In dieser Abschlussarbeit wird soziale Deprivation als Ursache für die Übernahme antisemitischer Einstellungen untersucht. Es wird explizit zwischen den Deprivationsdimensionen unterschieden und getestet, inwiefern Antisemitismus mit Deprivationserleben zusammenhängt. Antisemitische Einstellungen werden dabei mittels eines Antisemitismus-Indexes gemessen. Dieser Index setzt sich aus insgesamt vier Items des Allbus-Datensatzes von 2016 zusammen, die auf einer Likertskala nach der Zustimmungsstärke zu unterschiedlichen antisemitischen Vorurteilen abfragen. Die soziale Deprivation wird in absolut und relativ unterschieden und mit drei Items, ebenfalls aus dem Allbus-Datensatz erhoben. Weiterhin folgt dann noch die Berücksichtigung von zwei Kontextvariablen, um den Einfluss der sozialen Deprivation auf die antisemitische Einstellung einer Person, präziser und unter unterschiedlichen Bedingungen, untersuchen zu können. Die Kontextvariablen bilden die Bundesländer, differenziert in strukturell schwächere (neue Bundesländer) und strukturell stärkere Regionen (alte Bundesländer) und der durchschnittliche Schulabschluss auf Länderebene.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Erläuterung zentraler Begriffe
- Antisemitismus und seine Erscheinungsformen
- Theoretischer Hintergrund
- Strukturprinzip der „Personifizierung“ nach Haury und Primärquellen zur Erklärung von Antisemitismus
- Deprivationskonzept
- Sozialer Wandel in der Spätmoderne und Herleitung der Hypothesen
- Methoden
- Vorstellung des Datensatzes
- Beschreibung des methodischen Vorgehens
- Empirische Analyse
- Operationalisierung und deskriptive Befunde
- Abhängige Variable: antisemitische Einstellung
- Unabhängige Variable: absolute Deprivation (Schichtzugehörigkeit)
- Unabhängige Variable: absolute Deprivation (wirtschaftliche Lage)
- Unabhängige Variable: relative Deprivation
- Bivariate Befunde
- Mehrebenenanalyse
- Modell 1: Nullmodell
- Modell 2: Random Intercept mit Kovariaten auf Level 1 und Level 2
- Modell 3: Random-Slope-Modell mit „,cross level interaction” – relative Deprivation
- Modell 4: Random-Slope-Modell mit „cross level interaction” – absolute Deprivation (wirtschaftliche Lage)
- Modell 5: Random-Slope-Modell mit „cross level interaction” – absolute Deprivation (Schichtzugehörigkeit)
- Bestimmung des Modellfit
- Operationalisierung und deskriptive Befunde
- Diskussion der Ergebnisse und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern soziale Deprivation als Ursache für die Übernahme antisemitischer Einstellungen betrachtet werden kann. Dabei wird zwischen absoluter und relativer Deprivation unterschieden und der Einfluss dieser beiden Dimensionen auf antisemitische Einstellungen analysiert. Der Antisemitismus wird mittels eines Antisemitismus-Indexes gemessen, der sich aus vier Items des Allbus-Datensatzes von 2016 zusammensetzt. Die soziale Deprivation wird ebenfalls mit Items aus dem Allbus-Datensatz erhoben, zusätzlich werden zwei Kontextvariablen (Bundesländer und durchschnittlicher Schulabschluss) berücksichtigt, um den Einfluss der Deprivation unter unterschiedlichen Bedingungen genauer zu untersuchen.
- Die Analyse der Zusammenhänge zwischen sozialer Deprivation und antisemitischen Einstellungen
- Die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Deprivation
- Die Berücksichtigung von Kontextvariablen, wie Bundesländer und Bildungsniveau
- Die Messung des Antisemitismus mittels eines spezifischen Index
- Die Verwendung des Allbus-Datensatzes für die empirische Analyse
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Das Kapitel stellt die Forschungsfrage und den theoretischen Hintergrund der Arbeit vor. Es werden die zentralen Begriffe definiert und die Relevanz der Thematik hervorgehoben.
- Erläuterung zentraler Begriffe: Dieses Kapitel befasst sich mit der Definition von Antisemitismus und seinen verschiedenen Erscheinungsformen.
- Theoretischer Hintergrund: In diesem Kapitel wird das Strukturprinzip der „Personifizierung“ nach Haury sowie das Deprivationskonzept erläutert. Zudem wird der soziale Wandel in der Spätmoderne im Kontext der Forschungsfrage betrachtet.
- Methoden: Das Kapitel stellt den verwendeten Datensatz (Allbus) und das methodische Vorgehen der Analyse vor.
- Empirische Analyse: Dieses Kapitel widmet sich der Operationalisierung der Variablen und präsentiert die deskriptiven Befunde. Es werden bivariate Analysen durchgeführt und die Ergebnisse der Mehrebenenanalyse vorgestellt.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, soziale Deprivation, relative Deprivation, absolute Deprivation, Spätmoderne, Allbus-Datensatz, Mehrebenenanalyse, Personifizierung, Strukturprinzip, Bildungsabschluss, Bundesländer, Index, strukturelle Schwäche
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Zusammenhang zwischen sozialer Deprivation und Antisemitismus?
Die Arbeit untersucht, ob das Erleben von Benachteiligung (Deprivation) dazu führt, dass Menschen antisemitische Vorurteile übernehmen, oft als Folge von Sündenbock-Mechanismen oder Personifizierung von Problemen.
Was unterscheidet absolute von relativer Deprivation?
Absolute Deprivation bezieht sich auf den tatsächlichen Mangel an Ressourcen (z.B. geringes Einkommen), während relative Deprivation das Gefühl beschreibt, im Vergleich zu anderen Gruppen ungerechtfertigt schlechter gestellt zu sein.
Welcher Datensatz wurde für die Analyse verwendet?
Die empirische Analyse basiert auf dem Allbus-Datensatz von 2016, einer repräsentativen Umfrage zur Einstellung der deutschen Bevölkerung.
Spielt das Bildungsniveau eine Rolle bei antisemitischen Einstellungen?
Ja, der durchschnittliche Schulabschluss auf Länderebene wurde als Kontextvariable berücksichtigt, um zu prüfen, wie Bildung den Einfluss von Deprivation auf Vorurteile abmildert.
Gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland?
Die Arbeit differenziert zwischen strukturell schwächeren (neue Bundesländer) und stärkeren Regionen (alte Bundesländer), um regionale Dynamiken beim Zusammenhang von Deprivation und Antisemitismus zu erfassen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2022, Antisemitismus im spätmodernen Zeitalter. Der Einfluss sozialer Deprivation auf die Übernahme antisemitischer Einstellungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1322115