Die Schüler/Schülerinnen lernen ausgewählte Affektdarstellungen und musikalisch-rhetorische Figuren aus der „Johannes-Passion“ von J.S. Bach kennen. Sie interpretieren die Affekte in einem szenischen Verfahren (Standbild) und versetzen sich damit in die Perspektive des jeweiligen Protagonisten der Passionsgeschichte.
Sie nutzen und entwickeln darüber hinaus ihre kommunikativen und sozialen Fähigkeiten bei der Erarbeitung der szenischen Interpretation und der anschließenden Beschreibung der Standbilder. Bei der Zuordnung der musikalisch-rhetorischen Figuren lernen die Schüler/Schülerinnen die Fachbegriffe der musikalischen Rhetorik kennen und wenden diese zur musikalischen Analyse der Notenbeispiele an.
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse
2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
3. Sachanalyse
4. Didaktische und methodische Analyse
5. Lernziele
6. Unterrichtsplanung
7. Literatur- und Medienverzeichnis
8. Anhang
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtseinheit ist es, den Schülern der 11. Klasse die Affektenlehre und die musikalisch-rhetorischen Figuren in Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“ näherzubringen. Durch ein szenisches Interpretationsverfahren sollen die Schüler befähigt werden, musikalische Emotionen unmittelbar zu erfahren, fachsprachlich zu benennen und analytisch auf Notenbeispiele anzuwenden, um so einen tieferen Zugang zur Barockmusik zu gewinnen.
- Vermittlung der historischen Affektenlehre des Barock
- Anwendung szenischer Interpretation durch Standbilder
- Analyse musikalisch-rhetorischer Figuren (z.B. Anabasis, Katabasis)
- Verbindung von emotionalem Ausdruck und musikalischer Struktur
- Förderung der kommunikativen und sozialen Kompetenzen in der Gruppenarbeit
Auszug aus dem Buch
3. Sachanalyse
Die „Johannes-Passion“ von J.S. Bach, 1723 uraufgeführt, handelt vom Leiden und Sterben Jesu. Der Text des Oratoriums ist dem Johannes-Evangelium entnommen, welches durch Teile aus dem Matthäus-Evangelium ergänzt wird.
Das Werk bietet eine Fülle von Affektdarstellungen, die sich sowohl in Rezitativen als auch in Arien und Chören finden lassen. Die Musik stellt dabei die Leidenschaften und seelischen Gemütszustände der jeweiligen Protagonisten der Passion dar.
Bereits in der Antike wurde die Musik in Verbindung mit Seelenzuständen gesetzt. In der Barockzeit entwickelte sich eine regelrechte Affektenlehre. Unter anderem unterscheidet René Descartes (1596-1650) in seinem Traité des passions de l´âme (1649) sechs Grundaffekte – Verwunderung, Liebe, Hass, Verlangen, Freude und Trauer, aus denen sich unendlich viele Nuancen und Mischungen ergeben können. Die „Johannes-Passion“ kann als exemplarisches Beispiel für die gezielte musikalische Abbildung von Affekten durch bestimmte musikalische Mittel gesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedingungsanalyse: Beschreibung der heterogenen Lernausgangslage der Klasse 11b und ihres Verhaltens im Musikunterricht.
2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit: Darstellung des Kontextes der Stunde als viertes Glied innerhalb der Unterrichtseinheit zur Stilepoche des Barock.
3. Sachanalyse: Erläuterung der „Johannes-Passion“ im historischen Kontext und Einführung in die barocke Affektenlehre sowie rhetorische Mittel.
4. Didaktische und methodische Analyse: Begründung des gewählten szenischen Interpretationsansatzes zur aktiven Einbindung der Schüler ohne explizite musiktheoretische Voraussetzungen.
5. Lernziele: Aufzählung der angestrebten Kompetenzen in den Bereichen Musik gestalten, hören, verstehen und reflektieren.
6. Unterrichtsplanung: Detaillierter zeitlicher Ablaufplan der Unterrichtsstunde mit Angabe von Lehrer- und Schülerverhalten sowie verwendeten Medien.
7. Literatur- und Medienverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Audio-Quellen.
8. Anhang: Ergänzende Definitionen zu Affekt und Figur sowie eine Übersicht der musikalisch-rhetorischen Figuren in ausgewählten Szenen.
Schlüsselwörter
Johannes-Passion, Johann Sebastian Bach, Barock, Affektenlehre, musikalisch-rhetorische Figuren, Musikdidaktik, szenische Interpretation, Anabasis, Katabasis, Standbild, Rezitativ, Arie, Musikgeschichte, Bildungsplan, Emotionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Das Dokument beschreibt die Planung einer Musikstunde für eine 11. Klasse am Gymnasium, in der die affektive Darstellung und rhetorische Gestaltung in J.S. Bachs „Johannes-Passion“ thematisiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die barocke Affektenlehre, die theoretische und praktische Analyse von musikalisch-rhetorischen Figuren sowie die Umsetzung dieser Emotionen in szenische Standbilder.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schüler sollen die Affektdarstellung und rhetorische Mittel kennenlernen und diese durch szenische Interpretation sowie eine musikalische Analyse der Notenbeispiele anwenden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein methodisch abwechslungsreicher Ansatz gewählt, der von der theoretischen Einführung über das aktive „szenische Interpretationsverfahren“ (Standbilder) bis hin zur analytischen Partnerarbeit am Notenbild reicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der praktischen Erarbeitung der Affekte durch Hören, Lesen und die körperliche Transformation in Standbilder sowie auf der anschließenden fachlichen Zuordnung musikalischer Figuren zu den Noten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Johannes-Passion, Affektenlehre, musikalisch-rhetorische Figuren, szenische Interpretation und musikalischer Ausdruck.
Warum wurde für diese Klasse die szenische Interpretation gewählt?
Da die Klasse 11b bezüglich musiktheoretischer Vorkenntnisse sehr heterogen ist, ermöglicht das szenische Verfahren allen Schülern, sich aktiv und emotional am Unterricht zu beteiligen, ohne zwingend Noten lesen zu müssen.
Welche Rolle spielt René Descartes in diesem Entwurf?
Descartes wird als historischer Beleg für die systematisierte Affektenlehre im Barock angeführt, um den Schülern den theoretischen Hintergrund für die „seelischen Gemütszustände“ in der Musik Bachs zu vermitteln.
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- Thomas Grasse (Author), 2009, Unterrichtsstunde: Affekte und musikalisch-rhetorische Figuren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132113