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Das Phänomen Schuldropout. Missstände und "Verlierer" des deutschen Bildungssystems?

Titel: Das Phänomen Schuldropout. Missstände und "Verlierer" des deutschen Bildungssystems?

Masterarbeit , 2022 , 92 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stefanie Schary (Autor:in)

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Betroffene von Schuldropouts werden als BildungsverliererInnen deklariert und als VersagerInnen stigmatisiert. Diese Stigmatisierung bringt biografische Folgen mit sich, wie die Behinderung der beruflichen Integration, die Einschränkung von Lebenschancen und finanziellen Ressourcen, höhere soziale Risiken und verminderte soziale Teilhabe. Schuldropouts resultieren aus langwierigen Prozessen der Abkopplung von der Schule. Es handelt sich um ein sehr vielschichtiges Phänomen und weist häufig komplexe Problemkonstellationen auf. Die Masterarbeit untersucht das Bedingungsgefüge des Schuldropouts aus institutioneller Perspektive und nimmt insbesondere Bezug auf Missstände des deutschen Bildungssystems, welche Schuldropouts beeinflussen können.

In modernen Bildungsgesellschaften gilt ein hoher Bildungsstand als Schlüsselqualifikation und geht einher mit Status, Ansehen und Privilegien. Durch Bildung werden die Handlungs- und Orientierungsfähigkeit der Individuen gefördert und deren Position in der Gesellschaft gesichert. Das deutsche Bildungssystem hat die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, um jedem Individuum ein passendes Bildungsangebot zur Verfügung stellen zu können. Viele Lernende haben Probleme damit, den Leistungsanforderungen des deutschen Bildungssystems gerecht zu werden. Schlechte Leistungen, Klassenwiederholungen, Rückstufungen, Schulabbrüche und -abgänge ohne Qualifikation sind die Konsequenzen.

Die Vorgaben der deutschen Bildungspolitik lassen vermuten, dass alle Jugendlichen ihre Bildungslaufbahn mit einem Abschluss beenden, welcher sie zum Einstieg in das Berufsleben legitimiert. Sechs Prozent der SchülerInnen sind jedoch nicht in der Lage, die hohen Leistungsanforderungen zu erfüllen und fallen durch das Raster: Sie verlassen die Schule ohne Schulabschluss oder brechen ihre Schullaufbahn ab. Aktuell sind in Deutschland rund 448.000 junge Erwachsene im Alter von 19 bis 25 Jahren weder erwerbstätig noch in einer Bildungseinrichtung (sieben Prozent). Es bilden sich stark divergierende Bildungsläufe heraus, die enorme Differenzen bezüglich der individuellen Lebenschancen implizieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildung als Symbol für Lebenschancen

2.1. Aufgaben und Funktionen des Bildungssystems

2.2. Inklusion als neue Zielsetzung

3. Das Phänomen des Schuldropouts

3.1. Der Weg bis zum Dropout

3.2. Dropout-Typologie

3.3. Bedingungs- und Risikofaktoren

3.4. Strukturelle Auswirkungen

4. Die vermeintlichen VerliererInnen des Bildungssystems – Eine kritische Betrachtung

4.1. Exklusive Solidarität

4.2. Normalität und Stigmatisierung

4.3. Perspektivwechsel

5. Dropout als Antwort auf die Missstände des deutschen Bildungssystems

5.1. Reproduktion sozialer Ungleichheit

5.2. Schule als Selektionsinstanz

5.3. Die Herausforderung der Heterogenität

5.4. Beziehungsebene und soziale Anerkennung

6. Mögliche Lösungsansätze

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Masterarbeit untersucht das Phänomen des Schuldropouts unter einer systemkritischen Perspektive, um zu ergründen, inwiefern strukturelle Missstände im deutschen Bildungssystem zur Abkopplung von SchülerInnen beitragen und welche Rolle Stigmatisierungsprozesse dabei spielen.

  • Bedeutung von Bildung für individuelle Lebenschancen
  • Analyse des Bedingungsgefüges von Schuldropout und Schulabsentismus
  • Kritische Betrachtung der Stigmatisierung von sog. "BildungsverliererInnen"
  • Institutionelles Versagen durch Selektionsmechanismen und fehlende Förderung
  • Perspektivwechsel: Vom individuellen Versagen zur strukturellen Verantwortlichkeit
  • Präventive und interventive Lösungsansätze für Schulen

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Weg bis zum Dropout

Laut Sandra Seeliger (2016) ist der Begriff Schuldropout ein Oberbegriff für das Phänomen des Schulausscheidens, welcher jedoch keine Rückschlüsse auf die Form und Beweggründe zulässt (vgl. Seeliger 2016, S. 26). In den meisten Fällen stellt ein Dropout das Resultat eines langwierigen Prozesses der Abkopplung von der Schule dar und kann in seiner Entwicklung z.T. bis zum Zeitpunkt vor der Einschulung der Betroffenen zurückverfolgt werden (Hennemann/Hagen/Hillenbrand 2010, S. 32). Das Phänomen ist sehr vielschichtig und weist häufig komplexe Problemkonstellationen auf, die Einfluss auf alle Lebensbereiche der Betroffenen nehmen können (vgl. ebd.). Schuldropouts werden von einer Fülle außer- und innerschulischer Faktoren bedingt. Die bedeutsamsten Wirkungsräume sind das Individuum selbst, die Familie, die Schule und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (vgl. Hammond et al 2007, S. 1 ff). Ausgeschiedene Jugendliche sind meist von verschiedenen Risikofaktoren betroffen und befinden sich in persönlichen Lebenskrisen oder Problemlagen. Laut Cathy Hammond et al (2007) bestehen zwischen identifizierten Risikofaktoren komplizierte Wechselwirklungen, die eine Lösung der Situation erschweren können (vgl. ebd.). Darüber hinaus lässt sich keine zuverlässige Prognose über individuelle Entwicklungen zum Dropout aussagen, da die Faktoren unterschiedlich stark ausgeprägt sind und je nach Lebensumständen und Ressourcen wirken können. Jedoch steigt laut AutorInnen die Genauigkeit der Prognosen mit der Kumulation verschiedener Risikofaktoren. Die Bedingungsfaktoren und Wirkungsräume des Schuldropouts werden in Kapitel 3.3 spezifisch beleuchtet.

Eine weitere Erkenntnis der Dropoutforschung ist, dass es sich bei den betroffenen Heranwachsenden um eine heterogene Gruppe handelt. In der Studie von Margrit Stamm (2012) wurde festgestellt, dass Schuldropouts keine ausschließlich sozialstrukturell bedingte Erscheinung darstellen, sondern in Familien mit gehobenem als auch mit geringerem sozioökonomischem Status vorkommen können (Stamm 2012, S. 212 - 214).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Bildung ein und definiert die Problemstellung des Schuldropouts, unterlegt mit der These, dass es sich hierbei um ein strukturelles Problem des Bildungssystems handelt.

2. Bildung als Symbol für Lebenschancen: Dieses Kapitel erläutert den Bildungsbegriff sowie die Funktionen des Bildungssystems und die Inklusion als politische Zielsetzung.

3. Das Phänomen des Schuldropouts: Hier werden Definitionen, Dropout-Typologien, Bedingungsfaktoren und die strukturellen Auswirkungen des Ausscheidens aus der Schule detailliert erörtert.

4. Die vermeintlichen VerliererInnen des Bildungssystems – Eine kritische Betrachtung: Eine kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Sichtweise, Stigmatisierung und der exklusiven Solidarität innerhalb der Leistungsgesellschaft.

5. Dropout als Antwort auf die Missstände des deutschen Bildungssystems: Dieses Kapitel analysiert Institutionelle Versagensfaktoren, die Reproduktion sozialer Ungleichheit und die Selektionsmechanismen der Schule.

6. Mögliche Lösungsansätze: Hier werden präventive und interventive Methoden und Ansätze der Dropoutforschung vorgestellt, um den Schulalltag inklusiver zu gestalten.

7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und bestätigt die These, dass Schuldropouts als systemtheoretisches Problem zu verstehen sind.

Schlüsselwörter

Schuldropout, Schulabsentismus, Bildungssystem, soziale Ungleichheit, Inklusion, Leistungsgesellschaft, Stigmatisierung, Bildungsverlierer, Bildungsbiografie, Schulerfolg, Selektion, Risikofaktoren, Bildungsforschung, Übergangssystem, pädagogische Intervention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem deutschen Bildungssystem und dem Phänomen des Schuldropouts. Dabei wird hinterfragt, inwieweit das System selbst durch Selektion und fehlende Passung dazu beiträgt, dass Jugendliche ihre Schullaufbahn ohne Abschluss beenden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Rolle von Bildung für Lebenschancen, das komplexe Bedingungsgefüge von Schulabsentismus, die gesellschaftliche Stigmatisierung von Betroffenen sowie institutionelle Versagensfaktoren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Schuldropout nicht länger primär als individuelles Versagen zu sehen, sondern die strukturelle Verantwortung des deutschen Bildungssystems bei diesem schmerzhaften Prozess aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufbereitung basierend auf aktueller Fachliteratur und empirischen Studien der Dropoutforschung, um soziologische Konzepte (wie Habitus oder Etikettierungsansatz) auf das Schulsystem anzuwenden.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Bildung, eine Analyse der Dropout-Phänomene, eine kritische Betrachtung der gesellschaftlichen Wahrnehmung der "VerliererInnen" und eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Missständen des deutschen Bildungssystems.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Schuldropout, Bildungsungleichheit, institutionelle Diskriminierung, Leistungsgesellschaft, Inklusion und pädagogische Systemkritik.

Welche Rolle spielt die Differenzierung in "Push"- und "Pull"-Faktoren in der Arbeit?

Diese Faktoren dienen der Analyse der Wechselwirkungen zwischen Schule und Schülern: "Push"-Faktoren stoßen Schüler emotional oder physisch aus dem System hinaus, während "Pull"-Faktoren diese aktiv in das Schulleben einbinden.

Was besagt die These zum "institutionellen Versagen" konkret?

Sie besagt, dass Schulen ihren Auftrag zur Förderung jedes Individuums nicht voll erfüllen, da sie durch starre Strukturen wie das dreigliedrige Schulsystem individuelle Bildungsbiografien eher behindern als unterstützen.

Inwiefern ist das Kapitel über "Mögliche Lösungsansätze" praxisorientiert?

Es bietet einen Überblick über evidenzbasierte Interventionsmethoden (wie z.B. "Check & Connect"), die Lehrkräften helfen sollen, Risikoschüler frühzeitig zu erkennen und gezielter zu fördern.

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Phänomen Schuldropout. Missstände und "Verlierer" des deutschen Bildungssystems?
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Stefanie Schary (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
92
Katalognummer
V1322160
ISBN (eBook)
9783346809544
ISBN (Buch)
9783346809551
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsstand Bildung Gesellschaft Bildungssystem Bildungsangebot Schulsystem Meritokratie Leistungsgesellschaft Gesellschaftsordnung Leistung Bewertungssystem Bildungsinstitutionen Fähigkeiten Klassifizierung Bildungsweg Leistungsanforderungen Überforderung Schulen Schulabbrüche Schulabgänge Qualifikation Bildungspolitik Bildungslaufbahn Schullaufbahn Lebenschancen Schuldropout Bildungsverlierer BildungsverliererInnen Stigmatisierung berufliche Integration soziale Teilhabe Fremdzuschreibungen Bildungsbegriff Orientierungs- und Handlungsfähigkeit moderne Wissensgesellschaft Dropout Dropout-Quote Dropout-Typologie Ursachen Leistungsprinzip kapitalistisches Gesellschaftsmodell Kapitalismus Prävention Intervention Normalitätsvorstellungen Solidarität Exklusion Inklusion Heterogenität Diversität Schulalltag Lehrer Lehrerinnen Lehrkraft inklusive Bildung soziale Partizipation Schulabsentismus Schulaversion Biografie Arbeitswelt Lerngruppe Pädagogik Erziehungswissenschaft Schulausscheiden Abkopplung Wirkungsräume außer- und innerschulische Faktoren Rahmenbedingungen Schulabsentes Verhalten Schulschwänzen Jugendarbeitslosigkeit Übergangssystem Maßnahmen Schulverweigerung Schulmüdigkeit Schulmüde Schulverdrossenheit Anomietheroe Ettiketierungstheorie Kontrolltheorie Individualisierung Individuum Wahlbiografie Bastelbiografie Habitus Bourdieu Illusion der Chancengleichheit Bildungsgleichheit Chancengleichheit Machtmissbrauch Herkunftseffekte institutionelle Diskriminierung Diskriminierung habituelle Disponiertheiten Lehrer-Schüler-Verhältnis Bildungsentscheidungen Reproduktion sozialer Ungleichheit Schule als Sozialisationsinstanz Sozialisation Familie soziale Anerkennung Anerkennung Beziehungsebene Push- und Pull-Faktoren Push- und Pullfakoren Missachtung Qualitätsmerkmale Schulklima Mobbing Schulethos Schülerzentriertheit Gewalt Massenbeschulung Fürsorgepflicht Schüler Schülerin SchülerInnen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Schary (Autor:in), 2022, Das Phänomen Schuldropout. Missstände und "Verlierer" des deutschen Bildungssystems?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1322160
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  92  Seiten
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