Vorausdeutung bzw. Vorwegnahme der negativen Tragweite für die kommende Beschreibung der Niederlage, andererseits als Entschuldigung, später wohl für eine Schuldzuweisung für die Niederlage gewertet werden, da im weiteren Verlauf seines Werkes die Katastrophe näher erläutert und beschrieben wird und Varus am Ende der Schrift die volle Verantwortung zugeschrieben wird. Dass Varus darüber hinaus keineswegs so gesinnt war, dass er Geld ablehnte, zeigt Velleius anhand einer kurzen Aussage über das arme Syrien, welches Varus als armer Mann besucht und als reicher Mann verlassen habe. (Vell.2,117,2). Auch wenn diese Aussage möglicherweise auf den ersten Blick sehr hart scheint und den Leser schmunzeln lässt, so stellt sie den Statthalter dennoch in klare Kritik. Im Anschluss daran wird Varus‘ Chrakter nur noch anhand von Beispielen aus seinem Leben als römischer Statthalter in der germanischen Provinz festgemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Varusschlacht und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der Zeichnung des Feldherrn Varus durch die antiken Chronisten.
2. Velleius Paterculus und Tacitus im Überblick: Vorstellung der beiden Autoren und ihrer jeweiligen Werke vor dem Hintergrund der allgemeinen zeitgenössischen Wahrnehmung des Ereignisses.
3. Die Darstellung des Varus bei Velleius Paterculus: Analyse des Werkes "Historia Romana" zur Charakterisierung des Varus als unfähigem, jedoch nicht alleinig schuldigen Feldherrn im Kontext der Katastrophe.
4. Die Darstellung des Varus bei Tacitus: Untersuchung von Tacitus' Perspektivwechseln, insbesondere der Segestes-Szene, um Varus als naiven Verantwortlichen zu inszenieren.
5. Fazit: Zusammenführender Vergleich, wie beide Autoren versuchen, das durch die Niederlage erschütterte römische Selbstverständnis zu bewahren und das Heer von der Schuld freizusprechen.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Textausgaben und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zur historischen Einordnung.
Schlüsselwörter
Varusschlacht, Velleius Paterculus, Tacitus, Varus, Segestes, Römisches Reich, Germanien, clades Variana, Antike Geschichtsschreibung, Arminius, Römische Legionen, Feldherr, Historische Analyse, Selbstverständnis, Militärgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie die antiken Historiker Velleius Paterculus und Tacitus die Varusschlacht und die Rolle des Feldherrn Varus schriftlich aufbereitet haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Der Fokus liegt auf der Schuldfrage des Varus, der literarischen Inszenierung des Charakters durch die Autoren sowie dem Umgang mit dem kollektiven römischen Trauma nach der Schlacht.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es soll untersucht werden, welche Intentionen die Autoren mit ihren Darstellungen verfolgten und wie sie versuchten, das Ansehen des römischen Militärs trotz der verheerenden Niederlage zu wahren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Quellenanalyse, bei der Texte beider Historiker im direkten Vergleich auf ihre Erzählperspektive und rhetorische Funktion hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Velleius Paterculus’ "Historia Romana" und Tacitus' "Annales", unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Germanen Segestes als Zeuge.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Varusschlacht, Römische Identität, Velleius Paterculus, Tacitus, Varus, Arminius, Segestes und das römische trauma.
Wie bewerten die Autoren die Rolle des Segestes?
Besonders Tacitus nutzt Segestes als rhetorisches Werkzeug, um die Ignoranz und Naivität des Varus unmittelbar durch die Sicht eines germanischen Verbündeten vorzuführen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für das römische Selbstverständnis?
Beide Autoren schreiben die Niederlage primär dem Versagen des Varus und dem Schicksal zu, um eine Schwäche des römischen Heeres an sich zu negieren und den imperialen Anspruch zu festigen.
- Arbeit zitieren
- Fred Benthien (Autor:in), 2019, Das (tragische) Opfer der Varusschlacht im Teutoburger Wald. Ein Vergleich des Quinctilius Varus bei Tacitus und Velleius Paterculus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1320495