Wie politisch ist Sport? Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Sport und internationalen Beziehungen. "Der Sport ist ein Teil der Gesellschaft und die Gesellschaft ist politisch. Wo soll man dort eine Grenze ziehen?" – Das ist die Antwort auf die Frage, wo ein Sportnachrichtensender in der Berichterstattung eine Grenze zwischen politischen und sportlichen Themen zieht. Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die den Sport als hochpolitisch ansehen. Die Mehrheit würde wohl sagen, Sport ist politisch. Ob sie das gutheißen oder nicht, ist damit nicht gemeint. Es gibt viele Stimmen im Fanbereich, die es sehr gerne sehen würden, wenn Sport und Politik getrennt wären. Beispielsweise gab es heftige Diskussionen um den Kniefall vor jedem Bundesligaspiel. Man braucht nur die Kommentarspalte unter Artikeln über politische Themen im Sport zu lesen und wird dort eine ganze Reihe von Personen finden, die die sogenannte „Politisierung“ des Sports kritisieren. Was dabei vergessen wird, der Sport war nie unpolitisch. Er hat sich immer mit Gesellschaft beschäftigt und war immer ein Raum in dem verschiedenen Menschen aufeinandergetroffen sind. Er kann gar nicht unpolitisch sein. Sport ist ein Medium gesellschaftlicher Kommunikation und Prägung. Auf eine Definition von Sport soll verzichtet werden. Wenn von Sport die Rede ist, ist der gesamte Sport gemeint. Also vom Spielen, sowohl dem organisierten als auch spontanem, bis hin zu der Ausführung und Durchführung von Wettkämpfen. Das System Sport, um welches es hier insbesondere gehen soll, kann in zwei Aspekte unterschieden werden: Sport als Bewegungssystem und Sport als organisiertes System. In Bezug auf Sport als Bewegungssystem ist die Bewegung unpolitisch im weiten Sinne, sie kann politisiert werden, beispielsweise als körperliche Ertüchtigung (3. Reich). Bewegung im Sport ist aber an sich ein eigener Raum, außerhalb des politischen Raums. Dies gilt nur für die eigentliche Bewegung, im praktischen Sinne wird eine solche Bewegung immer in Wettbewerben ausgeübt. Diese Wettbewerbe sind wiederum politisch, was eine Bewegung indirekt auch politisch macht. Die Organisations- und Institutionsebene ist eindeutig politisch, sowie die Entscheidungen der Organisationen bezüglich der Ausübung von Bewegungen (Sport) und auch die Wechselwirkung zwischen Sport und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis des E-Books
1. Prolog
2. Forschungsstand
3. Hypothesen
4. Theorie
4.1 Konstruktivismus
4.2 Institution im Sport
4.3 Frieden und Sport
4.4 Kommunikation
4.5 Boykottmechanismen
4.6 Normen und Werte im Sport
4.6.1 Fähigkeiten des Sports
4.6.2 „Unfähigkeiten“ des Sports
4.7 Großveranstaltungen
5. Empirie
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen Sport und Internationalen Beziehungen. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und auf welche Weise Sport als politisches Mittel in der globalen Politik instrumentalisiert wird und welche Rolle er in Konfliktlösungsprozessen oder bei der Darstellung von Staatspropaganda einnimmt.
- Die theoretische Verankerung von Sportsoziologie und Sportpolitik
- Die konstruktivistische Sichtweise auf Normen, Werte und Kommunikation im Sport
- Die Analyse von Großveranstaltungen als Instrument für nationales Prestige
- Die Wirksamkeit sowie die ethischen Probleme von sportlichen Boykottmaßnahmen
- Empirische Fallbeispiele zur Verflechtung von Politik und sportlichen Großevents
Auszug aus dem Buch
4.5 Boykottmechanismen
Wie im aktuellen Russland-Ukraine Krieg zu sehen ist, sind Boykotte ein wichtiges politisches Mittel. Und neben vielen wirtschaftlichen Boykotten, gibt es auch solche sportlicher Natur. Sämtliche russische Teams sind sportartübergreifend von den meisten Wettbewerben ausgeschlossen. Die Frage ist, was wird von einem Sportlichen Boykott erhofft und welche Wirkung hat er tatsächlich? Die jetzigen sportlichen Boykotte sind auch nicht die erste Erscheinung solcher Maßnahmen. So hat die USA nicht an den Olympischen Spielen in Moskau teilgenommen. Dies hat im Gegenzug zu einem Boykott der Olympischen Spiele in Los Angeles durch die Sowjetunion geführt. Welche Gründe sprechen für einen Boykott von Sportveranstaltungen oder für ein Verbot an der Teilnahme solcher? Zum einen gibt das Halten von großen Sportlichen Events die Möglichkeit für symbolische Politik (Beispiele: Ökonomische Macht 2008 Beijing, Modernität und Autonomie 1988 Seoul).31 Zum anderen führen Private Unternehmen zunehmend die Geschicke von Sportvereinen, besonders von Fußballvereinen.32 Hier trifft man also mit einem sportlichen Boykott direkt die Wirtschaft eines Landes. Und zu guter Letzt ist ein Boykott im Sport ist eine "günstige" Alternative zu einem Handelsembargo. Mehr symbolischer Art und mit weniger Kosten.33 Bleibt nur die Frage nach dem Ziel des Boykotts. Dieses muss darin bestehen, Druck auf die öffentliche Meinung auszuüben, damit diese dazu beiträgt die Außenpolitik zu verändern.34
Zusammenfassung der Kapitel
1. Prolog: Einführung in die Thematik, die argumentiert, dass Sport niemals unpolitisch war, da er stets ein Medium gesellschaftlicher Kommunikation und Prägung darstellt.
2. Forschungsstand: Darstellung der Forschungslücke, da Sport in der Fachdisziplin Internationale Beziehungen bisher nur wenig systematisch als politisches Mittel untersucht wurde.
3. Hypothesen: Aufstellung von drei zentralen Thesen zur Rolle des Sports in der regionalen Politik, seiner politischen „Ausnutzung“ sowie seinem Potenzial in der Konfliktlösung.
4. Theorie: Theoretische Untersuchung mittels Konstruktivismus, Institutionenlehre, Friedensforschung, Kommunikationstheorie sowie Analyse von Normen und Großevents.
5. Empirie: Anwendung der theoretischen Überlegungen auf aktuelle Fälle wie Sport-Sponsoring im Kontext von Menschenrechten und die Auswahl politisch umstrittener Austragungsorte.
6. Schlussfolgerungen: Fazit, dass Sport in seiner aktuellen Form primär als politisches Inszenierungsinstrument missbraucht wird, obgleich ein Potenzial für eine konstruktive Rolle bestünde.
Schlüsselwörter
Internationale Beziehungen, Sportpolitik, Konstruktivismus, Sportsoziologie, Großveranstaltungen, Boykott, Soft Power, Politische Inszenierung, Friedensforschung, Ideologie, Sportgeschichte, Menschenrechte, Institutionen, Nationale Identität, Diplomatie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das politische Potenzial des Sports und wie dieser als Instrument in den Internationalen Beziehungen eingesetzt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Der Fokus liegt auf der Verflechtung von Sport und Politik, analysiert anhand theoretischer Ansätze und empirischer Beispiele aus der Weltpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob Sport tatsächlich eine Rolle in der internationalen Konfliktlösung spielen kann oder ob er lediglich ein Werkzeug zur Imagepflege von Staaten ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Herangehensweise, ergänzt durch eine Literaturanalyse und eine empirische Betrachtung aktueller politischer Ereignisse im Sport.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte wie Institutionen, Kommunikation und Normen sowie in eine empirische Sektion zu konkreten Ereignissen wie der Fußball-WM oder Olympia.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Sportsoziologie, Soft Power, politische Instrumentalisierung, Konstruktivismus und internationale Konfliktprävention.
Inwiefern beeinflusst der Konstruktivismus die Argumentation?
Die Theorie dient dazu, Sport als einen Raum zu verstehen, in dem Wissen transportiert und Wahrheiten gebildet werden, was den Sport zu einem aktiven Akteur im Diskurs macht.
Wie bewertet der Autor sportliche Boykottmaßnahmen?
Boykotte werden als günstige, symbolisch wirksame Alternative zu Handelsembargos betrachtet, deren Erfolg maßgeblich davon abhängt, ob sie den notwendigen Druck auf die öffentliche Meinung ausüben.
Welche Rolle spielen Menschenrechte in der Analyse?
Menschenrechtsfragen bilden ein zentrales Kriterium für die Kritik an Sport-Sponsoring und die Vergabe von Sportgroßveranstaltungen an autokratische oder politisch problematische Staaten.
Verfolgt der Sport durch seine Organisationen ein eigenes Ziel?
Ja, internationale Sportorganisationen wie das IOC oder die FIFA streben nach eigenen Werten und globalem Einfluss, stehen jedoch in einer Wechselwirkung mit staatlichen Eigeninteressen.
- Citar trabajo
- Nils Seynsche (Autor), 2022, Sport als politisches Mittel. Der Zusammenhang zwischen dem Sport und internationalen Beziehungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1320874