Ich will im Rahmen dieser Diplomarbeit dem interessierten Leser einen Einblick in die Welt der Fussballfans ermöglichen und versuchen die Leidenschaft der Fans des First Vienna Football Club 1894 für ihren Verein zumindest teilweise nachvollziehbar zu machen. Postmoderne Gesellschaften sind vor allem durch die „Pluralisierung der Möglichkeiten“ und einer starken Individualisierung, vor dem Hintergrund des Verlusts von traditionellen Sicherheiten, gekennzeichnet. Menschen haben heute kaum noch biographische Fixpunkte, Lebensläufe sind durch einen häufigen Arbeitsplatz- Berufs- und Ortswechsel bestimmt und auch die sozialen Beziehungen sind nur selten von lebenslanger Dauer. Die Bindung an einen bestimmten Fussballverein, bleibt im Gegensatz dazu, aber zumeist über Jahre/Jahrzehnte oder sogar ein Leben lang bestehen und befriedigt das Bedürfnis nach Sicherheit und Beständigkeit. Vor diesem Hintergrund untersuche ich die unterschiedlichen Zugangsarten und Motivdimensionen der Fans und gehe der Frage nach, welchen Stellenwert die Bindung an einen bestimmten Fussballverein im Alltagsleben und für die Identitätsbildung der Fans einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Erkenntnisleitendes Interesse
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Fussballfans – Versuch einer Kategorisierung
2.1 Ausdifferenzierung der Fussballfans
2.2 Motivdimensionen von Fussballfans
2.2.1 Konsumorientierte Fans
2.2.2 Fussballzentrierte Fans
2.2.3 Erlebnisorientierte Fans
3 Jugendliche Fussballfans
3.1 Neudefinition der Jugendphase
3.2 Bedeutungszuwachs der Gleichaltrigengruppe
3.3 Jugendliche Fussballfankultur
3.3.1 Fussballzentrierte jugendliche Fans auf der Suche nach Zugehörigkeit
3.3.2 Hooligans auf der Suche nach Zusammengehörigkeit
4 Aktuelle Entwicklungen im Fussballsport
4.1 Auflösungsprozesse in der Fankultur durch Disziplinierungs- und Kontrollinstanzen
4.2 Auflösungsprozesse in der Fankultur durch die Durchkapitalisierung des Fussballs
4.3 Widerstand gegen die Durchkapitalisierung und zunehmende Kommerzialisierung des Fussballs
5 Individualisierungsthese als Ausgangspunkt meiner Untersuchung
6 Projektbeschreibung
6.1 Ausgangslage
6.2 Kurze Geschichte des First Vienna Football Club 1894
6.2.1 Anfangsjahre (1894 bis 1928)
6.2.2 Die „erfolgreichsten“ Jahre (1929 bis 1945)
6.2.3 Die Vienna in der Zweiten Republik (1945-2007)
6.3 Kategorisierung der Zielgruppe
6.3.1 Zuschauerstruktur im Stadion Hohe Warte
6.3.2 Vienna-Fanblock
6.4 Fragestellung
6.5 Methode
6.5.1 Datenerhebung
6.5.2 Methodologie des narrativen Interviews
6.5.3 Zur Methode des narrativen Interviews
6.5.4 Feldzugang
6.5.5 Datenauswertung
7 Darstellung der empirischen Ergebnisse meiner Untersuchung
7.1 Zugangsarten - Sozialisation zum Viennafan
7.1.1 TYP A: „Institutionell-regionaler Zugang“ – Einstieg über die Nachwuchsmannschaft und dem lokalen Bezug
7.1.2 TYP B: „Vererbter Zugang“ - Einstieg über den Vater
7.1.3 TYP C: „Wahl-Zugang“- Interesse am Verein aufgrund persönlicher Präferenzen
7.2 Kontinuitäten und Brüche in den Fanbiographien
7.2.1 Kein Bruch in der Fanbiographie
7.2.2 Räumlicher Bruch: kein Spielbesuch – bei ungebrochener Identifikation mit dem Verein
7.2.3 Radikaler Bruch in der Fanbiographie und „intensiver Wiedereinstieg“
7.3 Der Weg in den Fanblock (Vom Fan zum „Supporter“)
7.4 Bedeutung des Fussballvereins im Alltagsleben der Fans
7.5 Bedeutung des Vereinsinteresses für die Identitätsbildung der Fans
7.6 Motivdimensionen der Viennafans
7.6.1 Community-Motiv
7.6.2 Exkurs: Fanblock
7.6.3 Fankultur als Motiv
7.6.4 Exkurs: Beziehung zwischen den Fans und dem offiziellen Verein
7.6.5 Spannungsmotiv
7.6.6 Weitere Motive für den Spielbesuch
8 Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des First Vienna Football Club für die Identitätsbildung und den Alltag seiner Fans, um die Leidenschaft für einen Verein in den unteren Spielklassen soziologisch verständlich zu machen. Sie analysiert, wie moderne Individualisierungsprozesse die Bindung an einen Fußballverein in einer "Risikogesellschaft" beeinflussen.
- Sozialisationswege und Zugangsarten zum Fan-Dasein bei der "Vienna"
- Die Rolle der Vereinsbindung im Kontext der Individualisierungsthese
- Transformationen und Kommerzialisierungsprozesse der modernen Fußballfankultur
- Bedeutung des Stadions als identitätsstiftender Raum und "Fanblock" als soziale Gemeinschaft
- Motivdimensionen für den regelmäßigen Stadionbesuch (Community, Spannung, Tradition)
Auszug aus dem Buch
7.1.1 TYP A: „Institutionell-regionaler Zugang“ – Einstieg über die Nachwuchsmannschaft und dem lokalen Bezug
Die Fan-Sozialisation von Typ A ist einerseits gekennzeichnet durch einen starken lokalen Bezug, sprich die Befragten wuchsen in unmittelbarer Nähe des Stadions Hohe Warte im neunzehnten Bezirk auf und andererseits durch eine frühe institutionelle Bindung an den Verein aufgrund ihrer Involvierung als Nachwuchsspieler bei der Vienna. Drei Befragte kann man diesen Typus zuordnen. Alle drei Befragten spielten schon im Volksschulalter beim Verein.
Des war halt mit 6 Jahren, also erste Volksschule (1) und weißt eh mit 6 Jahren keine Ahnung der Ball is halt lustig und gehst halt hin, i mein du kennst halt alle vom vom Käfig die spielen alle dort na gehst halt a hin. Eltern hatten a nix dagegen (1) ja und so bin ich aufd Hohe Warte kommen und war dort dann 7 Jahre im Nachwuchs (1) u n d (1) Ballschani und und alles Mögliche und i mein als Kind, als Kind weißt ja noch nicht für was du Fan bist und was dich interessiert und was der Verein so bedeutet, aber du spielst halt dort und du kennst halt die die Erste Mannschaft und du triffst die dauernd und und natürlich gehst auf die Match und feuerst das an und freust dich (1) u n d ja so hat das ganze dann begonnen und nach 7 Jahren dann halt als als Spieler, als Nachwuchsspieler geendet, aber als Fan halt nicht. (lacht) Der is mir geblieben .
Eine zentrale Rolle spielt hier nicht nur das Spielen im Nachwuchs selbst, sondern auch das Besuchen der Spiele der Ersten Mannschaft und die Tätigkeit als sogenannter „Ballschani“; einer gängigen Praxis der Vereine, bei den Spielen der Kampfmannschaft die Nachwuchsspieler dafür einzusetzen. Alle drei Befragten erwähnen in ihren Erzählungen diese Tätigkeit und knüpfen daran zahlreiche Erinnerungen an spannende Spiele und herausragende Spieler aus dieser Zeit, was die identitätsstiftende Komponente dieser Funktion unterstreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die zentrale Stellung des Fußballs in der modernen Gesellschaft und führt in die spezifische Untersuchung der Fans des First Vienna Football Club ein.
2 Fussballfans – Versuch einer Kategorisierung: In diesem Kapitel werden theoretische Konzepte zur Einteilung der heterogenen Masse der Fußballfans anhand ihrer unterschiedlichen Motive diskutiert.
3 Jugendliche Fussballfans: Hier wird der Kontext jugendlicher Subkulturen und die Bedeutung der Peer-Groups im Rahmen der Individualisierungsthese sowie der Wandel der Fankultur erörtert.
4 Aktuelle Entwicklungen im Fussballsport: Dieses Kapitel thematisiert die Disziplinierung durch Kontrollinstanzen sowie die Folgen der zunehmenden Durchkapitalisierung für die traditionelle Fankultur.
5 Individualisierungsthese als Ausgangspunkt meiner Untersuchung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Individualisierung und ihre Auswirkungen auf Lebensstile und Vereinsbindungen zusammengeführt.
6 Projektbeschreibung: Dieses Kapitel stellt das Forschungsdesign, die Geschichte des Vereins und die methodische Vorgehensweise (narrative Interviews) der empirischen Studie vor.
7 Darstellung der empirischen Ergebnisse meiner Untersuchung: Der Hauptteil präsentiert die Analyse der Fan-Biographien, Zugangsarten sowie die Bedeutung des Vereins für Alltag und Identität der Vienna-Fans.
8 Nachwort: Das Nachwort zieht ein persönliches Resümee der Forschungsarbeit und würdigt die Unterstützer sowie die Bedeutung der Vienna-Fans für das Projekt.
Schlüsselwörter
Vienna, First Vienna Football Club, Fankultur, Fußballsoziologie, Fanblock, Individualisierung, Identitätsbildung, Motivdimensionen, narrative Interviews, Hohe Warte, Fußballfans, soziale Identität, Stadionerlebnis, Fanbiographie, Fan-Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht soziologisch, welche Bedeutung der First Vienna Football Club für das Alltagsleben und die Identitätskonstruktion seiner Fans hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Fan-Sozialisation, die Bedeutung von Fußballvereinen in der Risikogesellschaft sowie der Einfluss von Kommerzialisierung auf gewachsene Fankulturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Leidenschaft der Vienna-Fans "von innen heraus" verständlich zu machen und zu analysieren, wie Vereinsbindung zur Identitätsbildung in einer durch Individualisierung geprägten Zeit beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die qualitative Sozialforschung, insbesondere das narrative Interview mit sechs Fans aus dem Fanblock, ergänzt durch eine teilnehmende Beobachtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Zugangsarten zum Verein, die Brüche und Kontinuitäten in den Fanbiographien sowie die zentralen Motivdimensionen wie Community und Spannung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Fankultur, Vienna-Fanblock, Individualisierung, soziale Identität, Fanbiographie und Vereinsbindung charakterisieren.
Was zeichnet die Vienna-Fankultur laut dem Autor besonders aus?
Der Autor betont den "positiven Support", die humorvolle Selbstironie, die bewusste Abgrenzung von Gewalt und die freundschaftliche Beziehung zu anderen Vereinen wie dem Wiener Sportklub.
Welche Bedeutung hat der "Fanblock" für die befragten Anhänger?
Der Fanblock fungiert als temporärer Gemeinschaftsraum und Ort für das "Sich-ausleben", der Sicherheit, Beständigkeit und ein kollektives "Wir-Gefühl" abseits des Alltags bietet.
- Citation du texte
- Daniel Hinteregger (Auteur), 2008, „Blau-gelb ist mein Herz, ich sterb in Döbling“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132134