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Die Fischer-Kontroverse als Teil der Vergangenheitsbewältigung

Title: Die Fischer-Kontroverse als Teil der Vergangenheitsbewältigung

Seminar Paper , 2009 , 14 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Elisabeth Sandhaus (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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In den frühen 1960er Jahren löste der Hamburger Historiker Fritz Fischer mit seiner Monographie „Der Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18“ eine der heftigsten Debatten in der deutschen Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit aus. Seine bis dahin revolutionären Thesen, die das Deutsche Reich zum Hauptschuldigen für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges machten, beschäftigten über einen langen Zeitraum die nationalen und teilweise sogar internationalen Medien; auch die Politik setzte sich mit der Debatte um Fritz Fischer und seiner Publikation auseinander.
Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wie ein wissenschaftliches Buch sowohl in der Wissenschaft selbst als auch in der breiten Öffentlichkeit eine derart leidenschaftliche Kontroverse auslösen konnte. Warum waren Fischers Thesen für das deutsche Volk so brisant?
Zur Beantwortung dieser Frage sind zunächst die äußeren Umstände des 1960er-Jahre-Deutschlands zu untersuchen. Was ging zu dieser Zeit in den Köpfen der Deutschen vor? Welche Rolle spielte das Ende des Zweiten Weltkrieges? Wie ging die Bevölkerung mit dem Bau der Mauer 1961 – dem Jahr der Veröffentlichung von Fischers Monographie – um?
In dieser Arbeit soll erörtert werden, inwiefern die Fischer-Kontroverse als Teil der Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands zu verstehen ist, bzw. wie und in welchem Maße diese Kontroverse zur Vergangenheitsbewältigung beitrug.
Sowohl eine Zusammenfassung der wichtigsten Thesen Fischers und der seiner Kontrahenten als auch die Darstellung des Verlaufs der Kontroverse sollen einen Überblick über die Thematik verschaffen. Anschließend wird auf die Situation in den frühen 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland eingegangen, um danach zu den Gründen für die Auslösung dieser Kontoverse zu gelangen. Ein weiteres Kapitel widmet sich schließlich einer Untersuchung der Auswirkungen dieser Kontroverse und wie diese zur Vergangenheitsbewältigung des Nationalsozialismus in West-Deutschland beigetragen haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kontroverse

3. Reaktionen der Deutschen und Ursachen für die Kontroverse

4. Die Fischer-Kontroverse im Zusammenhang mit der Vergangenheitsbewältigung und die resultierenden Effekte der Diskussion

5. Fazit

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Einfluss der sogenannten "Fischer-Kontroverse", ausgelöst durch Fritz Fischers Monografie "Der Griff nach der Weltmacht", auf die westdeutsche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und die Formung eines neuen nationalen Selbstverständnisses in den frühen 1960er Jahren.

  • Analyse der Thesen Fritz Fischers zum Ersten Weltkrieg
  • Untersuchung der gesellschaftlichen und historischen Rahmenbedingungen in der frühen Bundesrepublik
  • Darstellung des intellektuellen und medialen Meinungsstreits um das NS-Geschichtsbild
  • Evaluation der Rolle der Kontroverse im Prozess der "Vergangenheitsbewältigung"

Auszug aus dem Buch

2. Die Kontroverse

Die Debatte begann mit der Veröffentlichung der Monographie „Griff nach der Weltmacht“ und erreichte ihren Höhepunkt im Jahre 1964. Bereits 1959 hatte Fischer seine grundlegenden Thesen in einem Aufsatz der Historischen Zeitschrift veröffentlicht. Diesem Aufsatz folgte zwei Jahre später Fischers Aufsehen erregender „Griff nach der Weltmacht“.

In diesem knapp 900-Seiten-starken Werk wiederholte Fischer zunächst die Thesen seines Aufsatzes von 1959, nämlich zum einen die Annahme, dass Deutschland sich durch die Zurückdrängung Frankreichs und Russlands eine langfristige Weltmachtstellung sichern wollte, und zum anderen, dass diese Weltmachtpolitik von breiten Gesellschaftsschichten bis in die Reichsregierung hinein reichte. Darüber hinaus stellte Fischer seine Ergebnisse akribischer Untersuchungen neuer Quellen vor, aus denen er schlussfolgerte, dass das deutsche Kaiserreich – entgegen der bisherigen Theorie des reinen Verteidigungskrieges – schon zu Kriegsbeginn weitreichende Kriegsziele formuliert hatte.

Dabei stützte er sich auf das sogenannte „Septemberprogramm“ Bethmann Hollwegs (damaliger Reichskanzler). Diese neuen Hypothesen in Fischers Werk lauteten, dass dieses Weltmachtstreben noch in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück reichte und gleichzeitig weit über die Zeit des Krieges hinaus ging. Diese Kontinuitätstheorie stellte die Thematik in einen größeren historischen Zusammenhang und knüpfte damit eine Verbindung zwischen dem Weltmachtstreben im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. In seinem Werk kam Fischer zu dem Schluss, dass Deutschland mit der bewussten Inkaufnahme einer militärischen Auseinandersetzung mit Russland „einen erheblichen Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch des allgemeinen Krieges“ trage.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fischer-Kontroverse ein und erläutert die Zielsetzung, die Bedeutung des Historikers Fritz Fischer für die Geschichtswissenschaft und die zentralen Fragestellungen der Arbeit zur Vergangenheitsbewältigung.

2. Die Kontroverse: Dieses Kapitel stellt die zentralen Thesen aus Fischers Werk „Griff nach der Weltmacht“ vor, insbesondere seine Kontinuitätstheorie bezüglich der deutschen Kriegsziele zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.

3. Reaktionen der Deutschen und Ursachen für die Kontroverse: Hier wird der historische Kontext der frühen 1960er Jahre analysiert und erklärt, warum Fischers Thesen aufgrund des damals vorherrschenden „apologetischen“ Geschichtsbildes eine derart leidenschaftliche und ablehnende Reaktion hervorriefen.

4. Die Fischer-Kontroverse im Zusammenhang mit der Vergangenheitsbewältigung und die resultierenden Effekte der Diskussion: Dieses Kapitel untersucht, wie die Kontroverse den Übergang von einer abwehrenden Vergangenheitsbewältigung hin zu einer kritischen Aufarbeitung der NS-Zeit maßgeblich beeinflusst hat.

5. Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Frage der Arbeit und kommt zu dem Schluss, dass Fischer mit seinem Tabubruch einen entscheidenden Anstoß für eine tiefgreifende kritische Selbstreflexion der Deutschen gab.

6. Literatur: Das Literaturverzeichnis führt alle verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Dokumente auf, die der Arbeit zugrunde liegen.

Schlüsselwörter

Fischer-Kontroverse, Fritz Fischer, Erster Weltkrieg, Geschichtswissenschaft, Vergangenheitsbewältigung, Griff nach der Weltmacht, Bundesrepublik Deutschland, Nationalsozialismus, Kontinuitätstheorie, Historikerkontroverse, Weltmachtpolitik, Geschichtsbild, NS-Diktatur, Erinnerungskultur, Aufarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Historikerstreits um Fritz Fischers Thesen zum Ersten Weltkrieg auf die westdeutsche Gesellschaft in den 1960er Jahren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die deutsche Kriegszielpolitik, das konservative Geschichtsbild der Nachkriegszeit sowie der Prozess der nationalen Vergangenheitsbewältigung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll erörtert werden, inwiefern die Fischer-Kontroverse zur kritischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in West-Deutschland beigetragen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die den damaligen wissenschaftlichen Diskurs sowie zeitgenössische Reaktionen in der Öffentlichkeit einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Darstellung der Fischer-Thesen, die Ursachenforschung für die heftigen Reaktionen darauf sowie die Auswirkungen der Debatte auf das kollektive Bewusstsein.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fischer-Kontroverse, Vergangenheitsbewältigung, Kontinuitätstheorie und das apologetische Geschichtsbild der frühen Bundesrepublik.

Warum löste das Buch von Fritz Fischer eine solche Empörung aus?

Fischer brach mit der bis dahin vorherrschenden Lehrmeinung, Deutschland sei in den Ersten Weltkrieg "hineingeschlittert", und unterstellte stattdessen ein gezieltes deutsches Weltmachtstreben.

Was meinte Fischer mit der "Kontinuitätstheorie"?

Fischer sah eine direkte Verbindungslinie zwischen den deutschen Kriegszielen im Ersten Weltkrieg und dem Expansionsstreben des Nationalsozialismus unter Hitler.

Inwiefern beeinflusste die Kontroverse die Identität der Bundesrepublik?

Die Debatte zwang die Deutschen, sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, was den Weg für eine neue, selbstbewusstere Identität jenseits alter Machtansprüche ebnete.

Was versteht die Autorin/der Autor unter einem "Betriebsunfall" in der Geschichte?

Dies ist eine Metapher für die apologetische Sichtweise, die die NS-Zeit als eine singuläre Ausnahme von der ansonsten "guten, alten" deutschen Geschichte betrachtete.

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Details

Title
Die Fischer-Kontroverse als Teil der Vergangenheitsbewältigung
College
University of Osnabrück  (Neueste Geschichte/ IMIS)
Course
Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit? Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland
Grade
1,1
Author
Elisabeth Sandhaus (Author)
Publication Year
2009
Pages
14
Catalog Number
V132166
ISBN (eBook)
9783640382569
ISBN (Book)
9783640382897
Language
German
Tags
Fischer-Kontroverse Teil Vergangenheitsbewältigung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabeth Sandhaus (Author), 2009, Die Fischer-Kontroverse als Teil der Vergangenheitsbewältigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132166
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