Das Erreichen eines qualifizierten Schulabschlusses ist eine Notwendigkeit. Bekräftigt wird dies durch die Betrachtung von Stellenanzeigen für verschiedenste Ausbildungsberufe auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zumindest das Erreichen eines Hauptschulabschlusses scheint berufsübergreifend eine Voraussetzung zu sein, um sich auf dem ersten Arbeitsmarkt überhaupt etablieren zu können. Um einen solchen qualifizierten Schulabschluss erreichen zu können, sollen alle Kinder und Jugendlichen dieselben Chancen erhalten. Gefordert wird dies auch in der Öffentlichkeit, in Zeitungsartikeln oder Talkshows, in Parteiprogrammen oder politischen Debatten. Bei der Umsetzung der Chancengleichheit, so scheinen sich auch alle Redner*innen einig zu sein, existieren jedoch Hinderungsgründe – prägnant ist dabei die ethnische Herkunft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Scheitern des Übergangs vom Bildungssystem in den ersten Arbeitsmarkt
2.1 Statistischer Überblick über die gescheiterten Schulabschlüsse
2.2 Einflussnehmende Faktoren
2.2.1 Schulabsentismus
2.2.2 Migrationshintergrund
2.2.3 Geschlecht
2.2.4 Unterschiede auf Grund des sozialen Status
2.2.5 Stigmatisierung und die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt
2.3 Unterstützungsangebote in der BRD
2.3.1 Institutionalisierte Maßnahmen auf Bundesebene
2.3.2 Modellprojekte auf Landesebene
3 Konzeptionelle Überlegungen
3.1 Konzepte in der Sozialen Arbeit
3.2 Aufgabe der Schulsozialarbeit im Kontext des Übergangs von der Schule in den ersten Arbeitsmarkt
3.3 Überlegungen zur Gestaltung von Präventionsmaßnahmen
3.3.1 Netzwerkarbeit
3.3.2 Elternarbeit
3.3.3 Praktika und Projektarbeit
3.3.4 Übergang von der Schule in den Beruf
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Scheitern des Übergangs vom Bildungssystem in den ersten Arbeitsmarkt für Jugendliche ohne Schulabschluss, mit einem besonderen Fokus auf Schüler*innen mit Migrationshintergrund, und entwickelt konzeptionelle Handlungsansätze für die Schulsozialarbeit zur Prävention von Bildungsbenachteiligung.
- Analyse der Einflussfaktoren auf Bildungsungleichheit (Schulabsentismus, Migrationshintergrund, sozialer Status).
- Untersuchung der Rolle von Stigmatisierung und Diskriminierung beim Zugang zum Arbeitsmarkt.
- Kritische Reflexion bestehender Unterstützungsangebote und des Übergangssystems.
- Entwicklung schulsozialarbeiterischer Präventionskonzepte mittels Netzwerkarbeit, Elternarbeit und Projektmodulen.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Netzwerkarbeit
Netzwerke dienen dem Lösen von Problemlagen oder dem Erreichen von Zielsetzungen (vgl. Büttner/Voigt 2015, S. 3) und „ent- und bestehen grundsätzlich aufgrund ihrer Potentialität, weniger aufgrund einer vorab konkret festgelegten Verbindlichkeit“ (Schulze 2022, S. 91). Das Potenzial der Netzwerkarbeit beim Übergang vom Bildungssystem in den ersten Arbeitsmarkt ergibt sich bereits aus dem Zusammenspiel von unbesetzten Ausbildungsplätzen und Schüler*innen, die eine Ausbildung anstreben, aber keinen Ausbildungsbetrieb gefunden haben: Im Jahr 2021 waren in Deutschland beispielsweise 63.176 Ausbildungsplätze unbesetzt und das, obwohl es zeitgleich 24.614 unversorgte Bewerber*innen gab (vgl. Statista 2022c, o. S.).
Bezogen auf die Soziale Arbeit werden Netzwerke auch genutzt, um den verschiedenen Ansprüchen des Arbeitsfeldes gerecht werden zu können. Durch die Vielzahl an Arbeitsbereichen und Aufgaben in der Sozialen Arbeit, ist eine Zusammenarbeit zwischen Fachkräften unabdinglich. (vgl. Schulze 2022, S. 93f.) Daraus ergib sich, dass „sich die Fachkräfte der Sozialen Arbeit oft in einem ‚Dazwischen‘ befinden“ (ebd., S. 94), so auch in der Schulsozialarbeit. Beim Übergang von der Schule in den ersten Arbeitsmarkt sind Schulsozialarbeiter*innen vor allem bei der Unterstützung für das Erreichen eines Schulabschlusses und während der Berufsorientierung involviert, beim eigentlichen Übergang in das Arbeitsleben sind die Einflussmöglichkeiten begrenzt (vgl. Pötter 2014, S. 24). Die Zusammenarbeit eines Netzwerks, demnach zwischen mehreren Kooperationspartner*innen bzw. verschiedenen Institutionen, ist für einen reibungslosen Übergang zuständig: Ein Beispiel für ein solches Netzwerk ist das erwähnte Übergangsmanagement. Ein solches Netzwerk besteht aus Schulen, Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, BAs und Arbeitgeberverbänden (vgl. ebd., S. 35), demnach Personengruppen und Institutionen ohne direkten Einfluss auf die Einstellungsverfahren beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt. Ob eine Person eingestellt wird, entscheidet letztlich der*die Arbeitgeber*in.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Themas Übergang vom Bildungssystem in den Arbeitsmarkt und benennt Bildungsungleichheit als zentrales Problem für Schüler*innen, insbesondere mit Migrationshintergrund.
2 Das Scheitern des Übergangs vom Bildungssystem in den ersten Arbeitsmarkt: Dieses Kapitel analysiert statistische Daten sowie Einflussfaktoren wie Schulabsentismus, Herkunft und sozialen Status und beleuchtet bestehende Unterstützungsinstanzen.
3 Konzeptionelle Überlegungen: Das Hauptkapitel erarbeitet theoretische Grundlagen für eine präventive Schulsozialarbeit und stellt konkrete Methoden wie Netzwerkarbeit, Elternarbeit und Projektarbeit zur Förderung benachteiligter Jugendliche vor.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines Umdenkens bei Arbeitgebern und Lehrkräften sowie die sozialpolitische Verantwortung der Schulsozialarbeit.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Übergangsmanagement, Beruflicher Übergang, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Chancengleichheit, Prävention, Schulabsentismus, Stigmatisierung, Netzwerkarbeit, Arbeitsmarktintegration, Soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit thematisiert die Herausforderungen beim Übergang vom Bildungssystem in den ersten Arbeitsmarkt für Jugendliche ohne Schulabschluss unter besonderer Berücksichtigung von Schüler*innen mit Migrationshintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Bildungsgerechtigkeit, Diskriminierung und Stigmatisierung im Bildungssystem sowie die Rolle der Schulsozialarbeit als Akteur in Netzwerken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, konzeptionelle Ansätze zur Prävention von Bildungsbenachteiligung zu entwickeln, um Schülern auch ohne formalen Abschluss den Einstieg in eine Berufsausbildung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und überträgt theoretische Konzepte der Sozialen Arbeit auf das Handlungsfeld der Schule und der Berufsorientierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Einflussfaktoren auf Bildungserfolge analysiert, bestehende institutionelle Maßnahmen kritisch hinterfragt und innovative Ansätze wie Intervision, Supervision und projektbasierte Unterrichtsmodule formuliert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Schulsozialarbeit, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Prävention und beruflicher Übergang.
Welche Rolle spielt die Netzwerkarbeit in diesem Konzept?
Netzwerkarbeit wird als notwendiges Instrument gesehen, um Akteure wie Schulen, Ausbildungsbetriebe und Sozialarbeit zu verbinden und Barrieren bei Einstellungsverfahren abzubauen.
Wie unterscheidet sich die Arbeit in Bezug auf die Pandemie?
Die Arbeit reflektiert, dass die COVID-19-Pandemie Bildungsungleichheiten durch mangelnden digitalen Zugriff und Kontaktbeschränkungen massiv verschärft hat und neue Handlungsbedarfe für die Schulsozialarbeit offenbart.
- Citar trabajo
- Stefan Louwers (Autor), 2022, Ohne Schulabschluss in den ersten Arbeitsmarkt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1322686