Jugendsprache(n) im Deutschen

Eine Einführung


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wann und wo sprechen Jugendliche Jugendsprache?

3. Merkmale der deutschen Jugendsprache
3.1 Lexikalische Elemente
3.2 Syntaktische Elemente
3.3 Kritische Betrachtung der Merkmale

4. Jugendsprache und Erwachsenensprache- Abgrenzung oder Auflehnung?
4.1 Erwachsenensprache aus Sicht der Jugendlichen
4.2 Dialoge zwischen Erwachsenen und Jugendlichen
4.3 Abgrenzung oder Auflehnung

5. Jugendsprache als Träger der Sprachveränderung?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kein Kind mehr, aber auch noch längst nicht erwachsen: Jugendliche sind um ihre Situation wahrlich nicht zu beneiden. Um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, konstruieren sich Jugendliche ihre eigene Welt. Ob Kleidung, Aussehen, Umgangsformen oder Sprache: Nahezu alles wird verwendet, um den in dieser Lebensphase nötigen Schritt zur Emanzipierung von Eltern und Erwachsenen zu vollziehen und sich eine eigene Identität aufzubauen. In der vorliegenden Hausarbeit soll nun vor allem ein Einblick in die aktuelle linguistische Jugendspracheforschung des Deutschen gewährt werden, wobei vor allem geklärt werden soll, was konkret unter dem in der Gesellschaft weit verbreiteten Begriff der „Jugendsprache“ zu verstehen ist, welche Funktionen sie übernimmt und durch welche Faktoren sie begünstigt wird.

Dementsprechend wird zu Beginn der Arbeit zunächst einmal dargestellt, in welchen Situationen und zu welchem Zwecke Jugendliche ihre Jugendsprache verwenden. Im nächsten Schritt erfolgt eine recht detaillierte Darstellung derjenigen lexikalischen und syntaktischen Merkmale, die in der einschlägigen Forschung als typisch jugendsprachlich eingestuft werden, wobei anschließend hinterfragt wird, inwiefern diese tatsächlich repräsentativen Charakter besitzen. Im weiteren Verlauf wird der Fokus auf das Verhältnis zwischen Jugendsprache und Erwachsenensprache gelegt, indem zunächst die Erwachsenensprache aus Sicht der Jugendlichen und schließlich Dialoge zwischen diesen beiden Sprechergruppen beleuchtet werden. Vor allem soll hierbei Antwort auf die Frage gefunden werden, welche Funktion die Jugendsprache gegenüber den erwachsenen Sprechern einnimmt: Abgrenzung oder Auflehnung? Der letzte Aspekt dieser Hausarbeit geht schließlich der Frage nach, ob und inwieweit die Jugendsprache als ein Träger des Sprachwandels im Deutschen betrachtet werden darf, bevor in einem abschließenden Fazit noch einmal alle Ergebnisse zusammengefasst und die aus Platzgründen nicht behandelten Aspekte kurz erwähnt werden.

2. Warum und wann sprechen Jugendliche Jugendsprache?

In der gesellschaftlichen Diskussion wird oftmals unreflektiert von „der“ Jugendsprache gesprochen, welche sämtliche Jugendliche sprechen würden. Doch um sich dem Thema „Jugendsprache“ auf angemessene und wissenschaftliche Weise zu nähern, ist eine differenzierte Betrachtungsweise erforderlich, welche verdeutlicht, unter welchen Umständen Jugendliche jugendsprachliche Ausdrücke verwenden und welches Ziel sie damit erreichen wollen.

So verwendeten Jugendliche nach Schlobinski u.a. keineswegs fortwährend den gleichen Sprechstil, sondern seien durchaus in der Lage, diesen dem jeweiligen Gesprächskontext anzupassen. Typische jugendliche Ausdrucksweisen kämen vor allem in Interaktionssituationen mit Gleichaltrigen („Peer- Groups“) bzw. dem engsten Freundeskreis vor, wodurch ein Gefühl der Intimität und Solidarität unter den Jugendlichen geschaffen werden solle. Auf der anderen Seite werde Jugendsprache auch verwendet, um den Einzelnen innerhalb der Gruppe zu profilieren und dessen Identität sowie Selbstbewusstsein zu stärken. Zu ihrer Selbstdarstellung würden Jugendliche zum einen gerne von ihren besonderen Leistungen berichten, zum anderen dienten Wortspiele dazu, sich als besonders kreativ im Umgang mit der Sprache darzustellen.[1] Zur wichtigsten Methode der jugendsprachlichen Stilbildung wird in der Forschungsliteratur das Bricolage- Prinzip erklärt, worunter zu verstehen sei, „ verschiedene Sprechweisen zu verknüpfen, dabei auf die unterschiedlichsten kulturellen Ressourcen zurückzugreifen und sie in der Kommunikation zu verändern“[2]. Sprächen Jugendliche in vertrauten Gruppensituationen , so würde ein auf gemeinsamem Wissen beruhender Sprachstil verwendet, welcher Gruppenzugehörigkeit nach innen sowie Abgrenzung gegenüber anderen sozialen Gruppen nach außen dokumentieren solle. Hierbei seien häufige und spontane Themenwechsel üblich, da jeder Gesprächsteilnehmer aufgrund des gemeinsamen Vorwissens in der Lage sei, die schnellen gedanklichen Sprünge ohne Verständnisschwierigkeiten mitzumachen. Die gemeinsamen kulturellen Ressourcen könnten etwa aus gemeinsamen Erlebnissen, Filmen oder Musiksongs stammen.[3]

Neben der Gruppe besäße aber auch die jeweilige Gesprächssituation einen großen Einfluss auf den Sprachstil Jugendlicher: So sprächen Jugendliche in Situationen mit Erwachsenen, in welchen bestimmte Verhaltens- und Sprachanforderungen gefordert sind, beispielsweise im Schulunterricht, eher standardsprachlich. In Situationen dagegen, welche von Jugendlichen zum größten Teil selbst bestimmt würden und von Lebhaftigkeit und Emotionalität geprägt seien, fühlten sich die Jugendlichen dazu ermutigt, spielerisch mit ihrer Sprache umzugehen. Erst in einer entspannten Stimmung, offen strukturierten Situation und bei einem hohen Intimitätsgrad innerhalb der Gruppe entfalte sich ihre diesbezügliche Kreativität, „die in flexiblen Stil- und Ebenenwechseln, in vielfältigen Stilbasteleien und in einem Spiel mit Begriffen und Symbolen ihren Ausdruck“[4] fände. Neben der Situations- und Gruppenspezifik könne nach Schlobinski u.a. aber auch die jeweilige psychische und physische Befindlichkeit der Jugendlichen oder das Alter für den Gebrauch von Jugendsprache entscheidend sein, da vor allem jüngere Jugendliche (12- 14 jährige) jugendliche Ausdrücke verwendeten, um emotionale Erregung und Unsicherheit zu bewältigen.[5]

Mit diesem ethnographischen Ansatz wandte sich die Jugendsprachenforschung Ende der 80er Jahre entschieden gegen die Ergebnisse Helmut Hennes, nach welchen sich aus den unterschiedlichen Sprechformen der Jugendlichen der „ ‚sprachliche „Jugendton’ “[6] ergebe. Kritisiert wurde an Hennes Untersuchungsergebnissen, dass diese ausschließlich aus Fragebögen hervorgingen, sich auf die Lexik konzentrierten und dementsprechend die gesprochene Sprache nicht in ihrem jeweiligen situativen und sozialen Kontext beachtet habe, womit der Anschein der „einen“, absolut geltenden Jugendsprache erweckt werden würde.[7]

3. Merkmale der deutschen Jugendsprache

Auch wenn festzuhalten ist, dass es eine allgemein gültige Definition der „Jugendsprache“ nicht geben kann, da hierbei sowohl Gruppe, Situation, Alter als auch emotionales Empfinden berücksichtigt werden müssen, so werden in der Forschungsliteratur doch einige Merkmale genannt, die für die Sprache der Jugendlichen charakteristisch zu sein scheinen, welche im Folgenden exemplarisch dargelegt werden.[8]

3.1 Lexikalische Elemente

So orientierten sich Jugendliche etwa an den gängigen in der deutschen Grammatik vorhandenen Wortbildungsmustern, auch wenn sie diese zum Teil mit neuen Bedeutungen belegen, wie z.B. die „Türkentasche“ für die Plastiktüte des Aldi- Marktes. Ferner werden häufig Prä- und Suffixe wie „ab-“ an Verben angehangen, um Wörter wie „abchecken“ oder „ablachen“ bilden zu können. Ebenso seien in der Standardsprache nicht existierende Suffixe wie beispielsweise „- mäßig“ in „saumäßig“ oder die Substantiv- Bildung durch das feminine –e wie in „Anmache“ oder „Tanke“ beliebt. Jugendtypische Phraseoloexeme seien z.B. „Bock haben auf“, „drauf sein“ oder „etwas von jemandem wollen“. So genannte Sprüche entständen, wenn Phraseologien von den Jugendlichen kreativ verfremdet würden (aus „Ich bin fit wie ein Turnschuh“ wird „Ich bin fit wie ein Affe“).[9] Auch die Ableitung und Loslösung eines Lexems aus einem phraseologischen Gefüge sei keine Seltenheit (aus „das ist ein alter Zopf“ wird „abgezopft“= alt; aus „etwas, das es bringt“ wird „Bringer“). Beliebt seien darüber hinaus analogische Bildungen ohne einheitliche Basisform. So stünden „ausrasten“, „austakten“ und „austickern“ gemeinsam für „die Beherrschung verlieren“.[10] Um Emotionen auszudrücken, benutzten Jugendliche oft Wertungsausdrücke bzw. Verstärkungspartikel wie „total“ „echt“, „voll“, „hyper“, „mega“ oder „super“, welche in der linguistischen Forschung auch Intensiver genannt werden.

[...]


[1] Vgl. Schlobinski u.a., S.174; Elsen, S.266, 273; Zimmermann, S.30.

[2] Schlobinski u.a., S. 112.

[3] Vgl. ebd., S. 101.

[4] Schlobinski u.a., S.210.

[5] Vgl. ebd., S.174-176.

[6] Henne, S. 210.

[7] Vgl. Schlobinski u.a., S.22- 26.

[8] Aufgrund der Vielfalt an lexikalischen und syntaktischen Elementen können nicht sämtliche Besonderheiten aufgeführt werden. Die angeführten Beispiele stammen aus verschiedensten Untersuchungen, die jeweiligen Textbeispiele wurden aus Gründen der Veranschaulichkeit übernommen.

[9] Vgl. Bachofer, S.62.

[10] Vgl. Elsen, S. 269- 270.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache(n) im Deutschen
Untertitel
Eine Einführung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Diachronie und Reflexion über Sprache
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V132216
ISBN (eBook)
9783640381135
ISBN (Buch)
9783640380800
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache(n), Deutschen, Eine, Einführung
Arbeit zitieren
Christopher Deeken (Autor), 2008, Jugendsprache(n) im Deutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132216

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