Die Entstehung des modernen Terrorismus im 19. Jahrhundert

Der Weg von der Französischen Revolution zur Propaganda der Tat


Hausarbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Französische Revolution als Wegweiser
2.1. Régime de la terreur
2.2. Robespierres Erbe

3. Die Entstehung des Terrorismus im 19. Jahrhundert
3.1. Historische Ausgangslage nach der Französischen Revolution
3.2. Die Begründung des Anarchismus
3.2.1. Max Stirners radikaler Individualismus
3.2.2. Grundzüge des Anarchismus
3.3. Vom Anarchismus zum Terrorismus
3.3.1. Die Propaganda der Tat
3.3.2. Die ersten terrorismustheoretischen Ansätze

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das der Terrorismus kein Phänomen der Neuzeit ist scheint unbestritten, denn „[…] bereits in der Frühgeschichte gab es organisierte Gruppen, die systematisch dem Terrorismus nachgingen.“ (Laquer 1998: S. 16) Doch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts formierten sich die ersten terroristischen Gruppen, welche auch den heutigen Terroristen als Vorbild dienen. Diese Gruppen entstanden natürlich nicht aus dem Nichts und sie unterschieden sich auch nicht zufällig von den ihnen vorausgehenden Verschwörern, Attentätern oder Geheimbünden. Terroristische Organisationen wie die Narodnaya Wolya sind nur das Ergebnis einer politischen und gedanklichen Entwicklung, die im vorletzten Jahrhundert wiederum als Folge der Französischen Revolution stattfand. Deswegen sollen in der vorliegenden Arbeit die wichtigsten Geschehnisse und Gedankengänge analysiert werden, welche zur Entstehung des modernen Terrorismus geführt haben.

Als erstes wird hierbei auf die Französische Revolution, speziell das régime de la terreur, eingegangen, da viele Zusammenhänge im Verlauf der Revolution einen direkten Einfluss auf die Entwicklung des Terrorismus hatten.

Auf diesen Einflüssen aufbauend wird im Hauptteil auf die Entstehung des Anarchismus und des Terrorismus eingegangen, wobei zu Beginn des 3. Kapitels die schwierige innereuropäische Situation in aller Kürze dargestellt worden soll. Anschließend soll dann das Hauptthema charakterisiert und vor allem auf Stirner und Bakunin eingegangen werden, da sie […] die Urheber und Schöpfer der Typen des Anarchismus und seiner Abwandlung im Terrorismus [sind].“ (Leber 1987: S. 13 | im Original Kursiv - M.H.)

Das Geschriebene wird abschließend in einem Fazit verdichtet und die Wichtigkeit für die Entstehung des modernen Terrorismus nochmals herausgearbeitet.

Obwohl die modernen Terroristen sich auf die Marxistisch-Leninistischen Lehren berufen, um ihre verwerflichen Vorgehensweisen oder Ziele zu begründen, sei vor Beginn der Arbeit angemerkt, dass nur am Rande auf Karl Marx und seine Theorien zu sprechen gekommen wird. Die Arbeiten von Marx sind sehr gut dokumentiert und haben das nachfolgende Jahrhundert zweifelsfrei mitgeprägt, allerdings sind „Das Kapital“ oder seine anderen Veröffentlichung für den Verlauf dieser Arbeit im Speziellen nicht von größter Wichtigkeit. So hatte die Auseinandersetzung zwischen Marx und Bakunin, vor allem in der I. Internationalen, zwar einen Einfluss auf das Wirken von Bakunin, doch dieser Einfluss kann hier vernachlässigt werden.

2. Die Französische Revolution als Wegweiser

Bis zur Französischen Revolution war der Begriff Terrorist bzw. Terrorismus völlig unbekannt. Die Popularisierung erfolgte im Jahr 1795 durch den Engländer Edmund Burke, der in seiner Polemik gegen die Französische Revolution schrieb:

Tausende von jenen Höllenhunden, die man Terroristen nannte … und auf das Volk losließ. (Burke nach Hoffman 2007: S. 26 | Auslassung im Original - M.H.)

Gleichzeitig gab Burke, durch die kontextuelle Verwendung der Wertung „Höllenhunden“, dem Begriff auch seine heutige Bedeutung, mitsamt der starken kriminellen Implikation, mit welcher der Terrorismus seither untrennbar verknüpft ist. In Zusammenhang mit der frühen Französischen Revolution war der Terminus durchaus positiv konnotiert, denn Terror diente damals als Staatsgewalt der Revolutionäre und galt in der Zeit Maximilien de Robespierres, zumindest anfänglich als legitimiert und akzeptiert

Abgesehen von der Namensgebung weist die historische Entwicklung der Französischen Revolution auf den ersten Blick keine Parallelen zum heutigen Terrorismus auf. Doch grade die Entwicklung zu einem stark gewaltbasierten und zuletzt korrumpierten Staatsapparat beeinflusste die in den folgenden Jahrzehnten auftretenden ersten Terroristen grundlegend. (vgl. Hoffman 2007: S. 23ff.)

Auf diese Entwicklung soll in folgendem Kapitel anhand einer geschichtlichen Betrachtung der Französischen Revolution eingegangen werden. Der Fokus liegt auf den Jahren 1792-1794, denn das régime de la terreur, welches für die Entstehung des Begriffs Terrorismus grundlegend ist, regierte Frankreich nur 3 Jahre lang.

2.1. Régime de la terreur

Wie oben erwähnt, wurde das Wort Terrorismus zum ersten Mal während der Französischen Revolution verwendet und bezeichnete den systematischen Einsatz von „la terreur“, dem Terror, als Herrschaftsinstrument. Der Terror, bzw. die Gewalt richtete sich anfänglich gegen Gegner der Revolution und Befürworter des „ancien régime“, um den Bedrohungen des neuen politischen Systems Herr zu werden. (vgl. Waldmann 2005: S. 48, Hoffman 2007: S. 23f.)

So sah sich Frankreich in der Endphase der Revolution zwischen 1792 und 1794 starken konterrevolutionären Kräften und subversiven Elementen ausgesetzt, die den nachhaltigen Erfolg der Revolution bedrohten. Außerdem begannen Länder wie Preußen, England und Österreich einen Krieg mit Frankreich zu führen, um das alte Herrschaftsgefüge wiederherzustellen, scheiterten jedoch an einer uneinheitlichen Führung und an Kommandoproblemen in der Heeresführung. Um diesen vielfältigen Bedrohungen für die Revolution entgegenzuwirken, wurden unter der Führung Maximilien de Robespierres diverse Komitees, darunter das „Komitee des öffentlichen Wohles“ geschaffen und mit allen rechtlichen Befugnissen ausgestattet, welche von der Zwangsabgabe und Enteignung bis zur Hinrichtung durch die Guillotine reichten. Repräsentiert wurden die Komitees durch Revolutionstribunale die jedoch nicht nur oberstes Gericht jedes Bezirks waren, sondern auch die oberste Instanz von Tugend und Moral darstellten. (vgl. Parry 1976: S. 49ff.)

Tugend und Moral sah Robespierre als Grundfesten der Revolution an. Er glaubte daran, dass in Friedenszeiten die Tugend die Hauptquelle einer volkstümlichen Regierung sei, „[…] diese aber während revolutionärer Phasen mit dem Terror verbunden sein müsse, damit die Demokratie den Sieg davontragen könne.“ (Hoffman 2007: S. 24) Zusätzlich war er davon überzeugt, dass „[…] alle Herrschaft von der Vernunft ausgehen müsse, dass also das, was rational einsichtig ist, eine schlechthin ideale Ordnung auf Erden zu schaffen in der Lage sei.“ (Leber 1987: S. 11) Allerdings gefährdet jeder diese Ordnung, der die eigenen Bedürfnisse über das Wohlergehen des Volkes stellt. Das gedachte Ideal des Volkes gilt es dessen ungeachtet mit jedem Mittel zu erzwingen. Deswegen wird jeder, der von dem vorgestellten Ideal abweicht als Konterrevolutionär angesehen und vor eines der Tribunale geführt. (vgl. Leber 1987: S.11, Parry S. 55ff)

Die Tugendhaftigkeit und den Sieg der Demokratie als Ziel des Terrors verloren die Komitees und Tribunale allerdings schnell aus den Augen. So blieb es nicht beim Unterbinden von konterrevolutionären Strömungen und dem Verteidigen der Tugend, sondern die Komitees machten von den angesprochenen Rechten immer häufiger und immer willkürlicher Gebrauch. Normale Bürger oder Kaufleute wurden zu Henkern und Richtern ohne dazu ausgebildet und auf die ihnen zugeteilte Macht vorbereitet worden zu sein. Waren es zuerst Adlige und Bessergestellte, die dem Henker vorgeführt wurden, kamen die Verurteilten zum Schluss vor allem aus den armen Bevölkerungsteilen In wenigen Monaten wurden „[…] Tausende aufs Schafott geschickt, wo sie auf dem Höhepunkt der Mordserie in einer Schlange auf die Hinrichtung warten mussten.“ (Waldmann 2005: S. 48, vgl. Parry S. 55ff)

Insgesamt wurden in diesen 3 Jahren der Herrschaft ca. 40.000 Menschen hingerichtet und ca. 400.000 Bürger inhaftiert, um die Ideale der Tugend und der Demokratie zu verteidigen. Letztlich wurden sogar Anwälte verboten und die Erforderlichkeit von Beweisen zur Verurteilung abgeschafft, um die Aburteilung durch die Tribunale noch schneller und endgültiger zu machen. Somit bedeutete der Gang vor das Tribunal auch gleichzeitig den Gang zur Guillotine. (vgl. Waldmann 2005: S. 48, Hoffman 2007: S. 23f., Parry S. 55ff.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung des modernen Terrorismus im 19. Jahrhundert
Untertitel
Der Weg von der Französischen Revolution zur Propaganda der Tat
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Zur neuen Karriere des Krieges
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V132277
ISBN (eBook)
9783640387779
ISBN (Buch)
9783640388158
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Terrorismus, Jahrhundert, Französischen, Revolution, Propaganda
Arbeit zitieren
Michael Heina (Autor), 2008, Die Entstehung des modernen Terrorismus im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132277

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