Großunternehmen haben die Pflicht, einen nicht-finanziellen Lagebericht zu veröffentlichen. Diese Ausarbeitung setzt sich umreißend mit den Fragen auseinander, welche Zwecke das Corporate (Social) Responsibility Reporting/ Sustainability Reporting (also die Nachhaltigkeitsberichterstattung) verfolgen und welche Effekte es auf die verschiedenen Stakeholder haben kann. Ist der Nachhaltigkeitsbericht mehr als ein Unternehmensinstrument?
Dafür wird in einem ersten kontextualisierenden Kapitel die historische Entstehung der Nachhaltigkeitsberichterstattung skizziert, insbesondere wie sich der anfängliche Fokus auf soziale Belange im Zuge von zunehmenden, durch unternehmerische Nachlässigkeit ausgelösten Umweltkatastrophen und gesellschaftlichen Druck zu einem ganzheitlichen Ansatz hin entwickelt hat, der heutzutage mehrheitlich verfolgt wird. Im darauffolgenden Kapitel wird kurz dargelegt, welche Schritte ein Unternehmen idealtypisch vornehmen sollte, um einen qualitativ guten Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen und zu veröffentlichen. In einem dritten Kapitel werden ausgewählte Faktoren beschrieben, welche die Nachhaltigkeitsberichterstattung beeinflussen können: 1. Einen hohen Einfluss auf die Qualität von Nachhaltigkeitsberichten hat die Einhaltung von in Leitlinien definierten Standards. Die drei wichtigsten Leitlinien der non-monetären Berichterstattung in Deutschland werden kurz vorgestellt. 2. Ob und in welcher Form eine Nachhaltigkeitsberichterstattung überhaupt stattfindet, ist stark abhängig vom gesellschaftlichen Umfeld, in dem Unternehmen agieren. Die nach Schaltegger (2012, 2014) und Schaltegger und Wagner (2006) möglichen verschiedenen Umfelder werden kurz beschrieben. Letztlich hat auch die unternehmenseigene Orientierung einen entscheidenden Einfluss darauf, welcher Fokus bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung vorherrscht und welche Effekte damit einhergehen. Den nach Blaseing (2013) unterschiedlich möglichen Unternehmensorientierungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung widmet sich ein letzter Abschnitt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Kontextualisierung
3. Gegenstandsbestimmung
4. Faktoren der Nachhaltigkeitsberichterstattung
4.1. Faktor „Standard“
4.2. Faktor „Umfeld“
4.3. Faktor „Unternehmensorientierung“
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Funktionen und Effekte der Nachhaltigkeitsberichterstattung und analysiert, ob diese über die Rolle eines reinen Unternehmensinstruments zur Imageverbesserung hinausgeht. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie verschiedene Einflussfaktoren und gesellschaftliche Erwartungshaltungen die Qualität und Zielsetzung der Berichte prägen.
- Historische Entwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung
- Prozessschritte der Berichterstattung: Auditing, Assurance und Reporting
- Einfluss von Standards wie dem UN Global Compact und GRI
- Kategorisierung gesellschaftlicher Umfelder nach dem Schaltegger-Modell
- Unternehmensinterne Motivationslagen und strategische Ausrichtungen
Auszug aus dem Buch
4.2. Faktor „Umfeld“
Ob und wie ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt wird, ist abhängig vom gesellschaftlichen Umfeld. Dieses gilt es zu spezifizieren bevor das Unternehmen den Reporting-Prozess beginnt. Laut Schaltegger (2012, 2014) und Schaltegger und Wagner (2006) kann man die Unternehmensumfelde folgendermaßen kategorisieren:
1. „Trust me“
Das Umfeld „trust me“ geht von einem fast blinden Vertrauen der Gesellschaft in das Unternehmen aus. Wenn überhaupt eine Nachhaltigkeitsberichterstattung stattfindet, so dient sie ausschließlich der internen Kommunikation und Effizienzsteigerung. Die Stakeholder erhalten jene Informationen nicht. Da in einer „trust me“-Welt keine externe und selten eine interne Nachhaltigkeitsberichterstattung stattfindet und im europäischen Raum entweder nicht legal oder durch die Stakeholder unerwünscht ist, ist sie irrelevant.
2. „Tell me“
Unter diesem gesellschaftlichen Umfeld versteht man, dass Unternehmen gesellschaftlich gefordert sind ihre Umwelt- und Sozialaktivitäten offen zu kommunizieren. Dabei hat der entstandene Nachhaltigkeitsbericht einen geringen internen Einfluss und dient lediglich der Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften. Diese Art der Berichterstattung wird größtenteils von den PR-Abteilungen des Unternehmens vollführt und ist nicht zwangsläufig standardisiert oder unabhängig getestet. Solche Berichte tendieren dazu negative Aspekte kleinzureden bzw. positive Aspekte übertrieben darzustellen. Zudem wird oftmals Greenwashing betrieben, d.h. die von dem Unternehmen veröffentlichten Bemühungen bezüglich der Nachhaltigkeit werden extrem übertrieben und entsprechen nur bedingt der Realität, oftmals wird eine Nachhaltigkeit innerhalb der Wertschöpfungskette nicht beachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die regulatorischen Rahmenbedingungen ein und skizziert die Fragestellung, inwiefern Nachhaltigkeitsberichterstattung mehr als nur ein Unternehmensinstrument darstellt.
2. Historische Kontextualisierung: Dieses Kapitel zeichnet den Wandel der Berichterstattung von ersten Sozialbilanzen in den 70er Jahren hin zur heutigen Ganzheitlichkeit unter dem Aspekt der Triple-Bottom-Line nach.
3. Gegenstandsbestimmung: Hier wird der Prozess der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts idealtypisch in die drei Phasen Auditing, Assurance und Reporting unterteilt.
4. Faktoren der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Dieses Kapitel analysiert systematisch die Einflüsse von Reporting-Standards, gesellschaftlichen Erwartungsumfeldern und unternehmensspezifischen Zielen auf die Qualität der Berichte.
5. Fazit: Das Fazit fasst die ökonomischen und strategischen Vorteile zusammen und betont, dass die Berichterstattung zukünftig eine noch stärkere, unternehmenssteuernde Rolle einnehmen wird.
6. Literaturverzeichnis: Dies ist das Quellenverzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Werke und Richtlinien.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeitsberichterstattung, Corporate Social Responsibility, Triple-Bottom-Line, Nachhaltigkeitsstrategie, Stakeholder, Unternehmensführung, EU-Richtlinie, Global Reporting Initiative, Greenwashing, Transparenz, Unternehmensimage, Umweltpolitik, ESG-Kriterien, Unternehmensverantwortung, Managementstrategie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Dynamiken der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen und analysiert deren Funktion als Kommunikations- und Steuerungsinstrument.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Analyse?
Es soll untersucht werden, ob Nachhaltigkeitsberichte lediglich ein Marketinginstrument für das Unternehmensimage darstellen oder ob sie einen tieferen Nutzen für Stakeholder und die nachhaltige Unternehmensentwicklung bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturanalyse, um den Prozess der Berichterstattung sowie die beeinflussenden Faktoren (Standards, Umfeld, Unternehmensorientierung) theoretisch fundiert einzuordnen.
Welche Bedeutung haben die sogenannten "Standards" für die Berichterstattung?
Standards wie die GRI oder der Deutsche Nachhaltigkeitskodex sorgen für Vergleichbarkeit und Qualität, da sie Leitlinien zur Berichterstattung vorgeben und Unternehmen zur Erfüllung definierter Kriterien verpflichten.
Wie lassen sich gesellschaftliche Umfelder nach Schaltegger unterteilen?
Der Autor skizziert vier Stufen: „Trust me“ (intern), „Tell me“ (PR-fokussiert), „Show me“ (zielorientiert) und „Involve me“ (Netzwerk-orientiert).
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse im Bereich der Unternehmensorientierung?
Die Ziele der Berichterstattung variieren zwischen Öffentlichkeits-, Kapitalmarkt- und Managementorientierung, wobei letztere auch zu Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen führen kann.
Warum wird die „Involve me“-Stufe als die herausforderndste bezeichnet?
Sie erfordert eine Kombination aus Outside-In- und Inside-Out-Ansätzen, um in einem Stakeholder-Netzwerk eine tatsächlich transpartente und partnerschaftliche Kommunikation zu etablieren.
Wie unterscheidet sich eine "Tell me"-Welt von einer "Prove to me"-Welt?
Während in der „Tell me“-Welt negative Aspekte oft kleingeredet werden und der Fokus auf PR liegt, ist die „Prove to me“-Welt vom kritischen Hinterfragen geprägt, weshalb hier externe Prüfungen (Assurance) eine zentrale Rolle für das Vertrauen spielen.
- Quote paper
- Maximilian Sidorowicz (Author), 2021, Die Bedeutung des Corporate Social Responsibility Reportings. Ist der Nachhaltigkeitsbericht mehr als ein Unternehmensinstrument?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1322220