Konsum und materieller Wohlstand bewegt die Menschheit seit Jahrtausenden. Besitz bedeutete auch Macht und damit verbundene Missgunst war somit nicht selten eine Ursache von Kriegen. Wenn hingegen breitere Bevölkerungsschichten Wohlstand erfahren, sinkt die Bereitschaft, diesen erarbeiteten Besitz wieder aufzugeben. Durch die zunehmende wirtschaftliche Interdependenz der Staaten, wird eine kriegerische Auseinandersetzung unwahrscheinlicher. „Konsum sichert Beschäftigung und Wachstum und ist damit einer der tragenden Pfeiler der Industriegesellschaft. Hierin liegt sicherlich eine der bedeutsamsten gesellschaftlichen Funktionen des Konsums.“ Daher ist die Geschichte des Konsums bedeutend für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Besonders sind die engen Beziehungen von Konsum, Wohlstand und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Laufe der Geschichte der BRD zu beobachten und zu analysieren, da sie doch im Zusammenhang mit anderen Faktoren einen erfolgreichen Demokratisierungsprozess vorweisen. Denn gerade in der Gegenwart wird dieser erfolgreiche Demokratisierungsprozess als Modell für andere Länder in der Welt benutzt, um mittels Wohlstand demokratische Strukturen dauerhaft zu installieren. Außerdem bedeutet Konsum auch einen Ausdruck von Individualität und Identität. „Alles, was der Mensch als homo faber produziert oder heute fast häufiger – als Konsument für seine persönliche Sphäre auswählt, ob Möbel, Fortbewegungsmittel, Nahrungsmittel, Kleidung, Freizeitgeräte etc. ist Objektivierung und Ausdruck seiner Identität und wirkt sogleich auf diese zurück.“
Im Folgendem möchte ich die Ausgangsbedingungen in der westlichen Besatzungszone analysieren und die geschaffenen Rahmenbedingungen durch die Besatzungsmächte beurteilen. Dann werde ich die Geschichte des Konsums in der BRD chronologisch untersuchen. Dabei möchte ich auf die Zusammenhänge zwischen dem Verbraucherverhalten und der gesellschaftlichen Entwicklung eingehen und Beziehungen und Trends aufzeigen. Außerdem möchte ich auf die Verbindung von Politik und wirtschaftlicher Entfaltung hinweisen und die soziale Ausrichtung des bundesrepublikanischen Wirtschaftsmodells beleuchten und bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Weichenstellung für das Wirtschaftssystem in der BRD nach dem 2. Weltkrieg
2.2. Die Fünfzigerjahre, das „Wirtschaftswunder“
2.3. Die Sechzigerjahre, kritische Konsumenten
2.4. Die Siebzigerjahre, Grenzen des Wachstums
2.5. Die Achtzigerjahre, Lustkonsum
3. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Konsumverhaltens in der Bundesrepublik Deutschland von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Strukturen und gesellschaftlicher Wertewandel das Konsumverhalten und die Identitätsbildung der Bundesbürger wechselseitig beeinflusst haben.
- Wirtschaftliche Weichenstellung in der Nachkriegszeit und Soziale Marktwirtschaft
- Massenkonsum und das „Wirtschaftswunder“ der 1950er Jahre
- Wertewandel und kritischer Konsum in den 1960er und 1970er Jahren
- Einfluss von Massenmedien und neuen Verkaufskonzepten
- Umweltbewusstsein und politisierte Konsumkultur der 1980er Jahre
Auszug aus dem Buch
2.5. Die Achtzigerjahre, Lustkonsum
Trotz der wachsenden Arbeitslosigkeit wurde in den Achtziger Jahren bewusst konsumiert. Große Einkaufszentren nach amerikanischem Vorbild etablierten sich am Markt und führten zum Einkaufen als Erlebnis mit allen Sinnen. Damit wurde der Einkaufsakt, der in früheren Tagen oft ein mühsames und freudloses „Beschaffen“ war, zum lustspendenden Teil des Konsums selbst aufgewertet. Außerdem bekamen Markenprodukte eine größere Bedeutung, die z.B. als Kleidungsstücke offen präsentiert wurden. Kaufkrafteinbußen aufgrund von erhöhter Arbeitslosigkeit, führte zu einer immer stärkeren Aufspaltung des Marktes in Luxusdistribution und Massenverteilung. „Ein und dieselbe Person kann bei manchen Dingen Intensivverbraucher, bei anderen Konsumverweigerer, Billigkäufer und Prestigekäufer sein. Wohlstand, Freizeit und Wertewandel veränderten die Konsumgewohnheiten der Bundesbürger.“
Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und dem Skandal von gepanschten österreichischen Wein, kam es in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung zum Umdenken hinsichtlich des Konsumverhaltens. Auch die Bundesrepublik selbst war von Umweltproblemen betroffen. „Was die Müllberge anbelangt, war das Problem in den Achtzigern zu einer gesellschaftlichen und politischen Frage geworden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Konsums für die Industriegesellschaft ein und legt dar, wie Konsum als Ausdruck von Identität und Wohlstand eng mit dem Demokratisierungsprozess der BRD verknüpft ist.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert chronologisch die Entwicklung der Konsumgeschichte von den wirtschaftlichen Weichenstellungen nach 1945 bis zum aufkommenden Lustkonsum in den 1980er Jahren.
2.1. Weichenstellung für das Wirtschaftssystem in der BRD nach dem 2. Weltkrieg: Dieses Kapitel behandelt die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie den Marshall-Plan und die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, die das Fundament für den späteren Konsum legten.
2.2. Die Fünfzigerjahre, das „Wirtschaftswunder“: Hier wird der Übergang von der bloßen Bedarfsdeckung zu ersten Formen des Massenkonsums unter dem Einfluss des wachsenden Wohlstands beschrieben.
2.3. Die Sechzigerjahre, kritische Konsumenten: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel der Konsumgesellschaft durch die junge Generation, Bildungsexpansion und die zunehmende kritische Reflexion materieller Werte.
2.4. Die Siebzigerjahre, Grenzen des Wachstums: Hier werden die Auswirkungen der Ölkrise, das aufkommende Umweltbewusstsein und die Politisierung des Konsums durch Bürgerbewegungen und neue Verkaufskonzepte erörtert.
2.5. Die Achtzigerjahre, Lustkonsum: Das Kapitel beschreibt den Trend zum Erlebnis- und Markenbewusstsein trotz wirtschaftlicher Krisen sowie die wachsende Bedeutung ökologischer Sensibilität beim Konsum.
3. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, wie Konsum in der BRD zum Garanten für Stabilität wurde und zeigt die Verbindung zwischen individuellem Konsumverhalten und gesellschaftspolitischem Fortschritt auf.
Schlüsselwörter
Konsumgeschichte, Bundesrepublik Deutschland, Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftswunder, Massenkonsum, Identität, Wertewandel, Konsumentenverhalten, Individualismus, Umweltbewusstsein, Markenprodukte, Distributionsformen, Politische Partizipation, Wachstumsgrenzen, Lebensstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Konsumgeschichte der Bundesrepublik Deutschland und analysiert die Entwicklung vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Wohlstand, den politischen Rahmenbedingungen wie der Sozialen Marktwirtschaft und dem sich wandelnden Konsumverhalten der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den historischen Prozess zu beleuchten, wie Konsum von einer reinen Bedürfnisbefriedigung zu einem Ausdruck von Individualität und politischer Identität wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Analyse historischer Daten, Literatur und gesellschaftspolitischer Ereignisse, um Trends und Zusammenhänge in der bundesrepublikanischen Konsumgeschichte aufzuzeigen.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Jahrzehnte, wobei er den Wandel vom Nachkriegs-Mangel zum „Wirtschaftswunder“, über die kritischen 60er und 70er Jahre bis hin zum Lustkonsum der 80er Jahre detailliert nachzeichnet.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind hierbei Konsumgeschichte, Soziale Marktwirtschaft, Identitätsbildung, Wertewandel und Konsumentenverhalten.
Warum spielt die Soziale Marktwirtschaft eine so wichtige Rolle für das Konsumverhalten?
Das Modell der Sozialen Marktwirtschaft schuf die notwendigen Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Prosperität, die es breiten Bevölkerungsschichten erst ermöglichte, am Massenkonsum teilzuhaben.
Wie beeinflussten Krisenereignisse das Konsumverhalten der 1980er Jahre?
Ereignisse wie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl führten zu einem bewussteren Konsumverhalten, bei dem Umweltaspekte und ökologische Kriterien zunehmend das Kaufverhalten beeinflussten.
- Arbeit zitieren
- MA Sven Sochorik (Autor:in), 2004, Konsumgeschichte der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132119