Die Unterrichtseinheit über Pierre Boulez fordert die Schüler/Schülerinnen in besonderer Weise. Sie werden mit Musik konfrontiert, die ihnen eher unbekannt ist. Über Hintergrundinformationen werden sie an die Musik herangeführt und bilden sich eine persönliche Meinung. Der kritische Umgang mit zeitgenössischer Musik bildet eines der Ziele der Unterrichtseinheit. Die Schüler/Schülerinnen erkennen, dass es eine Musikkultur neben ihrer täglich rezipierten gibt. Ein Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen ist daher eher im Kontrast dazu zu sehen. Ich verstehe den Musikunterricht, als Bildungsangebot, welches die Persönlichkeit der Schüler/Schülerinnen erweitern und bilden soll. Dazu gehört die Rezeption von Neuer Musik neben der aktuellen Pop-Musik, die heute ohnehin überrezipiert wird.
Durch die Beschäftigung mit serieller Musik von Pierre Boulez erhalten die Schüler/Schülerinnen einen Einblick in die Entwicklung der Musik des 20. Jahrhunderts. Mit den Werken Structures pour deux pianos und Le marteau sans maître von Pierre Boulez lernen die Schüler/Schülerinnen epochentypische Werke der seriellen Musik kennen und erarbeiten deren charakteristische Kompositionsmerkmale durch theoretische und insbesondere praktische Tätigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Begründung der Unterrichtseinheit
3. Informationen zur Klasse 11b
4. Bezug zum Bildungsplan
5. Sachanalyse
6. Methodische und didaktische Vorüberlegungen
7. Innovation
8. Planung
8.1. Organisation
8.2. Übergeordnete Ziele der Unterrichtseinheit
8.3. Vorgehen
8.4. Überblick über die Unterrichtseinheit
8.5. Unterrichtsplanung
9. Durchführung
9.1. Erste Stunde „Boulez-Presseschau“
9.2. Zweite Stunde „Nullpunkt eines neuen Beginns“
9.3. Dritte Stunde „Boulez in Donaueschingen“
9.4. Vierte Stunde „Abkehr vom Fetischismus der Zahl“
9.5. Fünfte Stunde „Le marteau sans maître“
9.6. Sechste Stunde „Le marteau sans maître 2“
9.7. Siebte Stunde „Serielle Musik am Computer“
9.8. Achte Stunde „Der Zufall in der Musik“
10. Erkenntnisse aus der Unterrichtseinheit
10.1. Thema und Auswahl der Stücke
10.2. Unterrichtsplanung
10.3. Vernetzter Musikunterricht
10.4. Persönliche Erkenntnisse – Schlusskommentar
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit dokumentiert eine Unterrichtseinheit, die Schülern der Klasse 11b das komplexe Thema der Neuen Musik sowie die Kompositionsweise von Pierre Boulez näherbringt. Das primäre Ziel ist es, den Jugendlichen einen unvoreingenommenen Zugang zur zeitgenössischen Musik zu ermöglichen und sie durch die Verbindung von theoretischer Sachanalyse, praktischem Musizieren und dem Erleben eines Live-Konzerts zu einer kritischen Reflexion zu befähigen.
- Person und Werk von Pierre Boulez
- Grundlagen der seriellen Musik
- Aleatorik als Erweiterung der seriellen Kompositionstechnik
- Handlungsorientierte Erschließung durch Praxisphasen
- Konzertbesuch als Vermittlungsmedium
Auszug aus dem Buch
1. Vorwort
Neue Musik liegt weit außerhalb der Lebenswelt von Jugendlichen und der Gesellschaft überhaupt. Nur wenige Eingeweihte wissen, dass es neben der aktuellen Musikkultur, die uns tagtäglich im Radio begegnet, noch eine Weiterentwicklung der „klassischen“ Musik gibt. Lediglich aus dem Bereich der Filmmusik weiß man, dass der Beruf des klassischen Komponisten noch existiert.
Die Jugendlichen sind meist „Experten“ auf dem von ihnen favorisierten Gebiet der aktuellen Musik. Dass die gegenwärtig populäre Musik nicht die „klassische“ Musik abgelöst hat, wissen die wenigsten. Die zeitgenössische Musik fristet ein Nischendasein und wird auch im Unterricht gemieden. Weil sie zu schwer oder zu kompliziert ist? Oder weil die Schüler/Schülerinnen damit nicht zu Recht kommen?
Ich sehe gerade im Unwissen der Jugendlichen ob dieser Existenz einer Neuen Musik, die an die Tradition der klassischen Musik anknüpft, sich jedoch gleichzeitig von ihr distanziert, eine Chance. Die Jugendlichen sind nicht vorgebildet und damit nicht voreingenommen. Sie sind wie unbeschriebene Blätter, die mit dem richtigen Federstrich beschrieben werden können. Der richtige Federstrich ist dabei von entscheidender Wichtigkeit. Er entscheidet nämlich darüber, wie die Schüler/Schülerinnen in Zukunft über diese Musik denken werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert seine Motivation, Neue Musik in den Unterricht zu integrieren, da Jugendliche durch ihr Unwissen unvoreingenommen an diese Musik herangeführt werden können.
2. Begründung der Unterrichtseinheit: Das Kapitel begründet das pädagogische Ziel, Schülern den kritischen Umgang mit zeitgenössischer Musik als Ergänzung zum Alltagshören zu vermitteln.
3. Informationen zur Klasse 11b: Hier wird die heterogene Struktur der Lerngruppe sowie deren Leistungsstand und Arbeitsverhalten beschrieben.
4. Bezug zum Bildungsplan: Es wird dargelegt, wie die Unterrichtseinheit die Anforderungen des Bildungsplans für das Gymnasium bezüglich des 20. Jahrhunderts erfüllt.
5. Sachanalyse: Das Kapitel bietet einen fachlichen Überblick über Pierre Boulez, die serielle Kompositionsmethode und seine Entwicklung hin zur Aleatorik.
6. Methodische und didaktische Vorüberlegungen: Hier werden die verschiedenen didaktischen Ansätze (ästhetisch, semantisch, affektiv, experimentell) erläutert.
7. Innovation: Das Kapitel beschreibt, dass die Besonderheit der Unterrichtseinheit in der Vernetzung von Theorie, Analyse, Reflexion und praktischem Selbsttun liegt.
8. Planung: Dieser Abschnitt umfasst organisatorische Rahmenbedingungen, Zielsetzungen, das methodische Vorgehen sowie den Zeitplan der Unterrichtsstunden.
9. Durchführung: Die detaillierte Darstellung und Analyse der acht Unterrichtsstunden, vom Einstieg über Werkbetrachtungen bis zur praktischen Improvisation.
10. Erkenntnisse aus der Unterrichtseinheit: Eine abschließende Reflexion über den Erfolg der Unterrichtseinheit, die Auswahl der Stücke und die Effektivität des vernetzten Musikunterrichts.
Schlüsselwörter
Neue Musik, Pierre Boulez, Serielle Musik, Kompositionstechnik, Didaktik, Aleatorik, Donaueschinger Musiktage, Musikunterricht, Werkbetrachtung, Musikästhetik, Konzertbesuch, Handlungs- und Produktorientierung, John Cage, Musikvermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit?
Die Arbeit behandelt die Einführung von Schülern in das Themenfeld der Neuen Musik anhand der Person und des Werks von Pierre Boulez.
Welche zentralen Themen werden abgedeckt?
Im Zentrum stehen die serielle Musik, der kompositorische Wandel von strenger Reihenorganisation hin zu aleatorischen Elementen sowie die gesellschaftliche Bedeutung und Rezeption dieser Musik.
Was ist das primäre Ziel der Dokumentation?
Das Ziel ist die Vermittlung eines unvoreingenommenen Zugangs zur Neuen Musik durch eine Kombination aus theoretischer Fundierung und handlungsorientierten Methoden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt einen didaktisch-methodischen Ansatz, der kognitive Wissensvermittlung mit praktischer Anwendung wie Improvisation und computergestütztem Komponieren verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Planung und die anschließende Reflexion von acht Unterrichtsstunden, ergänzt durch die Analyse von Quellenmaterial.
Welche Schlüsselwörter definieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Neue Musik, serielle Musik, Aleatorik, Boulez, Musikdidaktik und handlungsorientiertes Lernen geprägt.
Warum spielt der Konzertbesuch in Donaueschingen eine so große Rolle?
Der Konzertbesuch dient als wichtige affektive Komponente, die den Schülern zeigt, dass Neue Musik ein lebendiges, gesellschaftliches Ereignis ist und nicht nur theoretisches Konstrukt.
Wie reagieren die Schüler auf die sperrige Musik von Boulez?
Durch Methoden wie das assoziative Zeichnen oder den Kontrast zu anderen Epochen gelingt es, die anfängliche Distanz abzubauen und das Interesse zu wecken.
Was ist das Ergebnis der Unterrichtseinheit laut Autor?
Der Autor stellt fest, dass handlungsorientierte Ansätze die theoretische Auseinandersetzung erleichtern und die Motivation der Schüler deutlich steigern.
- Citar trabajo
- Thomas Grasse (Autor), 2009, Neue Musik im Musikunterricht - Pierre Boulez und die serielle Musik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132116