Die Besonderheiten der spanischen Hörfunkkommunikation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

29 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Kommunikationssituation im Radio

3. Die spanische Radiosprache
3.1. Das Radio als Medium
3.2. Phonetische Besonderheiten
3.3. Morphosyntaktische Besonderheiten
3.4. Lexikalische Besonderheiten der spanischen Radiosprache

4. Sendeformen des Radios
4.1. Nachrichten
4.2. Bericht
4.3. Live-Reportage
4.4. Radiointerview – Theorie und Realität einer Sendeform
4.4.1. Das Radiointerview in der Theorie
4.4.2. Das Radiointerview in der Realität

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Radio ist ein rein akustisches Massenmedium. Aus dieser trivial anmutenden Tatsache ergeben sich jedoch besondere Kommunikationsbedingen, damit die Botschaft beim Rezipienten in gewünschter Form ankommt. Ziel dieser Arbeit ist daher, die sprachlichen Besonderheiten der spanischen Radiokommunikation herauszuarbeiten.[1] Es geht folglich um die Frage, wie das Spanische im Radio “beschaffen“ sein muss, damit der Kommunikationsprozess zwischen Akteur und Rezipienten über das Medium Radio funktionieren kann. Über die Beschreibung einer solchen idealen Radiokommunikation möchte ich die generellen Charakteristiken der Sprache des Radios herausarbeiten.

Den Anfang macht hierbei die Darstellung der Besonderheiten des Radios als mündliches Medium, vor allem in Abgrenzung zur schriftlich fixierten Sprache des Printjournalismus. Die Art und Weise etwa, wie etwas im Radio gesagt wird, also die Aussprache, die Sprechweise, das Sprechtempo etc. spielen für die Verständlichkeit der Botschaft eine wichtige Rolle, woraus sich z.B. phonetische sowie lexikalische Besonderheiten bzw. besondere Anforderungen an die Morphosyntax ergeben. Im Anschluss an die Analyse dieser sprachlichen Besonderheiten möchte ich noch einen kurzen Überblick über die verschiedenen Darstellungs- und Sendeformen des Radios, sprich dessen Textsorten geben. Denn es ist klar, dass beispielsweise Nachrichten sprachlich anders gestaltet sein müssen als eine Reportage oder eine Musiksendung. Der Unterschied zwischen Theorie, d.h. wie die verschiedenen Sendeformen sprachlich gestaltet sein sollten, und der Realität im Radioalltag soll beispielhaft anhand der Analyse eines Radiointerviews verdeutlicht werden. Ein kurzer Ausblick bezüglich der Verantwortung des Radios für die Sprachnivellierung seiner Hörer schließt die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Analyse ab.

2. Die Kommunikationssituation im Radio

Am Kommunikationsprozess des Radios wirken stets drei Beteiligte mit: der Akteur (also derjenige, über den berichtet wird (z.B. ein Politiker, eine Fußballmannschaft etc.), der Kommunikator (also die Radiostation, die über den Akteur bzw. die Akteure berichtet und sie kommentiert) und der Rezipient (also der Hörer, an den sich die Botschaften des Radios richten). Es wird deutlich, dass es sich dabei nicht um fest abgrenzbare Größen, und schon gar nicht um Einzelpersonen handelt. Der Rezipient ist sowohl der einzelne Hörer, als auch die Gesamtheit aller Hörer, die das Medium nutzen. Beim Kommunikator bzw. Akteur verhält es sich ähnlich: auf konkreter Ebene agieren Redakteure oder Moderatoren, die generell in ihrer Tätigkeit an die gesellschaftliche wie auch politisch-ideologische Positionierung des Senders in der Medienlandschaft gebunden sind. Auch die Akteure interessieren nicht nur als Individuen, sondern vor allem in ihrer Funktion als Vertreter einer Institution, sozialen oder politischen Gruppierung etc. Die öffentliche Kommunikation des Radios findet also sowohl auf einer konkreten, individuellen als auch auf einer abstrakten Ebene statt.[2] Dieser Sachverhalt macht – wie sich im weiteren Verlauf dieser Arbeit zeigen soll – die Kommunikationssituation komplex und führt zu charakteristischen Phänomenen.

3. Die spanische Radiosprache

3.1. Das Radio als Medium

Das Radio ist ein Medium des Sprechens: An dieser Stelle möchte ich daher die wichtigsten medialen sowie konzeptionellen Merkmale mündlicher Sprache wiederholen und hierbei untersuchen, inwieweit diese für das Radio zutreffen. Im Normalfall ist die gesprochene Sprache nicht für eine breite, anonyme Öffentlichkeit bestimmt, sondern richtet sich an einen bestimmten, unmittelbaren Empfänger oder einen bestimmten Empfängerkreis. Die modernen audiovisuellen bzw. auditiven Medien, zu denen ja auch das Radio gehört, bilden hierbei eine absolute Sonderform. Denn in dieser Massenkommunikation wird der direkte Augen- und Ohrenkontakt durch einen technischen Apparat ersetzt: Für den Rezipienten ist der Kommunikator folglich keine einsehbare Größe. Umgekehrt ist auch der Rezipientenkreis nicht direkt und unmittelbar erfassbar. Daher stellt sich die Frage, inwieweit man bei der Sprache des Radios überhaupt von wirklicher Mündlichkeit sprechen kann.

Gesprochene Sprache wird von medialen Faktoren, situationalen Faktoren und sozialen Faktoren geprägt. Einer der wichtigsten medialen Faktoren ist die Intonation, die prägnante textgestaltende Funktionen innerhalb der gesprochenen Sprache besitzt. So kann der Sprecher beispielweise durch die Betonung eine Äußerung gliedern, während der Rezipient z.B. dadurch die Satzart einer Äußerung erkennen kann. Vor allem für die spanische Sprache ist die Betonung einer Äußerung von großer Wichtigkeit, denn im Spanischen fehlen verlässliche morphosyntaktische Erkennungszeichen zur Bestimmung der Satzarten. Die Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Satzarttypen leistet daher oft allein die Intonation. So kann ein und derselbe Satz ausschließlich durch die Art der Betonung ein Aussage-, Ausrufe- oder Fragesatz sein. Darüber hinaus zählt die Intonation zu den klassischen Ironiemarkern, d.h. durch die Art der Betonung kann eine Aussage als ironisch interpretiert werden. Des weiteren kann durch die Betonung (z.B. durch Frageintonation) angezeigt werden, dass ein Sprecher das Rederecht abgibt und der andere Sprecher nun reden kann.[3] Diese Funktion des Turn-takings fällt in bezug auf den Rezipienten normalerweise in der Radiokommunikation weg, da sich der Radiosprecher zumeist monologisch an seine Zuhörer richtet, d.h. letztere in dieser Hinsicht nicht aktiv am Kommunikationsprozess beteiligt sind. Ausnahmen, in denen es auch in der Radiokommunikation Turn-taking gibt, sind beispielsweise Sendungen, an denen die Zuhörer per Telefon aktiv mitwirken, Radio-Interviews oder auch Sendungen, die zwei oder mehr Radiomoderatoren gestalten. Abschließend kann die Intonation auch Emotionalität, Expressivität und Emphase anzeigen, d.h. durch die Art der Betonung können einzelne Satzelemente aus emotional-expressiven Gründen emphatisch hervorgehoben werden. Die Intonation ist also eines der wichtigsten Mittel der mündlichen Sprache, um Sprecherintentionen und -einstellungen auszudrücken, was jedoch durch dessen Nähe zum paralinguistischen Bereich wiederum besonders schwierig zu erfassen und zu analysieren ist.[4]

Zu den genannten medialen Faktoren kommen situationale Faktoren. Einer dieser Faktoren ist die zeitliche Nähe bzw. Synchronie, was auf die Produktionsbedingen gesprochener Sprache zurückzuführen ist. Denn authentische mündliche Sprache wird spontan geäußert und direkt rezipiert. Dadurch entstehen charakteristische Bedingungen für den Sprecher wie den Hörer: Der Sprecher kann das Gesagte nicht wieder “löschen“, er kann sich nur korrigieren; für den Hörer dagegen bedeutet die Unmittelbarkeit gesprochener Sprache, dass der Prozess des Verstehens direkt erfolgen muss. Denn wenn er etwas nicht verstanden hat, kann er nicht – wie bei etwas schriftlich Vorliegendem wie einem Zeitungstext – zurückblättern. Aus diesem Grund gibt es in der gesprochenen Sprache – im Gegensatz zur Schriftsprache – die Möglichkeit zur Rückfrage (z.B. durch ¿por qué?, ¿cómo? etc.). Zudem kann sich der Sprecher durch sogenannte Question-Tags wie ¿no?, ¿sabes? oder Imperative wie mira, escucha etc. rückversichern, ob das Gesagte in gewünschter Form beim Hörer angekommen ist (abgesehen von der phatischen Funktion dieser Elemente).[5] Bei der Sprache des Radios ist durch die tendenziell monologisch ausrichtete Struktur die Situation eine andere: Der Hörer kann nicht nur nicht zurückblättern, wenn er etwas nicht verstanden hat, er kann auch keine Rückfragen stellen. Diese Umstände erfordern somit ganz besondere Bedingungen an die Sprache, auf die ich später noch genauer eingehen werde.

Weitere Kennzeichen gesprochener Sprache, die man auf die spontane Textproduktion zurückführen kann, sind fehlerhafte Realisierungen des Sprachsystems. Dazu gehören Fehlstarts, Selbstkorrekturen, Satzabbrüche, Hesitations- und Überbrückungsphänomene (wie hm, eh), Kongruenzschwächen, überwiegend parataktischer Satzbau und Gliederungssignale (Einleitungssignale wie pues, Fortsetzungssignale wie y, y entonces, Schlusssignale wie o sea, y todo).[6] All diese Merkmale authentischer mündlicher Sprache findet man bei der Sprache des Radios nur in eingeschränkter Form vor. Denn die meisten Radiotexte haben eine schriftliche Grundlage, und werden somit nicht spontan produziert. Zudem ist einem Radiomoderator stets bewusst, zu einem größeren Zuhörerkreis, also öffentlich, zu sprechen, wodurch er viel mehr auf seine Ausdrucksweise achtet als beispielsweise bei einer Privatunterhaltung. Aus diesen Gründen sind in der gesprochenen Sprache im Radio viel weniger der oben genannten Fehler mündlicher Sprache zu beobachten, die auf der Spontaneität ihrer Produktion beruhen. Natürlich ist die Sprache des Radios, trotz der oftmals vorliegenden schriftlichen Grundlage, medial gesehen gesprochen, d.h. von einem Sprecher artikuliert, und somit können die oben genannten Phänomene auch dort vorkommen: z.B. bei freier Moderation. Aus den bereits erwähnten Gründen ist dies jedoch eher die Ausnahme, da die Sprache konzeptionell in den Bereich der Schriftlichkeit rückt.

Ein weiterer situationaler Faktor der gesprochenen Sprache ist die referentielle Nähe. Durch die in der Regel vorliegende räumliche und zeitliche Unmittelbarkeit der Kommunikationspartner zueinander ist die Verwendung von Deiktika im Normalfall problemlos möglich. So werden Lokaladverbien (wie aquí, ahí, allí, allá, acá), Proformen für Personen und Dinge (wie ése, éste) sowie Zeitadverbien (wie hoy, ayer, mañana) in der gesprochenen Sprache häufig verwendet – oftmals noch mit verstärkenden Zeigegesten – und vom Hörer so zumeist auch ohne Schwierigkeiten verstanden.[7] Die Sprache im Radio bildet auch diesbezüglich einen Sonderfall. Denn bei der Radiokommunikation teilen sich die Kommunikationspartner nicht das gleiche Gesichtsfeld: Die Verwendung von Lokaldeiktika ist somit problematisch. Durch die räumliche Distanz sind zumeist genauere Beschreibungen notwendig, damit die Botschaft beim Hörer wie gewünscht ankommt. So kann ein Außenreporter beispielsweise nicht einfach sagen „ Estoy aquí “, sondern muss vielmehr seinen genauen Standort benennen „ Estoy aquí, directamente delante del Palacio Real en Madrid “, damit die Kommunikation erfolgreich sein kann. Die Verwendung zeitlicher Deiktika funktioniert jedoch auch bei der Radiokommunikation ohne Probleme, da die Kommunikationspartner trotz der räumlichen Entfernung einen gemeinsamen zeitlichen Bezugspunkt haben.

Schließlich gibt es noch soziative Faktoren, welche ebenfalls die Besonderheiten der authentischen gesprochenen Sprache ausmachen. Denn der Sprecher-Hörer-Bezug, wie z.B. die soziale Stellung bzw. die Beziehung der Kommunikationspartner zueinander, hat Auswirkungen auf den Gesprächsverlauf, die Textgestaltung und äußert sich in einzelnen sprachlichen Ausdrucksmitteln wie Anredeformen, pragmatischen Partikeln, Höflichkeitsfloskeln etc. Zu den soziativen Faktoren gehört beispielsweise die emotionale Emphase, bei der durch die Intonation einzelne Wörter (durch Intonation) oder gar die Gesamtaussage des Sprechakts (durch Lautstärke) verstärkt werden. Somit entsteht eine Abweichung von einer sachlich-neutralen Ausdrucksweise.[8] Emotionale Emphase tritt in der Radiokommunikation eher selten auf, da der Radiosprecher a priori eine neutrale Position innehat, und aus diesem Grund kaum seine persönliche Meinung äußert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Sprache im Hörfunk lediglich medial gesehen zweifelsohne mündlich ist, jedoch konzeptionell in der Hauptsache stark davon abweicht: Sie bewahrt viele Merkmale geschriebener Sprache. So unterscheidet sich der Stil von Radiomanuskripten, welche ja Grundlagen der gesprochenen Aussagen sind, kaum vom Zeitungs- oder Buchstil. Aus diesem Grund wird die Sprache des Radios häufig als sekundäre Oralität bezeichnet, also als eine Mündlichkeit, die in der Schriftkultur neu entwickelt wurde. Dieser Begriff bezog sich ursprünglich auf von Autoren gesprochene Informationsbeiträge, die jedoch auf der Basis schriftlichen Recherchematerials entstanden sind, und denen man dies auch deutlich anmerkt.[9] Für das Medium des Radios mit all seinen vielfältigen Sprachformen – von offiziöser, agenturnaher Nachrichtensprache bis hin zur eher spontanen, umgangssprachlichen Moderation von Jugendmagazinen – müsste dieser Begriff jedoch etwas genauer definiert werden: Er ist für das breite Spektrum des Radios etwas zu allgemein. Man kann aber sagen, dass all diesen verschiedenen Sprachformen vor allem das Wissen gemein ist, zu einem großen Zuhörerkreis zu sprechen. Denn die Sprache des Radios – so spontan sie auch klingen mag – ist immer im Bewusstsein der Veröffentlichung produziert und damit auch traditionell stark an der Schriftlichkeit orientiert. Zudem ist aber auch die Orientierung an den für öffentliches Sprechen üblichen akustischen Formen, zu denen Stimmgebung, Artikulation und Sprechtempo gehören, von großer Bedeutung. Auf diese Besonderheiten der Sprache des Radios, welche vor allem im phonetischen, morphsyntaktischen und lexikalischen Bereich liegen, werde ich nun im Folgenden eingehen.

3.2. Phonetische Besonderheiten

Auch wenn viele Radiotexte schriftlich in einem Manuskript festgehalten sind, bekommen diese ihre endgültige Gestalt erst durch die Stimme, die sie vorträgt. Zu dem gesprochenen Wort kommen oft noch eine Reihe akustischer Signale wie Musik oder Geräusche, die auch vielseitig in Radioproduktionen eingesetzt werden. Jedoch gewinnen diese erst dann journalistische Aussagekraft, wenn sie in einen sprachlichen Kontext gesetzt werden. Dies bedeutet, dass Geräusche und Musik erst dann Bedeutung erlangen, wenn sie in einem verbalen Rahmen stehen, der diese einführt und/oder erklärt.[10] Auf diese nonverbalen phonetischen Merkmale der Radiosprache möchte ich jedoch in dieser Arbeit nicht tiefer eingehen, sondern mich allein auf die verbalen Mittel des Radios beschränken. Wie bereits erwähnt erfordert der rein akustische Charakter des Radios ganz besondere phonetische Merkmale. Denn während sich beispielsweise Moderatoren im Fernsehen durch ihre Gesichter, durch ihnen eigene Mimik und Gestik voneinander unterscheiden, bekommen die Radiosprecher ihre Konturen über ihre Stimme und deren Einsatz, also die Sprechweise. Im Fernsehen reicht ein Blick in die Kamera aus, um den Kontakt zum Rezipienten zu intensivieren, der Radiosprecher muss dazu mit der Stimme arbeiten, beispielsweise indem er die Sprechweise oder die Lautstärke ändert. Die Stimme des Radiomoderators ist also sein wichtigstes Werkzeug bei der Vermittlung einer Botschaft. Dass die Radiokommunikation nur auf den akustischen Kanal beschränkt ist, kann jedoch auch ein Vorteil sein. Der Rezipient kann sich allein auf den Vorgang des Hörens konzentrieren und die intendierte Botschaft läuft somit nicht Gefahr, von anderen, gleichzeitig gesendeten Informationen Konkurrenz zu bekommen. So kann der Radiohörer nicht wie beim Fernsehen durch eine Ton-Bild-Schere irritiert werden.[11]

Vor diesem Hintergrund soll nun untersucht werden, welche phonetischen Besonderheiten die Radiosprache erfordert. Um einen Radiotext gut zu sprechen, sollte ein Radiosprecher zunächst Grundkenntnisse in den Bereichen Atmung, Stimmbildung und Artikulation haben. Dies ist vor allem für die Interpretation eines Radiotextes wichtig. Denn alleine durch die Stimme sowie die Art und Weise, wie diese eingesetzt wird (also Intonation, Sprechtempo etc.) wird das Verständnis eines Textes beeinflusst. Zudem ist das radiophone Wort laut Klippert (1977: 85) „Sozietät stiftend“: An der Stimme kann der Hörer erkennen, ob der Sprecher monologisiert oder sich an eine zweite Person richtet. Darüber hinaus liefert die Stimme auch Informationen über den räumlichen und situativen Kontext. Für all diese Faktoren ist ein geübter Umgang mit der eigenen Stimme notwendig.

Die phonetische Realisation eines Radiotextes bewegt sich auf verschiedenen Ebenen wie beispielsweise der temporalen und melodischen Gestaltung. Durch die temporale Gestaltung, zu der Längen- und Kürzenverhältnisse sowie Tempovariationen zählen, entstehen Sinnschritte, an denen der Zuhörer die Strukturelemente des Radiotextes erkennen kann. Durch die melodische Gestaltung erfolgt eine weitere Interpretation dieser Sinnschritte. So kann eine Passage durch die Art der Betonung und durch die Satzmelodie einleitend oder abschließend, feststellend oder fragend gesprochen werden. Die melodische Gestaltung bestimmt zudem, welches Wort betont wird, wodurch das Wichtigste, Neueste in einem Gedankenabschnitt markiert wird. Eine unterschiedliche Gewichtung dieser verschiedenen phonetischen Ausdrucksmittel führt zu bestimmten Sprechstilen. So überwiegt beispielsweise beim Sprechen von Nachrichten oftmals die temporale Gestaltung gegenüber der melodischen. Das bedeutet, dass mehr mit Zäsuren und weniger mit Tonvariationen gearbeitet wird, was eine neutrale Haltung des Sprechers suggeriert. Im Begleitprogramm hingegen wird tendenziell mit Sprachmelodie gearbeitet, um so eine unterhaltsamere, persönlichere Wirkung zu erreichen.[12]

Außerdem ist auf lautlicher Ebene auch noch wichtig, dass die Radiosprecher die phonetischen Normen der Standardsprache beachten und nicht dialektal geprägte Aussprachearten verbreiten. Denn dieser Aspekt hat einen großen Einfluss auf die Sprachnivellierung seiner Zuhörer, was sich jeder Moderator auch stets bewusst machen sollte. Manuel Seco sagt hierzu: „[...] los periodistas de los medios radiofónicos y televisuales tienen como responsabilidad específica respecto al uso de la lengua el de mantener y difundir las convenciones fónicas de nuestro idioma.“ (Romero Gualda (2000 : 28). Natürlich gibt es auch Lokalsender, die auf eine bestimmte Region (z.B. Andalusien) ausgerichtet sind, und deren Moderatoren aus diesem Grund bewusst dialektal sprechen. Dies sollte jedoch eher eine Ausnahme sein. Vor allem überregionale Sender, die auch die meisten Zuhörer haben, sollten um eine Aussprache bemüht sein, die der phonetischen Norm der Standardsprache entspricht. Wie jedoch María Romero Gualda feststellt, bemühen sich immer weniger Radio- und Fernsehmoderatoren um eine korrekte Aussprache und präferieren stattdessen eine affektierte Art der Betonung, die sie wie folgt beschreibt:

[...]


[1] An dieser Stelle ist anzumerken, dass es diesbezüglich bisher wenig Forschung gibt. Denn dadurch, dass die Radiosprache zumeist nicht schriftlich festgehalten ist, und da es zudem viele unterschiedliche Radiosender in Spanien gibt, ist eine umfassende Untersuchung der Sprache des spanischen Radios schwierig – eine solche umfassende Untersuchung strebe ich aus diesem Grund auch nicht an.

[2] Häusermann, Jürg: Radio. S. 3f.

[3] Koch, Peter; Oesterreicher, Wulf: „Gesprochene Sprache und geschriebene Sprache“, S. 235ff.

[4] Weitere mediale Faktoren bilden Mimik, Gestik und Proxemik. Auf diese nonverbalen Faktoren möchte ich jedoch an dieser Stelle nicht weiter eingehen, da sie bei einer rein akustischen Kommunikation wie der des Radios nicht vorkommen.

[5] Koch, Oesterreicher (1992), S. 241.

[6] Ibid., S. 241ff.

[7] Ibid., S. 243.

[8] Ibid., S. 244-248.

[9] Häusermann (1998), S. 62f.

[10] Ibid., S. 59.

[11] Ibid., S. 64.

[12] Ibid., S. 60ff.

Häusermann, Jürg; Käppeli, Heiner: Rhetorik für Radio und Fernsehen. S. 72-79.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Besonderheiten der spanischen Hörfunkkommunikation
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar Spanische Linguistik: "El español de hoy"
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
29
Katalognummer
V132160
ISBN (eBook)
9783640382545
ISBN (Buch)
9783640382873
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Interessante Hauptseminararbeit über linguistische Aspekte der spanischen Hörfunkkommunikation (Inklusive praktischem Teil: Analyse eines Radiointerviews mit dem spanischen Nationaltrainer Luis Aragonés)
Schlagworte
Spanisch, Linguistik, Radio, Hörfunkkommunikation
Arbeit zitieren
Nina Armbruster (Autor), 2008, Die Besonderheiten der spanischen Hörfunkkommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132160

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