In der vorliegenden Arbeit geht es um eine besondere Methode des Qualitätsmanagements in der Sozialen Arbeit. Die Rede ist vom japanischen Modell des Kaizen. Ziel dieser Arbeit ist es zu ermitteln, ob Kaizen eine für die Soziale Arbeit ertragreiche Methode ist ihre Qualität zu sichern und sogar zu verbessern. Dabei geht es weniger um die Methoden der Umsetzung oder die Frage ob das Modell überhaupt in Japan in vollem Umfang eingesetzt wird, sondern in erster Linie um die Frage, ob ein Modell, welches in einer fremden Kultur entwickelt wurde, überhaupt so ohne weiteres in die deutsche Landschaft der sozialen Organisationen übernommen werden kann. Dieser Frage liegt die Annahme zugrunde, dass sich deutsche und japanische Unternehmen vermutlich in ihrer Struktur und Arbeitsweise voneinander unterscheiden, genauso wie dies auch in der Gesellschaft der Fall ist zu sein scheint. In den folgenden Kapiteln werde ich diesen Annahmen und Fragen auf den Grund gehen. Beginnen werde ich zunächst mit einer genauen Beschreibung des Qualitätsmanagements. Was ist Qualitätsmanagement? Warum ist es überhaupt nötig? Das sind zentrale Fragen des zweiten Kapitels. Kapitel 3 beschäftigt sich dann mit dem Begriff der Organisationskultur. Ziel ist es zu klären, ob Organisationen tatsächlich eine eigene bestimmende Kultur aufweisen und ob diese die Qualität der Dienstleistung oder Ware mit beeinflusst. Im Anschluss daran werfen wir einen näheren Blick auf japanische Organisationen. Ziel ist die Ermittlung der Organisationskultur der fernöstlichen Wirtschaft und deren Unternehmen. Ist dies gelungen gilt es im darauf folgenden Abschnitt darzustellen, wie genau die Organisationskultur sozialer Organisationen beschaffen ist. In Kapitel 6 beschreibe ich schließlich das Kaizen-Modell, d. h. seine Methoden und Ziele um zunächst einen guten Überblick darüber zu erlangen und dann gleich im Anschluss zu klären in wie weit dieses System mit der Organisationskultur japanischer Organisationen verwoben ist. Das letzte Kapitel hat schließlich die Aufgabe all die zuvor gewonnen Erkenntnisse miteinander zu verbinden. Welche Unterschiede gibt es zwischen japanischen und deutschen Organisationen? Welche Probleme ergeben sich daraus und ist es darauf aufbauend überhaupt möglich Kaizen in der Sozialen Arbeit einzuführen? Diese Fragen und natürlich deren Beantwortung bilden den Abschluss dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Qualitätsmanagement
2.1 Zum Begriff der Qualität
2.2 Was ist Qualitätsmanagement?
2.3 Warum Qualitätsmanagement?
3. Organisationskultur
3.1 Organisationskultur und Organisationsklima
3.2 Organisationskultur und Qualität – Ein Zusammenhang?
4. Organisationskultur japanischer Unternehmen
4.1 Zaibatsu - Geschichtlicher Ursprung heutiger japanischer Unternehmen
4.2 Kaisha – Charakteristika moderner japanischer Unternehmen
4.3 Die Gruppe – Der Inbegriff japanischer Organisationskultur
5. Organisationskultur sozialer Organisationen
5.1 Geschichte und Tradition sozialer Organisationen als Identitätsindikator
5.2 Struktur sozialer Organisationen
5.3 Das Leitbild als Ausdruck der Organisationskultur in sozialen Organisationen
6. Kaizen
6.1 Kaizen als Werkzeug im Qualitätsmanagement
6.2 Kaizen als Inbegriff japanischer Organisationskultur?
7. Doitsu no Kaizen
7.1 Auf Vergleichskurs zwischen Japan und Deutschland
7.2 Problembereiche der Übertragung von Kaizen in soziale Organisationen
7.3 Doitsu no Kaizen – Ein Qualitätsmanagementmodell für die Soziale Arbeit?
8. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob das japanische Qualitätsmanagementmodell Kaizen auf die deutsche Soziale Arbeit übertragen werden kann, um deren Qualitätssicherung und -entwicklung zu optimieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern kulturell geprägte Organisationsstrukturen eine solche Implementierung beeinflussen.
- Analyse des Qualitätsmanagements in der Sozialen Arbeit.
- Untersuchung des Konzepts der Organisationskultur als Einflussfaktor.
- Vergleich japanischer Unternehmensstrukturen mit deutschen sozialen Organisationen.
- Evaluierung des Kaizen-Prinzips im Hinblick auf kulturelle Kompatibilität.
- Diskussion eines deutschen Weges zur fortwährenden Verbesserung (Doitsu no Kaizen).
Auszug aus dem Buch
Die Gruppe – Der Inbegriff japanischer Organisationskultur
Der Wohlstand der japanischen Wirtschaft ist nicht zuletzt auf den enormen Fleiß der japanischen Beschäftigten zurückzuführen. Trotz des enormen hierarchischen und disziplinarischen Drucks arbeiten japanische Angestellte im Durchschnitt ein Viertel bis ein Drittel mehr als ihre Kollegen in Deutschland oder anderen westlichen Industrieländern. Im Jahre 1992 waren es z. B. 2000 – 2100 Stunden pro Jahr (vgl. Coulmas 1993). Was ist das Geheimnis hinter dieser enormen Disziplin und diesem enormen Arbeitseifer? Die Antwort hierauf sind zwei wichtige Grundbegriffe der japanischen Arbeitswelt: Wa (Konsens/Harmonie) und Ganbaru (beharrlich sein/durchhalten).
Sie bestimmen den Arbeitsalltag des japanischen Angestellten (vgl. Heß 1997). Diesen beiden Grundbegriffen liegen drei bedeutende handlungsleitende Grundmuster zu Grunde: 1) Soziale Harmonie auf Grundlage eines stark ausgeprägten Gruppenverhaltens und der Ablehnung von Individualismus. 2) Hohe Identifikation mit dem Unternehmen bzw. dem Betriebsclan. 3) Hohe Identifikation mit dem Nationalstaat. (vgl. Bobke / Lecher 1990).
Widmen wir uns zunächst dem ersten Punkt. Gruppenarbeit ist nach Heß das wesentlichste Merkmal des japanischen Arbeitssystems. Der japanische Betrieb orientiert sich ganz klar am Prinzip der Gruppenleistung. Für den Mitarbeiter ist es wichtig, dass er sich in die Harmonie der Gruppe einfügt und diese dadurch entstehende Beziehung zur Gruppe bindet den Mitarbeiter. Wir haben bereits gehört, dass es in japanischen Unternehmen keine Stellenbeschreibungen gibt. Alle Aufgaben sind stets gruppengebunden. Wie wichtig das Gruppenprinzip ist, zeigt sich darin, dass selbst japanische Kinder als Teil einer Gruppe aufwachsen und praktisch niemals allein sind. Weder in der Vorschule noch in der späteren schulischen Laufbahn. Das Erziehungsideal liegt nicht in der Ausbildung von Individualismus, sondern in der Fähigkeit zur Anpassung an den Gruppenkonsens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der historischen Entwicklung des Qualitätsmanagements und der Notwendigkeit einer Übertragung auf die Soziale Arbeit vor dem Hintergrund knapper Ressourcen.
2. Qualitätsmanagement: Definition der Qualitätsbegriffe und Vorstellung verschiedener Modelle, ergänzt um eine kritische Betrachtung des Qualitätsmanagements in der Sozialwirtschaft.
3. Organisationskultur: Klärung der Begriffe Organisationskultur und Organisationsklima sowie die Untersuchung ihres Einflusses auf die Qualität von Dienstleistungen.
4. Organisationskultur japanischer Unternehmen: Historische Herleitung und Charakterisierung japanischer Strukturen, die durch Gruppenorientierung und das Konzept der „Kaisha“ geprägt sind.
5. Organisationskultur sozialer Organisationen: Analyse der Struktur und Identitätsbildung deutscher sozialer Organisationen im Vergleich zum japanischen Vorbild.
6. Kaizen: Detaillierte Beschreibung der Kaizen-Philosophie als kontinuierlicher Verbesserungsprozess und dessen Verankerung in der japanischen Unternehmens- und Lebenskultur.
7. Doitsu no Kaizen: Kritische Prüfung einer möglichen Übertragung des Kaizen-Prinzips auf den deutschen Sozialsektor und Entwicklung des Konzepts eines deutschen Weges.
8. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Erkenntnisse zur Frage, ob ein asiatisches Modell unter spezifischen kulturellen Anpassungen in deutschen Organisationen praktikabel ist.
Schlüsselwörter
Kaizen, Qualitätsmanagement, Organisationskultur, Soziale Arbeit, Japanische Unternehmen, Gruppenorientierung, Doitsu no Kaizen, Leitbild, Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Sozialwirtschaft, Identität, Soziale Dienstleistungen, Unternehmenskultur, Effizienz, Kundenorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des japanischen Qualitätsmanagementmodells Kaizen im Kontext der deutschen Sozialen Arbeit unter Berücksichtigung der jeweiligen Organisationskulturen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Qualitätsmanagement, Organisationskultur, die Struktur japanischer Unternehmen sowie die Geschichte und Eigenheiten sozialer Organisationen in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ermitteln, ob Kaizen eine für die Soziale Arbeit ertragreiche Methode ist, um Qualität zu sichern, und ob ein kulturell fremdes Modell auf deutsche Strukturen übertragbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen des Managements mit organisationskulturellen Perspektiven verknüpft und diese für einen interkulturellen Vergleich nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Qualität und Organisationskultur, stellt die japanischen Strukturen den deutschen gegenüber und diskutiert die Herausforderungen der Übertragung von Kaizen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kaizen, Organisationskultur, Sozialwirtschaft, Qualitätsmanagement, Gruppenorientierung und Leitbildentwicklung.
Warum ist Organisationskultur für das Kaizen-Modell so wichtig?
Weil Kaizen in Japan kein isoliertes Instrument ist, sondern tief in der Kultur der Gruppenidentität und Loyalität verwurzelt ist, was die Bedingung für den Erfolg dieses Modells darstellt.
Was bedeutet "Doitsu no Kaizen"?
Es bezeichnet die vom Autor vorgeschlagene Modifikation des japanischen Kaizen zu einem "deutschen Kaizen", das die dortigen Gegebenheiten, wie das Leitbild der Träger, respektiert.
Gibt es einen direkten Widerspruch zwischen Kaizen und der westlichen Arbeitswelt?
Der Autor identifiziert eine Kollision zwischen der kollektivistischen japanischen Philosophie des Kaizen und der individualistischen Prägung des deutschen Arbeitsmarktes.
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- Mathias Schäfer (Author), 2009, Kaizen - Ein japanisches Qualitätsmanagementmodell als Chance für die Soziale Arbeit in Deutschland?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132230